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Kommentar

Wikipedia löscht wieder Frauen: Die schwierige Kultur einer Enzyklopädie

Der Streit um eine Autorinnen-Liste eskaliert, ein Autorinnenverband wurde gelöscht, ein weiterer beinahe. Einblicke in die Kultur einer Enzyklopädie.

Von Jochen G. Fuchs
8 Min.
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Wikipedia: Der Streit um eine Autorinnen-Liste führt zur Löschung ganzer Verbände.

Das Nornennetz, benannt nach den mythischen Schicksalsfrauen aus den nordischen Götter-Sagen der Edda, ist ein Fantastik-Autorinnenverband, der bis vor kurzem einen Wikipedia-Eintrag hatte. Dann wurde der Eintrag für irrelevant erklärt und gelöscht. Theresa Hannig, eine mit dem renommierten Seraph-Preis ausgezeichnete Science-Fiction-Autorin, stolperte über die Löschung und machte auf Twitter darauf aufmerksam. Der öffentliche Aufruf wurde von einigen Wikipedia-Nutzern als Affront empfunden. In der Folge wurde es abstrus, denn auf einmal sollte auch Deutschlands bedeutendster AutorInnen-Verband des Genres ebenfalls gelöscht werden: das Phantastik-Autoren-Netzwerk (Pan), zu deren 200 Mitgliedern Bestsellerautoren wie Bernhard Hennen, Kai Meyer, T.S. Orgel, Nicole Böhm und eben auch Hannig gehören. Diese offensichtliche Racheaktion, der Umgang mit Frauen im Literaturbetrieb und die Diskussionen in deren Umfeld werfen erneut ein negatives Bild auf die Wikipedia und einzelne Nutzer.

Die Auseinandersetzung rund um Phantastik-Autorinnen und -Verbände

Die Vorgeschichte

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Der Vorfall hat eine Vorgeschichte: Theresa Hannig hat Anfang des Jahres eine Liste mit SF-Autorinnen angelegt. In der Folge hagelte es Gegenwehr, auch die Wikipedia-Seite der Autorin wurde zum Löschen vorgeschlagen. Eine Liste von Autorinnen? Redundanter Vollpfusch, um einen wortführenden Wikipedianer namens WolfgangRieger zu zitieren. Letztlich wurde weder Hannigs Seite noch die Liste der Autorinnen gelöscht, beide entsprachen letztlich den Relevanzkriterien.

Die Auseinandersetzung hat bei den beteiligten Nutzern offensichtlich dauerhafte Ressentiments erzeugt, besonders die Tatsache, dass Hannig die Öffentlichkeit auf Twitter suchte, stieß vielen Nutzern übel auf. Als Hannig sich diesmal auf Twitter für das Autorinnen-Netzwerk Nornennetz einsetzte, tauchte prompt Rieger in der Löschdiskussion zum Nornennetz auf, wetterte wieder über die damalige „vollredundante Pfuschliste der SF-Autorinnen“, unterstellte Eigenwerbung und rief mehr oder weniger zur Löschung des AutorInnenverbandes Phantastik-Autoren-Netzwerk auf. Wieso? Ohne Zweifel, weil Hannig darin Mitglied ist. Prompt erfolgte von einer anonymen IP-Adresse, also ohne Benutzerangaben, ein Löschantrag auf der Seite des nächsten Autorenverbandes.

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Screenshot aus der Nornennetz-Löschdiskussion, beziehungsweise der Prüfung der Löschung bei Wikipedia. (Screenshot: Wikipedia)

Löschung des Nornennetzes

Hannig verwies auf Twitter das Nornennetz darauf, dass der Eintrag gelöscht wurde, weil eine Löschdiskussion ohne Gegenargumente ablief und die Löschung deshalb formal richtig sei. Sie empfahl, die Seite erneut anzulegen und darauf zu achten, dass die Relevanz gut belegt sei. Es stellte sich heraus, dass die Löschung gerade überprüft wurde, was Hannig dann auf Twitter meldete und zur Diskussion aufrief.

