Kommentar

Büro, Homeoffice oder Coworking-Space? Nichts davon ist der ideale Arbeitsplatz

Büro, Homeoffice oder Coworking-Space? (Foto: Shutterstock-Alex Linch)

Büro, Homeoffice oder Coworking-Space? Nichts davon ist der ideale Arbeitsplatz, sinniert t3n-Autor Andreas Weck. Die Mischung aus allem findet er richtungsweisend. Ein Kommentar.

Die Frage nach dem Arbeitsort scheidet die Geister. Da gibt es die Homeoffice-Fraktion, die die Ruhe genießt und darin produktiver ans Tagwerk geht. Auf der anderen Seite gibt es die Bürojobber, denen es in der Heimarbeit an Motivation fehlt und die auf den persönlichen Kontakt mit Kollegen nicht verzichten können. Irgendwo dazwischen gibt es die Coworker, die – mal so mal so – fast nur das Beste aus beiden Welten für sich verbinden. Auch sie glauben oft, dass ihr Arbeitsplatzmodell das Nonplusultra darstellt. Allen kann ich diesbezüglich nur sagen: Ihr habt recht – und doch irgendwie auch nicht.

Seit einigen Jahren arbeite ich nun im Wechsel zwischen Remote- und Büroarbeit. Für t3n habe ich zeitweise von Hamburg, Berlin und San Francisco aus gearbeitet. Phasenweise auch ortsgebunden im Hannoveraner Büro. Zurzeit bin ich in einem Hybridmodus. Ein Mal die Woche in Hannover, zwei- bis drei Mal in Berlin im Homeoffice und dazwischen treffe ich mich regelmäßig auch mit Kollegen im Coworking-Space, um in einem kleinen Team über neue Ideen und Trends zu sprechen. Geht es um das Thema der Remote- vs. Büroarbeit und die Facetten dazwischen, kann ich behaupten, auf viel Erfahrung zurückblicken zu können.

Büro, Homeoffice oder Coworking-Space?

Diese Erfahrungen bringen mich zu einer Erkenntnis: Es ist genau dieser regelmäßige Wechsel zwischen den Arbeitsplatzmodellen, der produktiv, kreativ und entspannt macht. Je nachdem, wie es Deadlines, Abläufe, Austausch, Effizienz und Ruhe verlangen, kann ich darauf reagieren. Ein für mich geradezu gigantischer Vorteil. Braucht es Absprachen bezüglich irgendwelcher Abläufe, bin ich in der Stammredaktion, um an Meetings teilzunehmen. Braucht es kreativen Input, so treffe ich mich mit einer kleinen Truppe von Kollegen im Betahaus zum Austausch. Braucht es Stille, um Dinge zu vollenden, bleibe ich im Homeoffice.

Ich würde lügen, würde ich sagen, dass nur das eine Modell das einzig Wahre wäre. Unterm Strich arbeite ich lieber im Homeoffice als im Büro – stimmt schon. Dennoch fehlt es einem hin und wieder, das Gespräch mit dem Kollegen über Tischkanten hinweg. Ein Mal die Woche ins Büro zu kommen, hilft da schon. Nun aber die Möglichkeit zu haben, auch in einem Coworking-Space zusammenzukommen, wirkt sich auf vielerlei Arten auf mein Wohlbefinden aus. Schon allein, weil ich morgens mit dem Rad vorbei an schönen Orten wie dem Reichstag und entlang der Spree fahre – mit dem Rad zur Arbeit fahren zu können, ist sowieso ein tolles Privileg.

