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Du bist befördert worden – warum Unabhängigkeit jetzt besonders wichtig ist

Gesellige Kollegenrunde – als Vorgesetzter gehörst du nicht mehr dazu. Und das ist vollkommen okay. (Foto: Fizkes/Shutterstock)

Nach einer Beförderung fällt es frischgebackenen Führungskräften oft schwer, mit der neuen Rolle klarzukommen. Da sind die alten Kollegen, denen man sich zugehörig fühlt. Und zugehörig fühlen will. Warum Unabhängigkeit jetzt so wichtig ist und wie du dir als Führungskraft Respekt verschaffst.

Gestern noch Sachbearbeiter und heute Gruppenleiter mit personeller Verantwortung – so eine Beförderung fühlt sich gut an. Der nächste Schritt auf der Karriereleiter ist geschafft. Der Umzug an einen neuen Schreibtisch ist ein Kinderspiel. Nicht so einfach hingegen ist der Wechsel in eine neue Rolle. Du bist nicht mehr Kollege, du bist jetzt Chef. Das ändert einiges.

Autorität oder Kumpel?

„Keiner wird befördert, weil er führen kann“, so Geschäftsführer-Coach Bernd Geropp. Vorgesetzte trauten es ihrem Mitarbeiter einfach nur zu, dass er das Führen hinbekommt. Gutes Benehmen und besonders gute Facharbeit seien in der Regel die Hauptargumente für eine Beförderung. Geropp hält das für einen gefährlichen Denkfehler. Fachkompetenz sei nicht ausschlaggebend für Führungskompetenz. „Die Probleme einer Führungskraft haben selten mit fachlicher Fähigkeit zu tun, sondern sind meist zwischenmenschlicher Natur“, ist Geropp überzeugt. „In der Rolle der Führungskraft bist du herausgehoben – ob du das willst oder nicht. Die anderen sehen es in jedem Fall so.“ Doch auf diese Rolle würden die angehenden Führungskräfte nicht vorbereitet. Als Chef müsse man das bisherige Auftreten und Verhalten überdenken und zumindest in einigen Punkten anpassen. Das falle vielen neuen Führungskräften schwer. „Eines ist klar: Wer sich aufgrund seiner neuen Position übertrieben autoritär verhält, der wird scheitern“, so Geropp. „Aber auch der umgekehrte Fall – also wenn man sich alles gefallen lässt und sich anbiedert – geht schief.“ Hier sei Fingerspitzengefühl gefordert. Und eine besonders gefestigte Persönlichkeit – eine Persönlichkeit, die ihre Kraft aus dem Inneren und nicht zwangsweise aus einem harmonischen Außenverhältnis gewinnt.

Höflichkeit bedeutet nicht Respekt

Es ist ein schönes Gefühl, von anderen Menschen gemocht zu werden. Für erfolgreiche Führung sei das aber nicht entscheidend. Hier gehe es vor allem darum, gemeinsam Ziele zu erreichen. „Entscheidend ist, dass du respektiert wirst – und zwar nicht aufgrund der Position, sondern aufgrund des Verhaltens“, so Geropp. Dabei dürfe Respekt nicht mit Höflichkeit verwechselt werden. Höflichkeit sei ein rein äußeres Verhalten, Respekt hingegen eine innere Haltung, die man sich verdienen müsse. „Dazu gehört, eine klare Position zu beziehen, eine eigene Meinung zu haben und zu sagen, was Sache ist“, so Geropp. Es gehe darum, sich fair und berechenbar zu verhalten. „Respekt verdient sich, wer ein gewisses Maß an emotionaler Unabhängigkeit hat“, ist der Coach überzeugt.

Abnabeln bitte

Das ist nicht so einfach. Jeder habe Angst vor Ablehnung und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit. „Bei vielen frischgebackenen Führungskräften wurde dieses Bedürfnis früher dadurch gestillt, dass sie sich im Kollegenkreis gut aufgehoben fühlten“, weiß Geropp. „Man kannte sich gut, half sich, traf sich vielleicht auch außerhalb des Büros – und man schimpfte gemeinsam über den Chef.“ Dieser Schulterschluss ist nun Geschichte. Als Chef gehörst du nicht mehr dazu. Vom Flurfunk bist du weitgehend abgeschnitten. Im schlimmsten Fall bist du jetzt das Feindbild – der Chef, über den gelästert wird. Das musst du aushalten. Eine Verbrüderung nach dem Motto „wir lästern gemeinsam über das Top-Management“ ist gefährlich. Schließlich erwarten deine Vorgesetzten, dass du dich professionell und loyal verhältst.

Mehr zum Thema: Weil der Beste nicht Chef sein sollte: Beförderung in der Fachlaufbahn immer wichtiger

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