Interview

Byton-Chef Carsten Breitfeld: „Das eigentliche Thema der Zukunft sind nicht Elektroautos“

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Vor zwei Jahren waren viele skeptisch. Ich war obere Führungskraft bei BMW – so hieß das da – und viele sagten: „Wie kannst du nur?“. Man hat da einen relativ starken Rahmen bis zum Lebensende. Viele konnten nicht verstehen, wie ich das aufgeben und mich auf so ein Abenteuer einlassen konnte. Sie haben aber vielleicht auch das Potenzial nicht gesehen. Heute ist das völlig anders. Nachdem klarer wird, was wir erreicht haben, haben wir eine völlig andere Wahrnehmung. Jetzt kommen schon viele und sagen: „Mensch, das war die richtige Entscheidung“ – und es sind ja auch immer mehr Leute zu uns gestoßen, die mitmachen.

t3n: Sie haben ja auch ganz gut gewildert bei den deutschen Autokonzernen …

Ich würde das nicht wildern nennen. Das ist mir ganz wichtig: Ich bin niemals irgendwo reingegangen und habe versucht, Leute zu überzeugen, zu uns zu kommen. Das brauchte ich gar nicht. Die Tatsache, dass wir so schnell ein Unternehmen aufgebaut haben und dass man gesehen hat, dass in relativ kurzer Zeit da was vorangeht, hat dafür gesorgt, dass ganze viele Menschen zu uns gekommen sind, die gefragt haben, ob sie mitmachen können.

t3n: Bisher haben Sie ja nur ein Concept Car. Ob das als Massenprodukt funktioniert, müssen Sie ja noch beweisen.

Na, ein bisschen mehr haben wir schon. Das Concept Car ist ja deutlich mehr als ein Concept Car. Es ist ein Full Runner, das heißt es fährt und ist voll funktional. Und es ist sehr nah an der Serie. Wenn Sie dieses Serienauto am Ende sehen, werden Sie keine großen Unterschiede feststellen. Zudem fahren in Nanjing schon Prototypen auf der Straße – etwa 15. Richtung Jahresende werden wir mit 100 Prototypen unterwegs sein.

t3n: Ich habe Ihr Concept Car gesehen – in Las Vegas auf der CES Anfang Januar. Vorne ist ja ein einziges, riesiges Tablet statt Armatur. Ist so etwas überhaupt zulassungsfähig?

Da gibt es überhaupt kein Problem. Es gibt keine Regulation der Welt, die einen Bildschirm dort verbietet. Es gibt bestimmte nationale Bestimmungen, was Sie dort zeigen dürfen. Bewegte Bilder sind immer so ein Thema – die dürfen in einigen Märkten nicht im Sichtfeld des Fahrers sein, während er fährt. Im Autonom-Modus können Sie das machen.

t3n: Wie komplex das Thema Massenproduktion selbst im Zeitalter des Elektroautos immer noch ist, sieht man ja jetzt auch bei Tesla. Wie bereiten Sie Byton darauf vor?

Wenn die Automobilindustrie, vor allen Dingen die Premiumhersteller, in den letzten 130 Jahren etwas gelernt hat, dann, wie man Autos baut. Wie man Autos im Volumen baut, aus einem Prozess heraus eine Qualität erzeugt, die Premium ist – zu Zielkosten. Das ist das, was die Automobilindustrie heute wirklich kann und wo unglaublich viel Erfahrung drinsteckt. Da darf man nicht den Fehler machen, zu glauben, dass man das besser kann oder versuchen, das neu zu erfinden – wie das funktioniert, ist vom Prinzip her bekannt. Deshalb haben wir ein starkes Team am Anfang gebaut, die wissen, wie man den ganz klassischen Prozess zur Produktion eines Autos aufbaut. Wir werden da nichts Neues machen.

t3n: Haben Sie Ihr Büro in Nanjing, dem Hauptsitz von Byton – oder wo arbeiten Sie überwiegend?

Das ist eine gute Frage. Ich habe hier in München ein Büro, eins im Silicon Valley und natürlich auch eins in unserem Headquarter in Nanjing. Oft werde ich gefragt, wo ich jetzt lebe, und die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Meine Familie ist in Kalifornien und im Prinzip bin ich da im Moment zu Hause, wenn man so möchte. Aber ich bin da nur selten.

„Für mich hat die Frage, wo ich zu Hause bin, überhaupt keine Bedeutung mehr.“

t3n: Wo sind Sie stattdessen?

Die vergangenen zwei, drei Monate habe ich zu 70 bis 80 Prozent in China verbracht. In Nanjing, aber auch in Peking und Schanghai. In Schanghai ist unser Brand-Office, in Peking haben wir die Government-Relations und die PR. Und dann bin ich auch noch ab und zu in München. Im Moment überwiegt klar China – aber es kommt auch immer darauf an, was anliegt. Als CEO und Chairman habe ich natürlich gewisse repräsentative Aufgaben. Aufgaben wie mit Investoren zu verhandeln und Geld reinzuholen. Wenn Funding ansteht, ist das ein starker Fokus. Wenn dann eine Phase kommt, in der es wieder mehr um Technologie geht, bin ich mehr im Silicon Valley. Für mich hat die Frage, wo ich zu Hause bin, überhaupt keine Bedeutung mehr. Ich fühle mich als Weltbürger, die Welt ist mein Zuhause und ich fühle mich in China genauso wohl wie in Kalifornien oder hier in München.

t3n: Wie eng müssen Sie sich mit der chinesischen Regierung abstimmen?

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