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Test

Autonomes Fahren: Die Assistenz-Systeme von Tesla und BMW im t3n-Test

(Screenshot: YouTube)

Autonomes Fahren ist schon lange keine Utopie mehr. Doch wie gut sind existierende Systeme schon? Wir haben uns die Assistenten von BMW und Tesla im Praxistest angeschaut.

Autonomes Fahren: Warum wird daran überhaupt geforscht?

Ein Beispiel für intelligente Maschinen: Googles selbstfahrender Zweisitzer. (Foto: Google)

„Die Entlastung des Fahrers“ – auf diese einfache Formel können die stetigen Bemühungen der Automobilindustrie gebracht werden. Wie üblich erscheinen die anfangs exklusiven Technologien im Premiumsegment und werden dann im Laufe der Zeit bis zum Kleinwagen durchgereicht. Die teils hohen Entwicklungskosten lassen sich eben zu Beginn nur bei den nicht so preissensiblen Oberklasse-Kunden durchsetzen.

Die stetig steigende Verkehrsdichte der letzten Jahrzehnte fordert vom Fahrer immer mehr Aufmerksamkeit bei gleichzeitig höherem Fehlerpotential. Hier greifen die unterschiedlichen Sicherheitsmerkmale und elektronischen Helferlein und lassen letztlich die Zahl der Verkehrstoten sinken. Doch auch 2015 starben noch 3.450 Menschen in Deutschland und 1,25 Millionen weltweit im Straßenverkehr. Der Faktor Mensch trägt bei Unfällen in über 90 Prozent der Fälle die Schuld und stellt somit den Unsicherheitsfaktor Nummer 1 dar. Mit großem Abstand ist eine überhöhte Geschwindigkeit der Grund für tödliche Unfälle, was folgende Faustformel des Unfallforschers Townsend beeindruckend plastisch verdeutlicht: Würde in der EU jeder Fahrer auf allen Straßen das Tempo um ein Prozent reduzieren, würden vier Prozent (oder 2.200 Menschen) weniger sterben.

Software ist unbestechlich, hält sich an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit und würde somit Leben retten. Zudem ist die Technik dem Menschen in vielen Belangen überlegen, denn wir können weder Reißverchluss-System noch verkehrsflussfördernd an einer grünen Ampel anfahren. Doch neben dem entspannten Reisen von A nach B in einem voll autonomen Fahrzeug könnten wir als Generation „always on“ endlich ohne schlechtes Gewissen twittern, facebooken oder snapchatten.

In einer nicht zu fernen Zukunft werden die ersten selbständig fahrenden Autos im Straßenverkehr mitrollen. Jedes weitere softwaregesteuerte Auto erhöht die Sicherheit und den Komfort. Das ist wohl auch ein Grund, wieso GM auf der CES im Januar bekannt gegeben hat, sich mit einer halben Milliarde an Lyft zu beteiligen und für diese spezifische Anwendung Fahrzeuge zu entwickeln.

Welche Technik kommt dabei zum Einsatz?

Vereinfacht gesagt hat alles mit dem Tempomat begonnen, also dem Feature, eine gewünschte Geschwindigkeit einzustellen, die das Fahrzeug dann konstant fährt. In der weiteren Ausbaustufe wurde dieses System um einen Radarsensor unter dem Kühlergrill ergänzt, der den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug misst und sich an die gesetzlichen Vorgaben für den Sicherheitsabstand hält. Bremst also das vorausfahrende Fahrzeug, passt sich der eigene Wagen an. Beschleunigt das vorausfahrende Auto, beschleunigt auch das eigene Auto bis zur eingestellten Höchstgeschwindigkeit.

Tesla Model 3: Ein Hype wie beim iPhone
Die Premiere des Tesla Model 3 in der Nähe von Los Angeles. (Screenshot: Tesla-Livestream)

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Mit der Einführung des Spurhalteassistenten prüft eine in die Windschutzscheibe eingelassene Kamera ständig die Position des Fahrzeugs in der Fahrspur, weil die dahinter arbeitende Software die Fahrmarkierung erkennt. Alternativ zur Videokamera kommt auch ein Infrarot-Sensor zum Einsatz. Die Systeme können entweder akustisch, optisch oder haptisch den Fahrer warnen – oder direkt ins Geschehen eingreifen. Dadurch wird der Fahrer zum Beispiel auf monotonen Streckenabschnitten dabei unterstützt, die Spur zu halten. Apropos Spur: Hier gibt es auch für den Spurwechsel ein elektronisches Helferlein, das per Videokameras oder Radarsensoren um das eigene Fahrzeug herum nach anderen Verkehrsteilnehmern Ausschau hält und so vor einer Kollision warnt. Die elektronische Version des Schulterblicks.

Kombiniert man jetzt Tempomat, Abstandswarner, Spurhalte- und wechselassistent mit verfügbaren Positions- und Geschwindigkeitsdaten, ist das Fahrzeug grundsätzlich in der Lage, sich im Verkehrsraum eigenständig zu bewegen. Das folgende Video verdeutlicht das Zusammenspiel der einzelnen Sensoren und Technologien.

