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Ratgeber

Warum man UX-Trends im Januar genauso wenig braucht wie Erdbeerbowle zu Silvester

(Foto: Daxio Productions / Shutterstock)

Zum Jahresanfang stapeln sich die Trendberichte für so ziemliche jede Branche. Doch dabei sollte über Trends hinausgeblickt und auf Erfahrungen gebaut werden, sagt unsere Gastautorin.

Erdbeerbowle zu Silvester klingt bei der Planung nach einer tollen Idee, doch am 1. Januar steht sie häufig drei Viertel voll in der Küche – und der Teil, der fehlt, sorgt noch immer für Kopfschmerzen. So ähnlich geht es mir mit den Trendsammlungen für 2018: Sie klingen zunächst vielversprechend, enthalten dann aber meist wenig Außergewöhnliches und hinterlassen eher einen faden Nachgeschmack.

Eher Standards als Überraschungen

Wie jedes Jahr sprießen wieder Zusammenstellungen von Trends für die Zukunft aus dem Boden. Und wie schon die Jahre zuvor ist auch im User-Experience-Bereich wenig Neues und Überraschendes dabei. Im Gegenteil: Viele Trends sind Standards, die bereits fester Bestandteil der täglichen Projektarbeit der meisten UX-Designer sind. Dazu gehören neben Full-Screen-Videos und Microinteractions beispielsweise auch Maßnahmen zur Barrierefreiheit. Auf der anderen Seite werden revolutionäre Entwicklungen aufgezählt. Die sind zwar sehr spannend, aber in der Realität noch selten zu verwirklichen. Virtuelle Realität, Biometrische Authentifizierung oder Synesthetic Feedback spielen selbst bei vielen international agierenden Kunden für neue Webseiten oder digitale Anwendungen keine Rolle.

Was die Welt wirklich bewegt

UX-Designer sollten sich daher folgende Fragen stellen: Was tragen wir mit ins neue Jahr? Und was wird uns und die Kunden im Bereich UX bewegen? Bei der Arbeit an vielen individuellen Lösungen sind doch trotz unterschiedlicher Ergebnisse ähnliche Herausforderungen zu beobachten. Außerdem zeigt die Erfahrung, dass es einige Strömungen gibt, die langfristig Bestand haben, sodass sich acht Learnings ergeben, die UX-Designer mit ins Jahr 2018 nehmen sollten.

1. Siegeszug der Nutzersicht

Die wohl wichtigste Entwicklung: Die nutzerzentrierte Sichtweise hält in immer mehr Unternehmen Einzug und wird fester Bestandteil ihrer Ausrichtung und Philosophie. Der Wille zur Innovation ist da. Doch hakt es oft noch bei der Umsetzung und Skeptiker, die Verantwortung tragen, müssen erst überzeugt werden. UX-Designer müssen hier nicht nur ihre Rolle als Strategen erfüllen, sondern ebenso beraten und bei Verantwortlichen überzeugen.

2. Design-Thinking ist ein zartes Pflänzchen

Methoden des Design-Thinking werden vermehrt in Unternehmen genutzt, um neue Ideen und Lösungen aus Anwendersicht zu entwickeln. Meistens braucht das Pflänzchen jedoch Wachstumshilfe. Als UX-Designer braucht es hier besonders hohes Empathievermögen: Erst wenn man den Kunden und seine Ziele richtig verstanden hat, kann eine Idee bis zum Roll-Out gemeinsam weiterentwickelt werden.

3. Customer-Journey im Fokus

Die Betrachtung der gesamten Customer-Journey rückt immer mehr in den Mittelpunkt. Dabei dient sie nicht nur als Möglichkeit Erkenntnisse über Zielgruppen und Prozesse zu gewinnen. Sie wird bei Entscheidungen herangezogen, damit Maßnahmen stets Hand und Fuß haben und von Verantwortlichen verstanden werden.

4. User-Testing schafft Tatsachen

Wohl jeder Konzepter hat schon mehr als einmal die Aussage gehört: Wir kennen unsere Kunden am besten. Und damit sind ihm häufig die Hände gebunden. Umso erfreulicher ist es, dass mittlerweile Nutzertests, die beispielsweise die Usability eines Produkts auf den Prüfstand stellen, häufig fester Projektbestandteil sind. Die Ergebnisse bilden ab, wie die Kunden wirklich ticken, und schaffen Sicherheit auf Seiten der Entscheider.

5. Service statt Information

Man kann es auf unterschiedlichen Ebenen beobachten: Webseiten wandeln sich vom Informationsmedium zur Serviceplattform. Das erwarten die Nutzer – und gerade Unternehmen im B2B-Geschäft können das für sich nutzen. Der Einsatz von zum Beispiel After-Sales-Services und Onlinekatalogen mit abgestimmten Produktdetails ermöglicht es B2C-Interaktionen auf ihre Geschäftsmodelle anzuwenden. Auf diese Weise können Bestandskunden gebunden und Neukunden gewonnen werden.

6. Individualisierung von Form und Inhalt

Es gehört längst zum Standard, dass Nutzer über sämtliche Geräte auf Webseiten zugreifen können. Und auch die Barrierefreiheit ist häufig bereits fest in Konzept und Design verankert. Es gibt jedoch noch weitere Entwicklungen, die dafür sorgen, dass sich der Inhalt mehr und mehr den Nutzern anpasst statt umgekehrt. Die zunehmende Internationalisierung von Unternehmen erfordert beispielsweise den Zugriff auf Inhalte in verschiedenen Sprachen. Und im Rahmen der Leadgenerierung werden einzelnen Nutzern individuelle Inhalte ausgespielt. Dadurch wird der Begriff der „Responsivität“ von der reinen Anpassbarkeit an die Bildschirmgröße, ausgeweitet: auf die Sprache, körperliche und kognitive Fähigkeiten sowie das individuelle Nutzungsverhalten.

7. Neue Navigationsformen

Es hat sich gezeigt: Hamburger-Navigationen oder Megamenüs sehen zwar gut aus, werden aber häufig den Anforderungen von komplexen Webseiten nicht gerecht. Als Konsequenz müssen neue Lösungen her. Weil die Anforderungen und Nutzergruppen häufig sehr unterschiedlich sind, gibt es darauf nicht eine Antwort: Für jeden Fall muss stets ein individueller Ansatz gewählt werden.

8. Innovation durch Upcycling

Dank Design-Systemen und Pattern-Libraries gibt es für die meisten Anforderungen bereits viele erprobte Lösungen, die auch die Nutzer kennen. Dadurch ist es weder erforderlich noch empfehlenswert, das Rad stets neu zu erfinden. Wiederholen sich dieselben Elemente jedoch, leiden das persönliche Design und die Nutzerorientierung. Daher ist es wichtig, Standards an spezielle Nutzeranforderungen und die Zielsetzungen der Anwendungen anzupassen und so individuelle Lösungen zu schaffen.

Innovation dank Kundenorientierung

Neueste Entwicklungen zu beobachten und in die Arbeit zu integrieren ist sinnvoll und notwendig. Doch anstatt blind einem Trend hinterherzulaufen, ist es wichtig, auf Erfahrungen und Wissen zu vertrauen, um zukunftsträchtige digitale Anwendungen zu entwickeln. Zukunftsorientiertes Arbeiten bedeutet also, neugierig und mutig zu bleiben und neue Entwicklungen zu erproben. Nicht, weil es technisch geht, sondern immer dann, wenn man als Experte davon überzeugt ist: Das bringt Unternehmen und Kunden voran.

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