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In der dann entstehenden Diskussion um das Nornennetz argumentierten überwiegend weibliche Wikipedia-Mitglieder für den Erhalt des Eintrags, die männlichen Mitglieder überwiegend dagegen, allen voran der Nutzer WolfgangRieger und ein Nutzer namens Brotfried, bei dem es sich laut Benutzerprofil um eine sogenannte Sockenpuppe, um einen Zweitaccount eines anderen Nutzers, handelte.

Als Relevanzkriterium für Verbände gilt eine überregionale Bedeutung. Was das bedeutet, weiß man so genau nicht, denn in den Relevanzkriterien steht wortwörtlich nur „überregionale Bedeutung“, keinerlei weitere Erläuterung. Ein weiteres Relevanzkriterium ist eine besondere mediale Aufmerksamkeit, die der Eintrag über das Nornennetz unter anderem mit Berichten vom NDR in TV und Radiosendungen, einem Podcast und einer Erwähnung auf Focus Online belegte.

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„Erwähnung in ein, zwei Sätzen ist keine Berichterstattung in überregionalen Medien und überregionale Organisation ist keine überregionale Bedeutung. Auch ist das hier keine Abstimmung sondern es zählen Argumente, was heißt, dass es für den Ausgang der LP egal ist wie viele Neuaccounts und Schläfer ihr über soziale Medien mobilisiert oder wo ihr irgendwelche kurze Erwähnung zusammenkratzt“, fuhr Brotfried dann der Nutzerin Celebgil über den Mund. Die wehrte sich: „Echt jetzt? Wo in den Relevanzkriterien steht, dass mehrere überregionale Medien schwerpunktmäßig über eine Vereinigung berichten müssen, damit die notwendige Resonanz beziehungsweise Relevanz belegt ist? Richtig. Nirgends. Diese Interpretation wurde offensichtlich gerade eigens erfunden, um ein Ausschlusskriterium zu konstruieren.“

Damit fiel das passende Schlusswort zu diesem Akt des Dramas. Denn wie in den Relevanzkriterien nachzulesen ist, existiert keinerlei Kriterium, das wortwörtlich verlangt, dass „mehrere überregionale Medien schwerpunktmäßig über eine Vereinigung berichten müssen“. Das Nornennetz wurde trotzdem gelöscht, die Seite zum Phantastik-Autoren-Netzwerk ist nach einer Überarbeitung geblieben.

Die Löschdiskussion um den Phantastik-Autoren-Verband

Obwohl zu Beginn des Diskussion von der Benutzerin Lothen89 klar dargelegt wurde, dass der Löschantrag ein Racheakt ist, spielte das in der weiteren Diskussion keine Rolle: „Löschantrag ist an den Haaren herbeigezogen und stammt wohl aus gutem Grund von einer anonymen IP. Im Rahmen einer weiteren Löschdiskussion[1] wurde gezielt dazu aufgerufen, diese Seite zur Löschung vorzuschlagen.“

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Dieselbe Nutzerin vertrat die Meinung, dass die Relevanzkriterien für das Phantastik-Autoren-Netzwerk klar erfüllt seien, nämlich die überregionale Bedeutung, die mediale Aufmerksamkeit und die signifikante Mitgliederanzahl. Trotzdem zog sich die Löschdiskussion zu diesem AutorInnen-Verband in eine endlose Länge. Das Börsenblatt, mit einer Auflage von über 10.000 die auflagenstärkste Zeitschrift der deutschen Buchbranche, wurde als irrelevant abgetan, Nutzermeinungen mehrfach anhand der Anzahl der Wikipedia-Artikel-Bearbeitungen der jeweiligen Accounts relativiert oder für unwichtig erklärt – und neu in der Diskussion auftauchende Accounts aggressiv als unwichtig oder als Fakeaccounts eingeordnet. Ein anderer Nutzer forderte gar zur Sperrung der Neuaccounts auf. Nur die Meinung alteingesessener Mitglieder scheint von vielen Wikipedia-Mitgliedern als wertvoll betrachtet zu werden.

Die Wikipedia hat sich für die Relevanzkriterien als Qualitätsmaßstab für einen Eintrag in die Wikipedia entschieden. Das wird generell kritisiert, ist aber im Moment das gegebene Regelwerk für Einträge. Dementsprechend ist es verständlich, dass auf die Einhaltung der Kriterien gepocht wird. Weniger verständlich ist es, dass jeder, der bei Wikipedia seine Meinung äußert, vielfach als Selbstdarsteller, Unfähiger oder Fakeaccount abgekanzelt wird.

