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Weltsparen: Wie sicher ist die Geldanlage beim Fintech-Champion?

Wie sicher ist es, Geld über Weltsparen nach Bulgarien oder Zypern zu schicken? (Foto: Weltsparen)

Das Berliner Fintech-Startup Weltsparen hat 100 Millionen Euro von Geldgebern wie Paypal und Index Ventures eingesammelt. Doch lohnt sich die Geldanlage? Sind alle Konten im EU-Ausland sicher?

Insgesamt 100 Millionen hat das Zinsportal Weltsparen von prominenten Geldgebern wie Paypal eingesammelt. Dabei klingt das Konzept reichlich simpel: Der Kunde eröffnet über Weltsparen ein Konto bei einer Bank im Ausland. Und dort kann er Geld anlegen. Die Idee dahinter ist: Wenn es anderswo mehr Zinsen gibt als in Deutschland – warum nicht dort anlegen? Wir schauen uns das Angebot genauer an.

Das Angebot von Weltsparen

Erstmal muss gesagt werden, dass Weltsparen auf den ersten Blick ein erfrischend klares Angebot hat. „Zeit, deine Kröten zu vermehren“, heißt es da auf der Website. Und „Kröten vermehren“ ist in Zeiten von Null-Prozent-Zinssätzen ein vollmundiges Versprechen. Mit genau einem Klick ist man dann auch schon bei schicken Festgeldzinssätzen aus ganz Europa: 1,25 Prozent in Italien, 1,2 Prozent in Portugal, 1,15 Prozent Zinsen in Bulgarien. Dem Geld scheint es gut zu gehen im europäischen Süden.

Hat hier jemand „Süden“ gesagt?

Süden, hat hier jemand „Süden“ gesagt? Genau, denn auf der ersten Seite finden sich (bis auf Lettland) nur Angebote aus dem europäischen Süden, interessanterweise aus Ländern, von deren Banken man oft im Zusammenhang mit Begriffen wie „Rettungsschirm“, „Krise“ oder „herabgestuft“ gelesen hat. Aber dazu später mehr.

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Erstmal, Hut ab! Mit einer simplen Liste und Spalten wie „Zinssatz“, „Laufzeit“, „Bank“ und „Land“ hat Weltsparen schon einen großen Teil der Websites klassischer  Banken in den Schatten gestellt. Versuch doch als Vergleich einmal online herauszufinden, wieviele Zinsen du auf 15.000 Euro für vier Jahre bei der Sparkasse kriegst. Wie sprechen uns dann 45 Minuten (oder gefühlt 27 glückliche-Menschen-im-Abendrot-Stockfotos) später.

Ist das Geld sicher?

Zurück zu Weltsparen. Alle sieben Angebote auf der ersten Seite (Stand 6.2.2019, mein Browser) versprechen über ein Prozent Zinsen. Das ist üppig im Vergleich zu deutschen Banken. Aber ist das Geld in Italien, Portugal, Bulgarien, Lettland und Zypern sicher? Denn, wie wir alle wissen, gehen höhere mögliche Kapitalerträge meist mit höherem Risiko einher. Profit und Risiko sind das unzertrennliche Paar der Finanzbranche. Aber Weltsparen will uns die Sorgen über den europäischen Süden nehmen: „Dank der EU-Richtlinie ist Ihr Sparguthaben bis zum Gegenwert von 100.000 Euro inklusive Zinserträgen pro Bank zu 100 Prozent abgesichert“, heißt es auf einer Erklärseite.

Uwe Döhler, Finanzexperte der Stiftung Warentest, ist sich da nicht so sicher: „Der Haken daran ist: Wir halten nicht alle Anlagen für genauso sicher wie zum Beispiel die der Sparkasse“, erklärt Döhler im Gespräch mit t3n. Rechtlich müsste zwar jedes Land in der EU die Sparguthaben bis zu 100.000 Euro garantieren, so Döhler. In der Praxis kann das aber anders aussehen. „Es gibt in der EU noch keine gemeinsame Einlagensicherung. Jedes EU-Land ist für die eigenen Einlagen zuständig.“ Soll heißen: Die besten EU-Richtlinien nützen nichts, wenn der Staat, der sie erfüllen soll, kein Geld hat.

