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Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky: „Wird es die Ehefrau verzeihen, wenn du trotz App ein Couchpotato bleibst?”

Die Unvollständigkeit von Algorithmen: Können Datenauswertungen valide Aussagen über ein generelles Nutzerverhalten führen? (Bild: Shutterstock)

Vieles, was der Einsatz von künstlicher Intelligenz verspricht, erscheint uns noch weit entfernt. Doch erste Ansätze zeigen, wohin die Reise geht. Kritisch wird es, wenn die Datengrundlage nicht stimmt.

In allen Bereichen des Lebens, des Arbeitens und der Gesellschaft werden wir erleben, dass auf Basis von automatisierter Echtzeit-Datenanalyse „Zukunftszustände“ prognostiziert werden, sagt Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky, Chef des Thinktanks 2b Ahead bei einer Diskussion, zu der Business-Intelligence-Anbieter Teradata geladen hatte.

Die Welt verwandelt sich in eine Prognose-Gesellschaft. In Städten werden die Staus der nächsten zwei Stunden prognostiziert. In Supermärkten werden die Verkaufszahlen der nächsten Woche vorhergesagt. Und jeder sammelt fleißig medizinische Daten von sich selbst, um Krankheit vorherzusagen beziehungsweise abzuwehren – angefangen von Pulsfrequenz und Herzschlag über Schlafqualität bis hin zum Entspannungszustand. Diese Daten werden Versicherungen heranziehen, um das Krankheitsrisiko von Versicherten zu berechnen – und davon abhängig ihre Beiträge.

Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky. (Foto: dpa)

Und die Vermessung des eigenen Körpers hat weitere Auswirkungen: Wer zu wenig trinkt, wird per App angehalten, sich alle Stunde ein Glas Wasser zu holen. Wer noch keine 10.000 Schritte gegangen ist, wird ermahnt, dass es Zeit sei für eine Runde um den Block. Gute Tipps, um uns fit zu halten. Doch was passiert, wenn wir das nicht tun? Wie verändert sich unsere Sicht auf Zufälle, Schicksale oder Krankheiten, wenn sie mehr und mehr daraus resultieren, dass wir Menschen die Empfehlungen der künstlichen Intelligenz nicht befolgt haben, fragt Sven Gábor Jánszky. Wird die Ehefrau es verzeihen, wenn du trotz App und Warnungen ein Couchpotato bleibst?

Neubewertung von Krankheiten

Und er erklärt: Das sichtbarste Beispiel sind Krankheiten. Wenn ich heute krank werde, dann bedauern mich alle Menschen in meinem Umfeld und helfen so gut sie können: Meine Chefs, meine Kollegen, meine Frau und meine Kinder. Aber die Grundlage für dieses Bedauern ist die Vorstellung, dass ich nichts dafür kann. Ich bin nicht schuld daran, dass ich krank geworden bin, sondern dies ist ein unvorhersehbarer, zufälliger Schicksalsschlag. In Zukunft wird mich aber mit hoher Wahrscheinlichkeit ein technologisches Gerät schon Tage bevor ich krank werde davor warnen. Es wird mir empfehlen, dass ich dies und jenes essen soll und mich so oder so verhalten soll, damit ich nicht krank werde. Wie wird meine Frau reagieren, wenn ich dennoch krank werde? Wenn sie genau weiß, dass die Krankheit meine Schuld ist, weil ich mich nicht an die Empfehlung der Technologie gehalten habe? Ganz ähnlich gilt das natürlich auch für alle anderen Schicksalsschläge wie Autounfälle, weil ich dem selbstfahrenden Auto nicht das Lenkrad überlassen habe oder Kündigungen, weil ich die Warnung des digitalen Assistenten vor einem Kompetenzmangel nicht ernstgenommen habe.

Wird Schicksal in Zukunft etwas sein, das wir in der Hand haben? Heute ist der allgemeine Konsens: Wenn der Mensch krank wird, ist es Zufall. In Zukunft wird es seine eigene Schuld sein. Das Solidarprinzip der Krankenversicherungen (er kann nichts dafür) wird in Frage gestellt. Und es wird spannend, wie die Versicherungswirtschaft ihre Modelle ändern wird. Schon heute sehen wir die Anfänge: Versicherungen bemühen sich intensiv, an Gesundheitsdaten zu kommen. So versprechen sie beispielsweise zehn Prozent Rabatt, wenn der Nutzer sein iPhone freischalten lässt für eine Versicherungs-App, die die relevanten Daten  übermittelt. Dank der Datensammlung werden sich die statistischen Berechnungen der Versicherungen ändern, glaubt Sven Gábor Jánszky: „Die Versicherungssolidarität wird sich in kleine Cluster verteilen.”

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