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Autonomes Fahren: Die Assistenz-Systeme von Tesla und BMW im t3n-Test

(Screenshot: YouTube)

Lesezeit: 11 Min.
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Autonomes Fahren ist schon lange keine Utopie mehr. Doch wie gut sind existierende Systeme schon? Wir haben uns die Assistenten von BMW und Tesla im Praxistest angeschaut.

Autonomes Fahren: Warum wird daran überhaupt geforscht?

Ein Beispiel für intelligente Maschinen: Googles selbstfahrender Zweisitzer. (Foto: Google)

„Die Entlastung des Fahrers“ – auf diese einfache Formel können die stetigen Bemühungen der Automobilindustrie gebracht werden. Wie üblich erscheinen die anfangs exklusiven Technologien im Premiumsegment und werden dann im Laufe der Zeit bis zum Kleinwagen durchgereicht. Die teils hohen Entwicklungskosten lassen sich eben zu Beginn nur bei den nicht so preissensiblen Oberklasse-Kunden durchsetzen.

Die stetig steigende Verkehrsdichte der letzten Jahrzehnte fordert vom Fahrer immer mehr Aufmerksamkeit bei gleichzeitig höherem Fehlerpotential. Hier greifen die unterschiedlichen Sicherheitsmerkmale und elektronischen Helferlein und lassen letztlich die Zahl der Verkehrstoten sinken. Doch auch 2015 starben noch 3.450 Menschen in Deutschland und 1,25 Millionen weltweit im Straßenverkehr. Der Faktor Mensch trägt bei Unfällen in über 90 Prozent der Fälle die Schuld und stellt somit den Unsicherheitsfaktor Nummer 1 dar. Mit großem Abstand ist eine überhöhte Geschwindigkeit der Grund für tödliche Unfälle, was folgende Faustformel des Unfallforschers Townsend beeindruckend plastisch verdeutlicht: Würde in der EU jeder Fahrer auf allen Straßen das Tempo um ein Prozent reduzieren, würden vier Prozent (oder 2.200 Menschen) weniger sterben.

Software ist unbestechlich, hält sich an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit und würde somit Leben retten. Zudem ist die Technik dem Menschen in vielen Belangen überlegen, denn wir können weder Reißverchluss-System noch verkehrsflussfördernd an einer grünen Ampel anfahren. Doch neben dem entspannten Reisen von A nach B in einem voll autonomen Fahrzeug könnten wir als Generation „always on“ endlich ohne schlechtes Gewissen twittern, facebooken oder snapchatten.

In einer nicht zu fernen Zukunft werden die ersten selbständig fahrenden Autos im Straßenverkehr mitrollen. Jedes weitere softwaregesteuerte Auto erhöht die Sicherheit und den Komfort. Das ist wohl auch ein Grund, wieso GM auf der CES im Januar bekannt gegeben hat, sich mit einer halben Milliarde an Lyft zu beteiligen und für diese spezifische Anwendung Fahrzeuge zu entwickeln.

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Welche Technik kommt dabei zum Einsatz?

Vereinfacht gesagt hat alles mit dem Tempomat begonnen, also dem Feature, eine gewünschte Geschwindigkeit einzustellen, die das Fahrzeug dann konstant fährt. In der weiteren Ausbaustufe wurde dieses System um einen Radarsensor unter dem Kühlergrill ergänzt, der den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug misst und sich an die gesetzlichen Vorgaben für den Sicherheitsabstand hält. Bremst also das vorausfahrende Fahrzeug, passt sich der eigene Wagen an. Beschleunigt das vorausfahrende Auto, beschleunigt auch das eigene Auto bis zur eingestellten Höchstgeschwindigkeit.

Tesla Model 3: Ein Hype wie beim iPhone
Die Premiere des Tesla Model 3 in der Nähe von Los Angeles. (Screenshot: Tesla-Livestream)

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Mit der Einführung des Spurhalteassistenten prüft eine in die Windschutzscheibe eingelassene Kamera ständig die Position des Fahrzeugs in der Fahrspur, weil die dahinter arbeitende Software die Fahrmarkierung erkennt. Alternativ zur Videokamera kommt auch ein Infrarot-Sensor zum Einsatz. Die Systeme können entweder akustisch, optisch oder haptisch den Fahrer warnen – oder direkt ins Geschehen eingreifen. Dadurch wird der Fahrer zum Beispiel auf monotonen Streckenabschnitten dabei unterstützt, die Spur zu halten. Apropos Spur: Hier gibt es auch für den Spurwechsel ein elektronisches Helferlein, das per Videokameras oder Radarsensoren um das eigene Fahrzeug herum nach anderen Verkehrsteilnehmern Ausschau hält und so vor einer Kollision warnt. Die elektronische Version des Schulterblicks.

