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KI-Standort Deutschland: Weniger Bedenken, mehr Mut!

Deutschland und KI? Da ist noch mehr ­möglich, sagen Experten. Know-how und Startups sind ­vorhanden, aber es fehlt an Risikobereitschaft vieler ­Unter­nehmer. Werden die Milliarden aus dem Konjunkturprogramm etwas daran ändern?

9 Min. Lesezeit

Deutschland und KI - da ist noch mehr möglich. (Abbildung: Shutterstock / Pixels Hunter)

Mit „Wumms“ gegen die Corona-Krise – so hat es Finanzminister Olaf ­Scholz versprochen – und die finanzielle „Bazooka“ soll auch den IT-Standort Deutschland nach vorne katapultieren. Von drei auf fünf Milliarden Euro hat die Bundesregierung mit dem im Juni verabschiedeten Konjunkturpaket die Förderung für künst­liche Intelligenz (KI) erhöht. Für Forscher, Startups und etablierte Unternehmen in der Branche ist das eigentlich eine gute Nachricht. Und doch kann ­Carsten Kraus seinen Ärger über die Politik kaum verbergen.

„Das klingt erst einmal nach einem üppigen Füllhorn“, sagt der Gründer des Unternehmens Omikron, das auf ­ki-basierte Suchtechnologien für den Onlinehandel spezialisiert ist. ­„Tatsächlich ist das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Es könne nicht sein, so der als Keynote-Speaker gefragte Unternehmer, dass in eine eher singuläre Technologie wie Wasserstoff mehr Geld fließe. Die sei zwar sinnvoll, werde aber niemals selbstständig ein Hochsicherheitssystem hacken oder Patienten heilen. „Künstliche Intelligenz hingegen wird das tun“, sagt Kraus. „Und zwar schneller, als wir denken.“ Meinte es die Bundesregierung ernst damit, die Wirtschaft nachhaltig zu „entfesseln“, seien nicht fünf Milliarden Euro bis 2025 nötig – sondern jährlich fünf Milliarden Euro. Mindestens.

Zu spät, zu wenig: In der deutschen IT-Branche gehört es fast zum guten Ton, die Digitalpolitik der Bundesregierung zu kritisieren. Die KI-Strategie ist da keine Ausnahme. „Die Impulse reichen nicht aus, um uns in eine Liga mit den USA oder China zu bringen“, sagt etwa Andreas Liebl, Leiter der am Münchener Gründungszentrum ­UnternehmerTUM angedockten Initiative Applied AI, mit Hinblick auf das Konjunkturpaket. „Wir sind bei KI-Themen leider weit davon entfernt, irgendwie relevant auf dem Weltmarkt zu sein.“

„Künstliche ­I­ntelligenz wird Hoch­sicherheitssysteme hacken und ­Patienten heilen. Und zwar schneller, als wir denken.“
Carsten Kraus Gründer und Geschäftsführer Omikron Data Quality

Die puren Zahlen können tatsächlich ernüchtern: ­Aktuell kommen sechs der zehn wertvollsten Techkonzerne, die Un­summen in KI investieren, aus den USA – darunter Apple, ­Amazon, Microsoft und ­Facebook. Das Land ist zudem Heimat der meisten KI-Startups. Und der aktuelle Haushaltsplan des Weißen Hauses sieht eine Verdopplung der jährlichen KI-Förderung auf knapp zwei Milliarden US-Dollar vor. Die milliardenschweren Investitionen des Militärs in dem Bereich sind darin noch nicht enthalten.

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China wiederum hat vor drei Jahren den Plan ausgegeben, bis 2030 zur führenden KI-Nation zu werden – und päppelt die eigenen IT-Startups mit öffentlichen Aufträgen auf. Die staat­lichen Forschungsausgaben sind nicht so klar wie in den USA zu identifizieren, dürften aber beträchtlich sein. So stellt laut einer von der Konrad-­Adenauer-Stiftung in Auftrag gegebenen Studie des Thinktanks Cambrian.ai allein die Stadt Tianjin 12,8 Milliarden Euro für die KI-Förderung bereit – und der Internetriese Alibaba sogar bis zu 16 Milliarden. Gemessen daran wirkt Scholz’ ­Bazooka wie eine Spielzeugpistole.

Und dennoch: Es wäre ein Fehler, das internationale Rennen um Zukunftstechnologien wie das maschinelle Lernen, neuro­nale Netze, fortgeschrittene Bilderkennung und die Verarbeitung ­natürlicher Sprache bereits verloren zu geben. Denn: Bei genauem Hinsehen ist Deutschland im Verbund mit anderen europäischen Ländern als KI-Standort überraschend gut positioniert. Und der künftige Erfolg lässt sich kaum allein an der Größe staatlicher Fördertöpfe bemessen.

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