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Aspirin in 30 Minuten – wer macht das Rennen im millionenschweren Medikamenten-Liefergeschäft?

Das Startup First A will mit seinem Online-Lieferdienst die Apotheken-Experience sexier und bequemer machen – doch das Rennen um Anteile im neuen Markt der Medikamenten-Lieferdienste hat gerade erst begonnen.

Von Insa Schniedermeier
4 Min. Lesezeit
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First A ist einer von inzwischen sechs Player:innen im neuen Markt für Medikamenten-Lieferdienste. Wird sich das Startup gegen die Konkurrenz durchsetzen können? (Bild: Shutterstock / New Africa)

Wenn man erklären will, was das Berliner Startup First A macht, dann hilft ein Vergleich: Es ist das Gorillas für Medikamente und bringt Arzneimittel per Fahrradkurier in 30 Minuten zu seinen Kund:innen. Zunächst nur in Berlin, jetzt auch in Köln, München, Düsseldorf und Frankfurt. „Im November haben wir jede Woche in einer neuen Stadt gelauncht“, sagt die Co-Gründerin Antonie Nissen im Videocall. Auch für Stuttgart wird bereits Personal gesucht.

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Nissen ist 24 und hat First A Anfang 2021 mit ihrem Bruder Leif Löhde (30) gegründet. Beide haben zuvor bei der Investmentbank JP Morgan gearbeitet, allerdings in unterschiedlichen Teams. Über die Zusammenarbeit mit ihrem Bruder sagt Nissen: „Wir ergänzen uns perfekt“. Im September 2021 wurde dann der Betrieb der Fahrradkuriere aufgenommen, „als erster Medikamenten-Lieferdienst in Deutschland“, wie Nissen betont. 

Neben OTC-Medikamenten (OTC = Over-the-Counter) wie Aspirin, Corona-Tests oder Elotrans gegen Durchfall, hat First A auch Nahrungsergänzungsmittel und Beauty-Produkte wie Kondome oder Hautcreme im Angebot. Die Lieferung kostet 2,50 Euro, Bestellungen über 30 Euro kommen gratis.

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Erst Gorillas-Investment, dann einstweilige Verfügung

Zunächst gab es nur gute Neuigkeiten. Zum Beispiel, dass sich hochrangige Investor:innen bei First A beteiligten, unter anderem die Gorillas-Gründer Jörg Kattner, Felix Chrobog und Ronny Shibley sowie Felix und Florian Swoboda des Fintechs Barzahlen.de. Welche Summen genau von den Angel-Investor:innen flossen, will First A nicht preisgeben. Nur so viel: „Wir sind gut durchfinanziert. Geld wird als Differenzierungsfaktor keine Rolle spielen“. Nach dieser Aussage von Nissen muss es sich um einen mindestens sieben-, wenn nicht achtstelligen Betrag handeln, denn der Konkurrent Mayd konnte inzwischen einen zweistelligen Millionenbetrag an Seed-Kapital einsammeln.

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Geschwister und Gründer. Antonie Nissen und Leif Löhde.

Geschwister sowie Gründerin und Gründer: Antonie Nissen und Leif Löhde.

Im November 2021 dann ein Dämpfer: Per einstweiliger Verfügung wurde First A untersagt, seinen Service weiter anzubieten, ohne die Nutzer:innen vorher darüber zu informieren, aus welcher Apotheke die Arzneimittel geliefert werden. Zum Start der App war das nicht deutlich genug ersichtlich gewesen. Zudem musste das Unternehmen seine Werbeaussagen überarbeiten und darf sich seitdem nicht mehr als „Apotheke“ bezeichnen. Vorher lauteten die Claims „Alles aus deiner Apotheke“ oder „lokale Apotheke – online“. Jetzt heißt ihr Slogan: „Pharmacy? Delivered.“ Nissen lacht heute nur noch darüber und zuckt die Schultern. Wachstumsschmerzen eben. 

