Trendreport

Servant Leadership: So funktioniert Führung auf Augenhöhe

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser: Bei Fond Of in Köln lässt die Führung den Mitarbeitern viel Spielraum. (Foto: Fond of)

Dienen statt delegieren, moderieren statt managen: Wer in der neuen Arbeitswelt Verantwortung übernehmen will, braucht neue Fähigkeiten. Die machen eine Karriere als Führungskraft anspruchsvoller – aber auch spannender.

Als Sven-Oliver Pink zu spät zu einem Teamtreffen kam, wurde ihm klar, dass er auf dem richtigen Weg war. ­Viele Jahre lang stand Pink immer ganz vorne, wenn es ­Neues zu verkünden gab. In Köln hatte er mit zwei Freunden das Startup Fond Of hochgezogen. Zuerst mit ergonomischen Schultaschen, dann mit weiteren Kleidungs- und ­Accessoire-Marken. Das Team wuchs rasch, die Verantwortung für die Gründer ebenso.

Doch als sich Pink vor einigen Jahren auf einen Platz in der letzten Reihe schlich, lief trotzdem alles glatt. Ein neuer Kollege hatte die Veranstaltung eröffnet, andere Teammitglieder stellten ihre Projekte vor – von denen Pink teilweise gar nichts wusste. Ein gutes Gefühl für den Gründer: „Da ist mir klar geworden, dass die Veränderung in unserem Unternehmen greift – wir als Leitung sind nicht mehr der Engpass“, berichtete Pink in diesem Sommer auf dem Digital Leadership Summit in Köln.

Schritt für Schritt hatten die Gründer in den Jahren davor versucht, ihre Rolle zu verändern. Weg vom Bestimmer hin zum Begleiter. Aus dem Backpack-Startup, so das hehre Ziel von Pink, soll eine Plattform werden, auf der sich viele Mitarbeiter mit ihren Ideen verwirklichen können. Auch andere Unternehmen entdecken neue Formen der Zusammenarbeit – mit weniger Hierarchiestufen und mehr Verantwortung für alle Mitarbeiter Das verändert vor allem die Rolle von Gründern, Abteilungsleiterinnen oder Teamchefinnen. Wer Verantwortung übernehmen will, muss heute und ganz sicher morgen neue Fähigkeiten mitbringen. Zentral sind Kompetenzen, die auf das Mit­einander abzielen. Das Frankfurter Institut für Führungskultur im digitalen Zeitalter (IFIDZ) hat in diesem Sommer eine ganze Reihe von Studien ausgewertet. Immer wichtiger werden nach Einschätzung der Forscher ­Kommunikationsfähigkeit, das Talent zum Netzwerken und Entscheidungsfähigkeit.

New Leadership: Mittendrin statt drüber weg

„Die Führung schwebt nicht mehr obendrüber, sondern steckt mittendrin“, sagt Jan Oßenbrink. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Beratungsagentur Eigenland und hilft Firmen, ihre Organisation neu zu definieren.

Traditionell wurden Menschen befördert, die gut in ihrem Job waren. Ob sie auch eine gute Führungskraft sein konnten, war häufig nicht so wichtig. Das ändert sich. Neben einem guten Überblick über das fachliche Wissen wird jetzt Empathie elementar. Das macht eine Laufbahn als verantwortliche Mitarbeiterin komplexer – aber eben auch spannender. Es gibt nicht mehr eine klare Berichtslinie von oben nach unten, sondern viele Stimmen in einem Projekt, denen man zuhört – oder ihnen sogar Gehör verschafft. Statt dem Befehlston wird das Bauchgefühl wichtiger.

Diese Veränderung, die durch nicht wenige Firmen rollt, geschieht dabei nicht aus reiner Nächstenliebe. In vielen Unternehmen – ob jung oder alt – wächst erstens die Zahl der Aufgaben. Zweitens wird das Fachwissen in einzelnen Bereichen immer umfangreicher. Wer etwa das Marketing leitet, kann sich unmöglich in der Aussteuerung und den Kennzahlen aller Werbekanälen auskennen. Und wer ein Produkt verantwortet, steckt nicht sowohl beim Vertrieb als auch bei der Software im letzten Detail. „Die Rahmenbedingungen sind super komplex, niemand kennt mehr die ganze Wahrheit“, sagt Oßenbrink. Und drittens strecken sich viele Unternehmen jetzt bereits danach, gut ausgebildete junge Talente zu verpflichten. Wer die im militärischen Ton begrüßt und die ersten zwei Jahre vor Excel-Tabellen setzt, muss schnell wieder neu suchen.

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