Viele Wikipedianer berufen sich darauf, dass sie die Einzigen sind, die Wikipedia und seine Relevanzkriterien und Grundprinzipien richtig verstehen. Jede Stimme von außen scheint dazu ungeeignet und ist als inkompetent abzulehnen. Wikipedia-Gründer Jimbo Wales hat in seinen „Statement of principles“ festgelegt, wie die Wikpedia betrieben werden soll. „Neulinge sind jederzeit willkommen zu heißen“, heißt es dort. Und weiter: „Es darf keine Eliten geben, es darf keine Hierarchien oder Strukturen geben, die dieser Offenheit gegenüber Neulingen im Wege stehen.“ Prinzipien, die offensichtlich bei einigen Wikipedia-Nutzern in Vergessenheit geraten sind.

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Aber auch der Grundgedanke hinter den Relevanzkriterien ist in Vergessenheit geraten, wie ein Blick in die Kriterien zeigt.

Die Relevanzkriterien der Wikipedia: Machtspielchen auf der enzyklopädischen Wiese

Die Relevanzkriterien der deutschen Wikipedia werden von vielen Mitgliedern gerade so ausgelegt, wie es in die persönlichen Befindlichkeiten passt. Das Prekäre an der Situation: Die Relevanzkriterien sind eigentlich kein Ausschlusskriterium, das heißt, wenn ein Wikipedia-Artikel die Kriterien erfüllt, hat er enzyklopädische Relevanz, erfüllt er die Kriterien aber nicht, bedeutet das nicht, dass er gelöscht werden sollte oder gar muss. Das erläutert die Einleitung zu den Relevanzkriterien wortwörtlich: „Erfüllt ein Thema die nachfolgenden Kriterien nicht, so muss das nicht zwingend zum Ausschluss dieses Artikelgegenstands führen, es müssen dann aber andere stichhaltige Argumente für dessen Relevanz angeführt werden. Die Relevanzkriterien sind also hinreichende, nicht aber notwendige Bedingungen für enzyklopädische Relevanz.

Dieser gute Grundgedanke scheint im Alltag keine Berücksichtigung mehr zu finden. Stattdessen führen die Ablehnung von öffentlichem Diskurs zu Wikipedia-Beiträgen sowie Ressentiments gegen Neumitglieder wie Theresa Hannig dazu, dass ein renommierter AutorInnen-Verband wie das Phantastik-Autoren-Netzwerk in einer Mischung aus mangelnder Sachkenntnis, nicht nachvollziehbar interpretierten Relevanzkritierien und persönlichen Animositäten in die Schusslinie gerät.

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Die Phantastik-Branche in Deutschland ist recht überschaubar: Der Verband ist der größte und bedeutendste, denn einige der bedeutendsten AutorInnen sind dort organisiert. Pan, wie der Verband kurz genannt wird, ist Mitglied der Deutschen Literaturkonferenz, auf jedem bedeutenden Branchenevent vertreten und organisiert mit dem Branchentreffen der Phantastik in Köln selbst ein mittlerweile begehrtes Event. Mit dem Bekanntwerden des Löschantrags hat eine ganze Branche die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Dass der Wikipedianer PG in der Löschdiskussion darauf beharrt, es wäre sehr wohl Sachkenntnis zur Phantastik-Branche vorhanden, ist an unfreiwilliger Komik nicht mehr zu überbieten. Einen noch besseren Nachweis über mangelnde Sachkenntnis hätte höchstens noch ein Löschantrag für Isaac Asimov belegen können. Es ist kein Problem, dass nicht jeder Wikipedianer tiefere Einblicke in die Phantastikszene hat, das ist eher zu erwarten. Es ist aber ebenso zu erwarten, dass eine Löschdiskussion ergebnisoffen geführt wird und auch Argumente und Belege abgewogen werden.

Der ehemalige Wikimedia-CEO Pavel Richter sieht auf Twitter das Ende der Löschdiskussion um Pan als Erfolg an, er bedankte sich bei den WikipedianerInnen für die Verbesserung des Artikels, der Tweet ist mit dem Hashtag #WikiPrinzipWorks versehen. Ein Löschantrag kann, so erklärt es Richter auf Twitter, auch ein Instrument zur Verbesserung eines Artikels sein.

