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Alles anders? Twitters Entwickler-Vize pitcht der Plattform Ideen, die vieles verändern würden

Twitters Dantley Davis hat ein paar Funktionen und Features für die Plattform vorgeschlagen, mit denen er 2020 experimentieren will. (Bild: Twitter)

Twitters Vize für Entwicklung hat eine Liste von potenziellen Neuerungen für die Social-Media-Plattform vertwittert und die Community nach weiteren Ideen gefragt. Möglich sind unter anderem fundamentale Änderungen für Retweets und Mentions.

Mit neuen Features und veränderter Funktionalität könnte Twitter 2020 zu einem weniger toxischen Ort im Internet werden. Dantley Davis, Vize-Chef für Design und Entwicklung bei Twitter, ließ die Plattform – natürlich in Form eines Tweets – wissen, auf welche potenziellen Features er sich für 2020 besonders freut.

Wie The Verge berichtet, handelt es sich dabei um keine konkreten Pläne, sondern um Möglichkeiten und Experimente, die es auszuprobieren gilt. Sollten einige oder sogar alle davon irgendwann implementiert werden, könnte das die Art und Weise, wie Twitter funktioniert, grundsätzlich verändern. Laut Davis’ Tweets und Reaktionen auf Antworten zu seiner Ankündigung geht es dabei in erster Linie darum, Twitter zu einer weniger toxischen, freundlicheren Umgebung für alle zu machen.

Retweets aus, Mentions nur mit Zustimmung

Die zwei Experimente, die wohl den größten Impact auf die Art, wie Twitter funktioniert, haben könnten, sind das Deaktivieren von Retweets einzelner Tweets und @-Mentions nur noch mit Zustimmung des erwähnten Nutzers.

Könnte man Retweets ausschalten, würde das die potenzielle Reichweite einzelner Beträge drastisch limitieren. Das klingt in der Jagd nach Likes und Fame erst mal wenig wünschenswert, kann aber dabei helfen, die Verbreitung in unerwünschten Kreisen oder auf unerwünschte Art einzuschränken. Hater könnten Beiträge von Personen, die sie angreifen wollen, nicht mehr schnell und einfach in ihren Communities (auch Bubbles, also Blasen, genannt) verbreiten, wo diese dann umso mehr negative Kommentare, Beleidigungen und Hass ernten würden.

Ähnlich sähe es mit den Mentions aus, die bei Twitter dazu dienen, bestimmte Accounts direkt mit Tweets zu verknüpfen. Das würde, sollten die Pläne umgesetzt werden, nur noch mit ausdrücklicher Zustimmung der verlinkten Person funktionieren. Bisher gibt es keinerlei Einschränkungen bei dieser Funktion und jeder kann jeden einfach ungefragt in Beiträgen mentionen. Auch das führt wiederholt zu unangenehmen Folgen für die verlinkten Personen, da andere Nutzer unmittelbaren Zugang zum Profil dieser bekommen.

Die Mentions haben zwar auch den wünschenswerten Effekt, dass man Accounts oder deren Inhaber vor der versammelten Twitter-Gemeinde etwas fragen oder zur Rede stellen kann. Allerdings wird die Funktion auch immer wieder genutzt, um Accounts gezielt Hetze, Beleidigungen oder Shitstorms auszusetzen.

Weitere Experimente und Ideen aus der Community

Weitere Ideen, die Davis für Twitter 2020 vorgestellt hat, sind beispielsweise das nachträgliche Entfernen des eigenen Accounts aus einer Twitter-Konversation (sodass man keine Benachrichtigungen mehr bekommt, wenn in einem Thread Antworten gepostet werden) und die Möglichkeit, einzelne Tweets nur an bestimmte Bubbles zu senden. So könnten Beiträge etwa gezielt nur an Hashtags, Themengebiete oder ausgewählte Freunde vertwittert werden.

Dantley Davis fragte Twitter in seinem Beitrag auch direkt nach weitere Ideen oder Wünschen – die kamen prompt und zahlreich. Neben Wünschen nach alternativen Sortierungsweisen der Twitter-Timeline – etwa rein chronologisch – war die Community besonders im Bezug auf eine nachträgliche Bearbeitungsfunktion enthusiastisch – und gespalten.

Während sich diese viele wünschen, sprachen sich einige andere Twitterer entschieden gegen eine solche Edit-Funktion aus. Diese könnte missbraucht werden, um Aussagen nachträglich zu verändern und zu verfälschen. Davis reagierte auf die Sorgen konstruktiv und schlug eine Bearbeitung mit automatisch erstellter Versions-Historie für editierte Tweets vor.

Twitter grenzt sich von Facebook ab

Ob und welche der Ideen tatsächlich umgesetzt werden, bleibt abzuwarten – wie sehr oder wenig wünschenswert sie sind, ist Ansichtssache. Derweil erntete Davis’ Tweet sowohl Lob als auch fleißig Kritik aus der Twitter-Community. Viele mokieren sich über eine wahrgenommene Einschränkung ihrer Redefreiheit oder haben Sorge, dass Twitter mehr wie Facebook wird, während andere echte Chancen in den Überlegungen sehen, um ihre Anwesenheit und den Umgang auf Twitter angenehmer und konstruktiver zu gestalten.

Twitter-CEO Jack Dorsey hatte erst letzte Woche angekündigt, dass es auf der Plattform keine Werbung für US-Politiker mehr geben werde. Damit verhält sich Twitter diametral anders als Facebook, auf dessen Plattform nicht einmal Posts von Politikern entfernt werden, wenn diese grobe Unwahrheiten enthalten.

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