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Corona-Warn-App funktioniert auf iPhones ebenso schlecht wie unter Android

Warnt sie oder warnt sie nicht? Kommt drauf an, wie oft du sie aufrufst... (Foto: Jo Raphael / Shutterstock)

Lesezeit: 3 Min.
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Nachdem in den letzten Tagen über gravierende Probleme mit der Corona-Warn-App auf Smartphones mit Android-System berichtet wurde, steht nun fest, dass sie auch auf iPhones nicht richtig funktioniert.

Wie das Bundesgesundheitsministerium inzwischen bestätigt hat, wird die Corona-Warn-App auf iPhones durch „offenbar betriebssystembedingte Einschränkungen der Hintergrundaktualisierung“ am ordnungsgemäßen Funktionieren gehindert. Dabei tausche die Corona-Warn-App zwar stets zuverlässig anonyme Codes aus und gleiche diese auch mit dem Server ab. Letzteres sei allerdings nicht immer der Fall, etwa dann nicht, wenn sie nur im Hintergrund laufe.

Ministerium beschönigt: App hat die ganze Zeit funktioniert

„Wird die App geöffnet, führt sie den Serverabgleich in jedem Fall durch. Auch auf iOS-Geräten hat die App also diese ganze Zeit über funktioniert“, heißt es in einer Erklärung des Ministeriums. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass es für Nutzer zunächst keinen Grund gibt, die App aktiv zu öffnen. Deshalb verwundert es nicht, wenn die Tagesschau davon berichtet, dass Nutzer von iPhones teilweise mehr als 10 Tage lang nicht durch die App informiert worden waren, ob sie Kontakt zu Infizierten hatten oder nicht.

Eigentlich sollte die Corona-Warn-App auch dann im Hintergrund weiterlaufen und Daten aktualisieren, wenn sie nicht geöffnet ist. Wenn es eine Begegnung mit einer Person gab, die später positiv auf das Coronavirus getestet wurde, sollte das Smartphone den Besitzer aktiv mit einer Benachrichtigung auf das erhöhte Risiko hinweisen. „Das Problem, das wir haben, ist, dass die Hintergrundaktualisierung vom Betriebssystem offenbar nicht aufgerufen wird“, sagte der Software-Architekt der App beim Konzern SAP, Thomas Klingbeil, laut tagesschau.de zu den Problemen beim Betriebssystem iOS.

Ursache der Probleme soll ein Bug im Scheduler sein, über den die Corona-Warn-App einmal täglich im Hintergrund Daten vom Server lädt. Da der Scheduler mitunter fehlerhaft arbeite, unterbleibe manchmal dieser Datenabruf. Die Entwickler hätten Apple über das Problem informiert und das Unternehmen habe den Fehler inzwischen auch eingeräumt und arbeite an einer Behebung.

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Entwickler implementieren Workaround

Am Samstag konnte das Entwicklerteam insofern einen Teilerfolg vermelden, als es einen Weg gefunden haben will, die betriebssystembedingten Einschränkungen zu umgehen, bis Apple das Systemproblem selbst gelöst hat. Dazu müssten die Anwender ein Update auf die Version 1.1.2. vornehmen. Für die vollständige Aktivierung des Updates müssten die Anwender dann die App einmal aufrufen. Das soll ebenfalls dann gelten, wenn ein Smartphone über längere Zeit ausgeschaltet war.

Auch unter Android bestand das Problem in einer ausbleibenden Hintergrundaktualisierung. Anders als unter iOS liegt hier die Ursache nach Erläuterungen von SAP in einer speziellen Konfiguration zum Energiesparen, die manche Smartphone-Hersteller wie Samsung oder Huawei entgegen den Google-Standards in ihren Modellen implementiert haben. Hier konnten Nutzer allerdings schon manuell für Abhilfe sorgen, indem sie die Corona-Warn-App von den entsprechenden Energieoptimierungsmethoden der Smartphones ausnahmen. Inzwischen steht für Android-Anwender ein Update bereit.

Kritik an Bundesregierung wird lauter

Nach den technischen Problemen bei der Corona-Warn-App auf Android- wie auf iOS-Smartphones wird die Kritik an der Bundesregierung lauter. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte am Samstag Aufklärung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die App sei ein wichtiger Baustein, um das Coronavirus in Schach zu halten, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. „Jetzt soll auf immer mehr Smartphones die Kontaktüberprüfung nur lückenhaft funktionieren. Das beunruhigt die über 15 Millionen Nutzer.“

Auch der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer, befürchtet, dass das nötige Vertrauen in die App Schaden nehmen könnte. Er forderte: „Die Bundesregierung muss nach dieser Pannenserie für Transparenz sorgen und gezielt App-Nutzer, Öffentlichkeit und das Parlament umgehend und umfassend informieren.“

Das will die Corona-Warn-App

Die Corona-Warn-App soll helfen, Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen. Außerdem kann sie dazu beitragen, dass Menschen nach einem Coronavirus-Test möglichst schnell ihr Testergebnis digital erhalten und über die App anonym mögliche Kontaktpersonen warnen können, wenn diese auch die App installiert haben. Mittlerweile wurde die App 16,2 Millionen Mal heruntergeladen. – mit Material der dpa.

t3n meint:

Es ist erschreckend, wenn die Entwickler einer so wichtigen App wie der Corona-Warn-App offenbar nicht über die grundlegenden Funktionsweisen der App-Ausführung auf den beiden großen Smartphone-Betriebssystemen Android und iOS im Bilde sind.

Jeder, der bereits einmal versucht hat, auf einem iPhone beispielsweise einen Synchronisierungs-Task, etwa mit Google Fotos, auszuführen, wird nach kurzer Zeit erkannt haben, dass dieser Task abgebrochen wird, sobald die App nicht mehr im Vordergrund läuft. Ebenso hat jeder, wirklich jeder, der ein Huawei-Handy besitzt, schon Probleme mit der Hintergrundaktualisierung gehabt. Das konnte teilweise so weit gehen, dass nicht einmal Whatsapp-Nachrichten empfangen wurden. Das Internet ist voll mit Berichten über derlei Probleme und ihre Lösung.

Und die Experten von SAP und der Telekom wussten von alldem nichts und sind jetzt nach Wochen ganz überrascht, dass selbstverständlich auch ihre App von diesen gängigen Problemen betroffen ist? Erstaunlich.

(Dieter Petereit)

Passend dazu: Corona-Warn-App hat bei Millionen kaum funktioniert

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Ein Kommentar
Dr. Sabine Knauer
Dr. Sabine Knauer

Die App ist großer Mist. Auf meinem Android habe ich angeblich die neueste Version und seit nun fünf (!) Wochen eine Risikobegegnung mit niedrigem Risiko. Die Verhaltensregeln bleiben dieselben wie ohne Risikobegegnung. Da weder das RKI noch die Bundesregierung die Schwellenwerte rausrücken, hat es mich etliche Stunden Recherche gekostet, in Erfahrung zu bringen, dass das kürzer als 10 Minuten und entfernter als 8 Meter heißen soll. Was fange ich mit so einer Meldung an? Die braucht niemand und verschreckt nur und gelöscht wird sie auch nicht. Meine diesbezüglichen Anfragen wurden nur oberflächlich inhaltlich und nicht zielführend beantwortet.

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