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Changerider: „Die Krise überleben und die positiven Effekte, die es auch gibt, mitnehmen“

(Screenshot: t3n)

Mit dem Video- und Podcastformat Changerider wollen Etventure-Gründer Philipp Depiereux und t3n den Menschen die Angst vor der Digitalisierung und dem Wandel nehmen. In der aktuellen Folge ist Alexander von Frankenberg, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds, zu Gast im Changerider.

Wie speziell Startups in der aktuellen Wirtschaftskrise unterstützt werden können, war in den letzten Monaten ein viel diskutiertes Thema von Wirtschaft und Politik. Alexander von Frankenberg, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds, hat berufsbedingt eine klare Meinung dazu. Wie Startups diese Krise überstehen und wie sie womöglich gestärkt daraus hervorgehen, darüber spricht er mit Philipp Depiereux im virtuellen Changerider-Interview.

Die Gründung des High-Tech Gründerfonds (HTGF) im Jahr 2005 war das Ergebnis einer Arbeitsgruppe aus Vertretern des Bundeswirtschaftsministeriums, der Industrie und Branchenexperten. Ihr Ziel: den damals völlig brachliegenden Markt für Gründungsfinanzierungen wieder zu beleben. Das ist dem HTGF seit dem sehr gut gelungen. Insgesamt drei Fonds hat der HTGF bisher aufgelegt und damit annähernd 600 Unternehmen finanziert, von denen bereits mehr als 100 erfolgreich verkauft oder an die Börse gebracht wurden.

„Ich glaube, dass auch gerade jetzt tolle Ideen umgesetzt werden“

2020 ist der HTGF noch immer eine wichtige Säule bei der Startup-Finanzierung – wie funktioniert das heute in Zeiten der Corona-Pandemie? Während das Bestandsgeschäft virtuell relativ unkompliziert weiterläuft, ist der neue „Dealflow“, also Investitionsvorschläge in neue Gründerteams, eine Herausforderung. „Die Frage haben wir noch nicht beantwortet: können wir in ein Team investieren, das wir noch nicht persönlich getroffen haben?“ Aber für von Frankenberg ist es wichtig, dass das Geschäft weiterläuft: „Zum einen ist es unser Mandat als HTGF, den Markt für Gründungsfinanzierungen zu beleben. Da können wir nicht sagen, es ist Krise und wir machen nichts mehr. Gleichzeitig glaube ich, dass auch gerade jetzt tolle Ideen umgesetzt werden – diese Gelegenheiten dürfen wir nicht verpassen.“

Gründungsideen, die aus der aktuellen Pandemie entstanden sind, haben den HTGF noch nicht erreicht, aber „wir haben Pandemie-Cases im Portfolio, da kann man zwei nennen. Atriva aus Tübingen: Die forschen unter anderem auch an Coronaviren und zwar nicht an einem Impfstoff, sondern wie man die konkreten Beschwerden lindert, wenn man eine Infektion hat. Die haben jetzt eine riesige Aufmerksamkeit bekommen. Und das zweite, was man nennen kann, was wir erst seit einigen Monaten im Portfolio haben, ist Sdui aus Mainz. Das ist eine Kommunikationslösung für Schüler, Eltern und Lehrkräfte. Die kriegen ebenfalls tierisch Rückenwind von Schulen, die in dieser Situation nach solchen Lösungen suchen.“

„Jetzt erst recht! Wenn es schwierig wird, doppelt so viel Energie reinstecken“

Vertrieb ist eine der größten Herausforderungen für Startups – darüber haben Philipp Depiereux und Alexander von Frankenberg bereits in der gemeinsamen Changerider-Fahrt im letzten Jahr gesprochen. Was bedeutet das konkret in Zeiten einer Pandemie? Dazu ist die Devise des HTGF-Geschäftsführers eindeutig: „Jetzt erst recht! Wenn es schwierig wird, dann nicht aufhören, sondern doppelt so viel Energie rein stecken. Und es kann dann passieren, dass man einen Weg findet, der doppelt so gut funktioniert.“ Die Erfahrung bei einigen Startups zeige, dass man sehr gut auch virtuell verkaufen kann. „Die ‚Opportunity‘ ist riesig, denn wenn das klappt, kann ich nicht zwei Gespräche an einem Tag führen, weil ich unterwegs von Kunde zu Kunde bin, sondern vielleicht fünf, acht oder sogar zehn.“ Auch er selbst hat die Erfahrung gemacht, dass es auf der Finanzierungsseite mit Online-Veranstaltungen funktionieren kann und dass Investoren in Startups investieren, die auf dieser Veranstaltung virtuell gepitcht haben. „Die Finanzierungen sind noch nicht durch, aber wenn das klappt, kann man beweisen, dass Vertrieb, in dem Fall Finanzierungsvertrieb, komplett online funktioniert und das ist eine riesige ‚Opportunity‘.“

