Analyse

Wish, die Milliarden-Schrottschleuder: Hintergründe für Kunden und Händler

Die Shopping-App Wish macht mittlerweile über eine Milliarde Dollar Umsatz. (Screenshot: Wish)

Lesezeit: 4 Min.
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Wish, der Onlinemarktplatz für sehr günstige Produkte, gewinnt immer mehr an Relevanz. Vergangenes Jahr soll Wish über eine Milliarde US-Dollar Umsatz erreicht haben. Hintergründe für Kunden und Händler der Wish-Shopping-App in Deutschland.

Eine Milliarde Dollar Umsatz machte der Online-Marktplatz Wish mit seinen Händlern 2017. Der US-Marktplatz verkauft extrem günstige Produkte, darunter auch alberne, sinnlose und qualitativ zweifelhafte Artikel. Auf Youtube ist momentan aufgrund laufender Werbespots kaum ein Entrinnen vor der App möglich. Von vielen traditionellen Marktteilnehmern unterschätzt hat sich der Marktplatz doch recht erfolgreich zwei Alleinstellungsmerkmale geschaffen: der Verkauf an Haushalte mit sehr niedrigem Einkommen und der Verkauf an Nutzer, die keine konkrete Kaufabsicht haben, sondern nur stöbern.

Wish meldet eine Milliarde Dollar Umsatz, Handelsumsatz noch beträchtlich höher

Das US-Portal Cnet berichtet, dass Peter Szulczewski, der CEO und Co-Founder von Wish, in einem Interview mit dem Medium enthüllte, dass das Startup im vergangenen Jahr einen Umsatz von über einer Milliarde Dollar erwirtschaftet habe.

Dabei geht es größtenteils um die Verkaufsprovisionen der Händler bei Wish, denn Wish verkauft selbst nichts auf dem Marktplatz. Rund eine Million Händler bieten laut eigener Angaben bei Wish etwa 200 Millionen Artikel an.

Szulczewski prognostizierte, dass Wish wie bisher seinen Umsatz im nächsten Jahr wieder verdoppeln werde, dann also auf über zwei Milliarden Dollar.

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Damit ist Wish zwar immer noch weit abgeschlagen hinter Amazon, wo im vergangenen Jahr mit Händlerdienstleistungen und Provisionen über 31 Milliarden Dollar erwirtschaftet wurden, legt aber trotzdem ein beachtliches Ergebnis hin.

Was und wie verkauft Wish

Wish verkauft zwar auch über eine Website, aber hauptsächlich über die gleichnamige App. Zusätzlich hat Wish noch Apps für ausgewählte Sortimente im Angebot. (Screenshot: Apple/Wish)

Kunden können bei Wish auch gezielt nach Produkten suchen, der Hauptabsatz gelingt jedoch durch einen eher unstrukturiert wirkenden Produktfeed. Beim ersten Start der App fragt der Marktplatz Vorlieben anhand von Produktbildern ab, danach wird eine Zusammenstellung von Produkten geladen. Der Nutzer scrollt sich durch den Feed und wird so zu einem Spontankauf inspiriert, falls er ein interessantes Produkt entdeckt. Wish hat in der Regel keine Markenprodukte im Angebot.

Zusätzlich triggert Wish Kunden mit kurz getakteten Zählern und bietet Interessenten, die länger bei einem Artikel verweilen, dynamisch Rabatte an. Bleibt der Warenkorb mit dem Produkt länger liegen, kann es passieren, dass ein weiterer Rabatt angeboten wird.

Neben der Website wird vor allem in den Apps verkauft. Die Hauptanwendung Wish ist flankiert von einer Variante namens Geek mit Elektronikfokus und einer weiteren namens Deko für den Bereich „Home & Living“. Ergänzt wird das App-Dreigestirn von Wish Local, einer Flohmarkt-App für den näheren Umkreis, vergleichbar mit Stuffle. Letztere App spielt in Deutschland eine eher untergeordnete Rolle, die Angebotsvielfalt- und Aktualität hält sich in Grenzen.