7 bis 8 Bestellungen pro Fahrer:in pro Stunde

Besonders spannend sei bei ihrem Business-Modell das „Order-Stacking“ – heißt: Die Warenkörbe haben im Schnitt einen hohen Euro-Wert, obwohl sie nicht viel Platz wegnehmen. Ein:e Fahrer:in kann so leicht mehrere Bestellungen in einen Rucksack packen, was bei Lebensmitteln nicht möglich ist. „So kommen wir auf sieben bis acht Bestellungen pro Fahrer:in pro Stunde“, sagt Nissen.

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Inzwischen ist das First-A-Team auf 30 Mitarbeitende und rund 100 Fahrer:innen angewachsen. „Für mich ist das die perfekte Größe“, sagt Nissen. „Es fühlt sich nicht mehr wie ein Startup an, sondern wie ein richtiges Unternehmen und trotzdem sind wir schnell und agil in unseren Entscheidungsprozessen.“ 

Doch in der Komfortzone will First A nicht bleiben, dieses Jahr steht die Expansion in andere europäische Städte auf dem Plan. Vor allem Ost- und Südeuropa seien dabei interessant, da sie ähnliche Apotheken-Systeme wie Deutschland hätten. „In England würde das keinen Sinn machen. Die haben ein ganz anderes Modell mit ihren Drugstores.“ Da First A „asset-light“ ist, dürfte die Skalierung zügig gehen, wie das Startup bereits in 2021 demonstriert hat. 

 

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Die Konkurrenz schläft nicht

First As größter Konkurrent ist wohl gerade das Berliner Startup Mayd (Ex-McMakler-Gründer), das ebenfalls die Lieferung von Medikamenten in Minuten anbietet.

Ernst zu nehmen ist auch das Unternehmen Kurando (zuvor als Phaster bekannt), das von Ex-Sennder-Managern gegründet und ebenfalls bereits ein Millioneninvestment im Rücken hat. Kurando soll im ersten Quartal 2022 ausgerollt werden und sich unter anderem auf ländlichere Regionen spezialisieren, schreibt Apotheke Adhoc zum Konzept.

Des Weiteren gibt es das Hamburger Unternehmen Medikamendo, das Medikamente in Kooperation mit Ärzt:innen ausliefert. Das Startup Aporando ist letzte Woche an den Start gegangen und verspricht Medikamentenlieferungen in nur 15 Minuten in NRW. Und auch etablierte Player:innen wie der Lieferdienst Wolt drängen mit ersten Tests in den Apothekenmarkt.

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„Konsument:innen haben gezeigt, dass sie die Vorteile von Gorillas, Flink und Co sehr schätzen. Das Gleiche wird auch im Apothekenbereich gelten“, äußert sich Eckhardt Weber, General Partner beim VC-Fonds Heal Capital, per Mail. „Wir sind überzeugt, dass neue große Plattformen im Apothekenbereich entstehen werden – offen ist noch, ob es Logistik oder Gesundheitsunternehmen werden und ob diese eher einen B2B- oder B2C-Fokus haben“. 

Make Apotheke sexy again

Wenn Geld keine Rolle spielen wird, was wird dann in Zukunft der differenzierende Faktor sein? „Definitiv die Brand“, sagt Nissen. Sie wollen sich mit First A als „quirky und jung“ positionieren und die Apotheken-Experience „sexier“ machen. Denn „wer geht aktuell schon gern in die Apotheke?“

Für das Jahr 2022 freut sich Nissen am meisten auf die Expansion von First A und auf den Launch des E-Rezepts. „Das E-Rezept wird es uns erlauben, rezeptpflichtige Medikamente anzubieten. Das wird spannend, weil wir dann unser Geschäftsmodell nochmal komplett neu denken können.“ Auch Abo-Modelle, eine Integration von Telemedizin-Angeboten sowie die Spezialisierung auf bestimmte Erkrankungen seien denkbar. Wir bleiben dran.

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