„Ich bin überzeugt, dass das Gesamtportfolio der politischen Aktivitäten sehr positiv ist“

Die politischen Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie vergleicht Alexander von Frankenberg mit der Philosophie eines Venture Capitalists: „Unser Geschäftsmodell ist es, in zehn Unternehmen zu investieren. Fünf scheitern aus welchen Gründen auch immer. Fünf überleben und zwei davon werden richtig erfolgreich. Die gescheiterten fünf sind aus Investorenperspektive nicht so schlimm, wenn die anderen fünf das überkompensieren. Und ich glaube, mit einer ganz ähnlichen Perspektive sollte man betrachten, was die Politik macht.“ Natürlich mache die Politik auch Fehler, aber eben auch viele Sachen sehr richtig und die entscheidende Frage sei doch, wie das Portfolio der Gesamtaktivitäten der Politik aussehe. „Da bin ich sehr zuversichtlich, dass das Gesamtportfolio sehr positiv ausfällt. Und es wär ein Riesen-Fehler – und da sollten wir uns alle etwas disziplinieren – auf den paar Fehlern, die gemacht werden, rumzuhacken. Da geht es um das Big Picture.“ Auch wenn der HTGF-Gründer dann selbst noch mit einem Lächeln hinterherschiebt, dass alles auch ein bisschen schneller hätte gehen können.

Wie die Rettungsschirme für Startups und VC funktionieren und wer profitiert, beschreibt er im Video genauso wie die Maßnahmen, mit denen der HTGF selbst Startups in der aktuellen Krise unterstützt.

„Die Wahrheit ist, die Leute arbeiten im Homeoffice härter und produktiver“

Was wird sich nachhaltig verändern und was bleibt nach der Pandemie? „Man findet bei allen Nachteilen, die es natürlich gibt, eine ganze Reihe Vorteile“, ist Alex von Frankenberg überzeugt. Homeoffice und das Wegfallen des Arbeitsweges verschaffen zusätzliche Zeit zum Arbeiten, für die Familie oder für die Freizeit. „Es gibt Kollegen, die sind in eine Richtung bereits eine Stunde unterwegs, das ist ein Riesen-Produktivitäts-Booster.“ Dabei gibt von Frankenberg zu, dass er vor der Pandemie Homeoffice durchaus kritisch gegenüberstand, nun aber festgestellt habe: „Die Wahrheit ist, die Leute arbeiten härter und produktiver.“ Auch Online-Meetings wurden positiv aufgenommen, beispielsweise sei es bei der Online-Komitee-Sitzung zu einer Rekordteilnahme gekommen. „Die positive Nachricht ist, davon werden ganz viele Dinge beibehalten werden. Die negative Nachricht, die damit verbunden ist, gewisse Märkte werden nicht mehr auf das alte Niveau zurückspringen – Fluggesellschaften beispielsweise.“ Das sei aus Umweltgesichtspunkten aber auch richtig und werde eine nachhaltige Auswirkung in der Gesellschaft haben.

Der in der Changerider-Tradition positive Abschluss-Appell fehlt auch bei Alexander von Frankenberg nicht: „Wir wissen zu 100 Prozent, die Krise geht vorbei. Wir wissen auch, danach gibt es einen Riesen-Boom. Was wir nicht wissen ist, wie lange dauert die Krise und wie tief geht es runter, das ist die Herausforderung. Daher unser Motto: Krise überleben, die positiven Effekte wie neue Arbeitsmethoden und eventuell neue Vertriebswege mitnehmen. Und ich bin positiv, dass wir in Summe sehr gut aus der Krise rauskommen und an dem Boom, der danach kommt, teilhaben werden.“

Ihr kennt ebenfalls Querdenker, Gamechanger und unermüdliche Optimisten, die für den digitalen Wandel einstehen? Nominiert sie als Changerider-Mitfahrer! Diese und alle weiteren Folgen sind als Video und ausführliche Gespräche im Podcast bei Apple Podcast, Soundcloud und Spotify verfügbar oder nachzulesen im Changerider-Buch: „Changerider: Pioniergeister statt Bedenkenträger: Wie mutige Macher aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft unsere Zukunft gestalten“ – überall, wo es Bücher gibt und auf changerider.com.

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