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Wasser predigen, Wein saufen: Wie die Basecamp-Gründer gerade ihren Ruf ruinieren

Bekannt ist Basecamp vor allem für die gleichnamige Software. (Foto: Postmodern Studio/Shutterstock)

Lesezeit: 2 Min.
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Die Basecamp-Gründer wollen am Arbeitsplatz künftig nicht mehr über Probleme sprechen, das schade der Produktivität. Stattdessen waschen sie ihre schmutzige Wäsche versehentlich in aller Öffentlichkeit – und glänzen mit Ignoranz.

Basecamp-Gründer Jason Fried hat am Dienstag einen Blogpost veröffentlicht. Im Unterschied zu sonst geht es darin aber nicht um eine „healthy work culture“, sondern um die Ankündigung, künftig keine gesellschaftlich relevanten Themen am Arbeitsplatz diskutiert sehen zu wollen.

Zur Veröffentlichung des Blogposts sah es noch aus, als müsste der geneigte Leser sich selbst einen Reim darauf machen, welche Themen künftig erlaubt sein würden und welche nicht. Mittlerweile ist klar, dass der Auslöser für die apolitische Neuausrichtung des Startups die Diskussion um ein internes Problem war, die die Gründer unterbinden wollten. Ein Drittel der Belegschaft hatte sich im vergangenen Jahr zu einer sogenannten DE-&-I-Arbeitsgruppe organisiert und über Ansätze für mehr Diversität und Inklusion im Unternehmen gesprochen. Im Zuge dessen war auch eine seit mehr als zehn Jahren existente Liste mit „witzigen Kundennamen“ zur Sprache gekommen. Die Angestellten wollten darüber sprechen, die Gründer nicht.

Um die Debatte zu beenden, fiel den beiden offenbar nichts anderes ein, als die Company-Values entsprechend zu ändern. Frieds Begründung für die plötzliche Entscheidung, das Unternehmen neu denken zu wollen: Derartige Diskussionen lenkten ab, zögen unnötig Energie und lenkten die Gespräche in unangenehme Richtungen. Zudem sei es ungesund und führe zu nichts. Man wolle nicht vergessen, wer man sei. „Wir machen Projektmanagement-, Team-Communication- und E-Mail-Services. Wir sind keine Social-Impact-Company. Unser Einfluss beschränkt sich auf das, was wir tun und wie wir es tun“, schreibt er. Das sei „mehr als genug“.

Eine healthy Work-Culture sieht anders aus

Damit, keine Social-Impact-Company sein zu wollen, hat die Aufarbeitung von Problemen allerdings herzlich wenig zu tun. Viel eher mit einer gesunden Unternehmenskultur. Und darüber müssten die Basecamp-Gründer eigentlich bestens Bescheid wissen.
Das Startup hat zum Thema ganze fünf Bücher publiziert, eines davon ein New York Times-Bestseller. Erst 2016 wurde dem Unternehmen in einem Porträt bescheinigt, „das Rezept für eine gesunde Arbeitskultur zu kennen“, „ganz ohne den Hype, der gemeinhin mit dem Begriff Thoughtleadership assoziiert wird“.

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Basecamp – zuvor 37Signals – wurde bekannt und bewundert als meinungsstarkes, bisweilen eigenwilliges Startup, mit Produkten und einer Unternehmensphilosophie, die vielen als Inspiration dienten. Diesen Zauber dürften Gründer und Unternehmen nach diesem Ausrutscher gründlichst verloren haben. Wenn der Wunsch der Gründer, unternehmensintern nicht länger über bestimmte Themen zu sprechen, einen Effekt hatte, dann den, dass jetzt in aller Öffentlichkeit ganz viel schmutzige Wäsche gewaschen wurde.