Kombiniert man jetzt Tempomat, Abstandswarner, Spurhalte- und wechselassistent mit verfügbaren Positions- und Geschwindigkeitsdaten, ist das Fahrzeug grundsätzlich in der Lage, sich im Verkehrsraum eigenständig zu bewegen. Das folgende Video verdeutlicht das Zusammenspiel der einzelnen Sensoren und Technologien.

Wie lösen das die Hersteller zur Zeit?

Audi und Mercedes stellen keine Autos zur Verfügung

Der Premium-Hersteller aus Ingolstadt bringt Ende 2016 den neuen A8 auf den Markt. Das aktuelle Fahrzeug aus dem Luxussegment verfügt noch nicht über die letzten technischen Gimmicks und würde somit nicht die Fähigkeiten der Ingenieure der vier Ringe widerspiegeln. Eine Anfrage nach einem Audi Q7 wurde abgelehnt, weil das Fahrzeug in einem anderen Segment als Model S, S-Klasse oder 7er unterwegs ist. Selbst die Garantie, nur die Fahrerassistenz-Systeme zu vergleichen und keinerlei Augenmerk auf Fahrleistungen et cetera zu legen, änderte nichts an der Entscheidung der Presseabteilung.

Auch Mercedes wollte leider keine S- oder E-Klasse für den Vergleich bereitstellen. Das verwundert umso mehr, wenn man die Testberichte über die neue E-Klasse und ihren „Drivepilot“ liest. Die Schwaben scheinen mit dem neuen Modell sehr nah an Tesla rangerückt, wenn nicht sogar auf gleicher Höhe zu sein. Für ein bisschen Vergleichbarkeit der Autopilot-Funktionen dient hier deshalb der Test des US-Magazins „Car & Driver“ zwischen dem Infiniti Q50S, Mercedes S65 AMG, BMW 750i xDrive und Tesla Model S P85D. Hier hat Mercedes – hinsichtlich der Anzahl der Unterbrechungen in der Fahrspurerkennung auf einer 50 Meilen langen Teststrecke – mit dem S65 den 3. Platz vor Infiniti belegt. Tesla kommt mit 29 Unterbrechungen auf Platz 1, gefolgt von BMW (56), Mercedes (58) und Infiniti (93).

BMW 740 xDrive

Die Münchner zeigten sich selbstbewusst. Wohl wissend, dass die selbstfahrenden Fähigkeiten des Top-Modells nicht auf Augenhöhe mit dem Model S sind, hat uns das Unternehmen ein vollausgestattetes Fahrzeug für den Test zur Verfügung gestellt.

Während des Tests war das Wetter nicht immer sommerlich, aber die Tests erfolgten auf nasser und trockener Fahrbahn – und wie beim Tesla am Tag und in der Nacht. Nur bei starken Regenfällen konnte das System nicht wirklich helfen, wies aber sonst keine Unterschiede in der Leistungsfähigkeit auf. Über ein separates Menü im zentralen System des 7er finden sich die Einstellungen zu den unterschiedlichen Sensoren – und die waren alle aktiviert. Über einen separaten Schalter am Lenkrad kann der Spurhalteassistent aktiviert werden, ebenso wie der Tempomat.

HUD BMW 740

Das Cockpit des BMW. (Foto: t3n)

Sowohl im Tacho-Instrument als auch im äußerst praktischen Head-Up-Display wird die Aktivierung durch eindeutige Symbole angezeigt. Die beiden Systeme laufen parallel, sind demnach nicht in einer gemeinsame Funktion kombiniert. Das Ziel „semi-autonomes Fahren“ erreichte der BMW in der Stadt und auf der Landstraße nur unzureichend. Zudem muss eine Hand immer am Lenkrad sein, wobei diese den Lenkradkranz nicht umfassen, sondern nur berühren muss.

