Analyse

Amazon ändert die Schriftart im Shop – und das Netz rastet aus

Amazon führt neue Schriftart ein. (Foto: © Hajny Studio/Shutterstock)

Amazons neuer Font hat Serifen – und das bringt Nutzer zur Raserei. Dabei stellt sich die Frage: Ist eine serifenlose Schrift wirklich besser als eine mit Serifen? Es gibt eine überraschende Antwort.

Bei vielen Nutzern erscheinen seit kurzem die Texte auf der Amazon-Website oder in der App nicht mehr wie gewohnt in einer serifenlosen Schriftart, sondern in der Serifenschriftart „Amazon Bookerly“. Es ist nicht wirklich klar, ob Amazon hier einen seiner vielfältigen A/B-Tests durchführt und die Änderung nur punktuell erprobt wird oder ob es sich um eine langfristig geplante Änderung handelt, die jetzt sukzessive umgesetzt wird. Spannend ist vor allem die Frage, ob Amazon mit der Einführung der Serifen-Schriftart richtig liegt – oder einen Fehler begeht.

Amazon ändert überraschend die Schriftart

Die Änderung der Schriftart scheint einen Nerv zu treffen, allerdings einen schmerzhaften. Sonderlich gnädig nehmen die Nutzer die neue Serifen-Schriftart jedenfalls nicht auf, wie ein Blick auf das Stimmungsbarometer Twitter zeigt.

Der Tenor geht seitenweise so weiter, die Nutzer sind hochgradig irritiert und fordern mehr oder weniger vehement, dass Amazon zu seiner serifenlosen Schriftart zurückkehrt. Geradezu erheiternd ist Amazons Reaktion auf manchen Rant. Da heißt es in der Antwort eines Amazon-Mitarbeiters sinngemäß: „Sieht so aus, als hätten Sie Schwierigkeiten, sich an unsere neue Schriftart zu gewöhnen. Wir betrachten das mal als Feedback und geben es weiter.“

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15 Kommentare
Eva
Eva

Eine Schrift ohne Serifen ist aber für Menschen mit Sehbehinderungen erwiesenermaßen deutlich besser bzw. überhaupt lesbar — sehr schade, dass bei den allermeisten Artikeln und Diskussionen rund um Webdesign selten bis nie auch mal das Thema Barrierefreiheit angesprochen wird.

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Marco
Marco

Hallo Eva,

ein „erwiesenermaßen“ ohne die Nennung einer Quelle ist erwiesenermaßen wenig aussagekräftig.

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Eva
Eva

Hallo Marco,

der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. schreibt: „Da für Menschen mit Sehbehinderungen grundsätzlich erhöhte Anforderungen an die Leserlichkeit gelten, favorisieren diese Leser humanistische Groteskschriften für alle Textarten.“ Quelle siehe hier: http://www.leserlich.info/kapitel/zeichen/schriftart.php

n1
n1

@Eva Humanistische Grotestkschrift ist aber schon extrem einschränkend. Roboto, San Francisco, Helvetica, Arial sind alle nicht humanistisch und auf Webseiten allgegenwärtig, weil es Systemschriften sind. Die einzige Schrift, die etwas humanistisch bezeichnet werden kann ist die Segoe UI von Microsoft.

Ronny
Ronny

Ich find’s gut. Wird endlich Zeit, dass die schmucklosen, hartkantigen Schriftarten, die mit dem Aufkommen des Flat-Designs sukzessive eingeführt wurden, wieder durch wohlgesetzte, charaktervolle ersetzt werden — gern auch mit Serifen. Bin ja nach wie vor der Meinung, dass Überschriften serifenlos gehören und Fließtext Serifen mitbringen sollte.

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borisch

Auch eine serifenlose Schrift kann sehr viel Charakter haben.

Überschriften sollten eigentlich Display-Fonts sein, Fließtext gerne serifenlos oder halt mit Serifen, je nach Anwendungsgrund.

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Kolja

Da gehöre ich wohl zum anderen Teil des A/B Testings. Ich sehe noch die gute alte serifenlose Schrift. Und die Welt ist noch in Ordnung,

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borisch

„Sollte Bookerly in internen Tests eine schnellere Lesbarkeit belegen können“
Lieber Autor, ich glaube die Lesegeschwindigkeit ist nicht das Hauptaugenmerk, sondern ob damit die Conversion verstärkt werden kann. Die Lesegeschwindigkeit ist nur ein Faktor der dazu beitragen kann oder halt auch nicht.

Es bleibt also abzuwarten inwiefern sich diese Schrift auf die Warenkörbe auswirkt.

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Martin Wunderlich
Martin Wunderlich

Ich empfinde es als sehr schwaches journalistisches Niveau davon zu schreiben, dass „das Netz“ oder „die Netzgemeinde“ eine „Revolte“ begeht, nur weil man ein paar Twitterbeiträge findet.

Sowas findet man quasi IMMER wenn eine beliebte Seite etwas am Design ändert.

Gerne Artikel welche die Thematik Serifen-Schrift im Web behandeln, aber bitte ohne diese Polemik.

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Raik
Raik

Zeigt mir einen der seinen Account deswegen kündigt. Die Härte der Emotionen ist von geringer Dauer, schnell sieht man sich wieder gezwungen den komfortableren Weg beim Shopping zu gehen. Ob da eine Font der Anlass zum Wechsel ist, insbesondere wenn der Wechsel „weg von Amazon“ bedeutet, vermutlich nicht! Vielleicht setzt Amazon sogar wieder neue/alte Trends … ?! ‍♂️

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Kunde
Kunde

Wenn man was dagegen hat kann man amazons front-end support team unter tech-help@amazon.de anschreiben, hab ich jedenfalls so gemacht. :)

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Guru
Guru

Ein weiteres Unding sind allgemein hellgraue Buchstaben auf weißem Hintergrund. Nach einer Operation am Grauen Star (30 Jahre am PC und ehemaliger Raucher) ist Barrierefreiheit ein Riesenthema und wird mit der demographischen Entwicklung zunehmen. Danke an Eva, dass sie es anspricht.

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Kettensprenger
Kettensprenger

2 Dinge sind bemerkenswert: Wie leer muss ein Leben sein, um sich über eine neue Schriftart aufzuregen? Und ist die Gier von Jeff Bezos so grenzenlos, dass die letzten Cents Profit herausgekitzelt werden müssen?

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Ronny
Ronny

Du hast den Artikel gelesen und einen Kommentar dazu geschrieben. Demnach kann Dein Leben auch nicht viel „voller“ sein.

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