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Interview

Hosting: „Es gibt keine kleinen DDoS-Attacken mehr“

Thomas Ebbers und Niko Bender (v.l.) von Plusserver. (Foto: t3n)

Gehostet wird am liebsten in der Cloud. Die bringt allerdings einige Herausforderungen und Fragen mit. Ein Interview über die vielen Facetten des Hosting-Marktes – und worauf es ankommt.

Managed Root-Server, deutsche Rechenzentren und 24-7-Geschäftskundenservice – was viele Jahre als Standard für businesskritische Projekte galt, gestaltet sich in den letzten Jahren mit zunehmender technologischer Geschwindigkeit immer undurchsichtiger. Was ist überhaupt der Unterschied zwischen Private-, Public- und Hybrid-Cloud und ist da Docker und Kubernetes schon mit drin? Was brauche ich als Betreiber einer E-Commerce-Plattform oder eines großen Online-Portals überhaupt und warum sollte ich nicht einfach direkt zu Google Cloud oder Amazon AWS gehen, wo doch alle so vom „echten“ Cloud-Hosting schwärmen?

In einer Interview-Serie beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Facetten des Cloud-Hostings. Von klassischen virtuellen Maschinen über Managed Private Cloud und Openstack, Hybrid-Cloud-Strategien bis hin zu Public Clouds und zukünftigen, container-basierten Cloud-Lösungen auf Basis von Docker und Kubernetes.

Zum Start haben wir mit dem Kölner Business-Hoster Plusserver gesprochen. 1999 gegründet, zählt die Plusserver GmbH mit ihren inzwischen über 400 Mitarbeitern und 105 Millionen Euro Jahresumsatz (Stand 2016) zum Urgestein der deutschen Managed-Hosting-Szene. Nach starkem Wachstum in den letzten Jahren, zahlreichen Firmen-Zukäufen und zuletzt einem Rückkauf der Unternehmensanteile durch das Management-Team, ist der Hoster jetzt wieder unabhängig und stellt sich neu auf. Nicht nur darüber sprechen wir mit CMO Niko Bender und CPO Thomas Ebbers. 

t3n.de: Angeblich läuft jeder dritte der deutschen Top-100-Online-Shops auf Plusserver-Infrastruktur. Warum sind die inzwischen nicht alle längst zu den globalen Playern Amazon AWS oder Google Cloud umgezogen?

Niko Bender: Nicht das Werkzeug, sondern die Fertigkeit des Handwerkers entscheidet. Als Managed-Cloud-Hoster sind wir für das Management und nicht nur für die Infrastruktur verantwortlich. Kunden wollen sich auf ihr Kerngeschäft fokussieren und suchen Beratung, Service und Betrieb. Gemeinsam klären wir Fragen wie: Welche Infrastruktur wird für welchen Workload benötigt? Wie sieht es in puncto Datenschutz aus? Wie konzipiere ich meine Lösungen maximal flexibel und welche Architektur ist am effizientesten? Eine Public Cloud ist beispielsweise nicht per se günstiger und besser. Hier prüfen wir mit dem Kunden, was technisch und auch kaufmännisch sinnvoll ist. Natürlich kommt auch die Frage nach dem Datenschutz und der Sicherheit auf. Wie sieht es beispielsweise im Falle eines DDoS-Angriffs aus? Monitoring, Reporting, Acting und Service-Management müssen in die Prozesse des Kunden eingebunden werden. Das sind Aufgaben, die Hoster vollumfänglich verantworten.

Plusserver sitzt in Köln. (Foto: Plusserver)
Plusserver sitzt in Köln. (Foto: Plusserver)

t3n.de: Thomas, du suchst als Verantwortlicher für eure Produktstrategie auch nach neuen Trends in der Cloud-Hosting-Branche: Welche Chancen siehst du für euch als alteingesessener Geschäftskunden-Hoster in den nächsten Jahren?

Thomas Ebbers: Die digitale Transformation sehe ich als große Chance für die Branche, da sie das Outsourcing von klassischen Applikationen vorantreibt, welche bislang nur sehr schwer adressiert werden konnten. Dabei suchen Kunden die Unterstützung von kompetenten Ansprechpartnern, die ihnen helfen, die richtige Technologie auszuwählen. Unsere Chance als Hoster ist hierbei, dass wir dem Kunden die Wahl bieten können zwischen klassischer Colocation und Managed Hosting und dazu aber auch verschiedene Public Clouds unterstützen. Aktuell ist das Microsoft Azure, im ersten Quartal 2018 kommt noch Amazon AWS hinzu, im Laufe des Jahres auch Googles Cloud-Plattform.

t3n.de: Was sind dabei die Herausforderungen?

Die Herausforderung als Geschäftskunden-Hoster sind vor allem die verschiedenen Kundenprofile. Auf der einen Seite gibt es die, für die die „klassische IT“ ein bekanntes Terrain ist. Auf der anderen die, die mit agiler Softwareentwicklung arbeiten. Sie wollen Entwickler-getriebene Plattformen und legen das Hauptaugenmerk auf die Applikation. Die Methoden unterscheiden sich grundsätzlich. Dennoch müssen wir es als Hoster schaffen, beide Seiten adäquat zu unterstützen.

t3n.de: Ihr betreibt ja immer noch einige der größten Rechenzentren in Deutschland und habt damit sicher einen nicht unerheblichen Aufwand auf der Kostenseite. Wie passt es da zusammen, dass ihr zeitgleich Microsoft-Cloud-Provider seid und teilweise gar nicht mehr selbst hostet?

Niko Bender: Streng genommen ist Cloud doch auch nur ein Rechenzentrum. Wie so oft im Leben gibt es nicht die eine richtige Lösung – weshalb wir nach wie vor an eine Kombination von klassischem Hosting und Public Cloud glauben. Wir positionieren uns als Managed-Cloud-Anbieter.

Unsere Rechenzentren verstehen wir vermehrt als Hub, welcher im Sinne eines Universaladapters die verschiedenen Hosting-Technologien kombinierbar macht. Zum Beispiel eine Private Cloud, Container-Services auf dedizierter Hardware und AWS oder Azure. Dazu bauen wir Direktanbindungen mit minimaler Latenz zu den großen Hyperscalern auf. Wir erleben auch viele Kunden, die Teile ihrer Daten in Deutschland betrieben haben wollen. Wir helfen dann, die Workloads zu orchestrieren.

Dedizierte Umgebungen bieten oftmals Kosten- und Funktionsvorteile, weshalb wir überzeugt sind, dass auch klassisches Hosting weiterhin benötigt wird. Wir versuchen immer, die individuellen Wünsche der Kunden zu berücksichtigen und haben deswegen auch unser Portfolio etwa um Azure und Azure Stack erweitert. Letzteres zeigt, dass klassisches Hosting ja auch nicht bedeutet, dass keine Innovationen mehr Einzug erhalten. Openshift ist ein weiteres Beispiel dafür. Dazu kommt, dass wir in unserem eigenen Rechenzentrum die Qualität im Griff haben.

t3n.de: Ihr bietet unter anderem auch eine „Open-Source-Cloud“ auf Openstack-Basis an. Inzwischen gibt es immer häufiger Stimmen in der Hosting-Szene, die Openstack als zu komplex gewachsenes und instabiles Projekt gescheitert sehen – wie seht ihr das mit euren Erfahrungen aus der Praxis? Gibt es noch einen Markt für Openstack oder wird die Host-Plattform in Zeiten von Containern und Microservices bald sowieso immer unwichtiger?

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