Der Arbeitsplatz als Produktivity-Pod

Was daran gesund sein soll, Mitarbeitern die Aufarbeitung unternehmensinterner Probleme zugunsten der Produktivität zu verwehren, bleibt unklar. Viel eher sieht es danach aus, als reihten sich Heinemeier Hansson und Fried hinter Coinbase-CEO Brian Armstrong ein in die leider länger werdende Reihe alteingesessener Tech-Größen, die offenbar glauben, der Arbeitsplatz sei ein Ort, an dem Menschen ihre Persönlichkeit, ihre Wünsche und ihre Bedürfnisse, ihre Sorgen und Nöte für die Dauer eines Arbeitstages einfach abstreifen könnten. Die Quintessenz des Blogposts und aller Iterationen desselben ist schließlich schlussendlich nur, dass künftig unternehmensintern nichts mehr diskutiert werden soll, worauf David Heinemeier Hansson und Jason Fried keine Lust haben. Keine Lust auf Debatten über Diversität und Inklusion zu haben, ist einfach – für alle, die selbst nicht betroffen sind.

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16 Kommentare
Chris
Chris

Naja, irgendwie kann ich sie schon verstehen. Das Problem bei den Diversitäts- und Inklusionsdebatten ist dass jeder irgendwie eine Meinung hat und es immer jemand gibt, der noch eine Schippe oben drauf legen will. Die Diskussion wird meistens emotional und nicht rationell geführt, sodass am Ende auch nie eine Lösung gefunden wird. Daher können diese Themen nur von einer kleinen Spezialistengruppe behandelt werden und nicht im offenen Diskurs mit der kompletten Firma.

P.S. „lustige Kundennamen“ geht natürlich gar nicht.

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Rocky
Rocky

@DHH ist ein abgehobener Typ, der sich und seine Tech-Blase ganz toll findet und sich gerne mal öffentlich über andere lustig macht. Hochmut kommt vor dem Fall!

Jason ist eigentlich ein sehr vernünftiger Kerl mit guten Ansichten. Wir wissen nicht genau, was alles passiert ist.

“D-Politics” müssen am Arbeitsplatz auch nicht 24/7 sein – Chris kann ich hier nur zustimmen. Leider wird dieses Thema von der Presse auch immer groß aufgeblasen.

Respect is key. Man kann es nicht allen recht machen.

P.S. Die Kundenliste ist bullshit, das geht nicht.

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Deus
Deus

Wenn man sich so ansieht was in den USA unter Diversität fällt, war das die einzig richtige Entscheidung. Bei deren 20+ Geschlechtern oder den „Racial Sensitivity Trainings“ bei denen erst so richtig Rassismus gelehrt wird, hofft man das schnell viele andere Firmen nachziehen.

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Maggus
Maggus

War es nicht sogar so, dass es lediglich darum ging, dass in projektbezogenen Kanälen nicht mehr darüber geschrieben werden soll?

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Livius
Livius

Der Vorstand von Basecamp hat ganz bestimmt seine wohlüberlegten Gründe warum diese politisch und emotional völlig überdrehten Themen wie „Diversity“ und was weiß ich nicht noch alles am Arbeitsplatz besser nicht großartigen Einzug erhalten. Den gesellschaftlich von einer Minderheit befeuerten Streit auch noch in die eigene Firma dringen lassen und mitläufermäßig jeden kurzgedachten gesellschaftlichen Hype unüberlegt mittragen? Kluge Köpfe agieren hier wie die beiden Gründer. Das eine derartig mutige Ablehnung mancher allzu wucherartigen Auswüchse des neuen Zeitgeistes einem Teil der viel zu hysterischen Medienlandschaft nicht gefallen wird war klar. Das wahre gruselige ist hier vielmehr, wie das Therma auch durch diesen Artikel aufgebauscht wird – als wenn es eigentlich garnicht um die Basecamp Sache selber ginge ;)

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kim furry
kim furry

dieser post ist das problem. troll

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Firtz N
Firtz N

triggered much?