Die Geek-App von Wish im Überblick. Schritt 1: Anmeldung, auch via Facebook und Google. Muss in jeder Wish-App wiederholt werden. (Screenshot: Wish.com)

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Eine Bestellung über Wish kostet meist wenig, dafür kommen noch Versandkosten hinzu, die je nach Größe des Artikels zwischen zwei und 15 Euro liegen. Die Versanddauer ist vergleichsweise lang und kann mehrere Wochen betragen.

Einkaufstipps für Wish

Lieferzeit von 2 Tagen bis zu mehreren Wochen möglich

Bestellungen bei Wish gehen meist an Händler im außereuropäischen Ausland, beispielsweise nach China. Dementsprechend lange dauert die Zustellung, einige Wochen sind eher die Regel als die Ausnahme.

Produktfälschungen können Ärger verursachen

Leider sind auf Wish auch Plagiate und Produktfälschungen zu finden. Von solchen Produkten sollten Kunden Abstand nehmen. Der Zoll zerstört solche Waren bei Identifizierung während einer Stichprobe und kann außerdem Geldbußen für Fälschungen erheben. Ein harscher Brief vom eigentlichen Rechteinhaber und dessen Anwaltskanzlei kann ebenfalls folgen.

Sollte es sich um mehr als ein einzelnes gefälschtes Produkt handeln, gerät der Kunde zusätzlich in den Verdacht des gewerblichen Handels. In diesem Fall könnten auf den Kunden im Lauf eines Rechtsstreits auch noch die Kosten für Lagerung und Zerstörung der Produktfälschungen zukommen.

Risiko bei Rückerstattung oder Rücksendung

Der Kunde bekommt bei Fälschungen oder Streitigkeiten mit Händlern zwar eventuell sein Geld wieder, da Wish Händlern erst nach erfolgter Zustellung Kaufbeträge ausschüttet –, aber letztlich ist der Kunde auf die Kulanz des Marktplatzes angewiesen. Wie weit sich diese Kulanz erstreckt, ist schwer einzuschätzen. Einen zusätzlichen Sicherheitsfaktor bieten die externen Zahlungsdienstleister, über die bei Wish bezahlt werden kann. Der Kauf über Klarna ist durch deren Käuferschutz abgesichert, der via Paypal ebenfalls. Letzteres wird jedoch nicht von jedem Händlershop angeboten. Rücksendekosten tragen die Kunden selbst, das kann bei einem Rückversand nach China schnell unrentabel werden.

Die sogenannten Streichpreise sind größtenteils Mondpreise, bei einer Recherche auf Ebay oder Amazon sind meist deutlich geringere Originalpreis zu finden – Ersparnisse sind möglich, nur meist deutlich geringer als suggeriert.

Zoll und Einfuhrumsatzsteuer

Bis auf Ausnahmen sind die Wish-Händler außerhalb der EU angesiedelt, das heißt, dass fast für jede Bestellung Zoll und 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer anfallen. Bis 22 Euro Warenwert kommen Warenlieferungen noch zoll- und steuerfrei ins Land, darüber wird die Einfuhrumsatzsteuer fällig. Ab 150 Euro Warenwert fällt zusätzlich der Zoll nach Zolltarif an, das heißt, die Höhe ist von der Warengruppe abhängig.

Der Versuchung, den Zoll hinsichtlich des Warenwertes zu täuschen, sollten Kunden grundsätzlich nicht nachgeben: Abgesehen von rein rechtlichen Aspekten kann das sofort zu einer Strafe führen, der Zolltarif wird dann verdoppelt.

Wish für deutsche Händler

Wish ist ein schnellwachsender Markt, der Beachtung nicht zuletzt verdient, weil er mit seiner Verkaufsmethodik völlig anders tickt als die üblichen Verdächtigen. Das bildlastige Stöbern und die aggressiv-dynamische Rabattvergabe sind ungewöhnlich und generieren quasi neue Käufertypen.