Diese Erklärung ist richtig, es gibt aber ein großes Aber, das in den Wikipedia-Löschregeln notiert ist: „Eine Löschung ist eine sehr rigide Maßnahme und sollte daher das letzte Mittel sein.“ Sie sollte keine Maßnahme sein, die aus Rache an eine Autorin angestoßen wird und bei der sich dann niemand mehr für die Motivation des Löschantrags interessiert.

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Und gerade bei einer Autorinnen-Liste sollte eine besondere Sensibilität an den Tag gelegt werden, die hier fehlte – was einen Beleg für die strukturelle Benachteiligung von Frauen in der Wikipedia liefert.

Frauen in der Wikipedia: Strukturell benachteiligt und inhaltlich marginalisiert

Es gibt verschiedene Probleme in der Wikipedia: Manchmal stellen die Relevanzkriterien und deren beliebige Auslegung ein Problem dar, manchmal die ausgeprägte Abneigung gegen Neumitglieder und gegen eine Öffentlichkeit außerhalb der Wikipedia. Manchmal aber ist das Problem eine generelle strukturelle Benachteiligung der Frauen und eine sowohl latente als auch offen zur Schau getragene Frauenfeindlichkeit. In den vorliegenden Fällen ist es eine Mischung aus allem.

Die Frauenfeindlichkeit manifestiert sich in den vorliegenden Fällen nicht nur durch diese dokumentierten Einzelfälle, denen eine klare Rachemotivation zugrunde lag, sondern durch den generellen Umgang mit Frauen, in diesem Fall Autorinnen, in der Wikipedia.

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Dass die Scifi-Autorinnenliste nach wie vor als „redundante Pfuschliste“ beschimpft wird, demonstriert ebenso wie die Löschung des Nornennetz, dass es bei der Auslegung der Relevanzkriterien keine Rolle spielte, dass es sich um Frauen handelt. Oder dass es sich beim Nornennetz um das bisher einzige phantastische Autorinnen-Netzwerk handelt. Das hört sich an, als wäre es das Gegenteil von Frauenfeindlichkeit, ist in Wirklichkeit aber ein Beleg dafür, dass für die Marginalisierung von Autorinnen keinerlei Bewusstsein vorhanden ist.

Dass Frauen im Literaturbetrieb quasi unsichtbar sind, spielte in der Löschdiskussion zum Nornennetz keine Rolle. Dabei ist genau das ein Kriterium, das von der Eingangs zitierten Einleitung zu den Relevanzkriterien abgedeckt sein dürfte. Die Unsichtbarkeit von Frauen ist ein unbestreitbares, wissenschaftlich belegtes Problem. Beispielsweise lieferte für den deutschsprachigen Raum die Studie „Sichtbarkeit von Frauen in Medien und im Literaturbetrieb“ des Buchbranchenprojekts #frauenzählen in Kooperation mit dem Institut für Medienforschung an der Universität Rostock dazu eindeutige Ergebnisse: Zwei Drittel aller Besprechungen würdigen die Werke von Autoren, Männer schreiben überwiegend über Männer, Männern steht ein deutlich größerer Raum für Kritiken zur Verfügung.

In einer früheren Version dieses Artikels stand zu lesen dass der Wikipedia-Nutzer WolfgangRieger und der Zweitaccount Brotfried identisch sind, weil der Nutzer Brotfried ebenfalls mit Wolfgang angesprochen wurde. Tatsächlich ist unbekannt wem der Zweitaccount gehört.

Disclosure: Der Autor ist selbst Phantastik-Autor und -Verleger und als solcher Teil der Szene, aber kein Mitglied in einem der genannten Verbände. Seit dem 23. Juli 2019 besitzt der Autor ein mittlerweile verifiziertes Wikipedia-Konto und beteiligt sich aktiv an der Wikipedia. 