Berühren des Lenkrads

Das Ziel „semi-autonomes Fahren“ erreichte der BMW in der Stadt und auf der Landstraße nur unzureichend. (Foto: t3n)

Ohne Kontakt zum Lenkrad ändert das Lenkrad-Symbol innerhalb weniger Sekunden von Grün auf Gelb. Wenig später wird es nach einem Warnton rot. Völlig unverständlich ist, dass sich das System dabei ausschaltet und der Wagen wieder gesteuert werden will. Für diesen drastischen Wechsel in der Verantwortung sind ein Warnton und ein rotes Lenkradsymbol zu wenig.

Das unterstützte Fahren ist in erster Linie aber für die Autobahn gedacht. Wie erwähnt, ist die Leistungsfähigkeit des Systems bei nasser oder trockener Fahrbahn, am Tag oder in der Nacht gleichbleibend. Doch vermittelte die Kombination aus Tempomat und Spurhalteassistent selten das Gefühl, die Verantwortung gänzlich an das Fahrzeug abgeben zu können. Während der Tempomat mit Radarunterstützung tadellos auch einscherende Fahrzeuge erkannte und unter Umständen auch bis zum Stillstand abbremste, hatte der Spurhalteassistent Schwierigkeiten in der Spur zu bleiben. Leider fuhr der Wagen häufiger über die Spurmarkierungen hinweg und richtete das Fahrzeug zu spät neu aus. Gestrichelte Linien auf der rechten Seite ignorierte das System ebenfalls leider zu oft und folgte mitunter der durchgezogenen Linie in die Abbiegespur. Ohne die technischen Details von BMW zu kennen, habe ich das Gefühl, dass das Fahrzeug beim Fehlen einer der beiden Spurmarkierungen der noch vorhandenen vorübergehend nicht folgen kann. Alles in allem ist es deshalb sinnvoll, mindestens eine Hand am Lenkrad zu haben.

BMW 740 auf der Alm

Der BMW 740 auf der Alm. (Foto: t3n)

Zuverlässig dagegen erkennt der BMW Tempolimits und zeigt sie auch prominent an. Schade nur, dass der eingebaute Tempomat sie ignoriert. Hier könnte man doch Geschwindigkeitsübertretungen des Fahrers vermeiden, indem der Wagen selbständig auf das zulässige Tempo reduziert. Sehr positiv hingegen fiel auf, dass der Spurhalteassistent aktiv blieb, auch wenn man eingegriffen oder die Spur gewechselt hatte. Für totale Begeisterung sorgten die 360-Grad-Kameras, die beim Einparken tatsächlich alles um einen herum darstellen. In Kombination mit den Radarsensoren und einer eigenen Rück- und Frontkamera ist das Einparken des großen Fahrzeugs ohne Probleme möglich. Versteckte Poller oder ähnliche Hindernisse verlieren so ihren Schrecken.

Die 360-Grad-Kameras des BMW. (Fotos: BMW)

Die 360-Grad-Kameras des BMW. (Fotos: BMW)

Tesla: Der Autopilot funktioniert gespenstisch gut

Wie im Tesla-Video zu sehen ist, wirbt das Unternehmen sehr progressiv für den sogenannten Autopiloten. Die Kombination aus unterschiedlichen Sensoren im Model S finden sich alle in den Fahrzeugeinstellungen auf dem 17-Zoll-Tauchdisplay. Die Aktivierung der Sensoren erfolgt auch dort.

Tesla 17" Display

Das 17-Zoll-Display von Tesla. (Foto: t3n)

Danach ist das System grundsätzlich scharf geschaltet und unterstützt den Fahrer, sobald er den Tempomat-Lenkhebel zweimal kurz zu sich zieht. Am Ende des Lenkhebels kann in fünf Stufen der bevorzugte Abstand zum Vordermann eingestellt werden. Im Test ergab Stufe 4 letztlich die perfekte Mischung aus Lückenspringer und Sicherheitsabstand.

Bewegt man das Fahrzeug jetzt auf der Straße, lesen die Sensoren permanent die Fahrbahn aus und zeigen in der zentralen Instrumentenanzeige die Umgebung an. Links neben der aktuellen Geschwindigkeitsanzeige finden sich das Symbol für den Tempomat und die gewählte Geschwindigkeit. Zentral darunter zeigt der Autopilot den vorausliegenden Straßenverlauf und die Fahrbahngrenze links und rechts mit einer grauen Linie an. Sobald der Autopilot bereit für die Übernahme ist, taucht rechts neben dem Tacho ein Lenkrad-Symbol in grau auf. Zieht man den Tempomat-Lenkhebel jetzt zweimal schnell hintereinander zu sich, wechselt das Lenkrad-Symbol die Farbe zu blau und der Autopilot übernimmt.