Für deutsche Händler ist der Preisdruck extrem hoch und ob der Vorteil des schnelleren Versandes aus dem Heimatland ausgespielt werden kann, ist sehr fraglich. Wish bietet zwar eine Filterfunktion für „schnelleren Versand“, die aber in einer Lieferzeit zwischen fünf und sieben Tagen mündet. Da findet sich der deutsche Händler dann direkt neben den chinesischen Verkäufern wieder, die per Luftpost versenden.

Das Handeln auf Wish will gut überlegt sein für deutsche Händler: Allein das Beispiel der Produktfälschungen zeigt, das Wish nicht immer rechtskonform arbeitet. Auch die Widerrufsbelehrung entspricht nach einer t3n-Stichprobe nicht den geltenden Rechtsvorschriften und kann zu Abmahnungen führen. Im Prinzip können deutsche Händler im Moment nicht gefahrlos bei Wish handeln.

Wer es dennoch versuchen will, findet mit Billbee einen Toolanbieter, der Wish bedienen kann. Billbee kann dabei sowohl die Bestellabwicklung als auch die Erstellung der Angebote abwickeln. Auch der ERP-Anbieter JTL arbeitet an einer Wish-Integration.

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4 Kommentare
Oliver-K

Hallo liebes Redaktionsteam,

ich persönlich habe auch mal Wish genutzt und war sehr enttäuscht. Ich verstehe nicht, warum Menschen dort einkaufen. Einmal wählte ich Kleidung aus und das andere Mal ein Technikgagdet und beides war extremer Schrott – wenn ich es mal gelinde ausdrücken darf.

Beste Grüße
Oliver von Firmenpartnerschaft

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Werner
Werner

Das stimmt sicher teilweise. Ich hatte auch schon Schrott dabei, kann man meist behalten, weil die Retoure teurer ist als das Teil in den Müll zu schmeißen. Ab und zu findet man schon ein brauchbares Produkt zu einem nicht nachvollziehbar niedrigen Preis. Keine Ahnung, ob das über Volumen geht oder unter Händler-EK verkauft wird. Kleidung ist schon ein Problem. Alles zwei Nummern größer bestellen, dann passt es meist.

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Jan L.
Jan L.

Ich und meine Freundin nutzen nicht wish6,sondern Joom und sind sehr zufrieden. Mit 85% der Artikel bin ich zufrieden. Von Kleidung rate ich allerdings ab !

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Oliver Jaschok
Oliver Jaschok

Ich bestelle sehr häufig bei Geek. Das da nur Schrott ist, kann ich nicht bestätigen. Das man da keine Superqualität bekommt weiß jeder, der dort bestellt. Sie ist aber so gut, das sie meistens ausreicht. Und ob etwas sinnlos ist, liegt im Auge des Betrachters. Unabhängig von der Qualität der Ware, ist der Support bei Wish super! Es wurde bisher immer pro Kunde entschieden. Anders als ich es z.B. bei amazon oder ebay gewohnt bin. Aufgetreten sind Fälle bei mir bisher: Ware bestellt – kommt nicht innerhalb des Zeitraums an – Rechnung wurde storniert. Kommt die Ware danach doch noch, braucht sie auch nicht bezahlt werden. Oder Ware wurde vom Zoll per Stichprobe „abgefangen“ und beanstandet (meistens Handy, Tablet, Smartwatch ohne CE Kennzeichnung), wird die Rechnung storniert. Oder Ware bestellt – Ware nicht wie beschrieben (bei mir ein Tablet das 10″ sein sollte, aber nur ca. 7″ war – Beweisfoto an den Support – Rechnung storniert – Gerät konnte ich behalten oder zurückschicken.
Insofern fühle ich mich als Kunde dort sehr sicher! Wahrscheinlich auch ein großer Teil des Erfolgs! Das „heute bestellen und morgen bekommen-Amazondenken“ sollte man allerdings wirklich abstellen und finde ich auch irgendwie gut. Denn dieses „Amazondenken“ hat vieles, wie ich finde, auch kaputt gemacht in der Erwartungshaltung zwischen Händler-Kunde.

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