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Vorsätze einhalten: Was ausgesprochen ist, muss auch passieren

Gute Vorsätze: Nur wer will, kann sich verändern. (Foto: Shutterstock-Dean Drobot)
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Mit dem neuen Jahr kommen die gut gemeinten Vorsätze. Und mit den Vorsätzen die großen Reden. Doch was ausgesprochen ist, muss auch passieren. Ein Kommentar.

Da ist sie wieder, die Zeit der guten Vorsätze. Immer zu Beginn des neuen Jahres nehmen wir uns etwas vermeintlich Großes vor, um nach einigen Wochen dann doch wieder in den alten Trott zu geraten. Studien zeigen, dass nur 30 Prozent der Vorsätze eine realistische Chance haben, sich zu verstetigen. Die ersten Veränderungswilligen geben schon nach drei Wochen ihre Pläne wieder auf. Nach einem halben Jahr ist nur noch die Hälfte dabei. Das ist zutiefst menschlich. Schon Aristoteles hat vor 2.000 Jahren davon berichtet und erklärt, dass sich Tugenden nur durch stetige Übung ausbilden lassen. Wer nicht Willens genug ist, sich zu verändern, wird ruckzuck wieder in alte Verhaltensmuster fallen. Es dauert halt leider etwas, bis sich neue Gewohnheiten etablieren. Einzig und allein: Es ist möglich, wenn man denn will!

Gute Vorsätze: Nur wer will, kann was verändern

Tatsächlich ist das menschliche Gehirn bis ins hohe Alter hinein in der Lage, sich konstant umzuprogrammieren. Scheinbar festgezurrte Vernetzungsmuster, die auf Erfahrungen basieren, können durch neue Vernetzungen überlagert werden. Rein biologisch gesehen haben die guten Vorsätze also auch gute Chancen, ins Alltägliche überzugehen. Das Problem liegt insofern ganz woanders – und viele lesen es nicht gerne: Wenn wir mal ganz ehrlich sind, wollen wir oftmals gar nichts verändern. Denn würden wir es wirklich wollen, würden wir es einfach tun. Stattdessen reden wir uns ein: „Man müsste ja!“. Das fängt schon im Privaten an: „Man müsste ja mehr Sport treiben, man wird nicht jünger.“ Und geht bis ins Berufliche: „Wir müssten viel mehr ‚out of the box‘ denken. Wir sind zu festgefahren.“

Ich spreche übrigens absichtlich vom „Wir“, denn natürlich habe auch ich mir schon privat und beruflich die eine oder andere Sache vorgenommen und sie dann doch wieder schleifen lassen. Dass ich als Gesellschaftsraucher auf Partys in der Lage bin, eine Schachtel am Abend zu killen, ist nicht nur schlecht für meine Gesundheit, der Kater am Tag danach dröhnt meist auch doppelt so hart. Was hab ich mir schon geschworen, das Laster einfach ganz bleiben zu lassen. Vor allem, da ich im Alltag sonst auch nie zur Zigarette greife. Und beruflich gesehen habe ich mir schon so manches Mal geschworen, zu wirklich jeder Printausgabe unseres Hauses einen Fachartikel beizusteuern. Am Ende sind es dann doch nur zwei bis drei statt vier Beiträge pro Jahr. Dass beide Vorsätze scheitern, ist aber eigentlich ganz klar.

„Würde ich es wollen, würde ich es einfach tun. Andere Vorsätze habe ich einmal ausgesprochen und sie bis heute kultiviert.“

Wem mache ich etwas vor: Ich liebe es, nonchalant auf einer Party mit einem Drink in der einen und einer Zigarette in der anderen Hand zu stehen und über das Leben zu philosophieren. Und ich hasse es, der Print-Deadline jedes Mal hinterherjagen zu müssen, weil andere Aufgaben mich davon abhalten, vollends in den Artikel einzutauchen. Dass also beide Vorsätze nicht klappen, hängt schlichtweg damit zusammen, dass sie mir nicht wichtig genug sind. Ich könnte mir auch eine Salzstange statt einer Kippe in den Mund stecken. Und ich könnte in der Printzeit auch einfach alles stehen und liegen lassen und sämtliche Kanäle um mich herum kappen. Aber will ich das? Nein, ich will es nicht. Würde ich es wollen, würde ich es einfach tun. Andere Vorsätze habe ich einmal ausgesprochen und sie direkt kultiviert.

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Ein bisschen nervt mich deshalb diese Zeit, in der die Menschen um mich herum wieder ihre großen Reden schwingen. Wenn sie lauthals von ihren neuen Laufschuhen erzählen, die in wenigen Wochen doch nur wieder in der Ecke liegen. Wenn sie sich vornehmen, ihre leidigen Jobs zu kündigen, um dann doch keine Lust auf zeitfressende Bewerbungsverfahren zu haben. Oder wenn mal wieder der große Kulturwandel vom Arbeitgeber beschworen wird, der dann doch nicht kommt, weil der Kunde oder wahlweise der Markt leider noch nicht bereit dafür ist. Hier eine Auswahl an Ausreden, die dann kommen!

  • „Ah, ja, doof. Da ist leider was dazwischen gekommen!“
  • „Nee, heute geht nicht! Frag mich morgen nochmal“
  • „Das ist leider nicht möglich, mir sind da die Hände gebunden!“
  • „Das lässt sich nicht skalieren!“
  • „[You name it!]“

Mein Plädoyer insofern: Wenn schon groß über Vorsätze gequatscht wird, dann bitte auch wirklich mit Herzblut und dem hundertprozentigen Willen zur Veränderung antreten. Einfach mal die 30 Minuten Lauftraining am Dienstag und Donnerstag fest vor oder nach der Arbeit im Kalender einplanen. Für einen Traumjob muss man etwas tun, also ran an die Recherche, anstatt die nächste Netflix-Serie zu bingewatchen. Und wenn ein Arbeitgeber will, dass seine Mitarbeiter „out of the box“ denken, dann muss er auch Freiräume für kreative Lösungen schaffen und vor allem bereit sein, neue Impulse nicht wieder in erster oder letzter Instanz zu blockieren, weil es unbequem wird. Wenn etwas ausgesprochen ist, muss man es auch angehen. Und wer noch nicht bereit ist das zu tun, sollte seine Vorsätze vielleicht doch erst einmal mit sich selbst ausmachen.

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