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9-Euro-Ticket gestartet: Das musst du jetzt wissen

Ab heute ist das Neun-Euro-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr einsetzbar. Wann und wo das gilt, wie du es bekommst und was zu beachten ist, erfährst du in diesem Artikel.

12 Min. Lesezeit
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Das 9-Euro-Ticket startet am 1. Juni bundesweit. (Foto:picture alliance/dpa/Hendrik Schmidt)

Eigentlich klingt es ganz einfach – und könnte den Anhänger:innen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) gut gefallen. Doch das Neun-Euro-Ticket, das die Bundesregierung als Teil des Energie-Entlastungs-Paketes auf den Weg gebracht hat, sorgt für reichlich Zündstoff. Denn so kurzfristig wie es geplant wurde, stellt es die ansonsten eher mittelfristig denkenden Verkehrsbetriebe ab dem 1. Juni vor große Herausforderungen. Das betrifft einerseits die Umsetzung im Verkauf, aber auch die dadurch steigenden Fahrgastzahlen.

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Wir haben für euch die wichtigsten Regeln und ein paar Tipps zur Nutzung der „Bahncard 100 des kleinen Mannes“ zusammengestellt. Doch einige Punkte sind nicht überregional einheitlich, was wir an den entsprechenden Stellen kenntlich gemacht haben. Wir werden daher diesen Artikel in den kommenden Wochen regelmäßig aktualisieren, wenn sich entsprechende neue Regelungen ergeben.

Was kostet das 9-Euro-Ticket wirklich?

Gerade die Frage nach den Kosten klingt banal, ist es aber nicht. Denn das unter dem Slogan „9 für 90“ vorgestellte Neun-Euro-Ticket kostet eben neun Euro im Monat, insgesamt also 27 Euro für besagte 90 Tage. Es kann nur kalendermonatsweise bezogen werden, also nicht für 30 Tage ab Startzeitpunkt. Wer sich dafür interessiert und es intensiver nutzen will, sollte also zum Monatsanfang buchen, da es zum 30. Juni, 31. Juli, 31. August ausläuft. Das kann sich angesichts der sonstigen ÖPNV-Preise, etwa für Tageskarten, aber auch noch lohnen, wenn du nur an einem einzelnen Tag fährst.

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Wann kommt das 9-Euro-Ticket?

Das 9-Euro-Ticket ist mit großem Echo zum 1. Juni gestartet und wird somit für die Monate Juni, Juli und August erhältlich sein. Das war nicht immer sicher, weil viele Verkehrsbetriebe zunächst vor allem die damit verbundenen Probleme betont hatten und gerade angesichts der Verkehrsverbunde Absprachen nicht immer so schnell und einfach erfolgen können, wie das in einem einzelnen Unternehmen der Privatwirtschaft zu erwarten wäre. Auch die Fragen nach der Kompensation und der Abrechnung stellten viele Verkehrsunternehmen vor große Herausforderungen.

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Wer braucht ein 9-Euro-Ticket und können Kinder und Hunde kostenlos mitgenommen werden?

Klar ist bereits, dass ein solches Neun-Euro-Ticket für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren erhältlich sein wird. Einen speziellen Kinderpreis wird es hier angesichts des ohnehin niedrigen Preises nicht geben, Kinder unter sechs Jahren fahren kostenlos mit Begleitpersonen (hierfür kann ein Altersnachweis verlangt werden).

Kann ich auf dem 9-Euro-Ticket mein Fahrrad mitnehmen?

Bei den Mitnahmeregeln, insbesondere was Fahrräder betrifft, ist die Geschichte reichlich kompliziert. Hier gilt, was im jeweiligen Verkehrsmittel sonst gilt – Verbünde, in denen Du für das Fahrrad eine Fahrradkarte brauchst, erfordern diese weiterhin. So kann es auch sein, dass Du für bestimmte Teilstrecken eine Fahrradkarte benötigst. Es könnte zudem insbesondere an den Wochenenden auch sein, dass einzelne Fahrzeugführer die Mitnahme von Fahrrädern einschränken oder gänzlich ausschließen oder dass vor allem in den Nahverkehrszügen, die in Richtung Erholungsziele fahren, die Plätze bereits besetzt sind. Verlassen sollte man sich auf die Mitnahmemöglichkeit fürs Fahrrad also nicht.

