Analyse

Warum Gesundheitsmanagement für Unternehmen zu einer Kernzkompetenz werden muss

(Grafik: Viktoria Kurpas/Shutterstock)
Lesezeit: 4 Min.
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Bisher galt ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement für viele Unternehmen eher als nettes Incentive. Nach der Coronakrise führt jedoch kaum noch ein Weg daran vorbei.

Nachhaltige Lösungen für ein betriebliches Gesundheitsmanagement sind so gefragt wie nie. Dass die Thematik bis vor Kurzem eher noch ganz unten auf der Agenda der Unternehmen stand, belegen unter anderem Ergebnisse einer Umfrage der Pronova BKK aus dem Jahr 2018: Hier gab ein Drittel der Befragten an, dass ihr Arbeitgeber keinerlei Angebote zur Gesundheitsförderung zur Verfügung stelle. Erst durch die Coronakrise hat das betriebliche Gesundheitsmanagement eine völlig neue Relevanz erfahren. Und das bietet die Chance, umfassende Lösungen endlich flächendeckend und vor allem dauerhaft zu etablieren.

Woran die Unternehmen bisher scheiterten

„Das Thema begleitet Entscheider schon seit einigen Jahren – allerdings eher in Form eines Buzzwords“, berichtet Sebastian Dünnebeil, Gründer und Geschäftsführer des Health-Startups Wellabe. „In der Praxis wurde das betriebliche Gesundheitsmanagement bis zuletzt oft nur alibimäßig umgesetzt und als punktuelle Maßnahme verstanden. Es fehlten sowohl die strategische Einbettung als auch die Nachhaltigkeit.“ Eine Branche, in der sich die Versäumnisse als besonders gravierend herausstellten, ist das Gesundheitswesen, das im Rahmen der Corona-Pandemie in den Fokus der Öffentlichkeit rückte. Neben den ohnehin extremen Arbeitsbedingungen für Ärzte, Kranken- und Altenpfleger kam jetzt auch die Tatsache erschwerend hinzu, dass es oft an den einfachsten Mitteln fehlte, um die eigene Gesundheit sicherzustellen – einerseits aufgrund von Lieferengpässen, andererseits aber auch, weil Schutzmasken und Desinfektionsmittel in Massen aus den Krankenhäusern geklaut wurden.

Negative Auswirkungen eines mangelhaften Gesundheitsmanagements sind jedoch nicht auf einzelne Branchen beschränkt, sondern überall zu spüren. Wirtschaftliche Unsicherheit plus Homeoffice und Kinderbetreuung haben viele Familien hart getroffen – und einmal mehr verdeutlicht, wie schlecht sich Beruf und Privatleben häufig miteinander vereinbaren lassen. „Speziell alleinerziehende Mütter stehen im Homeoffice vor ganz besonderen Herausforderungen“, meint Marco Kainhuber, Gründer und CEO von German Personnel, einem Anbieter von Recruiting-Lösungen. „Remote Work wird zwar immer beliebter, kann aber auch negative Folgen haben: Isolation durch fehlende berufliche Kontakte im Arbeitsalltag, Überforderung im Umgang mit digitalen Tools, Bewegungsmangel und Stress sind nur einige wenige Nebenwirkungen, die ein nachhaltiges betriebliches Gesundheitsmanagement abfedern und vorbeugen kann.“

Diese andauernde Mehrfachbelastung ist untragbar. Martin Kusch, Geschäftsführer des Gesundheitsunternehmens Aeroscan, erklärt, warum: „Aus medizinischer Sicht braucht es vor allem ein leistungsfähiges Immunsystem, um vor Infektionen, insbesondere im Fall des Coronavirus, geschützt zu sein. Gerade das wird aber durch die psychische und physische Überlastung enorm geschwächt.“

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Um medizinischen und pflegerischen Fachpersonal, aber auch gestressten Homeoffice-Mitarbeitern in dieser Ausnahmesituation zu helfen und sie dauerhaft resilient und einsatzfähig zu halten, brachte Aeroscan innerhalb kürzester Zeit diverse Soforthilfe-Programme auf den Markt, die inzwischen von zahlreichen Krankenkassen unterstützt werden. Innerhalb von nur sechs Wochen wurden über 20.000 Accounts gebucht. Noch einmal dieselbe Menge wird derzeit mit Unternehmen und Kostenträgern abgestimmt. „Wir sehen die Lage realistisch: Eine 47-jährige Krankenschwester wird nach einer Zwölf-Stunden-Schicht kein Online-Workout machen. Mit unserem Soforthilfe-Programm fokussieren wir uns deshalb auf den realen Arbeitsalltag in Kombination mit dem Privatleben und bieten konkrete Aufgaben, die sich von den Usern individuell anpassen und direkt umsetzen lassen. Das reicht von simplen Bewegungsübungen beim Kaffeekochen bis zum Meal-Prep-Plan für die nächste Nachtschicht.“