Sebastian
Sebastian

„Den gesellschaftlich von einer Minderheit befeuerten Streit“ – genau diese Ignoranz gegenüber Minderheiten ist das Problem. Solange ich zur Mehrheitsgesellschaft gehöre ist ja alles gut, da muss ich mich ja auch nicht mit den Problemen von Minderheiten auseinandersetzen. Priviligien nennt man das. ;)

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Franz Wanner
Franz Wanner

Hallo Sebastian

es gibt auch Grautöne. Und auch Tatsachen.
Unversehens findet man sich in einer Minderheit oder Mehrheit wieder. Nehmen wir mal die Freunde von Volksmusik. Wären die privilegiert oder unterdrückt? Nur wegen der statistischen Quantität?
Brauchten wir jetzt für die SPD einen besonderen Schutzschirm? Bekommen deshalb fahle Figuren in Afrika einen Sonderstatus?
Vermutlich ist die Mehrheit arm und deshalb ist ein besonderer Status für Millionäre ein gerechter Ausgleich?
Alles Blödsinn.

Und Tatsachen sind was ganz anderes. Unterschiedliche Befähigung einzelner in unterschiedlichen Aufgaben, z. B. Aber eben auch ungleiche Bezahlung bei gleicher Leistung. Ungleiche Erwartungshaltungen zur Leistungsfähigkeit der Geschlechter und deren Rollenzuordnung.
Tatsache ist ebenso die Macht der entschlossenen Minderheit. Und die Mehrheit ist im Durchschnitt inkompetent. Ich z.B., gehöre in Sachen Atomphysik zur übergroßen Mehrheit, die eben keine Ahnung hat.
Aber zur entschlossenen Minderheit: Die Truppe ist entschlossen, leicht zusammenzuhalten, behält den Überblick und ohne große interne Abstimmungsschwierigkeiten. Wenn die es denn wirklich will und durchhält, kann sie die Mehrheit so nerven, dass die sich am Nasenring durch jede Arena führen läßt, nur um mal Ruhe zu bekommen. War mal die Masche von Vertretern…. Jetzt eher die Gefühlsbeseelten.

Es gibt genug Probleme, die tatsächlich angegangen werden sollten. Ganz praktisch mit abrechenbaren Ergebnis. Natürlich sollte auch den Gefühlsbetroffenen geholfen werden. Aber da gibt es ja schon Spezialisten für. Vielleicht noch zu wenige, aber keinesfalls müssen deshalb wirklich und ausnahmslos alle anderen paritätisch mitleiden. Das hilft nicht wirklich.
Und jeder hat so seine Probleme und nicht wirklich jedes Problem ist für jeden relevant. Kein Mensch würde auf seinen Schirm verzichten, nur weil einer in der Gruppe seinen nicht dabei hat oder gar keinen besitzt.
Kann man helfen. Wenn der aber Gleichbehandlung nach seinem Level einfordern sollte, darf man das ignorieren. Sollte man sogar als Hilfe zur Selbsthilfe.
Wenn Frauen fordern leistungsgerecht ebenbürtig bezahlt zu werden, müssen die unterstützt werden. Sollten sie fordern, dass alle Entgelte auf die eigene erhaltenene Unterbezahlung gekürzt werden, wird da wohl nix draus. Dass Frauen die Kinder gebären, könnte man biblisch erklären oder anders, bleibt aber Tatsache. Vorteil oder Nachteil? Wird situativ und unterschiedlich bewertet. Da ist aber kein Verschulden, da ist aber immer ein gesamtgesellschaftlicher Verdienst, der anerkannt werden sollte. Und dies bitte nicht mit Folgenachteilen.
Alles klar soweit?
Dann schauen wir lieber auf gemeinsamen Vorteil, den gemeinsamen Sinn und wie wir den für alle und gemeinsam vergrößern können. Und meinethalben auch streiten über den besseren Weg. Bestenfalls als Wettbewerb und nicht allerschlechtens als Bevormundung.
Und in einem Kammerkonzert würde es wohl zum Platzverweis führen, käme jemand auf die Idee, mal zu präsentieren, dass er auch Posaune kann.