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Auch bezüglich der Mitnahme von Tieren gelten weiterhin die Regeln des jeweiligen Verkehrsverbundes – eine pauschale bundesweite Regelung gibt es hier nicht, sodass du auch hier für den Hund vorher klären solltest, ob du für Teilstrecken ein Extra-Ticket benötigst (das dann freilich oft teurer ist als 9 Euro).

Wo wird das 9-Euro-Ticket gelten – und wo nicht?

Prinzipiell soll das Ticket in sämtlichen zum ÖPNV (Betonung auf „Nahverkehr“) gehörenden Verkehrsmitteln gelten, also Bussen, Straßenbahnen, U-Bahnen, Anruf-Sammeltaxis und Ruftaxis, Fähren (etwa in Hamburg den HVV-Fähren) sowie in den Bahnen des Nahverkehrs wie Regionalexpress und Regionalbahn.

Das gilt natürlich auch in fremdvergebenen Zügen der Deutschen Bahn, die beispielsweise als Süwex, als Hessische Landesbahn oder Bayerische Oberlandbahn fahren. Hier sollten sich die Fahrgäste vorab über die Bahn-App informieren, ob der betreffende Zug ein Nahverkehrszug des DB-Tarifs ist. Generell nicht dabei sind die Flixtrain-Züge, die aber ohnehin als Fernverkehr gelten würden – das Unternehmen Flix Mobility ist an der ganzen Geschichte sowohl mit seinen Zügen als auch mit den Bussen nicht beteiligt.

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Für reichlich Schlagzeilen haben einzelne Züge geführt, die zwar auf bestimmten Teilstrecken als Regionalexpress klassifiziert sind, aber eigentlich Fernverkehrszüge sind, die von der Fernverkehrsabteilung der DB betrieben werden. Hier sollte man im Einzelfall im DB-Navigator, der Bahn-App, nachschauen, ob der jeweilige Zug als 9-Euro-Ticket-klassifiziert geführt wird (steht dort unten in den Fußnoten). Prinzipiell dürfte das außer der Gäubahn in Süddeutschland und einzelnen Zügen in Ostdeutschland aber eher die Ausnahme sein, weswegen man die Geschichte nicht allzu hoch aufhängen muss. Zudem ist damit zu rechnen, dass die Bahn hier vermehrt im Fernverkehr Durchsagen machen wird, dass das 9-Euro-Ticket nicht gültig ist (so wie sie das sonst auch bei den Landestickets tut).

Nicht gelten wird das Neun-Euro-Ticket natürlich in Fernverkehrszügen wie IC, EC und ICE. Das Bahnpersonal wird hier allerdings sicherlich reichlich Spaß mit Kund:innen haben, die dies nicht wissen, überhören oder einfach mal ausprobieren wollen, ob sie mit Kulanz durchkommen.

Gerade in den ersten Tagen könnte dies zu Streit mit uneinsichtigen Kund:innen und entsprechenden Verzögerungen im Betriebsablauf wegen Polizeieinsätzen führen. Keine Gültigkeit hat das Ticket auch in den privaten Verkehrsmitteln wie Flixbus und Flixtrain. Hinzu kommen sicherlich einige spezielle Verkehrsmittel wie private Bergbahnen.

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Wo bekommt man das 9-Euro-Ticket und gibt es Vorteile bei unterschiedlichen Verkaufskanälen?

Bekommen kannst du das 9-Euro-Ticket in ziemlich jedem Verkehrsberbund, meist auch an den Automaten und Geschäftsstellen. Am Einfachsten gehts natürlich über die App, wobei du sowohl über die DB-Navigator-App als auch über so ziemlich jede App der Verkehrsverbünde die Tickets kaufen kannst. Beachte, dass diese namensgebunden sein müssen. Bei der Bahn hast du dazu die Möglichkeit, entweder für dich selbst (also den Kontoinhaber) oder auch für Dritte unter Angaben von deren Namen zu kaufen. In den Verkehrsverbünden werden die Tickets teilweise von Hand mit Namen versehen, was du nicht vergessen solltest, um nicht unangenehm aufzufallen. Wichtig ist, dass das Ticket personengebunden ist.

