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Amazon Go: Segen oder Fluch?

Amazon-Go-Store in Seattle. (Foto: picture alliance / AP Images)

Mit Amazon Go klopft die Zukunft an der Tür: Schlange stehen hat hier Hausverbot, du läufst mit deinem Einkauf einfach aus dem kassenlosen Laden raus. Ist das Konzept dahinter für den Einzelhandel Segen oder doch eher Fluch?

All Eyes on you – so funktioniert das Konzept ohne Kasse

Willst du bei Amazon Go einkaufen, so schränkt dich zunächst die begrenzte Anzahl an Filialen ein: Bisher gibt es die Läden nur in Seattle, New York, San Francisco und Chicago, aber Amazon plant, bis 2021 circa 3.000 Filialen weltweit zu eröffnen. Hast du ein Amazon-Konto? Das ist das A und O, um die komplett automatisierten Läden nutzen zu können. Wenn du dann noch den Account mit der Amazon-Go-App auf deinem Smartphone verknüpft hast, steht deinem kassenlosen Einkaufserlebnis nichts mehr im Weg. Ihre Türen öffnen die Geschäfte zwischen 6 und 7 Uhr morgens, Ladenschluss ist am frühen Abend, Sonntag ist Ruhetag. Betrittst du eine Amazon-Go-Filiale, fallen dir wahrscheinlich als erstes die vielen Kameras an der Decke ins Auge. Weil es kein Kassenlaufband gibt, auf das du die Produkte aus deinem Einkaufskorb legen musst, folgen die Kameras dir stattdessen durch den Laden und erfassen, welche Produkte du in deinen Korb legst. Zusätzlich sind in den Regalböden Waagen eingebaut, die das Gewicht der darauf stehenden Produkte tracken – nimmst du ein Exemplar heraus, erfasst die Waage das nun geringere Gewicht der verbliebenen Produkte. Umentscheiden ist auch kein Problem, stellst du ein Produkt zurück, erfasst das die smarte Waage ebenfalls.

Personalisiert und effizient – optimierter geht’s nimmer

Vorteile:

  • Schnellerer Einkaufsprozess
  • Geringe Fehlerquote
  • Einfache Rückerstattung
  • Personalisierte Rabattsysteme

Das Sortiment bei Amazon-Go-Läden besteht vor allem aus abgepackten Convenience-Produkten wie Sandwiches, Snacks und Spirituosen, die du mal schnell mitnimmst, sowie Haushaltswaren. Hier soll dein Einkauf möglichst schnell über die Bühne gehen, Beratung brauchst du keine – Ladenpersonal wäre also eh überflüssig. Apropos Effizienz: Die Geduldsprüfung an der Kasse fällt auch aus, denn wenn du den Laden verlässt, stellt Amazon stellt dir die Kosten deines Einkaufs über die App automatisch in Rechnung. Selbst der beste Kassierer vertippt sich mal, weil aber in Amazon-Go-Filialen die App den digitalen Beleg erstellt, geht die Fehlerquote gegen null. Für den seltenen Fall der Fälle, dass auf deiner Rechnung doch mal ein falsches Produkt steht, wird dir das Geld sofort rückerstattet. Weil Amazon auch genau weiß, was du gerne und häufig kaufst, sind personalisierte Rabatte mit Leichtigkeit realisierbar.

Eingeschränkte Bezahlung und kleines Sortiment – die Kehrseite der Bequemlichkeit

Nachteile:

  • Ohne Amazon-Konto kein Shopping
  • Datenerhebung über Kunden und ihr Einkaufsverhalten
  • Individuell zu wiegende Produkte nicht verfügbar
  • Persönliche Beratung und Kundenbindung nicht möglich

Im Gegenzug für die Bequemlichkeit der Amazon-Go-Filialen wird jeder deiner Schritte und dein kompletter Einkauf durch Amazon überwacht. Was zunächst sehr abschreckend klingt, ist eigentlich schon in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Beim Onlineshopping werden fast genauso viele Daten über dein Einkaufsverhalten erhoben wie in den kassenlosen Läden. Während unkomplizierte Waren problemlos von den Waagen und Kameras in den Amazon-Go-Filialen erfasst werden, gibt es noch Schwierigkeiten mit individuell zu wiegenden Produkten wie frischem Obst und Gemüse. Während für dich als Kunden der Einkauf von Convenience-Produkten vor allem schnell gehen soll, ist bei anderen Produkten die Beratung durch das Ladenpersonal ausschlaggebend. Verkäufer suchst du in den kassenlosen Läden jedoch vergeblich, somit unterstützt dich niemand bei schwierigen Einkäufen. Du kannst auch keine persönliche Beziehung mit dem Ladenpersonal aufbauen und die Filiale bleibt für dich gesichtslos und anonym. Nachdem Amazon Go anfangs komplett auf bargeldlose Bezahlung setzte, hagelte es Kritik, denn Menschen ohne Bankkonto oder Kreditkarte konnten nicht dort einkaufen. Die Läden öffneten daraufhin ihr Bezahlsystem und du kannst nun auch mit Bargeld zahlen.

Fazit: Der Drahtseilakt im digitalisierten Einzelhandel

Amazon Go steht ganz klar unter dem Schlagwort Effizienz – du als Kunde sparst Zeit, Amazon Personal- und Lagerkosten. Um den ökonomischen Einkauf zur Realität zu machen, setzt Amazon Go auf den optimierten Bezahlvorgang durch digitale Technik und verzichtet auf Ladenpersonal. Kameras und Waagen wissen nicht, was du magst und was du nicht leiden kannst – der Verkäufer deines Vertrauens aber schon. Das Konzept von Amazon Go ist zukunftsorientiert, aber weder Segen noch Fluch – den Drahtseilakt zwischen schnellem Einkauf und persönlicher Beziehung zu schaffen, ist die Aufgabe für den digitalisierten Einzelhandel des 21. Jahrhunderts.

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