Franz Wanner
Franz Wanner

Infantilisierung und Debilisierung

Es ist eine große Errungenschaft der Zivilisation, jedem geborenen Menschen eine Rechtsfähigkeit zuzusprechen. Recht haben und bekommen, sind aber verschiedene Paar Schuhe. Deshalb gibt es zusätzlich und helfend den Status der Geschäftsfähigkeit. Sinngemäß ist diese gekoppelt an der Befähigung des Einzelnen, der eigenen Rechtslage auch Ausdruck und Durchsetzung zu verleihen.
Die Geschäftsfähigkeit kann somit noch nicht oder eben auch nicht mehr gegeben sein.
Diese Unterscheidung ist wesentlich, da doch erst die Geschäftsfähigkeit aus dem Rechtsobjekt ein für sich selber einstehendes Rechtssubjekt macht.
Soweit die Theorie. Bleibt anzumerken, dass allgemein erst im 19. Jh. die mittelalterliche Leibeigenschaft aufgehoben wurde und es dann noch bis in die 2. Hälfte des 20. Jh. dauerte, bis die rechtliche Gleichstellung der Frau festgestellt werden konnte. Arbeits- und Wahlrecht mussten da für die Frau nicht mehr vom Mann genehmigt werden.
o. k. lebensechte Praxis braucht auch seine Zeit.

Auf Augenhöhe und en face bedeutete dies seither für die Mündigen in Auseinandersetzungen, dass fehlender Widerspruch als Übereinkunft gewertet wurde, die Anerkennung der Gegendarlegung, denn sonst wären wohl Korrekturforderungen vorgebracht worden.
Diese Zeiten neigen sich dem Ablauf zu, auch wenn es nur knapp 5 Jahrzehnte waren.
Die neue und übermächtige Welt ist digital. Sie durchdringt nicht nur alle Lebensbereiche, sondern wird auch in jedwedem menschlichen Agieren essentiell.
Und da gibt es keine Augenhöhe mehr. Teilnehmer ist ja nicht Teilhaber und muss sich den Administratoren und den Vorschriften der Algorithmen eben beugen oder aber auf die Teilnahme selbst verzichten.
Nur sind aber die Vorteile durch Teilnahme so zwingend, dass sich eine Lebenswirklichkeit jenseits der Digitalisierung schwerlich noch vorstellen lässt. Wie soll das auch gehen ganz ohne Bargeld und Impfpass? Ärgerlich.
Um nun die Mündigkeit der User wenigstens etwas zu retten, haben jetzt Gerichte entschieden, dass Schweigen als Zustimmung nicht mehr gelten soll. Erforderlich ist nun aktive Zustimmung. Klingt gut, aber fehlende Zustimmung ist eben auch einer Teilnahmeverweigerung gleichzusetzen. Es wird niemand unter Zwang gestellt, wenn er selbst entscheiden kann, ob er unter solchen Bedingungen noch mitmachen will.
Klingt souverän oder?
Der Widerspruch ist obsolet geworden. Fehlende Zustimmung das Nonplusultra. Eine Frage der Alternativen.
Die Welt ist friedlich geworden. Bei Widerspruch musste man sich irgendwie einigen. Bei fehlender Zustimmung braucht man das nicht.

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Geißheimer
Geißheimer

So werden nicht nur solche Themen verhindert. Im Grunde wird jeglicher Arbeitskampf, jeglicher Zusammenschluss von Angestellten für ein, wie auch immer geartetes, Ziel verhindert.

Es ist also ein sehr assoziales, konservatives Bild von Unternehmenskultur.
Das habe ich auch schon von anderen, ach so innovativen und hirarchisch flachen Start-Ups gehört.

Es geht eben doch einfach nur um Ausbeutung.