Klar ist aber, dass das Ticket – egal, wo du es erwirbst – denselben Funktionsumfang haben wird und mit denselben Einschränkungen behaftet ist (etwa bei Privatbahnen). Ob du dein Ticket also im eigenen Verkehrsverbund oder im Nachbarort kaufst, ist zweitrangig und sollte anhand der Verkaufsstellen und der dort zu erwartenden Komplikationen entschieden werden. Einfach im Bus erwerben können wird man das Ticket allerdings ziemlich sicher nicht!

Im Zweifelsfall wird es die Deutsche Bahn sein, die dir ein solches Ticket sicher verkaufen kann – über die Automaten, den DB Navigator und die App sowie am Schalter. Nicht sicher ist dabei, in welche der zahlreichen Verkehrsverbunds-Apps du dein online gekauftes Ticket importieren kannst oder ob du ein einfaches auszudruckendes PDF-Ticket erhalten wirst. Im Zweifelsfall geht das nämlich nicht so einfach – ebenso wie es für die Kontrolleure schwierig wird, die Tickets zweifelsfrei zu kontrollieren.

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Zusätzlich gibt es eine App, die explizit für das 9-Euro-Ticket vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) geschaffen wurde, um niedrigschwellig Neukund:innen abzuholen. Die App heißt 9-Euro-Ticket und findet sich auf den gängigen Plattformen. Bezahlt werden kann das Ticket dann per SEPA-Lastschrift direkt vom Bankkonto oder per Kreditkarte, nicht aber per PayPal. Letzteres wird dagegen bei diversen anderen Apps unterstützt. Diese spezifische App bietet ansonsten aber wenig Lohnenswertes, weswegen du eher eine der Verbund-Apps oder den DB Navigator nutzen solltest.

Haben alle Verkehrsbetriebe das Ticket im Programm?

Davon ist auszugehen – wenn nicht, wird das eher mit dem engen Zeitplan und den eingeschränkten Fähigkeiten und Ressourcen der Unternehmen zu tun haben, die Verkaufskanäle (Online und am Automaten) anzupassen. Selbst kleine Verkehrsbetriebe wie die Straßenbahn in Naumburg haben hier Lösungen gefunden (dort trägt man sogar den Monat frei ein und die Fälschungssicherheit fällt jetzt auch nicht allzu hoch aus) – und zumindest alle größeren Verkehrsverbunde hatten das Ticket bereits einige Tage vor dem Start verfügbar.

Was passiert mit den Besitzern von Zeitkarten?

Schon relativ bald hatten Vertreter:innen der diversen Verkehrsverbunde betont, dass das im Nahverkehr relativ mächtige 9-Euro-Ticket niemanden dazu anhalten soll, ein bestehendes Abo zu kündigen. Denn das wäre ja für alle beteiligten Verkehrsbetriebe kontraproduktiv, wenn Kund:innen gerade jetzt ihr Ticketnutzungsverhalten überdenken und möglicherweise angesichts von mehr Homeoffice und veränderten Nutzungskonstellationen umsteigen.

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Wie genau der Umgang mit den Abokund:innen erfolgen soll, hängt vom jeweiligen Unternehmen ab. Entweder erfolgt eine Gutschrift in Höhe der Differenz, die dann in den nächsten Monaten verbraucht wird, oder es wird gleich ein verminderter Monatspreis abgebucht. In einigen Fällen, etwa wenn das Abonnement jahresweise abgerechnet wird, sollen wohl auch entsprechend vergünstigte Freimonate angehängt werden. Praktisch behalten Abokund:innen einfach ihr normales Ticket, das  ggf. um die zusätzlichen Features (Nutzung vor neun Uhr, bundesweite Gültigkeit etc.) upgegraded wird.

Wie steht es um Jobtickets?

Eine Besonderheit besteht bei entsprechenden Jobtickets beziehungsweise dann, wenn die Monatskarte aus buchhalterischen Gründen über den Arbeitgeber gestellt wird – in diesem Fall dürfte die Abrechnung der Differenz auch über diesen erfolgen, sodass Mitarbeitende sich deshalb mit der eigenen Personalabteilung auseinandersetzen müssen.

Und was ist mit Semestertickets?

Auch bei Semestertickets könnte es Kompensationslösungen geben oder diese werden bundesweit gültig. Näheres hierzu verhandeln die jeweiligen Hochschulen mit den Verkehrsunternehmen. Unklar ist auch noch, wie bei Sozialtickets und speziellen Seniorenkarten umgegangen wird.

