Interview

Besserer Schlaf, konzentrierteres Arbeiten: Endel macht das mithilfe personalisierter Klangwelten möglich

(Bild: Endel)
Lesezeit: 4 Min.
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„Unser Geist und unser Körper sind nicht für die Welt geeignet, in der wir uns in letzter Zeit befinden“, meint Oleg Stavitsky, CEO und Co-Founder der App Endel. Wie er und sein Team mithilfe generativer Klangwelten versuchen, beides miteinander in Einklang zu bringen, verrät er im t3n-Interview.

Am 22. Juni öffnet die WWDC wieder ihre Pforten – aufgrund der andauernden Corona-Pandemie diesmal allerdings ausschließlich per Livestream. Dennoch hat Apple auch in diesem Jahr wieder einige Entwickler bekannt gegeben, die bereits im Vorfeld aus der Masse heraus stachen. Dazu gehören unter anderem die Macher der App Endel, die durch personalisierte Klangwelten Schlaf-, Entspannungs- und Konzentrationsphasen verbessern soll. Für Oleg Stavitsky, CEO und Co-Founder von Endel, ist das eine große Ehre. Er sagt: „Der App-Store hat von Anfang an eine große Rolle für uns gespielt und wir entwickeln Endel mit Blick auf das gesamte Ökosystem von Apple, damit sich unsere intelligenten Klangwelten Umgebungen anpassen und den Nutzern überallhin folgen können.“ Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was das Besondere an Endel ist.

t3n: Was unterscheidet Endel von Alphawellen und Musiksequenzen, die auf Youtube oder Spotify verfügbar sind?

Oleg Stavitsky: Der Endel-Algorithmus wurde aus einer Synthese von künstlerischer Denkweise, wissenschaftlichem Ansatz und Spitzentechnologie entwickelt. Er verwendet die persönlichen Daten eines jeden Nutzers und generiert daraus endlose, individuelle Klangströme. Das Smartphone ist unser täglicher Begleiter und es weiß bekanntlich sehr viel über uns. Abgesehen von unseren sensiblen, persönlichen Informationen gibt es so viel mehr nützliche Daten, die helfen können, Körperfeedback zu erhalten: Herzfrequenz und Bewegungstyp zum Beispiel, um nur zwei zu nennen. Letztlich ist es genau diese Personalisierung, die dafür sorgt, dass der Sound tatsächlich funktioniert – und den Menschen hilft, sich zu konzentrieren, zu entspannen und zu schlafen. Wir stehen erst am Anfang dieser Reise und sehen noch viele weitere Möglichkeiten, Endel durch das Hinzufügen weiterer Parameter und Medien zu verbessern.

t3n: Was hat euch zur Entwicklung eurer App inspiriert?

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Ein Ausgangspunkt dafür war die generative Musik, bei der unterschiedliche musikalische Kompositionen durch ein Regelsystem immer wieder neu entstehen. Dieses künstlerische Konzept wurde bereits in der Mitte des 20. Jahrhunderts von einer Gruppe visionärer Komponisten geschaffen. Das hat uns sehr inspiriert und mithilfe der heutigen Technologie haben wir die Idee weiterentwickelt, endlose Klänge erzeugen können.

t3n: Und welche Technologie steckt konkret dahinter?

Der Algorithmus, den wir verwenden, verarbeitet Informationen über den individuellen Zustand des Nutzers und erzeugt eine Klanglandschaft, indem er einzigartige Kombinationen von Klangsequenzen, Sound-Schichten und Effekten konstruiert. Der grundlegende Input für das gesamte System ist unser Biorhythmus: Ruhe-Aktivität- und Schlaf-Wach-Zyklen steuern die vitale Leistung von uns allen – und zwar Tag und Nacht. Nachdem wir die ersten Tests durchgeführt hatten, fügten wir weitere individuelle Faktoren in das Regelwerk unseres Algorithmus ein, darunter beispielsweise Herzfrequenz, Bewegungsart oder auch das aktuelle Wetter. Unsere Klanglandschaften richten sich also nach den individuellen Voraussetzungen des Benutzers und seinem biologischen Rhythmus aus und können ihm so dabei helfen, die Herausforderungen des Alltags besser zu bewältigen.

t3n: Was denkst du, warum ist der Bedarf nach Sounds, die dabei helfen, zu entspannen oder fokussiert zu arbeiten, derzeit so hoch?