Diese Basisfunktionen des Autopiloten wurden um nette Kleinigkeiten ergänzt. So erkennt und unterscheidet das System Lastwagen, Motorräder und Autos und zeigt sie mit entsprechenden Symbolen an. Lustig ist, dass Busse manchmal als Autos angezeigt werden – da ist man doch ziemlich neugierig, wie die Software die Fahrzeugtypen unterscheidet.

Autopilot mit Fahrzeug Erkennung

Der Autopilot erkennt verschiedene Fahrzeugtypen. (Foto: t3n)

Auch einen Spurwechsel übernimmt das Fahrzeug, sobald der Blinkerhebel entsprechend eingerastet ist. Die Anzeige der entsprechenden Fahrbahngrenze wechselt von einer durchgehenden blauen Linie zu einer gestrichelten. In Deutschland muss man jetzt noch kurz zaghaft am Lenkrad in die Richtung ziehen, während in USA das Fahrzeug unmittelbar die Spur wechselt. Als Fahrer hat man allerdings die volle Verantwortung für den rückliegenden Verkehr, denn der Autopilot erkennt keine heranrasenden Fahrzeuge, sondern nur solche im toten Winkel oder in der unmittelbaren Nähe.

In der Praxis funktioniert der Autopilot auf der Autobahn am Tag und in der Nacht gespenstisch gut. Auf längeren Fahrten musste ich nur wegen der sporadischen Aufforderungen des Fahrzeugs kurz das Lenkrad berühren – ein Sicherheitsmechanismus, um die Aufmerksamkeit des Fahrers zu testen. Ansonsten fährt der Wagen komplett autonom. In der Anfangsphase fehlte mir noch der Mut. Doch schon nach wenigen Kilometern gewann die Technik des Tesla mein Vertrauen und ermöglichte eine nie dagewesene Entspannung während des Autofahrens. Die Ruhe des Elektrowagens unterstützt dieses völlig neue Fahrgefühl – oder sollte ich besser „Fortbewegungsgefühl“ sagen? „Wer einmal elektrisch gefahren ist, der ist für alle Zeiten für den Verbrenner verloren“, sagte unlängst Stefan Niemand, Leiter „Battery Electric Vehicles“ bei Audi. Ich behaupte: Wer einmal elektrisch semi-autonom gefahren ist, hat nur noch Bedauern für all die anderen übrig. Sogar Staus verlieren ihren Schrecken, weil das Fahrzeug völlig selbstständig bremst und wieder anfährt. Lange Fahrten fordern nicht mehr soviel Aufmerksamkeit vom Fahrer – und er ermüdet bei weitem nicht so schnell.

Natürlich war die Autobahn nicht die einzige Testumgebung. „Auf der einspurigen Landstraße ohne Mittelbegrenzung ist der Autopilot eingeschränkt und auf zehn Kilometer pro Stunde unter der Höchstgeschwindigkeit begrenzt“, sagt Tesla. In der Praxis funktionierte das mal mit, mal ohne Begrenzung. Das sorgte während der Fahrt vorerst für Verwirrung. Dennoch ist die Spurtreue des Wagens (oder Autopiloten) auf kurvigen Landstraßen beeindruckend, auch wenn man hier die Hände quasi am Lenkrad hält, um einzugreifen.

Innerorts gilt die gleiche Einschränkung – und auch hier überzeugt die Technik. Nur einmal zog der Wagen plötzlich nach links, konnte aber ohne Probleme wieder zurück in die Spur gebracht werden. Am folgenden Beispiel auf einer baulich getrennten zweispurigen Straße in München wurde die Logik des Systems offensichtlich: Der Autopilot erkannte die Fahrbahngrenze und hatte sich zusätzlich über das Radar an das vorausfahrende Auto gehängt (der Wagen wird blau eingefärbt). Über einige Ampeln hinweg fuhr der Tesla schlicht und einfach dem Fahrzeug hinterher oder hielt an, ohne dass per Gas oder Bremse eingegriffen werden musste. Als der PKW dann auf die Linksabbiegerspur wechselte, folgte der Tesla dem PKW, bis der Spurhalteassistent den bevorstehenden Spurübertritt erkannte. In diesem Moment richtet der Autopilot das Model S wieder auf die Spur aus und erfasste mit dem Radar den nächsten vorausfahrenden Wagen als Orientierung.

