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Analyse

Warum die Blockchain eine fürchterlich überhypte Technologie ist

(Grafik: Anton Barbarov)

Der Blockchain wird großes Weltveränderungspotenzial nachgesagt. Doch die Widersprüche zwischen dem öffentlichen Image und der Realität der Technologie wecken Zweifel.

Eigentlich sollte der folgende Text in meinem Newsletter erscheinen. Jedoch wurde er schnell deutlich zu lang für eine E-Mail, weswegen ich mich entschlossen habe ihn als eigenständigen Text zu veröffentlichen. Normalerweise versuche ich in meinem Newsletter regelmäßig über Technologien zu schreiben und ihre Auswirkungen, Entwicklung und Bedeutung einzuordnen. Entsprechend war mein Ziel, dies auch für die Blockchain zu tun.

Nur hier ist das Problem: Es ist für mich fast unmöglich zu einer klaren Aussage zur Blockchain zu kommen oder eine finale Einschätzung abzugeben. Je tiefer man in die Materie einsteigt, desto mehr Widersprüche scheinen sich zwischen dem öffentlichen Image von Blockchain und der Realität der Technologie aufzutun.

Was ist die Blockchain?

Es gibt einige Artikel, die die Funktionsweise einer Blockchain weitaus detaillierter und besser beschreiben können, als ich es hier machen werde. Aber kurz zusammengefasst: Die Blockchain ist das zugrundeliegende Datenbank-Konzept der meisten Kryptowährungen und wurde in seiner grundsätzlichen Form von Satoshi Nakamoto, dem mythischen Erfinder von Bitcoin, beschrieben. Eine Blockchain erlaubt es mehreren Parteien zusammenzuarbeiten, ohne dass diese sich kennen und vertrauen müssen. Ermöglicht wird dies durch ein kryptografisches Verfahren.

Jedoch muss hier gleich eine Sache im Kopf behalten werden: Auch wenn viel von Blockchain als singuläre Technologie gesprochen wird, umfasst der Begriff tatsächliche eine ganze Reihe unterschiedlicher Technologien, Techniken und Konzepte. Grundsätzlich muss auch zwischen öffentlichen (oder permissionless) Blockchains und privaten (oder permissioned) Blockchains unterschieden werden. Während in öffentlichen Blockchains jeder Teil des Netzwerks werden kann  –  wie beispielsweise bei Kryptowährungen  –  erhalten in privaten Blockchains nur ausgewählte Teilnehmer Zugriff. Die meisten Blockchain-Implementierungen in Banken oder Unternehmen sind beispielsweise private Blockchains.

Ein anderer wichtiger Aspekt, den man im Blick behalten sollte, ist die Tatsache, dass die Blockchain als Konzept selbst auf einer ganzen Reihe anderer Technologien basiert. Die historische Perspektive ist zwar nicht unbedingt ausschlaggebend, aber dennoch wichtig zu berücksichtigen. Oder wie die Autoren es selbst beschreiben: „Nakamoto’s genius, then, wasn’t any of the individual components of bitcoin, but rather the intricate way in which they fit together to breathe life into the system.“

Diese Ideen entstanden rund um Bitcoin. (Grafik: Arvind Narayanan und Jeremy Clark)

Der Hype ist ein Problem

Kommen wir nun zu dem Problem, das die Berichterstattung rund um Blockchain unheimlich schwer einzuschätzen macht: Hype!

Artikel rund um die möglichen Auswirkungen der Technologie sind voll von gigantischen Versprechen, überzogenen Erwartungen und einer guten Prise „Magical Thinking“. Und immer wieder trifft man auf Artikel, die verkünden, dass die Blockchain eine beliebige Industrie (meist die Finanzindustrie) „disrupten“ wird. Es wird jedoch in vielen Fällen deutlich, dass Autoren solcher Artikel keinen Schimmer von der Industrie haben, die sie disrupten wollen, und sehr oberflächliche Analysen anstellen. Allgemein sollten solche breiten Aussagen immer mit viel Vorsicht genossen werden.

