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Activision Blizzard: Klage spricht von Kultur konstanter sexueller Belästigung

Eine behördliche Untersuchung hat durchgehend sexuelle Belästigungen beim World-of-Warcraft-Studio aufgedeckt. Der Staat Kalifornien verklagt daher das Mutterhaus Activision Blizzard wegen Diskriminierungen in etlichen Bereichen.

3 Min. Lesezeit
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Es soll diverse sexuelle Annäherungen von Blizzard-Mitarbeitern an ihre weiblichen Kollegen gegeben haben. (Symbolbild: Kaspars Grinvalds/ Shutterstock)

Alkoholkonsum, Zockerei und sexuelle Belästigung von Frauen sollen an der Tagesordnung gestanden haben. Die Vorwürfe gegen Blizzard Entertainment wiegen schwer. Das offenbart die Klage des Department of Fair Employment and Housing, Kalifornien (DFEH), die nun nach zweijährigen Untersuchungen angestrengt wird. Das Studio von Activision Blizzard habe eine Kultur der ständigen sexuellen Belästigung und Diskriminierung geschaffen, steht in der 30-seitigen Schrift. In einem Fall habe eine Mitarbeiterin sogar Selbstmord begangen.

Arbeiten unter ständiger Belästigung

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Weibliche Angestellte berichten von einer „frat boy“-Kultur (Verbindungsstudenten) und ziehen Parallelen zu Verbindungshäusern. Ihre männlichen Kollegen hätten durchgehend reichlich getrunken und Frauen belästigt. Sie seien „Cube-Crawls“ ausgesetzt gewesen, bei denen angetrunkene Männer unter den Schreibtischen herumkrabbeln und Angestellte begrapschen. Die Männer seien stolz verkatert zur Arbeit gekommen und hätten während der Arbeitszeit lange Computer gespielt, während sie ihre Aufgaben an Kolleginnen delegierten. Dabei scherzten sie über sexuelle Begegnungen, sprachen offen über weibliche Körper und machten Vergewaltigungswitze.

Diese „Arbeitskultur“ habe einen Nährboden für sexuelle Übergriffe aller Art geschaffen. Weibliche Angestellte seien ständiger Belästigung ausgesetzt, berichtet die DFEH-Klage. Sie hätten sich demnach durchgehend unerwünschter sexuelle Kommentare und Annäherungsversuche erwehren müssen und seien bei „Cube-Crawls“ und anderen Firmenveranstaltungen betatscht worden. Führungskräfte betrieben „eklatante sexuelle Belästigung“ – Konsequenzen gab es offenbar keine. Alle Mitarbeiter seien davon abgehalten worden, sich zu beschweren, da das zuständige Personal den Belästigern nahegestanden habe. Wer sich doch äußerte, musste nicht nur fürchten, dass Beschwerden oberflächlich, abweisend und nicht vertraulich behandelt wurden, sondern auch Vergeltungsmaßnahmen in Kauf nehmen. Darunter seien das Abziehen von Projekten, das unfreiwillige Versetzen in andere Einheiten bis hin zu Entlassungen gefallen.

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Führungsriege involviert

Auch die Führungsebene scheint laut der Untersuchung bei den Vorfällen involviert gewesen zu sein. So sei ein CTO des Unternehmens während Firmenveranstaltungen beobachtet worden, wie er betrunken weibliche Angestellte begrapscht habe. Auch der ehemalige Creative Director Alex Afrasiabi von World of Warcraft wird erwähnt. Er habe sich etwa auf der Blizzcon (Hausmesse von Blizzard) Firmenmitarbeiterinnen bedrängt. Er habe ihnen gesagt, er wolle sie heiraten, sowie versucht, sie zu küssen und den Arm um sie gelegt. Vorgesetzte mussten Afraisaibi schließlich wegziehen. Er soll so bekannt für seine Übergriffe gewesen sein, dass sein Büro den Beinamen „Cosby-Suite“ erhielt – benannt nach Bill Cosby, der 2018 wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden war. Das Urteil wurde im Juni wegen eines Verfahrensfehlers aufgehoben. Alex Afrasiabi arbeitet offenbar seit Juni 2020 nicht mehr bei Activision Blizzard.