Gemäß Herstellerinformationen ist der Energiebedarf für den Betrieb des Autopiloten vernachlässigbar, die Energieeffizienz für die Fortbewegung aber signifikant besser als bei einem menschlichen Fahrer. Der Autopilot nutzt sogar zum Bremsen die Rekuperation (Energierückgewinnung über die Räder, ähnlich eines Dynamos).

Fazit: Autonomes Fahren – Der Fahrer kann sich auf das Auto verlassen

Der Tesla vermittelt mit seinem Autopiloten auf Landstraßen und Autobahnen schon heute ein sehr sicheres Gefühl. Der Fahrer kann sich auf das Auto verlassen und gedanklich deutlich mehr entspannen. Die Erfahrung von 47 Millionen (semi-)autonomen Kilometern sind dem System anzumerken. Während andere Hersteller mit Versuchsträgern mühsam Erfahrungen sammeln, schicken mehr als 100.000 Fahrzeuge täglich Daten zur Auswertung an Tesla. Es verwundert daher kaum, dass Tesla schon für 2018 ein technisch ausgereiftes voll autonomes Fahrzeug bereitstellen will.

Auch der 740er ist ein fantastisches Auto, bei der Fahrerunterstützung aber müssen die Bayern noch eine Schippe drauflegen. Den Ingenieuren ist zu wünschen, dass sie die Datenauswertung bald für ihre Fahrzeuge umsetzen, denn mit den Produktionskapazitäten von BMW ist Teslas Datenvolumen für die Auswertung schnell eingeholt. Dann bleibt zu hoffen, dass man in München etwas mehr Mut zu noch nicht perfekten Systemen hat – und die viel gepriesene Silicon-Valley-Attitüde auch lebt. Die Fans von Tesla beweisen es mit unzähligen Videos, dass man Fehler verzeiht, wenn die Richtung stimmt.

Die Zukunft ist schon hier!

Autonome Fahrzeuge sind bei weitem keine Spinnerei aus James-Bond-Filmen. In der griechischen Stadt Trikala konnten Bewohner in den vergangenen sechs Monaten kostenlos in einem vollautonomen Elektrobus von Robotsoft mitfahren. Das Fahrzeug absolvierte die Testphase ohne Zwischenfälle und nimmt jetzt seinen nächsten Testbetrieb im spanischen San Sebastian auf. In Wageningen (Niederlande), Ede (Niederlande) und Sitten (Schweiz) fahren weitere Kleinbusse – sogenannte WEpods – elektrisch und völlig autonom durch den Straßenverkehr. In diesem Stadium bewegen sich die Fahrzeuge in der Regel mit einer maximalen Geschwindigkeit von etwa 25 Stundenkilometern fort. Sollten die Tests in Holland weiterhin so erfolgreich verlaufen, soll das Streckennetz schon im Mai ausgeweitet werden.

Außerhalb von Europa ließen Studenten der MIT aufhorchen. Die Ausgründung der Studenten namens nuTonomy plant elektrisch autonome Taxis für den Stadtstaat Singapur. Die ersten Testläufe Anfang März sehen vielversprechend aus und das Startup wartet jetzt auf die offizielle Genehmigung für einen Test im mobilen Alltag. Die Studenten um den Mitgründer Frazzoli haben in einer vorangegangenen Studie für Singapur belegt, dass 300.000 autonome Taxis rund 780.000 Privat PKW ersetzen können, ohne dass die Wartezeit 15 Minuten überschreitet. Für Großstädte mit limitiertem Platzangebot ist eine Reduzierung des PKW Bestands um 60 Prozent ein echtes Argument – ganz abgesehen von der Tatsache, dass private Fahrzeuge mehrheitlich 22 Stunden pro Tag nutzlos wertvollen Raum zustellen. Wie schon in einem Artikel im Sommer 2015 angedeutet, wird sich die Anzahl der Fahrzeuge in der Folge dramatisch reduzieren.