Aeroscan lässt sich einfach an die Wünsche der Nutzenden anpassen und bietet konkrete Aufgaben, die sich einfach umsetzen lassen. (Bild: AOK)

Post-Corona-Ära erfordert einen kurz- und langfristigen Paradigmenwechsel

Die Coronakrise hat die Wahrnehmung der Arbeitgeber, was das unternehmensinterne Gesundheitsmanagement betrifft, auf ungeahnte Weise geschärft. Sebastian Dünnebeil berichtet: „Vor allem das Erkennen der eigenen Risikofaktoren gewinnt gerade noch einmal mehr an Bedeutung.“ Viele Unternehmen sind derzeit dabei, ihren Betrieb wieder hochzufahren. Um die Arbeitnehmer vor dem Ausbruch einer zweiten Coronawelle zu schützen, ist deshalb das Verfolgen einer umfassenden Gesundheitsstrategie unabdingbar. Ein Unternehmen, das sie dabei unterstützt, ist Wellabe. Seit Kurzem stellt das Health-Startup einen medizinischen Schnell-Checkup zur Verfügung, der mit Hilfe mobiler Labore innerhalb von nur 15 Minuten knapp 60 Gesundheitsparameter überprüft. Auf diese Weise lassen sich Risikopatienten und Biomarker, die auf eine Infektion hindeuten, innerhalb kürzester Zeit identifizieren. Zu den Unternehmen, die von dieser Methode bereits Gebrauch machen, zählt unter anderem Amazon.

Im mobilen Labor von Wellabe können innerhalb von nur 15 Minuten knapp 60 Gesundheitsparameter gecheckt werden. (Foto: Wellabe)

Die Etablierung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements wird mit dem Ende der Krise aber keinesfalls an Wichtigkeit verlieren. Ganz im Gegenteil, wie Elton Schwerzel berichtet, der als Regional Director DACH bei dem Software-Unternehmen Talentsoft tätig ist: „Das Thema Gesundheitsmanagement bekommt in Folge der Coronakrise eine völlig neue Dimension. Social Distancing, Hygienevorschriften, Homeoffice-Regelungen und Flexibilität am Arbeitsplatz stehen dabei im Fokus. Ich behaupte jedoch, dass Arbeitgeber langfristig weiterdenken müssen. Es sollte genauso um dauerhafte Prävention, Aufklärung und therapeutischer Beratung gehen. Fitness, Ernährung und auch Stressbewältigung spielen dabei eine wichtige Rolle.“

Und gerade das ist dank modernster Technologien, die sich individuell auf die Bedürfnisse der Unternehmen zuschneiden lassen, so einfach wie nie. Denn um wirklich jedem Einzelnen gerecht werden zu können, bedarf es mehr als einer alibihalber angeschafften One-fits-all-Lösung. Dank diverser Apps und Online-Programme können Arbeitgeber jetzt die Maßnahmen anbieten, die ihre Mitarbeiter benötigen, um gesund und zufrieden zu bleiben, und diese bei Bedarf genauso flexibel anpassen.

Betriebliches Gesundheitsmanagement als Wettbewerbsvorteil

Doch für Unternehmen lohnt sich ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement nicht nur, weil die Produktivität durch gleichbleibend vitale Teams auf einem hohen Level gehalten werden kann. In manchen Branchen wird es bereits in naher Zukunft darüber entscheiden, ob sie überhaupt noch qualifizierte Mitarbeiter für sich gewinnen können. Infolge der Coronakrise steht dem deutschen Arbeitsmarkt eine enorme Umwälzung bevor.

Die Schere zwischen Berufen, die zunehmend an Relevanz verlieren, und jenen, bei denen sich der Fachkräftemangel weiter zuspitzt, geht weiter auseinander. Besonders Pflegepersonal wird deshalb in den nächsten Jahren noch schwieriger zu finden sein. Gleichzeitig werden sich aber auch Homeoffice- und Remote-Konzepte immer weiter verbreiten und erfordern deshalb neue Herangehensweisen. „In unserem digitalen Zeitalter gehört es dazu, dass sich Bewerber bereits im Vorfeld über die Mitarbeiterwertschätzung innerhalb eines Unternehmens informieren. Um im War-for-Talent bestehen zu können, ist es unerlässlich, durch interne Angebote wie Remote-Sport oder Remote-Networking für Zufriedenheit bei Arbeitnehmern sorgen“, rät Marco Kainhuber von German Personnel.

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Ein Kommentar
abc
abc

Jeder ist selbst für seine Gesundheit verantwortlich.
Weder Arbeit- noch Gesetzgeber haen die Kompetenz oder das Recht sich in Fragen der Gesundheit einzumischen.
Abgesehen von der Einhaltung des geltenden Rechts und der Regeln haben die gar nix zu sagen und das aus guten Grund.

Antworten

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