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Warum Deutschland bei der kommenden großen digitalen Plattform eine Chance hat

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Kann Deutschland Software?

Wie ernst sie es meinen, zeigte nicht zuletzt Daimler-Tochter Mercedes-Benz auf der CES. Das dort vorgestellte neue Linux-basierte Infotainment-System MBUX kann sich erstmals im direkten Vergleich zu aktuellen Smartphones sehen lassen. Es bietet eine intuitive, an aktuelle Smartphones angelehnte Steuerung per Touchscreen und Sprachsteuerung, eine selbstlernende KI sowie absolut flüssige 3D-Grafiken zum Beispiel bei der Navigation mit Here. Außerdem ist es wie Smartphones komplett per Internet-Update „over the air“ aktualisierbar – „bis runter zur Firmware“, wie ein Daimler-Entwickler am Rande der CES sagte. Damit wäre es endlich möglich, dass die Infotainment-Software durch Aktualisierungen mit der schnellen Software-Entwicklung bei Smartphones einigermaßen Schritt hält.

Auf der weltgrößten Elektronikmesse kam das neue Infotainment-System mit Touchsteuerung gut an: Es passiert nicht häufig, dass amerikanische Tech-Presse eine deutsche Software feiert. „Wenn ihr mir vor einer Woche gesagt hättet, dass eines meiner Lieblings-Dinge auf der CES die Infotainment-Software eines Autoherstellers sein wird, hätte ich gelacht – aber so ist es“, schreibt Techrunch. „Das könnte dein Smartphone im Auto ersetzen“, schreibt Engadget. Die Nachfolge-Version soll sogar ein noch größerer Schritt werden, heißt es aus Daimler-Kreisen.

Das neue System soll zunächst in die A-Klasse kommen, die am 2. Februar vorgestellt und im Mai auf den Markt kommen soll und damit vor allem junge Käufer locken. Danach soll MBUX schrittweise in alle weiteren Mercedes-Modelle kommen. Das bedeutet aber auch: Käufer der Mittel- und Oberklasse von Mercedes kaufen derzeit Infotainment-Systeme mit ihren teuren Autos, die im Vergleich zur kommenden A-Klasse echt alt aussehen. Und Daimler scheint auch nichts an der Politik ändern zu wollen, dass Aktualisierungen des Kartenmaterials nach drei Jahren Geld kosten sollen. Das hieße in vielen Fällen wohl, dass Nutzer doch wieder auf ihr Smartphone umsteigen.

Das neue MBUX-System von Mercedes-Benz in Bildern
Das neue Linux-basierte Infotainment-Betriebssystem MBUX in der kommenden A-Klasse. (Foto: Mercedes-Benz)

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Aber auch „unter der Haube“ – bei den Daten – haben traditionelle Unternehmen durchaus eine Chance. Auch wenn die Tech-Konzerne Google, Amazon und Facebook bei Datenverarbeitung und Analyse unangefochten sind, haben sie längst keinen Zugriff auf alle relevanten Daten. Das angesehene britische Wirtschaftsmagazin Economist erwartet nach dem Aufstieg der Tech-Konzerne in den vergangenen zehn Jahren zu den wertvollsten Konzernen der Welt bereits eine Renaissance klassischer Industrieunternehmen. „Die Platzhirsche haben einiges, was für sie spricht“, schreibt der Economist. „Ihnen gehören 80 Prozent der kommerziellen Daten der Welt, wie [IBM-Chef Ginni] Rometty anmerkt. Wenn KI die Zivilisation dadurch verändert, dass Daten für bessere Entscheidungen herangezogen werden, gilt: Die meisten historischen Daten über beispielsweise die Performance von Düsenturbinen oder Lieferketten von Anziehsachen gehören traditionellen Firmen außerhalb des Zugriffs von Amazon und Facebook.“

Auch Elmar Kades von Alixpartners sieht für die Autobauer gute Chancen. Insgesamt vier Parteien hat die Unternehmensberatung ausgemacht, die nach ihrer Einschätzung gemeinsam als Gewinner hervorgehen werden: Erstens klassische Autobauer – in der Branchensprache OEMs genannt. Zweitens neue Firmen, weil sie Innovationen in die Branche einbringen – hierzu gehören auch neue Autohersteller wie Tesla oder Byton aus China. Drittens große Zulieferer, die sich dem Wandel der Zeit stellen und viertens neue Zulieferer, die für die neuen Themen der Automobilbranche Konnektivität, autonomes Fahren, Carsharing, digitale Dienstleistungen und Elektromobilität benötigt werden. „Ich denke, dass man die klassischen OEMs nicht unterschätzen sollte. Sie werden 2018 und 2019 viele neue und vielversprechende Modelle auf den Markt bringen“, sagt Kades.

Disclosure: Die Reise unseres Autors zur CES in Las Vegas wurde von Mercedes-Benz finanziert. Einfluss auf die Berichterstattung hat das nicht.

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