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Kommentare (15)

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Merzmensch

Es ist eine traurige Tendenz – Wikipedia, die einst noch unter der Fahne der Aufklärung und Weltverbesserung agierte, scheint in ihren Abgründen sehr reaktionär, mysogyn und fremdenfeindlich sein. Ja, Fremdenfeindlichkeit nicht nur im Bezug auf Gender – sondern auf neue Themen. Vermutlich die Vandalismus-Abwehr-Haltung (eine wichtige Eigenschaft von Wiki-admins, sonst wäre Wiki längst zerschossen) wird von diesen Admins genutzt, um alle abzuschiessen, derer Meinung sie nicht sind.

Peinlich, peinlich, Wiki.

borisch

Deswegen lese ich eigentlich auch nur die englische Wiki, da läuft es, aufgrund der kontrollierenden Menge, wesentlich gesitteter zu. Mir ist dieses elitäre Gehabe einiger kleiner Gruppierungen innerhalb der Wiki bereits mehrfach aufgefallen. Es fühlt sich einfach so an, als hätten diese Personen endlich einmal irgendwie eine Machtposition erhalten und kommen damit absolut nicht klar.

Wie auch im Artikel erwähnt, werden dadurch, wie ich, neue Nutzer stark abgeschreckt, wodurch natürlich die Machtposition gehalten und gestärkt wird. Dass das dann auch noch Personen sind, die von „Frauenghettos“ reden und sonst auch stark sexistische Begründungen und Kommentare ablassen, setzt dem ganzen dann noch die Krone auf.

Für mich hat die deutsche Wiki schon seit Jahren völlig an Relevanz verloren. Glücklicherweise beherrsche ich die englische Sprache und kann mit mit der englischen Wiki aushelfen, was für viele andere Deutsche leider keine Option ist.

Traurig für das Projekt. Aber solange sich so etwas nur im Hintergrund abspielt, wird sich da auch nicht viel ändern. Daher ist solch ein Artikel wie dieser hier sehr wichtig. Vielen Dank auch dafür, liebes t3n-Team.

Peter Schrumm

Wer Gleichberechtigung will, dem sollte das Geschlecht eines Autors herzlich egal sein. Eine List mit ausschliesslich weiblichen Autorinnen widerspricht der Gleichberechtigung. Ansonsten: wie waere es mit einer List ausschliesslich hellhaeutiger Autoren? Klingt irgendwie rassistisch, oder? Waere es auch!

Wikipedia ist nicht der Ort, um SJW-Schlachten zu schlagen.

Ich denke, die Wiki-Admins haben, wie viele andere auch, die Nase voll von dem ewigen Genderquatsch.

borisch

Ich erinnere an die Liste der Nobelpreisträgerinnen (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Nobelpreistr%C3%A4gerinnen) und zahlreiche andere weibliche wie männliche, die herzlich weitergeführt wird. Auch gibt es, offizielle Wikipedia-Kategorien für z.B. (um ein zufälliges land zu wählen) polnische Preisträger. Diese Debatte hat absolut nichts mit SJW zu tun, sondern damit, dass ein einzelner Heavy-User seine Macht und sein Einfluss missbraucht um seinen ganz persönlichen Hass Frauen gegenüber Luft zu machen. Es ist offensichtlich ein Problem des Editors Wolfgang Rieger, der sich als Vorsteher der Literaturabteilung auf Wikipedia versteht und ein generelles Problem mit Frauen hat. Ansonsten kann ich mir Entgleisungen wie „Frauenghettos“, die von ihm mehrfach gefallen ist, nicht erklären.

Peter Schrumm

Auch eine Seite mit nur maennlichen oder nur weiblichen Nobelpreistraegern halte ich fuer unsinnig Was soll das bringen? Es geht um die wissenschaftliche Leistung, nicht das Geschlecht.

In wenigen Ausnahmefaellen mag es Sinn machen, nach Geschlecht zu trennen, naemlich dort, wo dieses eine objektive Rolle spielt, z.B. im Sport.

Wenn es um die Nationalitaet geht, mag es in bestimmten Faellen Sinn machen, z.B. „Franzoesische Praesidenten“. Aber bitte nicht „Maennliche Praesidenten“, „Weibliche Praesidenten“, „Hellhaeutige Praesidenten“, etc.

