Interview

New Work im Hotelgewerbe: „Ausschlafen und nix tun“

„Kreativ bin ich gut, im Bereich Selbstorganisation gibt es noch Luft nach oben“, meint Hotelbetreiber Jens Sroka. (Foto: Christan Perl)

Hotellerie ist ein Stressjob, vor allem für Newcomer und Startups. Denkste, sagt sich Jens Sroka, und lebt seinen ganz eigenen Rhythmus. Und seine Hotels leben genau den gleichen, lässigen Stil.

Fünf Häuser gehören inzwischen zu den Heimathafen Hotels. Die beiden Beachmotels in Sankt Peter Ording und Heiligenhafen bildeten den Anfang. Dann kam die noch progressivere Bretterbude hinzu, wo in der Lobby Skateboarder auf der Ramp üben. In Büsum eröffnete soeben das gediegenere Lighthouse und in Wilhelmshaven überblickt das Hotel Fiegerdeich den Jadebusen.

Die Häuser begeistern durch Lässigkeit, sehr freundliches Personal und cooles Vintage-Design in der Inneneinrichtung. Der Digitalnomade mit Auszeitbedarf steht definitiv im Mittelpunkt der anvisierten Zielgruppe.

Jens Sroka gründete die Kette gemeinsam mit einem starken Finanzpartner und auf dem Fundament der elterlichen Hotelerfahrung. Aber er macht eben vieles anders.

t3n: Hallo Jens, schaffst du immer noch, nur vier Tage die Woche zu arbeiten?

Jens Sroka: Ja. Es gibt immer mal Wochen, wo das nicht so ist. Wo ich zum Beispiel reise. Aber meistens schaffe ich das.

t3n: Ist nach wie vor der Freitag dein freier Tag?
Meistens versuche ich, Freitag frei zu machen, diese Woche war es Montag. Am Freitag habe ich einen Termin und deshalb habe ich gestern frei gemacht. Gestern war doch Montag, oder?

t3n: Ja, es wäre Montag gewesen. Und was machst du am freien Tag?
Nix. Ausschlafen, Netflix im Bett gucken, spät frühstücken, shoppen gehen, an der Alster spazieren, Sport machen. Da gibt es keinen Plan.

t3n: Musst du dich dagegen wehren, mehr zu arbeiten?
Ja, das gibt es schon. Aber ich kontrolliere mich da ganz gut selbst. Kurz vor einer Eröffnung kann es schon mal derb werden, aber da braucht mich keiner daran zu erinnern, danach wieder kürzer zu treten. Mein Mann kennt das, der lässt mich dann einfach in Ruhe. Dann kommt es auch vor, dass ich in einem unserer Hotels übernachte. Normalerweise will ich meine Freizeit zu Hause verbringen und nicht in den Hotels.

t3n: Wenn du Inspiration brauchst, wo kommt die her?
Die Inspiration kommt meistens vom Reisen. Die kommt, wenn ich ein Grundstück gesehen habe, dann bekomme ich ein Gefühl dafür, was der Standort braucht. Natürlich wäre es leichter, ein bestehendes Produkt zu kopieren, statt ein neues zu kreieren, aber das ist langweilig. Das Lighthouse ist ein gutes Beispiel. Das haben wir so entwickelt, weil der Standort das so gebraucht hat.

t3n: Ist Digital Detox für dich ein Thema?
Ein ganz wichtiges. Das mache ich wirklich zu wenig. Ich bin Sklave meines Handys. Gerade im Urlaub wollte ich ein Buch lesen und habe es nicht wirklich geschafft. Ich habe immer wieder das Smartphone zur Hand genommen. Und da geht es auch gar nicht so sehr um direkte Kommunikation, sondern um die sozialen Netzwerke. Facebook, Instagram und all so ein Müll.

Wenn ich richtig gut drauf bin, nehme ich das Handy gar nicht mit. Aber das schaffe ich selten.

t3n: Was bringt einen dazu, mit 44 zu sagen: „Ich will raus aus dem operativen Geschäft“?

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