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Warum Deutschland bei der kommenden großen digitalen Plattform eine Chance hat

Elektroauto BUDD-e von Volkswagen auf der CES in Las Vegas. (Foto: dpa)

Die Autobranche wandelt sich vom Blech zur Software. Kann das für die deutschen Autobauer gut gehen? Immerhin war Software bisher eher die Stärke von US-Unternehmen. Die CES zeigte: Es gibt Hoffnung für Deutschland als Software-Standort.

Mit der Kombination aus Vernetzung und autonomen Fahren wird das Auto einerseits zu einer Art Google für die physische Welt – und andererseits zu einem der wichtigsten Plattformen: Denn womit verbringen die Mitfahrenden noch Zeit, wenn sie nicht mehr selbst hinter dem Lenkrad sitzen?

Autobauer waren daher auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas in diesem Jahr so präsent wie noch nie zuvor. Sogar an Ständen außerhalb der Automotive-Halle ging es häufig um Auto-Themen. Intel, das vor einiger Zeit den Zulieferer Mobileeye übernommen hat, zeigte beispielsweise einen mit Mobileeye ausgestatteten autonom fahrenden 7er-BMW und auch am Qualcomm-Stand drehte es sich unter anderem um Gigabit-LTE-Verbindungen im Auto.

Die große Frage der Branche wird hier besonders sichtbar: Wie werden in Zukunft zwischen Autoherstellern, Zulieferern und Tech-Konzernen die Pfründe verteilt werden, wenn Autos autonom werden, Mobilität zu einer Dienstleistung und das Auto dank Vernetzung zu einer Plattform?

Die Befürchtung mancher Auto-Manager ist, dass die Hersteller, deren Geschäfte seit einigen Jahren so gut wie nie laufen, zu reinen „Blechbiegern“ verkommen und das lukrative Geschäft an der Schnittstelle zwischen Auto und Kunde andere übernehmen.

Es geht um die digitalen Dienste, mit denen künftig Geld verdient wird

„Apple und Google scheinen wieder davon abgekommen zu sein, ein Auto zu bauen. Man konzentriert sich offensichtlich eher darauf, an den ‚neuen Diensten‘ zu verdienen“, sagt Elmar Kades, Managing Director beim Beratungsunternehmen Alixpartners. Das Unternehmen berät eine Reihe von Unternehmen der Automobilbranche, nennt aber „grundsätzlich keine Kundennamen“, so ein Sprecher.

Alle Autobauer setzen daher auf mehr IT-Kompetenz im Unternehmen selbst – aber auch auf Kooperationen. Volkswagen beispielsweise verkündet auf der CES eine Zusammenarbeit mit Nvidia, die neben Grafikkarten auch Spezialchips für Deep Learning anbieten – diejenige Form der künstlichen Intelligenz, die für autonomes Fahren von besonderer Bedeutung ist. Intel verkündete Kooperationen mit BMW, Volkswagen, Nissan, Ferrari North America und dem chinesischen Hersteller SAIC Motor.

Schon jetzt ist klar: Die Zukunft der Mobilität wird von dem geprägt sein, was die Amerikaner „Cooptition“ nennen – eine Mischung aus Kooperation („Cooperation“) und Konkurrenz („Competition“). Die Deutsche Bank erwartet in ihrem Bericht „Das ‚digitale Auto‛“ mehr Umsatz, mehr Konkurrenz und mehr Kooperation. Es wird also zusammen getanzt werden – nur wer bei diesem Zusammenspiel am Ende führt, das wird gerade ausgehandelt.

Sind es die klassischen Autobauer? Sie haben immer noch die Macht darüber, was sie in die Autos einbauen – sofern die Kunden nicht irgendwann eine Oberfläche von Google oder Apple verlangen. Sind es die IT-Hardware-Hersteller wie Intel oder Nvidia, ohne deren Chips künftig kein Auto mehr ausgeliefert werden kann? Oder sind es Software-Experten wie Google und Apple, die die User Expierence der Nutzer im Alltag über die Smartphones bestimmen und – insbesondere im Falle von Google – große Kompetenzen in der Verarbeitung großer Datenmengen haben?

Auch Kartendaten werden insbesondere für das autonome Fahren und die darauf basierenden Geschäftsmodelle eine entscheidende Rolle spielen. Google besitzt mit der Maps-App die vermutlich besten Kartendaten und die meisten Nutzer, Apple betreibt eine Konkurrenz. Angesichts der drohenden Dominanz US-amerikanischer Tech-Konzerne ist die deutsche Autobranche längst auf Seiten von Technik und Daten zusammengerückt: An Here, dem ehemaligen Kartendienst von Nokia, sind neben den deutschen Autobauern Daimler, BMW und Audi sowie Intel und dem japanischen Elektronikunternehmen Pioneer seit neustem auch die beiden wichtigsten deutschen Zulieferer Bosch und Continental beteiligt. Der Gedanke ist naheliegend: Gegen die großen Plattformen Google und Apple kann nur eine eigene Plattform bestehen, die eine gemeinsame Basis für Technik und Daten legt. 

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