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3 Reaktionen
emjot

Der Artikel sagt eigentlich sagt er nichts - außer dass der Author scheinbar selbst nicht wirklich versteht, wovon er schreibt.
Zum Beispiel die technischen Limitierungen:
Limited scalability - längst gelöst durch Nachfolgetechnologien (z.B. Iota, Raiblocks, Ripple - sekundenschnelle Abwicklung)
Limited privacy - Bullshit; wer das benögtig, nimmt Monero
Lack of formal contract verification - Auch in der "realen" Welt, besteht bisweilen das Problem; Aber was soll man machen, Jede Aktion kann irgendwie manipuliert werden - oder schaffen wir morgen den Euro ab? Schließlich gibt es Falschgeld...
Storage constraints - das können Mittelsmänner für die Nodes übernehmen; eben damit dies nicht nötig ist
Unsustainable consensus mechanisms - Deshalb gehen alle neuen (und für die Zukunft erfolgreich angesehen) Technologien davon weg und verwenden andere Methoden als Proof-Of-Work
Lack of governance and standards - das problem besteht doch bei z.B. whatsapp auch 2mal pro Jahr und oh Wunder, er läuft noch.
Inadequate tooling - dem will sich z.B. Neblio entgegenstellen und eine Technik mit einfachereren Interfaces bereitstellen
Quantum computing threat - Klar, thoeretisch möglich; ABER: dann wäre keinerlei sichere Kommunikation (mit unseren heutigen Standardmethoden) mehr möglich, also weder online-Banking noch ein sicherer Login in den Mailaccount - das würde im Moment eh das komplette Internet sprengen.
Was bleibt nun informatives an diesem Artikel? Dass ddie Blockchain etwas überhypte ist (wie dotcom damals), was sicher jeder schon merkte...
...asosnten noch diese Erkenntnis: "Auch hier zeigt sich wieder das Problem, dass viele Blockchain-Evangelisten wenig bis gar keinen Einblick in die Industrie haben, die sie „disrupten“ wollen." (Zitat) Was das nun der Sinn dieser Aussage ist erschließt sich mir nicht - wie dem Author sicher ebenfalls. Aber natürlich könnte auch ein Bitcoin für bestimmte Mensche (die vlt. in einem Bankrotten Staat mit galoppierender Inflation leben) eine Möglicheit der Wertaufberahrung sein - und es gibt tatsächlich Experten, die zu dem SChluß kommen wir Einwohner der Eurozone könnten sowas auch noch mal brauchen. (Dann hatt sich der Euro jedoch selbst dirupted und ist nicht durch den Bitcoin....)
Leider so absolut sinnfrei der Artikel! Da lebt jemand, was deieses Thema angeht halt leider echt hinter dem Mond...

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jaschmidtuss

Endlich mal ein konstruktiver und differenzierter Artikel zu über diesen Hype. Ich sehe genau die gleichen Probleme und sehe diese als nicht lösbar an. Gerade was das Energieproblem angeht oder die Anwendungsfälle so gibt es doch weitaus bessere Methoden als diese Art der Datenspeicherung. Sehr gut finde ich auch den Absatz zu der "KI". Bald werden Start-ups aus den Boden schießen die nicht nur KI machen, sondern auch Blockchain. Das wird dann der neuste Hype: Blockchain-KI...

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Garret456

Guter, sachlicher Beitrag. Bei dem Thema Blockchain ist tatsächlich viel Hype dabei. Neue Konzepte faszinieren und beflügeln die Fantasie. Niemand will etwas verpassen. Der Hype mag zwar nervig sein, aber er hilft, dass sich Interessenten fnden und untereinander austauschen.
Die genannten Hürden werden sich in den kommenden Jahren technisch lösen lassen. Aber es dauert eben noch etwas. Wenn langsam ein bisschen produktive Ruhe eintritt, hilft das der Branche und "der Blockchain" sicher.
Wer tiefer und technischer in das Thema einsteigen will, kann an der Blockchain Spring School 2018 teilnehmen: http://blockchain.hs-mittweida.de/springschool.html

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