Ich bin der Meinung, mit „maennlich/weibliche“ Listen wird Geschlechterkampf betrieben. Dafuer ist kein Platz auf der Wikipedia. Dafuer sollte nirgendwo Platz sein!

borisch

Das ist aber der Fall. Es gibt eine Liste für fast jede Nation der Nobelpreisträger. Es gibt eine Liste der ältesten Männer der Welt, wie die der ältesten Frauen der Welt. In einem Schnellvergleich ist stark aufgefallen, dass Wiki-Nutzer solche listen bisher immer bei Frauen zur Löschung beantragt haben, bei Männern aber nicht. Es ist einfach nicht von der Hand zu weisen, dass Wikipedia Deutschland von sexistischen Männern regiert wird.

Anstatt all diese Listen zu löschen um die Löschung der SF-Autorinnen-Liste zu untermauern, kann man auch einfach solche Listen einfach Listen sein lassen. Es tut niemanden weh, dass diese Listen existieren und kann nicht nur Schülern, sondern auch Hobby-Recherchen helfen. Und das ist doch wohl der Sinn hinter eine Wiki, den freien und uneingeschränkten Zugang zu Informationen.

Was tut dir denn eine Liste von Frauen, bzw. Männern, dass diese so unbedingt gelöscht werden muss? Ich glaube mal nichts, außer pure Langeweile oder die künstliche Aufregung. Hauptsache man hat etwas zu tun?

Ich kann auch nur empfehlen, mal in die Löschdiskussionen zu schauen. Da findet man Gründe für Löschungen bzw. die Beantragung der Löschung. Lustigerweise sind es immer der gleiche Schlag Mensch, der dort Löschung beantragt. Der eine redet von „Frauenghettos“, der andere hat ein Bild eines Gemäldes einer nackten Frau, die von einem Mann begafft wird, unter dem er kommentiert „Deshalb liebe ich meinen Job“. Wieder ein anderer rechtfertigt einen Löscheintrag mit „Gleichberechtigung“ und vergisst, wie auch bei der Ablehung des Antrages bestätigt und begründet, dass es bei Wikipedia um Informationen geht, nicht um persönliche Ideologien oder Ausrichtungen. Wer eine Abneigung gegen Listen über Frauen, Männer, Länder oder sonstiges hat, der kann seinem Unmut gerne auf einem Blog Luft machen, aber hat nicht Informationen aus einem Informationsportal zu löschen. Das wurde auch oft genug auf Wikipedia bewiesen, nur haben einige Leute so viel Zeit, dass man ständig versucht Seiten zu löschen, bis man einen anderen Grund findet (nicht ausgebaut genug) bis die Seite dann endlich doch gelöscht wird.

Kann man machen, ist nur falsch. Besonders wenn es so offensichtlich ist, dass man erst Gender als Grund angibt, abgelehnt wird und sich dann zB. als Grund „nicht ausführlich genug“ angibt, nur damit man einen Eintrag über Frauen gelöscht bekommt.

Das ist traurig, sexistisch und falsch. Besonders in einem Informationsportal wie die Wikipedia.

Peter Schrumm

Sinnlose Seiten vermuellen die Wikipedia. Daher sollten Listen nach Geschlecht nur in seltenen Ausnahmefaellen zugelassen werden.

„Aelteste Maenner“ und „Aelteste Frauen“ waere tatsaechlich so eine Ausnahme, denn die Lebenserwartung von Maenner ist nun mal objektiv anders, als die von Frauen.

Aber Frauen schreiben nicht „bessere“ ScienceFiction als Maenner. Oder andersherum. Solche Listen vermitteln ein Bild der Geschlechtertrennung. Ansonsten: warum keine Liste „hellhaeutige Autoren“?

Gut waere es, wenn man Listen anlegen und verwenden wuerde, die sich nach verschiedenen Kriterien filtern und sortieren lassen. Dann kann jeder selber nach Maennern, Frauen, oder was auch immer filtern. Aber dann kann man halt nicht mehr den SJW spielen.

Sicher wird durch den staendigen Genderquatsch auch ein gewisser Gegendruck aufgebaut, der sich dann in entsprechendem „Sich Luft machen“ aeussert.

Unflaetige Bemerkungen sind natuerlich fehl am Platze, da stimme ich zu.
:-)

Marcus Cyron

Sie haben vollkommen recht!