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Franz Wanner
Franz Wanner

#Geißheimer
Mag sein.
„eben doch einfach nur“ ist jedoch einfach nur resignativ. Eine Feststellung. Wer nach Kampf und Ziel fragt, muß auch sortieren. Eigner und Angestellte haben eben auch eine unterschiedliche Position und Verantwortung. Fakt und Realität.
Aber entscheidend sind gar nicht mal die Unterschiede, entscheidend werden die Gemeinsamkeiten. Und dann natürlich, wer wem welche Gemeinsamkeiten aufkündigt.
Wirtschaftlichkeit ist das eine, der beschworene „purpose“ etwas ganz anderes. Und auch da geht es um Balance. Balance ist ja grundsätzlich ein Sinnbild für Miteinander. Streit auch. Artigkeiten nicht.

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Anachronist
Anachronist

Naja, es ist ziemlich einfach dieses Thema einseitig für eines von zwei Narrativen zu beanspruchen. Entweder man trivialisiert Inklusionsdebatten und weist auf die toxischen Folgen von ideologisch aufgeladener Tugendsignalisierung hin, oder man bedient das Bild der privilegierten Firmeninhaber, für welche die Rechte und Probleme anderer Menschen nur lästige Stolpersteine bei der Erreichung ihrer kapitalistischen Ziele sind.

Ich kenne bei weitem nicht alle Details, die zu diesem „Politikdiskussionsverbot“ geführt haben, aber ich glaube nicht dass der Weg so geradlinig war, wie es auf den ersten Blick wirkt. Anscheinend wurden bisher ja viele entsprechende Diskussionen innerhalb der Firma geführt, und das sich ein ganzes Drittel der Belegschaft schon letztes Jahr zu einer Inklusions- und Diversitäts-Arbeitsgruppe zusammen finden konnte, deutet auch nicht gerade auf eine restriktive Firmenphilosophie in dieser Hinsicht hin. Die Frage ist halt, wie weit genau man solche Debatten nicht nur führen sollte, sondern realistisch überhaupt verfolgen kann. Denn auch wir uns mit solchen Fragen gesellschaftlich definitiv auseinander setzen müssen, ist das Feld hier so riesig das man es prinzipiell ewig beackern kann ohne zu einem Konsens zu kommen.
Und häufig verliert sich der vermeintliche Diskurs plötzlich in festgefahrenen Positionen, welche der Gegenseite die schlimmsten Gesinnungen unterstellen, obwohl man eigentlich die gleichen Ideale vertritt. Wir haben das vor kurzem in unserer Firma selbst erlebt, als die simple Frage, ob das Wort „Indianer“ rassistisch ist, einen Kollegen sofort dazu animiert hat, an die Mitarbeitenden „antifaschistische Grüße“ auszusprechen. Sowas ist einfach nicht mehr zielführend. Und dass Basecamp sowas unterbinden möchte, nachdem man derartige Debatten ja bereits seit letztem Jahr führt, ist für mich nachvollziehbar. Und zumindest haben sie allen Beschäftigten, die aufgrund ihrer Entscheidung die Firma verlassen möchten, recht großzügige Abfindungen angeboten. Es kommt mir als Außenstehenden zumindest nicht wie böser Wille vor.

Wie weit dieser „interne Diskussionsverbot“ tatsächlich reicht, und ob sie damit ihr internes Miteinander wieder repariert bekommen, steht auf einem anderen Blatt, und ist etwas was mich für die Zukunft tatsächlich sehr interessiert.