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Was ändert sich für Abokunden durch das 9-Euro-Ticket und was ist mit der Bahncard 100?

Auch wenn die Abokunden zunächst einmal mehr Aufwand haben, könnte sich das Abo lohnen – denn wer auf seiner Karte weitere Personen oder ein Fahrrad mitnehmen kann, soll das auch mit dem Aktionsticket tun können. Die bisherigen Mitnahmeregeln gelten weiter, allerdings möglicherweise nur im jeweiligen Verkehrsverbund oder in der ausgewählten Zone, für die auch deine Abo-Karte Gültigkeit hat.

Für die Besitzer der Bahncard 100 ist keine Änderung erfolgt. Sie nutzen diese weiterhin im Fernverkehr sowie in den integrierten Verbundstädten über die City-Funktion – dort allerdings weiterhin nur im normalen City-Bereich. Da die Bahncard 100 aber deutlich umfangreicher ist und gerade im Nahverkehr einige Einschränkungen enthält, könnte es sich für BC-100-Besitzer sogar lohnen, das Neun-Euro-Ticket zusätzlich zu erwerben, um auf Nummer sicher zu gehen. Denn das 9-Euro-Ticket gilt nicht nur in den rund 100 Stadtverkehren, sondern eben bundesweit mit deutlich weniger Einschränkungen.

Lohnt sich das Ticket auch auf dem Land?

Selbst wenn du deswegen nicht jeden Tag zur Arbeit pendelst, weil du etwa im ländlichen Raum wohnst, kann sich das 9-Euro-Ticket für dich rechnen. Etwa wenn du am Wochenende einen längeren Ausflug machst, den du beispielsweise von der nächsten größeren Stadt aus beginnst. Eine Zahl zur Einschätzung: Rund 55 Millionen Menschen in Deutschland wohnen laut einer Studie der Deutschen Bahn nicht im großstädtischen Raum, der ein derart gutes Nahverkehrsnetz bietet, dass man das Auto in jeder Lebenslage stehen lassen kann. Doch gerade in der Freizeit können öffentliche Verkehrsmittel eine gute Ergänzung im Verkehrsmix der Zukunft sein.

Wird es angesichts des 9-Euro-Tickets zu Überlastungen auf den Strecken kommen?

Davon ist auszugehen. Bahn-Betriebsräte und Fahrgastverbände warnen bereits vor einem Verkehrschaos – und wer sich noch an die Einführung des Wochenendtickets in den Neunzigerjahren erinnert, könnte das unterschreiben. Insbesondere auf beliebten Ausflugsstrecken – von München in die Berge, von Berlin und Hamburg aus ans Meer – dürfte es an den Wochenenden sowie in Ferienzeiten eng werden. Zusätzliches Personal wird hier möglicherweise für Ordnung sorgen, aber spätestens wenn es Streit um eine mögliche Räumung von Zügen gibt, kommt der Betrieb zu Erliegen.

Dass das erste Wochenende, an dem das Ticket gelten wird, gleich das verlängerte Pfingstwochenende ist, mag zwar schön für die Reisenden sein, könnte aber zu erhöhtem Verkehrsaufkommen und Verspätungen führen.

Werden die Verkehrsbetriebe, insbesondere die Bahn, zusätzliche Verkehrsmittel bereitstellen?

Bis zuletzt haben sich ja die beteiligten Verkehrsbetriebe gegen Mehrkosten gewehrt und erklärten im Vorfeld, dass all das ohnehin schon nicht finanzierbar sei, andererseits wird es aber ohne zusätzliche Ressourcen gerade an den Wochenenden nicht gehen. Der Fahrgastverband Pro Bahn rechnet damit, dass die erwarteten zusätzlichen Reisenden größtenteils mit dem bestehenden Angebot an Zügen und Bussen auskommen müssen.

Die Regionalverkehrssparte der Bahn hat angekündigt, alles was irgendwie verfügbar ist, auf die Schiene bringen zu wollen, wodurch aber gerade einmal 50 zusätzliche Züge eingesetzt werden. Die Sparmaßnahmen der letzten Jahre sind an dem Unternehmen nicht spurlos vorbeigegangen. Schon deshalb solltest du auf Online-Fahrpläne setzen, da es ggf. zu Veränderungen im Fahrplanablauf kommen kann. Denn ob deswegen weniger gefragte Fahrten ausfallen müssen, ist noch unklar.