„Wo die Ziele erreicht werden, ist doch Nebensache.“

Die Frage, die ich mir in dem Zusammenhang stelle, ist jedoch, ob es für Arbeitgeber nicht auch ganz generell sinnvoll ist, diese Form des Arbeitsplatzkonzeptes stärker in den Vordergrund zu rücken, anstatt bloß darüber zu diskutieren, die Kollegen gelegentlich mal ins Homeoffice zu entlassen, wenn es wirklich gute Gründe gibt – sprich, wenn das Kind krank ist. Die Debatte um die Flexibilität des Arbeitsplatzes läuft in meiner Wahrnehmung zu starr ab. Es darf nicht um ein Entweder-Oder gehen. Oder darum, nur Ausnahmeregeln zu etablieren. Eigentlich muss sich Arbeit grundsätzlich mehr an den Bedürfnissen der Menschen orientieren.

Natürlich gib es auch Berufe, die an einen Arbeitsplatz gebunden sind. Ein Bäckereifachverkäufer beziehungsweise eine -fachverkäuferin fällt aus diesem Modell natürlich raus, solange es ihnen nicht möglich ist, Roboterangestellte von daheim per Joystick zu steuern. Trotzdem gibt es vor allem auch im Dienstleistungssektor genug Menschen, die so arbeiten können, wie ich es derzeit tue – nicht nur flexibel, sondern auch fluid. Projektleiter und -leiterinnen in Agenturen brauchen die Absprache vor Ort, aber auch Raum, um woanders in kleinen Gruppen neue Ideen zu entwickeln, und Ruhe, um konzeptionell zu arbeiten.

Wichtig ist in dem Zusammenhang, dass genug Vertrauen zwischen Führungskraft und Mitarbeiter besteht. Dazu kommen überprüfbare Zielvereinbarungen, entlang derer sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer orientieren können, wenn es darum geht, die Produktivität des Engagements nachhaltig zu überprüfen. In meinem Fall sind das beispielsweise Agreements hinsichtlich Anzahl und Art an Artikeln in meinem verantworteten Ressort für das Online- und Printmagazin. Daneben fließen weitere Übereinkünfte aus Seitenprojekten ein. Gleiches müsste auch für oben erwähnte Projektleiter gelten. Wo die Ziele erreicht werden, ist doch Nebensache.

Das Versprechen der New-Work-Bewegung

Es gibt eine Vielzahl an Unternehmen, die das mit einigen ihrer Mitarbeiter ähnlich halten. So sitzen in der Berliner Factory beispielsweise auch Mitarbeiter von Siemens, obwohl in derselben Stadt eigene Liegenschaften vorhanden sind. Aus Gesprächen weiß ich, dass jene Mitarbeiter auch regelmäßig von zu Hause arbeiten. Es ist schön, zu sehen, wie sie tagtäglich über ihre Arbeit reden – und wie sich diese Flexibilität auf ihr Tagwerk ausübt. Nicht zuletzt wirken die Menschen ja auch auf die Kultur des Unternehmens ein.

Es ist ein Versprechen der New-Work-Bewegung, dass Technologien uns im Arbeitsleben freier machen. Nicht nur, dass uns stumpfe Routinearbeit abgenommen wird und wir mehr Aufmerksamkeit auf Wesentliches richten können, sondern auch, dass wir flexibler werden – in Zeit und Ort und überhaupt. Ich weiß nicht, ob Frithjof Bergmann, der Begründer dieser Bewegung, sich jemanden wie mich vorgestellt hat, als er in den 1970ern und 1980ern seine Ideen formulierte, aber ich glaube, dass ich in dem ein oder anderen Punkt nah dran bin an seinem Ideal. Vielleicht bin ich aber auch nur ein Exot, der sich selbst viel zu wichtig nimmt.

Das dürft gerne ihr beurteilen!

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Ein Kommentar
Ester Diemer

Ich stimme Ihnen auf jeden Fall zu, dass die Arbeitsplatzwahl seltsam konservativ von den meisten Unternehmen aufgefasst wird. Vor allem der Wechsel mit Coworking Spaces stellt doch eigentlich nur eine bequemere Büroversion für die Arbeitenden dar. Und da die Miete dafür meist von den Arbeitnehmern selbst gestemmt wird, finde ich das Anmieten von Büros in Coworking Spaces sollte deutlich flexibler gehandhabt werden.

Antworten

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