Wie lösen das die Hersteller zur Zeit?

Audi und Mercedes stellen keine Autos zur Verfügung

Der Premium-Hersteller aus Ingolstadt bringt Ende 2016 den neuen A8 auf den Markt. Das aktuelle Fahrzeug aus dem Luxussegment verfügt noch nicht über die letzten technischen Gimmicks und würde somit nicht die Fähigkeiten der Ingenieure der vier Ringe widerspiegeln. Eine Anfrage nach einem Audi Q7 wurde abgelehnt, weil das Fahrzeug in einem anderen Segment als Model S, S-Klasse oder 7er unterwegs ist. Selbst die Garantie, nur die Fahrerassistenz-Systeme zu vergleichen und keinerlei Augenmerk auf Fahrleistungen et cetera zu legen, änderte nichts an der Entscheidung der Presseabteilung.

Auch Mercedes wollte leider keine S- oder E-Klasse für den Vergleich bereitstellen. Das verwundert umso mehr, wenn man die Testberichte über die neue E-Klasse und ihren „Drivepilot“ liest. Die Schwaben scheinen mit dem neuen Modell sehr nah an Tesla rangerückt, wenn nicht sogar auf gleicher Höhe zu sein. Für ein bisschen Vergleichbarkeit der Autopilot-Funktionen dient hier deshalb der Test des US-Magazins „Car & Driver“ zwischen dem Infiniti Q50S, Mercedes S65 AMG, BMW 750i xDrive und Tesla Model S P85D. Hier hat Mercedes – hinsichtlich der Anzahl der Unterbrechungen in der Fahrspurerkennung auf einer 50 Meilen langen Teststrecke – mit dem S65 den 3. Platz vor Infiniti belegt. Tesla kommt mit 29 Unterbrechungen auf Platz 1, gefolgt von BMW (56), Mercedes (58) und Infiniti (93).

BMW 740 xDrive

Die Münchner zeigten sich selbstbewusst. Wohl wissend, dass die selbstfahrenden Fähigkeiten des Top-Modells nicht auf Augenhöhe mit dem Model S sind, hat uns das Unternehmen ein vollausgestattetes Fahrzeug für den Test zur Verfügung gestellt.

Während des Tests war das Wetter nicht immer sommerlich, aber die Tests erfolgten auf nasser und trockener Fahrbahn – und wie beim Tesla am Tag und in der Nacht. Nur bei starken Regenfällen konnte das System nicht wirklich helfen, wies aber sonst keine Unterschiede in der Leistungsfähigkeit auf. Über ein separates Menü im zentralen System des 7er finden sich die Einstellungen zu den unterschiedlichen Sensoren – und die waren alle aktiviert. Über einen separaten Schalter am Lenkrad kann der Spurhalteassistent aktiviert werden, ebenso wie der Tempomat.

HUD BMW 740
Das Cockpit des BMW. (Foto: t3n)

Sowohl im Tacho-Instrument als auch im äußerst praktischen Head-Up-Display wird die Aktivierung durch eindeutige Symbole angezeigt. Die beiden Systeme laufen parallel, sind demnach nicht in einer gemeinsame Funktion kombiniert. Das Ziel „semi-autonomes Fahren“ erreichte der BMW in der Stadt und auf der Landstraße nur unzureichend. Zudem muss eine Hand immer am Lenkrad sein, wobei diese den Lenkradkranz nicht umfassen, sondern nur berühren muss.

Berühren des Lenkrads
Das Ziel „semi-autonomes Fahren“ erreichte der BMW in der Stadt und auf der Landstraße nur unzureichend. (Foto: t3n)

Ohne Kontakt zum Lenkrad ändert das Lenkrad-Symbol innerhalb weniger Sekunden von Grün auf Gelb. Wenig später wird es nach einem Warnton rot. Völlig unverständlich ist, dass sich das System dabei ausschaltet und der Wagen wieder gesteuert werden will. Für diesen drastischen Wechsel in der Verantwortung sind ein Warnton und ein rotes Lenkradsymbol zu wenig.

Das unterstützte Fahren ist in erster Linie aber für die Autobahn gedacht. Wie erwähnt, ist die Leistungsfähigkeit des Systems bei nasser oder trockener Fahrbahn, am Tag oder in der Nacht gleichbleibend. Doch vermittelte die Kombination aus Tempomat und Spurhalteassistent selten das Gefühl, die Verantwortung gänzlich an das Fahrzeug abgeben zu können. Während der Tempomat mit Radarunterstützung tadellos auch einscherende Fahrzeuge erkannte und unter Umständen auch bis zum Stillstand abbremste, hatte der Spurhalteassistent Schwierigkeiten in der Spur zu bleiben. Leider fuhr der Wagen häufiger über die Spurmarkierungen hinweg und richtete das Fahrzeug zu spät neu aus. Gestrichelte Linien auf der rechten Seite ignorierte das System ebenfalls leider zu oft und folgte mitunter der durchgezogenen Linie in die Abbiegespur. Ohne die technischen Details von BMW zu kennen, habe ich das Gefühl, dass das Fahrzeug beim Fehlen einer der beiden Spurmarkierungen der noch vorhandenen vorübergehend nicht folgen kann. Alles in allem ist es deshalb sinnvoll, mindestens eine Hand am Lenkrad zu haben.