Amuthon

„Aber Frauen schreiben nicht „bessere“ ScienceFiction als Maenner. Oder andersherum. Solche Listen vermitteln ein Bild der Geschlechtertrennung. Ansonsten: warum keine Liste „hellhaeutige Autoren“?“

Es gibt auf der deutschen Wikipedia eine
Liste katalanischer Schriftsteller
Liste flämischer Schriftsteller
Liste jiddischer Schriftsteller
Liste sorbischer Schriftsteller
Liste siebenbürgisch-sächsischer Schriftsteller
Liste baskischer Schriftsteller
Liste Südtiroler Schriftsteller
Liste der slowenischen Schriftsteller und Dichter in Ungarn

und wir diskutieren, ob es eine Liste deutschrachiger Schriftstellerinnen der Phantastik die Wikipedia zumüllen würde? Ernsthaft?

Marcus Cyron

Es gibt zwei Möglichkeiten:

1. man engagiert sich regelkonform als Autorin/Autor in der Wikipedia. Das schafft Reputation, die kann man dann einsetzen um Dinge zu ändern. Der Weg der Gewalt den Frau Hannig von Aussen bestreitet, geht gar nicht.

2. man liest eben Wikipedia nicht mehr. Gibt keinen Zwang dazu. Macht was Eigenes! Lest Bücher! Googelt! Aber lasst uns in in Ruhe arbeiten! Es gibt keinen Anspruch darauf dort vertreten zu sein, es gibt keinen Anspruch zu finden was man sucht.

Wikipedia ist mit keinen Kosten verbunden. Tausende ehrenamtliche Mitarbeitende arbeiten daran, viele jeden Tag. Als einer von denen kann ich nur sagen, daß ich dieses Geheule leid bin. Wenn ihr Wikipedia ach doch so schlecht findet, dann bleibt weg! Wir zwingen euch nicht dahin!

Wolf

Im Gegenteil: wir werden lesen, uns beschweren, editieren wann und wie oft oder selten wir wollen und die Öffentlichkeit suchen wann und wie wir wollen. So wie es die Prinzipien der Wikipedia und der freien Gesellschaft vorsehen. Viel Vergnügen!

Torsten

Vorweg: Ich bin selber Wikipedianer, aktiver Sichter.

Die Kritik ist im Ansatz berechtigt – und dann auch wieder nicht. Hier treffen mehrere unterschiedliche Sichtweisen zusammen, die wohl dem „Freies Netz“-Biotop und dem Wiki-Biotop geschuldet sind. Um’s mal zu simplifizieren.

Die deutsche Wiki war schon immer deutlich restriktiver als z. B. die englische, vor allem was Löschung aus Relevanzgründen betrifft. Der Grund dafür ist in verschiedenen deutschen Eigenheiten zu sehen, die sich grob auf a) Vermüllen der Wikipedia und b) manche verwechseln Wiki mit ’ner Linkschleuder zusammenführen lassen. Das hat verbunden mit dem typisch deutschen Formalismus/bürokratischen Denken und der Angst vor Missbrauch (SEO & Marketingspammer Paranoia) zu einer sehr konservativen Sicht auf Neumitglieder und -beiträge geführt.

Die Konsequenz ist, dass die deutsche Wikipedia deutlich mehr einen formalistischen Enzyklopädiecharakter hat wo Einzelpersonen urteilen „Welches Wissen ist relevant?“ und alles auf’s Wesentliche reduzieren wollen, während die englische eben mehr ein „Was gibt’s (an Wissen) auf der Welt?“ ist.

Und ja, Sexismus kommt da noch verschärfend hinzu.

Ettore Atalan

Einen Artikel bei Wikipedia zu erstellen ist so sinnvoll wie Auto waschen mit einer Stahlbürste.

Stein Gretarsson

„Wikipedia löscht wieder Frauen“ WTF? _Nichts_ wurde gelöscht! Gar nichts! Der Löschantrag auf den Artikel ist bereits am _27. Juli_ fristgerecht mit „behalten“ beschieden worden, übrigens mit sehr viel Wohlwollen des entscheidenden Admins. In der Löschdiskussion haben sich auch Wikipedia-Mitarbeiter wie „Mautpreller“ zu Wort gemeldet, die Erfahrung im deutschen Verlagswesen und in der deutschen Literaturlandschaft haben, und denen man alles mögliche vorwerfen kann, aber ganz sicher nicht Misogynie — und auch diese Mitarbeiter haben auf Anhieb keine klare enzyklopädische Relevanz (und folglich keine missbräuchliche Löschantragsstellung) erkennen können. Was hier betrieben wird, ist die anhaltende Pflege des Narrativs von der ach-so-frauenfeindlichen Wikipedia-„Community“…

lilienbluete

Mal ganz abgesehen davon, dass die Löschdiskussion im vorliegenden Fall zumindest in Bezug auf das PAN (wohl zu Recht) dazu geführt hat, dass der Artikel nicht gelöscht wird, halte ich einige Aussagen in dem Beitrag oben für problematisch.

