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Köttbullar aus dem 3D-Drucker! Wie Ikea zum Tech-Konzern aufsteigen will

(Foto: Space10/Lukas Renlund)

Lange hat Ikea die Digitalisierung systematisch bekämpft. Doch nun denken die Schweden um: Filialen sollen virtuell begehbar, Möbelstücke smart und Köttbullar druckfähig werden. Verbinden wir Ikea schon bald mit einer hippen Technologiefirma?

An solche Töne muss man sich erst mal gewöhnen. Da stellt sich Torbjörn Lööf, der internationale Ikea-Chef, vor die Presse und bricht mit einem ungeschriebenen Konzerngesetz: Der schwedische Möbelriese will seine Produkte künftig auch über große Onlinehändler verkaufen. „Das ist die größte Veränderung im Kundenerlebnis seit der Erfindung unseres Konzepts“, zitiert die Financial Times den Manager. Schon bald will Ikea demnach auf Plattformen wie Amazon oder Alibaba präsent sein. Was in Zeiten des boomenden Onlinehandels nach einer lächerlichen Selbstverständlichkeit klingt, grenzt angesichts der fast 75-jährigen Konzernhistorie an eine Revolution.

Digitalverweigerung mit System

Bisher ist das Einkaufserlebnis bei Ikea nämlich vor allem eines: analog bis zum Gehtnichtmehr. Das war über Jahre die Strategie des kürzlich verstorbenen Firmengründers Ingvar Kamprad, dem ein eher gespanntes Verhältnis zum Internet nachgesagt wurde. In seiner Welt endete ein Besuch im Möbelhaus nicht nur mit einer Schrankwand oder einem Sofa, sondern mit einer ­großen blauen Plastiktüte voller Kerzen, Gläser, Besteck und anderer Ramschartikel, die Kunden auf dem Weg durch die Gänge wahllos einsammeln. Das Ladenkonzept hat Kamprad zu einem der reichsten Menschen des Planeten gemacht – und seinen Konzern zur digitalen Randerscheinung. Zwar betreibt Ikea seit Jahren auch einen eigenen Onlineshop. Doch das auf Impulskäufe ausgerichtete Einkaufserlebnis lässt sich dort nur schwer abbilden. Entsprechend gering ist der Online-Anteil am Gesamtumsatz.

Lediglich 1,4 Milliarden Euro – und damit nur vier Prozent seines weltweiten Gesamtumsatzes von 34,2 Milliarden Euro – erwirtschaftete Ikea 2016 über das Internet. Der weltweit größte Einzelhändler liegt damit sogar noch unter dem Branchendurchschnitt. Im deutschen Online-Möbelhandel sieht es kaum besser aus: Hierzulande laufen Konkurrenten wie Otto, Amazon oder Home24 den Schweden zunehmend davon, wie aus einer Marktanalyse von Statista und deren Tochter E-Commerce DB hervorgeht. So hat allein das Hamburger Versandhaus Otto im vergangenen Jahr Möbel und Haushaltswaren für rund 689 Millionen Euro verschickt – fast vier mal so viel wie Ikea.

Wer den Onlineshop der Schweden besucht, erkennt schnell, warum das so ist. „Gefühlt bewegt sich der Shop auf dem technischen Niveau der 90er-Jahre“, sagt Alexander Graf. Für den Betreiber des bekannten Branchenblogs Kassenzone.de sind die Ikea-Produkte nicht nach modernen Webstandards bestellbar. Viele Artikel seien entweder gar nicht verfügbar oder nur über Umwege zu finden, überhaupt fehle eine mobile Ansicht für Smartphones. „Der Shop ist also dort nicht zugriffsfähig, wo ihn die meisten Menschen heute brauchen“, sagt Graf.

Den größten Showstopper aber sieht er in der Versand­kostenpolitik. Eine Gratislieferung gibt es bei Ikea nicht. Stattdessen warenwertabhängige Gebühren, die sich selbst bei großen Bestellungen schnell zu den Kosten eines Kleiderschranks aufsummieren. Beispiel: Wer ein Dreisitzer-Sofa für 479 Euro bestellen will, zahlt für die Lieferung 69 Euro. Kunden, die sich lieber für das Stockholm-Sofa entscheiden und Ikea damit drei mal soviel Umsatz in die Kasse spülen, bekommen für den Versand 149 Euro aufgebrummt. Dabei ist das teurere Sofa genauso groß. Selbstabholung? Kostet ebenfalls extra. Laut Alexander Graf eine nicht unbeabsichtigte Praxis. „Ikea bestraft den Kunden, wenn er online einkauft“, sagt der E-Commerce-Experte. Den Kunden in die Geschäfte zu treiben, habe oberste Priorität.

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Eine Reaktion
3ddruckfan

Intersessant und nachvollziehbra, dass Ikea die Kundem eher vor Ort haben will. Allerdings ist ein Umdenken der Strategie online meiner Meinung nach nötig, auch wenn dies dem eigentlichen Business Plan vielleicht wiederspricht.
Mit freundlichen Grüßen
Joel von 3D Drucker kaufen.info

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