Vor wenigen Tagen absolvierten darüber hinaus LKW der Marken Mercedes und Volvo erfolgreich eine Testfahrt über 1.600 Kilometer, in dem sie im Windschatten der anderen wie ein Zug über die Autobahnen fuhren. Eine permanente Verbindung der jeweiligen Fahrzeugelektronik über WLAN übergab dem Führungsfahrzeug die Steuerung und garantierte Reaktionszeiten außerhalb menschlicher Fähigkeiten. Der Nutzen für Logistikunternehmen ist offensichtlich und so prognostizieren Experten die Einführung autonomer Fahrsysteme zuerst im LKW-Bereich – und im zweiten Schritt bei Taxis. Die breite Öffentlichkeit kann im Anschluss Fahrzeuge kaufen, die die Fahrt zur Nordsee alleine bewerkstelligen.

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5 Kommentare
Oliver
Oliver

Klasse Artikel und schön, dass ihr am
Ende kurz das Lkw-Platooning erwähnt. Kurze Ergänzung hierzu: Nicht nur Mercedes-Benz und Volvo nahmen teil, sondern sechs der sieben europäischen Lkw-Hersteller (dazu zählen neben den genannten noch DAF, Man, Scania und Iveco). Initiiert wurde diese „European Truck Platooning Challenge“ übrigens durch das niederländische Umweltministerium. Die Lkw-Gespanne fuhren von den jeweiligen Werken bis nach Rotterdam.

Antworten
Bernd
Bernd

Horst Lünings Tesla fährt allerdings ähnlich wie deutsche Hersteller mit Assistenten, nicht sonderlich gut, eher gespenstisch …

http://youtu.be/flrDN_2Dq5k

Ich weiß jetzt nicht mehr was ich von eurem Artikel halten soll. Helft mir mal.

Antworten
Markus
Markus

Also Dirk, du hast im Marketing bei Audi gearbeitet, weißt also wie man „Brisanz“ oder vielmehr vermeintliche Relevanz generiert o. konstruiert und die t3n ist das Sprachrohr für die digital Fans.

Vorab, ich hätte euch auch kein Fahrzeug gegeben, denn mich beschleicht das Gefühl das sehr subjekttiv berichtet wird, was im Prinzip nicht schlimm ist, allerdings ein bisschen die Realität verschwimmen lässt. Gut am Ende klatscht eure Zielgruppe über euch und den Tesla. (So hat man schon in klassischen Medien seine Leser umgarnt, in dem man einfach schreibt was sie lesen wollen).

Toll finde ich wie du mit der Einleitung erstmal die Gefahren eines eigenhändig gesteuerten Fahrzeugs in den Köpfen als Teufelswerk verankerst um am Ende,
natürlich t3n konform, den Tesla siegen lässt. N bisschen LKW Kram am Ende, damit es „komplett“ und recherchiert wirkt und BÄM, fertig ist der Tesla Sieg.

Ich mag es auch nicht Rückwärtsgerichtet zu denken und zu handeln.
Und ja wir mögen alle den Turbo Kapitalismus im Valley.
Disruption bla bla. Ich versuche objektiv zu sein und muss leider sagen,
dass ich nichts in dem Artikel glauben kann, unteranderem durch das
gepostete Video.

Dirk, du bist Tesla Fan oder?

Antworten
Alex
Alex

Befriedigender Artikel würde ich meiner Meinung nach sagen. Ein Hersteller wie BMW kann sich keinesfalls darauf verlassen, dass es einen „Mut zu nicht perfekten Systemen“ gibt. Dieser Mut sei m.E. nach den jungen, flippigen Tesla-Fans vorenthalten. Es ist eine Denkweise, die aus der Softwarebranche kommt. BMW aber (und auch alle anderen!!) schreiben sich diese Denkweise gottseidank nicht auf die Fahnen.
Ich würde auch in kein Luftfahrzeug einsteigen, dessen Autopilot nur „ausreichend gut“ funktioniert.

Antworten
Jürgen
Jürgen

Hallo T3N,

ich hab mich sehr auf den Artikel gefreut, welchen ich in eurem Newsfeed vom 21.09.2016 gesehen habe und oben steht auch als Datum und Uhrzeit „21.09.2016, 18.37 Uhr“.
Leider ist das ja wie die ersten Kommentare bestätigen, der Artikel von April.
Was ist das neue daran? Ich hab nichts gefunden.
Wie ist nun eure Meinung, nachdem Tesla mit dem Software-Update ebenfalls die Hände an das Lenkrad zwingt?
Ich freue mich auf einen wirklich neuen Artikel zu den Fahrerassistenzsystemen allgemein.

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