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Der Bericht gegen Blizzard führt einen besonders krassen Fall auf: Eine Angestellte beging demnach auf einer Geschäftsreise mit einem männlichen Vorgesetzten Selbstmord, der Anal-Plugs und Gleitmittel mit auf die Reise gebracht hatte. Die Schrift der Behörde wirft der Firmenleitung vor, die feindselige Arbeitsumgebung durchgehend unterstützt zu haben. Es habe zahlreiche Beschwerden über rechtswidrige Belästigung, Diskriminierung und Vergeltungsmaßnahmen gegeben. Deren Empfänger, die Personalabteilung bis hin zum Chef von Blizzard Entertainment, J. Allen Brack, hätten jedoch keine Abhilfemaßnahmen ergriffen.

Diskriminierung auf vielen Ebenen

Die Klageschrift stellt zudem fest, dass Frauen bei Blizzard auch im Bezug auf Entlohnung, Zuteilung, Beförderung und Arbeitsbedingungen diskriminiert wurden. Schon bei der Einstellung erhielten sie weit weniger Anfangsgehalt. Ihnen seien weniger lukrative Arbeitsbedingungen und -möglichkeiten angeboten worden. Die Unternehmensführung habe weiblichen Beschäftigten auch weniger Aktien- und Leistungsvergütungen gezahlt. Wörtlich heißt es in dem Dokument: „Frauen wurden in die unteren Hierarchieebenen der Beklagten gedrängt und mussten oft härter und länger arbeiten, um die gleichen Beförderungs- und anderen Chancen wie ihre männlichen Kollegen zu erhalten.“ Beförderungen seien ausgeschlagen worden, weil die Angestellte „ja schwanger werden könnte“. Aus dem Bericht geht hervor, dass die Führungsriege im Gegensatz zur Kundenstruktur nur aus weißen Männern bestehe.

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Blizzard wehrt sich

Der Softwarekonzern hat The Verge eine Stellungsnahme geschickt. Er bezeichnet die Klage als „unverantwortliches Verhalten von unverantwortlichen Staatsbürokraten, die viele der besten Unternehmen des Staates aus Kalifornien treiben“. Man nehme jede Anschuldigung ernst und gehe Vorwürfen nach. Das Papier enthalte verzerrte und oftmals falsche Beschreibungen der Vergangenheit von Blizzard. Blizzard Activision habe sich bei den Ermittlungen äußerst kooperativ verhalten. Das Unternehmen zeigt sich enttäuscht, dass die Behörde „Ansprüche oder Bedenken“ nicht im offenen Gespräch lösen wollte, bevor sie einen Rechtsstreit anstrenge. Die Klage sei zudem ungenau und man sei angewidert davon, dass die DFEH den Selbstmord einer Mitarbeiterin hineingezogen habe, der „keinen Bezug zu diesem Fall“ habe. Activision zählt eine Reihe an Maßnahmen auf, die den „Blizzard-Arbeitsplatz von heute“ charakterisieren sollen. Seit Beginn der Untersuchung hat der Konzern demnach ein ganzes Paket von Programmen, Schulungen und Maßnahmen ergriffen, um Vielfalt, Gleichberechtigung und Integration zu stärken.

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Ano Ny Moose

Da sieht man wieder, wie diese Leute desperat versuchen, das Image von Firmen, Persönlichkeiten, etc. zu stören. Meistens sind diese Anschuldigungen völlig übertrieben, oder, im falle von Johnny Depp z.b. komplett falsch. Das Problem trägt leider auch dazu bei, dass ECHTE Fälle von sexuellen Übergriffen oder Belästigungen dann völlig zweitklassig behandelt werden.
Sehr schön! Weiter so, ihr triggerfreudigen SJWs! :)

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