BMW 740 auf der Alm
Der BMW 740 auf der Alm. (Foto: t3n)

Zuverlässig dagegen erkennt der BMW Tempolimits und zeigt sie auch prominent an. Schade nur, dass der eingebaute Tempomat sie ignoriert. Hier könnte man doch Geschwindigkeitsübertretungen des Fahrers vermeiden, indem der Wagen selbständig auf das zulässige Tempo reduziert. Sehr positiv hingegen fiel auf, dass der Spurhalteassistent aktiv blieb, auch wenn man eingegriffen oder die Spur gewechselt hatte. Für totale Begeisterung sorgten die 360-Grad-Kameras, die beim Einparken tatsächlich alles um einen herum darstellen. In Kombination mit den Radarsensoren und einer eigenen Rück- und Frontkamera ist das Einparken des großen Fahrzeugs ohne Probleme möglich. Versteckte Poller oder ähnliche Hindernisse verlieren so ihren Schrecken.

Die 360-Grad-Kameras des BMW. (Fotos: BMW)
Die 360-Grad-Kameras des BMW. (Fotos: BMW)

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5 Reaktionen
Jürgen

Hallo T3N,

ich hab mich sehr auf den Artikel gefreut, welchen ich in eurem Newsfeed vom 21.09.2016 gesehen habe und oben steht auch als Datum und Uhrzeit "21.09.2016, 18.37 Uhr".
Leider ist das ja wie die ersten Kommentare bestätigen, der Artikel von April.
Was ist das neue daran? Ich hab nichts gefunden.
Wie ist nun eure Meinung, nachdem Tesla mit dem Software-Update ebenfalls die Hände an das Lenkrad zwingt?
Ich freue mich auf einen wirklich neuen Artikel zu den Fahrerassistenzsystemen allgemein.

Antworten
Alex

Befriedigender Artikel würde ich meiner Meinung nach sagen. Ein Hersteller wie BMW kann sich keinesfalls darauf verlassen, dass es einen "Mut zu nicht perfekten Systemen" gibt. Dieser Mut sei m.E. nach den jungen, flippigen Tesla-Fans vorenthalten. Es ist eine Denkweise, die aus der Softwarebranche kommt. BMW aber (und auch alle anderen!!) schreiben sich diese Denkweise gottseidank nicht auf die Fahnen.
Ich würde auch in kein Luftfahrzeug einsteigen, dessen Autopilot nur "ausreichend gut" funktioniert.

Antworten
Markus

Also Dirk, du hast im Marketing bei Audi gearbeitet, weißt also wie man "Brisanz" oder vielmehr vermeintliche Relevanz generiert o. konstruiert und die t3n ist das Sprachrohr für die digital Fans.

Vorab, ich hätte euch auch kein Fahrzeug gegeben, denn mich beschleicht das Gefühl das sehr subjekttiv berichtet wird, was im Prinzip nicht schlimm ist, allerdings ein bisschen die Realität verschwimmen lässt. Gut am Ende klatscht eure Zielgruppe über euch und den Tesla. (So hat man schon in klassischen Medien seine Leser umgarnt, in dem man einfach schreibt was sie lesen wollen).

Toll finde ich wie du mit der Einleitung erstmal die Gefahren eines eigenhändig gesteuerten Fahrzeugs in den Köpfen als Teufelswerk verankerst um am Ende,
natürlich t3n konform, den Tesla siegen lässt. N bisschen LKW Kram am Ende, damit es "komplett" und recherchiert wirkt und BÄM, fertig ist der Tesla Sieg.

Ich mag es auch nicht Rückwärtsgerichtet zu denken und zu handeln.
Und ja wir mögen alle den Turbo Kapitalismus im Valley.
Disruption bla bla. Ich versuche objektiv zu sein und muss leider sagen,
dass ich nichts in dem Artikel glauben kann, unteranderem durch das
gepostete Video.

Dirk, du bist Tesla Fan oder?

Antworten
Bernd

Horst Lünings Tesla fährt allerdings ähnlich wie deutsche Hersteller mit Assistenten, nicht sonderlich gut, eher gespenstisch ...

http://youtu.be/flrDN_2Dq5k

Ich weiß jetzt nicht mehr was ich von eurem Artikel halten soll. Helft mir mal.

Antworten
Oliver

Klasse Artikel und schön, dass ihr am
Ende kurz das Lkw-Platooning erwähnt. Kurze Ergänzung hierzu: Nicht nur Mercedes-Benz und Volvo nahmen teil, sondern sechs der sieben europäischen Lkw-Hersteller (dazu zählen neben den genannten noch DAF, Man, Scania und Iveco). Initiiert wurde diese "European Truck Platooning Challenge" übrigens durch das niederländische Umweltministerium. Die Lkw-Gespanne fuhren von den jeweiligen Werken bis nach Rotterdam.

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