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Black Friday und Cyber Monday: 5 Mythen rund ums Umtauschrecht

Schnäppchen zurücksenden? Kein Problem (Foto: Fotolia.com)

Wer beim Black Friday und Cyber Monday kräftig zuschlägt, hat Rechte wie jeder andere Online-Käufer auch. Oder machen Schnäppchen einen Unterschied beim Rückgaberecht? Wir haben nachgefragt.

Carsten Föhlisch, Leiter der Rechtsabteilung von Trusted Shops und Experte für Verbraucherrecht beim Online-Shopping, verrät was Sache ist bei Fragen zu Rückgaberecht und Reklamation.

Mythos 1: Online-Schnäppchen sind von der Rückgabe ausgeschlossen
Beim Kauf im Internet gilt ein 14-tägiges Widerrufsrecht – egal, ob Schnäppchen oder regulärer Preis. Die Frist beginnt, sobald der Verbraucher die Ware erhalten hat und richtig belehrt wurde. Bei der Bestellung von Dienstleistungen beginnt die Frist schon bei Vertragsschluss, sagt Dr. Carsten Föhlisch.

Wenn ihr die Bestellung rückgängig machen – oder wie der Jurist sagen würde – widerrufen wollt, einfach eine E-Mail schreiben. Manchmal hat ein Webshop auch eine entsprechende Seite für Rücksendungen – die könnt ihr ganz normal verwenden wie bei jeder anderen Bestellung auch.

Mythos 2: Bei der Reklamation von mangelhafter Ware darf der Online-Händler das gezahlte Geld in Form eines Warengutscheins erstatten
Nein, der Händler muss die Ware einwandfrei liefern – das gilt auch für Black-Friday- und Cyber-Monday-Schnäppchen. Denn grundsätzlich gilt, so Dr. Carsten Föhlisch: Ist eine falsche oder eine defekte Ware geliefert worden, hat der Kunde über das Widerrufsrecht hinaus gesetzlichen Anspruch auf Gewährleistung. Soll heißen: Geht das stark reduzierte, am Black Friday gekaufte Smartphone nach sechs Monaten kaputt, könnt ihr das Gerät umtauschen respektive reparieren lassen. Zwei Versuche, das Gerät zu reparieren, hat der Händler. Ist das Gerät dann immer noch defekt, könnt ihr vom Vertrag zurücktreten und erhaltet euer Geld zurück. Und hier muss sich niemand mit einem Gutschein abspeisen lassen. Bei der Erstattung habt ihr ein Recht auf Rückzahlung des Kaufpreises. Das Gleiche gilt natürlich auch, wenn ihr die Bestellung zurücksendet.

Mythos 3: Bei Rückgabe muss die Ware im Original-Karton zurückgeschickt werden
Die bestellte Ware taugt euch doch nicht, aber der dreijährige Sohn hat die Verpackung in die Finger bekommen und seziert? Macht nichts. Ihr könnt das Schnäppchen trotzdem zurückschicken. Denn kein Kunde ist dazu verpflichtet, für die Rücksendung den Original-Karton zu nutzen. Denn die Ausübung des Widerrufsrechts darf nicht eingeschränkt oder an Bedingungen geknüpft werden, betont Dr. Carsten Föhlisch. Doch es gibt eine kleine Ausnahme: Wenn die Verpackung ein elementarer Produktbestandteil ist, kann der Händler sogenannten Wertersatz geltend machen und die Kaufpreisrückerstattung reduzieren.

Mythos 4: Verzögert sich die Lieferung der Ware, kann der Online-Shopper nur warten
Online-Shops sind dazu verpflichtet, Lieferzeiten bei Produkten zu nennen, wenn diese nicht sofort lieferbar sind. Dies können ungefähre („ca.“) oder genaue („spätestens zum …“) Angaben sein, erläutert Dr. Carsten Föhlisch. An exakt angegebenen Lieferzeiten muss sich der Shop dann auch halten. Ist das nicht der Fall, könnt ihr vom Vertrag zurückzutreten und einen Schadensersatzanspruch geltend machen. Ihr könnt dann zum Beispiel die Mehrkosten verlangen, die durch eine Beschaffung der Ware bei einem Händler vor Ort entstanden sind. Doch ihr solltet hier den gesunden Menschenverstand walten lassen: Wenn sich deutlich abzeichnet, dass das vereinbarte Lieferdatum gerissen wird, könnt ihr eure Bestellung auch ohne Begründung widerrufen und woanders kaufen. Dann gibt es zwar keinen Schadensersatz, aber da es sich bei den meisten Bestellungen nur um Bagatellsummen handelt, auch keinen Ärger.

Mythos 5: Wenn Ware gekauft wird, kann diese immer umgetauscht werden
Achtung: Ein gesetzliches Umtauschrecht existiert nicht! Nicht für reguläre Ware und erst recht nicht für Schnäppchen vom Black Friday und Cyber Monday. Beim Online-Kauf oder bei telefonischer Bestellung könnt ihr innerhalb von 14 Tagen den Vertrag widerrufen, egal ob Schnäppchen oder nicht, klärt Dr. Carsten Föhlisch die Details im Handelsrecht. Dann erhaltet ihr euer Geld zurück. Einen Anspruch auf Umtausch der Ware habt ihr allerdings nicht, vor allem nicht im stationären Handel. Dank Amazon sind jedoch insbesondere deutschlandweit agierende Ketten hier inzwischen ziemlich entgegenkommend.

Mehr zum Thema: Black-Friday-Abzocke – Nur jedes zweite Angebot lohnt sich

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