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Analyse

About You verkauft seine Infrastruktur besser als Amazon

About You kauft den Marketing-Automation-Spezialisten Adference, um seine Cloud zu erweitern. Die Fashion-Plattform stellt sich damit immer besser als Infrastruktur-Anbieter auf.

Von Jochen G. Fuchs
3 Min.
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Die About-You-Cloud bietet ein Backend für E-Commerce-Interfaces aller Art. Das E-Commerce-Betriebssystem wird jetzt mit dem Marketing-Automation-Anbieter- Adference eng verzahnt.(Screenshot: About You)

Mit dem kürzlich getätigten Zukauf von Adference wird About You seine Cloud um einen Anbieter für die Automatisierung des Bidmanagements bei Google und Amazon erweitern. Adference automatisiert mithilfe von Machine-Learning-Technologie ohne komplexe Filterregeln Amazon- und Google-Kampagnen. Wie About-You-Mitgründer Tarek Müller im OMR-Podcast verrät, ist Adference der einzige externe Marketing-Anbieter, mit dem Müller über Jahre zusammengearbeitet hat, und die Lösung soll ausgereifter und effektiver sein als alle anderen sich am Markt befindlichen Optionen. Weil About You Marketing-Technologien eigentlich nur inhouse entwickeln und betreiben will, soll der Kauf die sinnvollste Option gewesen sein.

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Auch wenn Adference eigenständig bestehen bleiben soll und nicht direkt in der About-You-Cloud aufgeht, scheint Müller den Anbieter schon als Teil der Cloud zu betrachten. Eine enge Verzahnung zwischen den Systemen wird also unvermeidlich kommen. Teuer aufgebaute, oder in diesem Fall aufgekaufte, Infrastrukturen zweitzuverwerten, bringt Händlern zusätzliche Erlöse. Das hat Amazon vorgemacht, erfolgreich im Fall AWS, erfolglos im Fall Amazon Webstore – About You scheint es jetzt zumindest im Sektor Shop-Infrastruktur mit Erfolg nachzumachen.

About-You-Cloud soll Milliardenumsätze bewegen: Erster großer „Fremdkunde“ Depot

Die About-You-Cloud ist eine E-Commerce-Infrastruktur für Händler mit großen Bestellvolumina. Das 2017 gestartete erste Produkt der Cloud namens Backbone liefert eine API-Lösung, die sich um das unsichtbare Rückgrat eines Onlineshops kümmert. Dazu zählen Produkt- und Katalogdatenverwaltung, Bestell- und Bestandsverwaltung und auch Lager- und Logistikverwaltung.

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Tarek Müller (Foto: About You)

Tarek Müller, Mitgründer von About You. (Foto: About You)

Im Podcast erklärt Müller weiter, dass das Onboarding unterm Strich bis zu drei Jahre dauern kann. Anscheinend schaltet About You erst einzelne technische Bereiche des Kunden-Onlineshops auf die neue Infrastruktur um und nicht alle auf einmal.

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Nach dieser Rechnung müssten spätestens 2020 erste Kunden vollständig auf die About-You-Cloud migriert sein, da das About-You-Produkt Backbone 2017 startete. Als ersten Kunden hatte About damals die Witt-Gruppe verkündet. Das ist zwar ein großer Kunde, gehört aber zur Otto-Gruppe, wie auch About You. Jetzt hat Müller mit Depot einen großen Namen ins Spiel gebracht, der nicht zu Otto gehört. Und gleichzeitig mitgeteilt, dass Kunden mehreren Milliarden Euro Jahresumsatz in die About-You-Cloud bringen werden. Da die Witt-Gruppe mit zuletzt 818 Millionen Euro noch deutlich unter einer Milliarde Umsatz macht, und Depots Mutter Gries Deco Company aktuell 408 Millionen Euro Umsatz vermeldet, sind wohl noch einige weitere große Kunden bei About You unter Vertrag. Darauf deutet auch eine Äußerung des About-You-Mitgründers hin: Laut Müller ist die Implementierung so ausgelastet, dass About You in nächster Zeit keine weiteren Kunden mehr onboarden könne. Das Unternehmen muss erst bestehende Implementierungen beenden.

About You verkauft Shopinfrastruktur erfolgreicher als Amazon

Amazon hat seine eigene Infrastruktur an Händler weitervermarktet und erwirtschaftet den überwiegenden Teil seines Umsatzes und mutmaßlich auch einen signifikanten Teil des Ertrages mit Händlern und externen IT-Kunden. Amazon Web Services generiert Milliarden-Umsätze, von denen About You meilenweit entfernt ist. An einer Stelle jedoch hat Amazon versagt.

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2015 stellte der US-Konzern seinen erfolglosen SaaS-Mietshop Amazon Webstore ein. In der Anfangszeit von Amazon gab es schon einmal Ansätze, beispielsweise betrieb Amazon den Shop von Toys R Us, es blieb jedoch nie lange dabei. Die Gründe für den Misserfolg sind vielfältig, neben der Unflexibilität des Amazon-Systems dürfte auch Misstrauen ein Faktor des Scheiterns gewesen sein. Dass Amazon selbst Händler ist, schien ein Problem zu sein. Bei About You scheint diese Tatsache eher Kompetenz zu versprechen, als Angst einzujagen.

Für die klassischen Software- oder SaaS-Anbieter ist diese Entwicklung beachtenswert: Denn dass die entstehenden Systeme so nah am Kundenbedarf geplant und entwickelt werden, ist ein erheblicher Wettbewerbsvorteil. Ein Shopsystemhersteller mit einer machine-learning-basierten Marketing-Automatisierung ist bisher nicht bekannt, dabei ist das ein Sektor, der zukünftig auf großes Händlerinteresse stoßen wird. Dass About You innerhalb der eigenen Cloud ein eng verzahntes, leistungsfähiges Bidmanagement für Google und Amazon anbieten kann, wird dazu führen, dass sowohl Adference als auch die About-You-Cloud weiter wachsen.

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