Analyse

Die Zukunft von Magento: Das kommt auf Shopbetreiber zu

(Bild: t3n)

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Mit der Imagine Conference fand letzte Woche das offizielle Magento-Event des Jahres wieder in Las Vegas statt. Wie die Jahre zuvor kamen auch 2017 fast 3.000 Besucher aus rund 50 Nationen.

Nach gut einem Jahr Eigenständigkeit als Magento Inc. und mit Permira hat sich Magento im letzten Jahr sehr weiterentwickelt – und steht durch den neuen Investor besser da denn je. Die E-Commerce-Plattform wickelt inzwischen insgesamt ein Bestellvolumen von weltweit mehr als 100 Milliarden Dollar ab, das von mehr als 260.000 Kunden (davon gut 3.500 Enterprise-Kunden) generiert wird.

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Das Momentum von Magento zeigt sich sowohl produktseitig durch massive Investitionen in die Weiterentwicklung von Magento Digital Commerce als zentrale Plattform, das Magento-Order-Management (MCOM), diverse Derivate und ergänzende Tools sowie durch die im Rahmen der globalen Expansion auch notwendigen personellen Verstärkungen.

Neben Andrea Ward, die als neue Marketingchefin von Oracle zu Magento gewechselt ist, konnte einige weitere, strategisch wichtige Positionen – insbesondere im Bereich Marketing und Produktentwicklung – weiter ausgebaut werden, sodass Magento hier für die Zukunft sehr gut aufgestellt sein sollte.

Während die letztjährige Imagine Conference ganz im Zeichen der damals noch sehr neuen Magento-Version 2 stand, wurden dieses Jahr insbesondere einige sehr spannende Zusatzprodukte und Erweiterungen vorgestellt, die sich nahtlos in das Magento-Ökosystem integrieren – und Online-Händlern aus nahezu allen Branchen und Umsatzgrößen signifikante Mehrwerte liefern. 

Nachfolgend einige Zahlen, die auf der diesjährigen Konferenz in Las Vegas vorgestellt wurden und die insbesondere das internationale Wachstum und den verstärkten Enterprise-Anspruch verdeutlichen:

  • Mehr als 260.000 aktive Magento-Shops weltweit.
  • Davon gut 3.500 Kunden, die Magento Enterprise einsetzen.
  • Magento wird in mehr als 180 Ländern eingesetzt.
  • Magento unterstützt 23 Verticals sowohl B2C als auch B2B, wobei die Software in beiden Bereichen nahezu gleich stark vertreten ist – das Wachstum jedoch insbesondere im B2B-Umfeld signifikant ist.

Massives Wachstum bis 2020

Trotz des enormen Wachstums von Magento in der Vergangenheit und dem bereits erreichten Marktanteil hat das Unternehmen in Las Vegas heute erstmals ein langfristiges Wachstumsziel genannt. Demnach möchte das Unternehmen in den kommenden vier Jahren bis 2020 die weltweiten Umsätze über die Magento-Plattform von aktuell gut 100 Milliarden Dollar auf rund 224 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln, und bei den Nutzerzahlen eine Steigerung von aktuell rund 51 Millionen Usern weltweit auf 98 Millionen erreichen – was ebenfalls eine annähernde Verdoppelung darstellt.

Auch das enorme, weltweite Magento-Ökosystem, das aktuell aus rund 205.000 Entwicklern besteht, soll im Jahr 2020 auf rund 500.000 Entwickler anwachsen, mit denen der aktuelle Gesamtumsatz von derzeit rund 4,2 Milliarden Dollar auf rund 14 Milliarden ansteigen soll.

Suchhäufigkeiten gemäß Google Trends von Magento 2 im Vergleich zu hybris und IBM Websphere Commerce als internationale Wettbewerber.

Darüber hinaus befinden sich eine Vielzahl von Magento-2-Projekten sehr namhafter Kunden derzeit in der Implementierung.

Interessant ist dabei auch eine aktuelle Befragung von Magento unter ihren Kunden, wonach insbesondere kurze Projektlaufzeiten von häufig unter sechs Monaten als sehr positiv herausgestellt werden. Gemäß dieser Umfrage beträgt die gesamte Projekt-Laufzeit im Schnitt rund 4,7 Monate und liegt damit im Enterprise-Umfeld zum Teil deutlich unter Projektlaufzeiten anderer Softwarelösungen.

Umsatzverteilung Magento-Ökosystem (Quelle: IDC, Januar 2017)

Magento B2B

Mit einer umfassenden Erweiterung für Business-to-Business-Kunden stehen Nutzern von Magento Enterprise zukünftig umfassende B2B-Features “Out-of-the-Box” und ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung. Zu den Magento-Erweiterungen für das B2B-Business zählen dabei insbesondere folgende Funktionalitäten:

  • Anlage und Verwaltung von Firmen-Accounts inklusive Hierarchien
  • Unterstützung von Preisanfragen
  • Schnellbestellungen anhand von SKUs
  • Bestellungen über Anforderungs- beziehungsweise Teilelisten
  • Stark erweitertes Rechte-Rollen-System
  • Unterstützung von individuellen Produktkatalogen pro Kunde
  • Verwaltung von Bestellguthaben (Umsatzvolumen)

Bereits letztes Jahr wurde mit der Magento-Enterprise-Cloud-Edition eine SaaS- beziehungsweise PaaS-Lösung für Magento vorgestellt, die sich zwischenzeitlich insbesondere in den USA stark wachsender Beliebtheit erfreut und mittlerweile von diversen zum Teil sehr namhaften Kunden eingesetzt wird. Durch die Erweiterung von Magento um die genannten B2B-Features sowie die wachsende Nachfrage nach Cloud- Lösungen – auch in Deutschland – wird die Cloud-Edition zukünftig sicherlich auch für immer mehr B2B-Kunden von Interesse sein.