Nur so sicher wie das EU-Land, in dem die Bank steht

Letztendlich, so Döhler, ist diese „100-prozentige Absicherung“ dank EU-Richtlinie also nur so solide wie die Wirtschaft des jeweiligen EU-Landes. „Bei Festgeldkonten ist unsere Definition von ,sicher‘ folgende: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Zeitpunkt der Rückzahlung oder die Höhe der Zinszahlung nicht eingehalten werden, muss gegen Null gehen. Hierzulande steht dahinter die Wirtschaftskraft Deutschlands, die Anlage bei einer deutschen Bank ist im Vergleich so sicher wie deutsche Staatsanleihen, und die werden mit AAA von den Ratingagenturen bewertet.“

Zwei Drittel der Weltsparen-Konten hält Stiftung Warentest für nicht sicher

Misst man das Bankenangebot von Weltsparen an den Kriterien der Stiftung Warentest, fallen zwei Drittel der bei Weltsparen angebotenen Konten schon mal weg, so Uwe Döhler: „Wir führen eine Liste von Banken, von denen wir abraten. Da tauchen viele Banken von Weltsparen auf. Oder würden Sie Ihr Geld jetzt einer bulgarischen oder rumänischen Bank anvertrauen?“

Wenn deutsche Sparer um Geld in Bulgarien fürchten

Döhlers Warnung ist nicht nur theoretisch: Erst 2014 standen in Bulgarien Banken vor der Pleite. Mittendrin: Die Fibank, über die auch damals schon Deutsche Geld über Weltsparen angelegt hatten, wie das Handelsblatt berichtete.

„Damals mussten einige Kunden einer bulgarischen Bank ein halbes Jahr lang warten, bis mit der Entschädigung überhaupt begonnen wurde“, erinnert sich Döhler. EU-Richtlinie hin oder her.

Fragt man bei Weltsparen nach, beruft man sich dort in Sachen Sicherheit eisern auf die EU-Richtlinie, den politischen Willen dahinter und, dass es bis jetzt immer gut gegangen sei. „Der politische Wille innerhalb der EU als Solidargemeinschaft ist gegeben. Bislang kam es daher in Krisensituationen – selbst in Zypern und Griechenland – noch zu keinem Fall, in dem die gesetzliche Einlagensicherung für Sparer nicht gegriffen hat“, antwortet Weltsparen auf Anfrage von t3n.

Auch dem Sicherheitsverständnis von Uwe Döhler und der Stiftung Warentest widerspricht man bei Weltsparen: Die Kriterien der Stiftung seien nicht branchenüblich, weil sie erstens Banken nach der Bonität ihres Heimatlandes beurteilten und zweitens nur Anlagen aus Ländern mit AA-Rating oder höher empfehlen. „Dagegen gilt branchenüblich eine Anlage mit einem Investment-Grade-Rating bis einschließlich BBB als eine Anlage mit guter Bonität und stabilen Aussichten“, so Weltsparen gegenüber t3n.

Im Bezug auf die Bankenkrise in Bulgarien 2014, bei der auch deutsche Sparer um ihre über Weltsparen getätigten Anlagen bei der bulgarischen Fibank bangten, heißt es aus dem Unternehmen: „Alle Sparer von Weltsparen.de haben ihre angelegten Gelder rechtzeitig und verzinst erhalten. Es gab keinerlei Ausfälle und Zahlungsverzögerungen.“

Für das über Weltsparen angelegte Geld will Weltsparen allerdings nicht selbst haften. „Weltsparen als Plattform beziehungsweise Marktplatz tritt als reiner Vermittler zwischen Kunde und Bank auf […]“, schreibt das Unternehmen. „[…] Im unwahrscheinlichen Fall einer Entschädigungssituation unterstützen wir unsere Kunden selbstverständlich im Rahmen des rechtlich und praktisch Möglichen – beispielsweise mit Kommunikation und Übersetzungshilfen.“

Was heißt das jetzt?

So, was bedeutet das alles? Eigentlich ganz einfach: Folgt man der Argumentation der Stiftung Warentest, ist das Geld, dass man über Weltsparen im Ausland anlegt, nur so sicher wie die Wirtschaft des jeweiligen Landes. Und wie solide diese Wirtschaft ist, kann man hier oder hier nachlesen. Folgt man der Argumentation von Weltsparen ist a) Stiftung Warentest viel zu vorsichtig, und  b) schützt die EU-Richtlinie vor allen Risiken sowie c) ging bis jetzt alles gut.

Ob du jetzt für Null-Komma-irgendwas-Prozent mehr Zinsen dein Erspartes nach Bulgarien oder Zypern schicken willst, musst du dir selbst überlegen. Zumal eine Geldanlage im Ausland auf den zweiten Blick auch noch etwas komplizierter wird: In Bulgarien beispielsweise werden nochmal fünf Prozent Quellsteuer auf die Zinsen erhoben. Die könne man dann aber in Deutschland von der Steuer absetzen, heißt es.

Wenn man dadurch aber den Glückliche-Menschen-im-Abendrot-Stockfotos der Sparkasse entkommt, ist es das vielleicht wert.

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3 Kommentare
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