Zugsptize, Sylt, Feldberg? Wie weit komme ich mit dem 9-Euro-Ticket?

Schon im Vorfeld hatten viele darüber diskutiert, ob man mit dem 9-Euro-Ticket sinnvoll den Fernverkehr ersetzen kann. In der Tat ist damit zu rechnen, dass die üblichen Touristenziele wie Garmisch, die Zugspitze, der Schwarzwald oder Sylt und andere Inseln auch vermehrt von Tagestourist:innen angesteuert werden. Ob das gerade jetzt ein Spaß ist und ob man überhaupt am Wochenende einen Sitzplatz bekommt, ist unklar. So gesehen kann es sich sogar lohnen, die eigentlich geplante Tour mit dem Fernverkehrszug zu lösen. Klar ist aber auch: Weite Strecken im Nahverkehr sind insbesondere aufgrund der häufigen Halte ermüdend und nicht vergnügungssteuerpflichtig und somit eher was für absolut Sparsame.

Wer mal schauen will, wie weit man vom Heimatort aus oder aus der nächsten größeren Stadt ohne Umsteigen kommt, kann den jeweiligen Ort beim Bahnguru eingeben. Wie’s geht, ist hier erklärt. Bedenke nämlich auch: Je häufiger du umsteigen musst, umso riskanter ist das Erreichen sämtlicher Anschlusszüge insbesondere am Wochenende. Und die sonst üblichen Verspätungserstattungen gibt es beim 9-Euro-Ticket nicht, sodass du im schlimmsten Fall bei Verpassen des letzten Zugs am Abend schauen muss, wie du nach Hause kommst.

Wie kann ich das 9-Euro-Ticket für meine Ausflüge und Urlaubsreisen nutzen?

Prinzipiell ist so ziemlich jedes Ziel in Deutschland mit Nahverkehrszügen erreichbar. Ob das allerdings sinnvoll ist (insbesondere wenn man mit größerem Gepäck reist), sei einmal dahingestellt. Klar ist aber, dass es durchaus eine Reihe von Strecken und Querverbindungen gibt, die nicht gut über die Hauptachsen des Fernverkehrs erreichbar sind. Gerade auf Querstrecken oder Verbindungen zwischen mehreren Kleinstädten ist man oftmals mit Nahverkehrszügen nicht deutlich länger unterwegs als mit ICE oder IC/EC.

Die Bahn-Apps unter iOS und Android sowie der DB Navigator online sind gute Anlaufstellen, um Routen zu planen. Berücksichtige, dass die Auslastungsprognosen mit Vorsicht zu genießen sind und ohnehin nicht im Zusammenhang mit dem Nahverkehr angezeigt werden.

Fernverkehr und Nahverkehr kombinieren, ist das eine gute Idee?

Unter Umständen kann es aber sinnvoll sein, eine länger anstehende Reise, die aus Fernverkehr und Nahverkehr besteht, reduziert zu planen, also das Mittelstück im Fernverkehr gesondert zu buchen. Auch das geht mit dem Neun-Euro-Ticket deutlich günstiger, ohne dass du zusätzliche Zeit einplanen musst. Hier kann sich gegebenenfalls die Bahncard mit dem entsprechenden Rabatt weiter bezahlt machen.

Doch keine Regel ohne Ausnahme: Bedenke, dass du in diesem Fall bei Zugbindung nicht die Bahn für Verspätungen im Betriebsablauf davor haftbar machen kannst und somit kein Anrecht auf Mitnahme hast, wenn der Zug davor Verspätung hatte, der nicht zu deinem Fernverkehrsticket gehört.

Wie geht es nach August mit dem ÖPNV weiter? Bleibt das so günstig?