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Franz Wanner
Franz Wanner

anachronistisch ist der Anachronist jedenfalls eher nicht. Jedenfalls nicht in Hinsicht auf Bedarf und Notwendigkeit, als dringender Konjunktiv.
Vielleicht aber doch, betrachtet man den status quo.
Der Gruß vom „Indianer“ ist herzerfrischend. Dieser Sammelbegriff für die Ureinwohner Nordamerikas unterschiedlichster Ethnien wird zwar von deren Interessenverbänden selber genutzt, um die Mengenrelevanz
zu verdeutlichen und eine Einheit gegen andere zu suggerieren, wird aber in Europa als rassistisch angesehen, weil der Elbostfale sich definitiv missachtet fühlt, wenn man ihn nicht als Minderheit in Sachsen Anhalt einen Bonus zuerkennen will und gar als 08/15 Deutschen behandelt. Gleichbehandlung geht eben nur mit Sonderrechten. Miteinander natürlich auch.
Idealerweise und mit Verständnis billigt man jedem Schaf zu, sich Gott eben auch als Ebenbild und Schaf vorzustellen, nennt in der Konferenz der Tiere dann aber auch Gott nicht Gott, der ja etymologisch nur ein abgeschliffener Plural ist, sondern listet paritätisch Brehms Tierleben auf, pflichtschuldig natürlich mit der Entschuldigung an alle, die im Inventar der Arche Noah keine namentliche Erwähnung fanden. Unverzeihlich.
Unter dieser Erbschuld, die ja unsühnbar scheint, ist das emanzipatorische gemeinsame Ziel verschütt gegangen. Ziele sind aber wichtig, Ideale reichen da nicht.
Die Aufgabe lautet also, Ziele wieder sichtbar und abrechenbar machen. An solchen kann sich auch jeder Extremindividualist messen und die Schnittmenge der Gemeinsamkeit ausmachen. Und umgekehrt gilt dann auch, wer sich nicht gemein machen kann oder will, bedarf und bekommt auch keine Wertschätzung.
Es geht also um die Last des gemeinsamen Ziels.

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Alter weißer Mann
Alter weißer Mann

Ich kann die ganze Aufregung nicht nachvollziehen. Jeder – auch die Basecamp-Gründer – hat das Recht klüger zu werden. Das ganze Getue um die „Helthy Work Culture“ ändert ja nichts daran, dass am Ende des Tages die Arbeit getan sein muss. Sonst sprudelt der Fairtrade gehandelte Kaffee auch eines Tages nicht mehr aus der Büro-Küche…
Unternehmen sind keine Selbsthilfe-Gruppen. Solange niemand – im Rahmen der geltenden Gesetze – diskriminiert wird, ist alles ok. Wem die Gesetze nicht ausreichen, der kann sich dafür engagieren, dass sie geändert werden. Auf demokratischem Wege natürlich, z.B. indem er in eine Partei eintritt. Ich würde da aktuell die SPD empfehlen, die sind ja bei dem Thema ganz weit vorne. Oder tun jedenfalls so?
„Witzige Kundennamen“ gehen natürlich gar nicht. Überhaupt, die Welt ist zu schlecht, um darüber auch noch Witze zu machen!

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Phil
Phil

Ich stimme dem Artikel eher nicht zu.

Gegenseitiger Respekt ist absolut wichtig und unabdingbar, im Unternehmen genauso wie in der Gesellschaft im Allgemeinen. Diversity & Inklusion in Unternehemen (und wie ich finde auch in unserer Gesellschaft) wird nur leider häufig überdreht und führt zu viel Zeitverlust und begrenzt sinnvollen Neuerungen und unnötigen Schleifen & Prozessen. Wenn jetzt die Unternehmenseigner dies im eigenen Unternehmen begrenzen wollen, um den Fokus auf Produktivität zu legen, dann halte ich dies für komplett verständlich. Wenn dies am Ende dem einzelnen Mitarbeiter (oder auch vielen) nicht gefällt, dann kann sich ein gut ausgebildeter Tech-/Consulting-Mitarbieter auch problemlos eine andere Bleibe suchen und der Unternehmer muss das akzeptieren oder halt seine Haltung zum Thema ändern – um eine bösartige Unterdrückung von Mitarbeitern handelt es sich hier aus meiner Sicht nicht.

Was diese Liste der Kundennamen angeht: Ach Gott, da gibt es viele Schattierungen. Ist die Überschrift und der Kontext „Die dümmsten Kunden mit den blödesten Namen“ oder ist es einfach nur eine subjektiv /halb-objektiv witzige Sammlung von Namen, beginnend mit „Rosa Schlüpfer“ und endend „Ho Lee Fuk“. Solang das nur als Stuichwort in den Raum geworfen wird, tue ich mich mit einem Urteil schwer.

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