Der Mensch ist ein zerbrechliches System und es scheint, dass unser Geist und unser Körper nicht für die Welt geeignet sind, in der wir uns in letzter Zeit befinden. Die Angst- und Depressionsraten sind so hoch wie nie zuvor und zwei Drittel der Erwachsenen in den entwickelten Ländern bekommen nicht genug Schlaf. Das ist das Ergebnis unserer modernen Lebensweise und der Entwicklung unserer heutigen Technologien. Der Wunsch nach mehr Achtsamkeit im Alltag kann als Hinweis darauf verstanden werden und die Menschen integrieren verschiedenste Methoden in ihren Alltag, um dies besser umzusetzen. Endel ist eine weitere, brandneue Lösung, die in diese Richtung geht. Unser Ziel ist es, den Menschen eine technische Hilfestellung zu bieten und die Technologie, die unsere Psyche und Gesundheit in erster Linie ruiniert hat, dabei für die Zukunft des Wohlbefindens einzusetzen.

t3n: In eurer App unterscheidet ihr verschiedene Sound-Kategorien. Worin besteht hier jeweils konkret der Unterschied?

Es handelt sich um funktionale Klanglandschaften, die für verschiedene Zwecke geschaffen wurden: Fokussieren, Entspannen, Schlafen, Aktivität – und jede von ihnen tut genau das, wozu sie bestimmt ist. Anstatt viele verschiedene Sound-Welten für undefinierte Zwecke zu schaffen, konzentrieren sich unsere Entwickler und Komponisten darauf, die wesentlichen Phasen des Alltags abzudecken.

t3n: Wie muss man sich die Aufnahme einer solchen Sequenz vorstellen?

Das Erstellung unserer Klangwelten als „Aufnahme“ zu bezeichnen, ist eine falsche Vorstellung, da es in Endel keine vorher aufgenommenen Stücke gibt. Die Klänge, die der Nutzer während seiner Sitzung hört, sind jedes Mal einzigartig, da sie aus verschiedenen Faktoren in unzähligen Kombinationen erzeugt werden. Man kann sich den Vorgang stattdessen als eine Art luziden Computercode vorstellen, der von einem Musiker mit endlosen, massgeschneiderten Klängen und Instrumenten geschaffen wird.

t3n: Ist eure App für jeden geeignet oder gibt es auch Menschen, die Endel nicht nutzen sollten oder bei denen die Sounds nicht „funktionieren“?

Im Grunde kann jede Person Endel verwenden. Nachdem der Algorithmus den Klang personalisiert hat, werden die Klanglandschaften jedes Mal persönlich auf den jeweiligen Nutzer und niemanden sonst zugeschnitten. Aus biologischer Sicht passt unsere Technologie also für jeden. Aber natürlich können die erzeugten Klänge für manche Menschen unangenehm sein. Wer Endel nutzen möchte, muss allerdings verstehen, dass die Klänge nicht wie Musik funktionieren und nicht dafür konzipiert wurden, bewusst gehört zu werden. Vielmehr geht es um die Gesamtästhetik und das Ambiente, das durch sie erzeugt wird.

t3n: Warum ist Endel auch über Alexa oder auf Twitch verfügbar? Reicht es nicht, wenn sich die Nutzer Endel auf dem Smartphone installieren?

Unsere App wurde von Anfang an im Sinne eines holistischen Ökosystems geschaffen. Die Probleme, mit denen wir es zu tun haben, sind universell, deshalb sind wir der Meinung, dass das auch unsere Technologie sein sollte. Sie muss allgegenwärtig und für den Nutzer immer verfügbar sein, wenn er sie gerade braucht. Unsere Klangwelten sind dabei nur der erste Schritt für Endel. Wir planen, in Zukunft zu einer Umgebungskonstruktion als Ganzes überzugehen.

t3n: Danke für das Gespräch.

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