Sicher nicht, denn das Experiment, in das die Verkehrsbetriebe so unvermittelt gerutscht sind, ist teuer genug. Der Bund erklärt, dass die ÖPNV-Aktion den Staat etwa 2,5 Milliarden Euro für den betrachteten Zeitraum kosten wird. Auch wenn der Nahverkehr in vielen Gegenden schon ohnehin ein Zuschussgeschäft ist, sorgt das Neun-Euro-Ticket für ein weiteres Loch in den Haushalten. Somit ist unwahrscheinlich, dass der Staat (wie in Luxemburg) den ÖPNV komplett alleine stemmen wird, auch wenn dies aus Sicht der Fahrgäste und in Hinsicht auf Klimapolitik und Nachhaltigkeit erstrebenswert wäre.

Im Gegenteil: Zahlreiche Verkehrsbetriebe haben bereits angekündigt, dass es nach September für alle Fahrgäste deutlich teurer wird. Wieviel davon das übliche Säbelrasseln ist und wie der Bund und die Länder hierauf reagieren werden – sinnvoll wäre ja, den ÖPNV weiter zu ertüchtigen und zu einem Bestandteil im Verkehrsmix der Zukunft zu machen – bleibt abzuwarten.

Noch sinnvoller als ein kurzfristiges Experiment dieser Art wäre aber, wenn die Verkehrspolitik langfristig derartige Millionenbeträge in den Ausbau des ÖPNV investieren würde. Was das Experiment rund um das 9-Euro-Ticket aber bringt, ist eine Diskussion um den öffentlichen Verkehr, wie sie in anderen Ländern mit entsprechenden Umwelttickets bereits geführt wurde.

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Das 9-Euro-Ticket wird vorwiegend bisherige ÖPNV-Nutzer dazu bewegen, damit Zeitkarten und andere Sonderangebote zu substituieren. Zusätzliche Nutzer wird dieses Angebot kaum generieren. Die Erwartung überfüllter Bahnen und Busse ist hirnrissig.
ÖPNV-Praktiker und Verkehrswissenschaftler wissen seit Jahrzehnten, dass die ÖPNV-Nutzung weniger vom Fahrpreis als vor allem von der Qualität der Verrkehrsverbindung (Reisezeit, Umstiege etc.) abhängt.
Wir selbst nutzen hin und wieder das in Bayern beliebte Bayern-Ticket. Dieses werden wir natürlich „mitnehmen“ und mit dem 9-Euro-Ticket ersetzen.
Generell wird dieses Ticket aber hauptsächlich Löcher in die Kassen der Verkehsbetriebe reissen, die wir letztlich dann alle als Steuerzahler wieder stopfen dürfen …
Blöder geht’s kaum noch.

Antworten
Oliver

Ich werde das Ticket direkt für die 3 Monate kaufen. Eine super Alternative, um einfach mal in die City oder die Nachbarstädte zu pendeln. Gerade jetzt im Sommer. Ich erwarte keine überfüllteren Busse und Bahnen als sonst auch. Samstags war noch in jedem RE der Teufel los. Dafür muss ich mir keine Gedanken um Parkplätze machen.
Man merkt allerdings schon, dass viele noch in der guten „alten“ Zeit festhängen und sich mit Veränderungen schwer tun. Früher war halt immer alles besser. Anstatt die ganze Sache als großen Feldversuch anzuerkennen, um neue Möglichkeiten der individuellen Fortbewegung aufzuzeigen, wird erstmal gebasht was das Zeug hält. Keiner weiß, was das Ergebnis sein wird. Einfach mal machen und hinterher schauen, was es gebracht hat. Übrigens kann man im Nachhinein immer noch nachschärfen … wird auch oft vergessen. Genauso gerne wird vergessen, dass Spritsubventionen und Energiepauschalen auch von jemandem bezahlt werden muss … na? Wer wird das sein? Aber das trägt natürlich nicht zur Argumentation bei.

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Prof. Dr. Willy Frank

Hat leider nicht viel mit meinem Kommentar zu tun.
Liegt vielleicht daran, dass „man/frau“ nicht mehr aufmerksam lesen und diffferenzieren können …
Außerdem: Das Rad muss nicht unbedingt jedes Jahr neu erfunden werden! Kapiert? Vermutlich nicht.
Zum Nachlesen: ISBN 3-428-06970-6

Antworten
Oliver

Mit Aussagen wie „Blöder geht’s kaum noch.“ oder „Kapiert? Vermutlich nicht.“ möchte man natürlich seine intellektuelle Überlegenheit zum Ausdruck bringen. Einer hat’s kapiert und alle anderen nicht. Naja … wer es braucht.

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