Magento Business Intelligence (vormals Magento Analytics)

Mit der Übernahme des BI-Tool-Anbieter rjmetrics im letzten Jahr wurde der Grundstein für die Magento-Business-Intelligence-Applikation gelegt, mit der es Shopbetreibern möglich wird, tiefgreifende Analysen ihres Shops und der dortigen Verkaufsprozesse durchzuführen. Dazu liefert das Tool bereits standardmäßig fünf vorkonfigurierte Dashboards mit 75 Reports. Diese Auswertungen lassen sich zudem über einen SQL-Report-Builder jederzeit anpassen und erweitern. Neben den in Magento vorhandenen Daten können zudem auch noch weitere Datenquellen wie zum Beispiel Google Analytics als externe Trackinglösung integriert werden.

Gegenüberstellung von Google Analytics und Magento Analytics (BI)

Entsprechende Analysen und Auswertungen lassen sich zur weiteren Bearbeitung als Excel- und CSV-Dateien exportieren. Darüber hinaus lassen sich Reports per E-Mail automatisieren. Eine umfassende Rechteverwaltung erlaubt es Shopbetreibern, bis zu zehn Benutzerkonten mit unterschiedlichen Berechtigungsstufen zu vergeben. Alles in allem stellt Magento Business Intelligence damit eine Data-Warehouse-Lösung als optimale Ergänzung zu bestehenden Trackingtools dar, deren Pricing mit monatlichen Kosten ab 100 Dollar äußerst attraktiv ist und sich damit nicht nur für große Shops eignet.

Magento Shipping

Bei dieser Lösung handelt es sich um eine SaaS-Fulfillment-Plattform, über die weltweit unterschiedlichste Logistik-Anbieter angebunden und der komplette Fulfillmentprozess optimiert und automatisiert werden kann. Magento Shipping basiert dabei auf der Fulfillmentlösung von Temando – einem der führenden Anbieter von intelligenten Fulfillmentlösungen.

(Bild: Magento)

Mit Magento Shipping lassen sich beispielsweise regelbasierte Versandoptionen mit unterschiedlichsten Logistikunternehmen (zum Beispiel Versand in Deutschland über DHL und Versand nach Übersee über UPS ) und abhängig von unzähligen Optionen hinterlegen, wodurch der komplette Versandprozess optimiert und automatisiert werden kann. Die Lösung ist hochskalierbar und lässt sich sehr schnell und einfach konfigurieren. Damit entfallen notwendige Schnittstellen zu etwaigen Logistikanbietern, da diese direkt an Magento Shipping angebunden sind. Dadurch ist die Lösung in kürzester Zeit einsatzbereit.

Magento Social

Eine weitere Produktneuheit, die in Las Vegas vorgestellt wurde, hört auf den Namen Magento Social. Damit wird es Magento-Shopbetreibern ermöglicht, mit wenigen Mausklicks ihre Produkte über Facebook zu promoten. Damit dient Magento Social als eine Art Bindeglied zwischen Facebook als Channel zur Erhöhung der Reichweite und dem bestehenden Magento-Shop als Conversionziel. Der bestehende Magento-Shop mit den dortigen Produkten wird auf Facebook unter dem Shop-Tab dargestellt. Beim Klick auf ein Produkt in Facebook wird auf den Magento-Shop als Zieladresse weitergeleitet. Darüberhinaus lassen sich damit aus dem Magento-Backend heraus Facebook-Werbekampagnen starten.

In nachfolgendem Video wird die Einrichtung von Magento Social demonstriert:

Fazit

Während Magento gerade in der Anfangszeit 2008/2009 als defacto Standard im Bereich der Open-Source-Shoplösungen galt und hier insbesondere auch von vielen kleineren und mittleren Shops eingesetzt wurde, hat sich die Lösung in den letzten Jahren – und hier nicht zuletzt mit Einführung von Magento 2 – stärker in Richtung echter Enterprise-Software für mittlere bis große Shop-Projekte etabliert. Die größten Magento-Shops sind international unterwegs und erzielen dabei inzwischen jährliche Online-Umsätze von mehreren 100 Millionen Dollar, wodurch die Leistungsfähigkeit von Magento recht eindrucksvoll unterstrichen wird.

Durch den Einstieg von Permira und Hillhouse als strategischen Investoren verfügt Magento über die notwendigen finanziellen Mittel, um sowohl Produkt als auch Ökosystem in den kommenden Jahren auf ein neues, globales Level zu heben. Dass dies gelingen kann, zeigen die zuletzt gewonnenen internationalen Kunden und Projekte, die vor geraumer Zeit noch nicht denkbar waren. 

E-Commerce-Einsteiger sollten sich inzwischen allerdings eher nach alternativen Lösungen umsehen, da Magento aufgrund der Produktvision mittlerweile verstärkt auf mittlere bis große Shop-Projekte – sowohl B2C als auch B2B – abzielt, die erhöhte Komplexität und Flexibilität verlangen.

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