Punkt 1: Vereinzelte überregionale Berichterstattung belegt natürlich keine Relevanz eines Themas. Der Grund ist ganz simpel: Überregionale Berichterstattung findet auch über tagesaktuelle Ereignisse und Personen oder Verbände statt, die losgelöst von einem bestimmten Thema nicht hinreichend relevant für einen eigenen Artikel sind. Wenn also viele Medien dauerhaft über eine Person berichten, deutet das auf hinreichend Relevanz für einen Artikel hin; berichten wenige überregionale Medien vereinzelt und möglicherweise anlässlich einer bestimmten anderen Thematik, muss man genauer hinschauen. Gegebenenfalls muss man auch prüfen, ob die Person, der Verband, die Vereinigung lediglich insoweit relevant ist, als dass sie im Kontext eines bestimmten Themas auftaucht. So mag beispielsweise ein Homöopathiekritiker nicht ausreichend Relevanz für einen eigenen Artikel haben, aber hinreichend wichtig sein, um unter dem Punkt „Kritik an der Homöopathie“ im Homöopathieartikel der Wikipedia aufgeführt zu werden. Letztendlich sind die Kriterien für Relevanz tatsächlich etwas vage, aber man muss sich immer klar machen, dass die Wikipedia den Anspruch hat, eine Enzyklopädie zu sein. Und eine Enzyklopädie ist nicht dafür da, für jeden einen Artikel aufzusetzen, der aufgrund der Tagesberichterstattung eine gewisse Reichweite bekommt oder der Vereinsvorsitzender des örtlichen Kaninchenzüchtervereins in der Provinz ist und dort das komplette Dorf kennt. Für das PAN lässt sich die Relevanz ohne Weiteres belegen – beim Nornennetz scheint mir das weitaus problematischer. In jedem Fall liegt es bei denjenigen, die den Artikel behalten wollen, darzulegen, dass die Relevanzkriterien erfüllt sind.

Punkt 2: Dass ein Löschantrag höchstwahrscheinlich ein Racheakt ist, hat meines Erachtens keine Relevanz bei der Diskussion, ob die Relevanzkriterien erfüllt sind. Hierfür zählen Argumente. Je bekannter etwas ist, desto einfacher wird es dabei sein, die Relevanz zu belegen. Die Aussage, der Löschantrag sei ein Racheakt, spielt damit zu Recht in einer Diskussion keine Rolle.

Punkt 3: Korrekt ist, dass ein Artikel nicht gelöscht werden muss, wenn er die Relevanzkriterien nicht erfüllt. Gleichwohl muss ein Thema hinreichend relevant für einen Artikel sein. Die Relevanz muss dann eben – wie auch aus dem Zitat ersichtlich – anderweitig belegt werden. Die Ausführungen zum Ende des Artikels halte ich teilweise für untauglich, um eine Relevanz zu belegen: Die Marginalisierung von Frauen bedeutet nicht, dass das aktuelle Thema eine Relevanz hat. Woraus soll sich die Relevanz dabei ergeben? Der Anspruch einer Enzyklopädie ist es nicht, Relevanz dadurch zu schaffen, dass sie unterrepräsentierte Gruppen unterstützt oder Raum für alternative Besprechungen zu anderen Medien schafft, sondern vielmehr, relevante Themen abzubilden. Daher gilt auch für Autorinnen-Listen kein besonderes Rücksichtsnahmegebot alleine aufgrund der Tatsache, dass es sich um Frauen handelt; sondern so eine Liste muss – wie alle anderen Artikel auch – hinreichende Relevanz aufweisen und diese Relevanz muss belegt werden können.

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