Ratgeber

Coronavirus: Die rechtlichen Folgen bei Absage von Messen und Konferenzen

Die Dmexco im September kann hoffentlich stattfinden. (Bild: Dmexco / Köln Messe)

Wird eine Konferenz oder Messe wegen des Coronavirus abgesagt, sorgt das für reichlich juristischen Ärger. Doch wer haftet eigentlich für die entstandenen Kosten?

Reihenweise werden dieser Tage Veranstaltungen abgesagt oder um einige Monate in den Sommer verlegt – von bestenfalls deutschlandweit relevanten Messen wie der Internet World oder der Twenty2X bis hin zu weltweit relevanten Veranstaltungen wie der SXSW in Austin oder dem MWC in Barcelona. Doch was ist dann eigentlich zu tun und welche Rechte haben Aussteller und Besucher? Am Beispiel des Mobile World Congress hatten wir das rechtliche Thema ja bereits kurz angeschnitten. Allerdings waren damals die Rahmenbedingungen noch völlig andere, weswegen wir angesichts der aktuellen Situation das Thema noch einmal allgemeiner aufgreifen.

Abgesagte Events – noch dazu, wenn sie so kurzfristig abgesagt werden wie beispielsweise die SXSW – sind ein echtes Ärgernis für Besucher, die teilweise bereits Hotel- und Flugbuchungen durchgeführt haben. „Wer das Hotel in Kombination mit der Veranstaltung zusammen gebucht hat, der bekommt bei einer Absage beides zurückerstattet, denn schließlich entfällt mit Absage der Veranstaltung auch die Rechtsgrundlage für die Übernachtung im Hotel“, erklärt Rechtsanwalt Christian Solmecke. Er schränkt allerdings auch ein, dass Hotels, die extra gebucht wurden und nicht etwa in einer behördlich abgesperrten Zone liegen, durchaus ihre Leistung in Form der Übernachtung anbieten.

Rechtlich ähnlich: Messe abgesagt oder verlegt

Umgekehrt haben die Besucher einer Veranstaltung – das gilt gleichermaßen für Messen wie für Fußballspiele, Konzerte oder andere Events – ein Recht auf Erstattung des Ticketpreises, wenn die Veranstaltung abgesagt wird. Spannend auch hier eine Aussage von Christian Solmecke: „Sollte der Veranstalter die Rückerstattung unter Hinweis auf ‚höhere Gewalt‘ verweigern, weil er die Haftung für Fälle der höheren Gewalt in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ausgeschlossen hat, können sich Verbraucher auf die Unwirksamkeit solcher Klauseln berufen. Denn ein Haftungsausschluss stellt hier eine unangemessene Benachteiligung der Verbraucher gemäß § 307 Abs. 1 BGB dar.“ Für die Verbraucher sei es folglich egal, ob der Veranstalter wegen höherer Gewalt absagt oder nicht.

Viele Messeveranstalter vertrösten die Teilnehmer derzeit auch auf spätere Termine, etwa im Frühsommer. Doch nicht immer hat der Teilnehmer dann Zeit. Hier sagt der Gesetzgeber, dass das Ganze quasi als neues Angebot gewertet werden muss, weil eine Veranstaltung ja immer zu einem festgelegten Termin stattfindet. Ändert sich dieser, handelt es sich quasi um eine neue Veranstaltung und der Kunde dürfte in den meisten Fällen zumindest ein Recht auf Erstattung des Kaufpreises der Karte haben. So wird es in den meisten Fällen auch bei Musikveranstaltungen oder Theatervorführungen gehalten, die ja krankheitsbedingt häufiger mal verlegt werden müssen.

Coronavirus als Grund reicht oft nicht aus

Bitter ist die Verschiebung oder Absage von Konferenzen und Messen für Unternehmen, die dort ausstellen wollten. Sie haben meist über Monate einen Messestand geplant und sind mit Dienstleistern in Vorleistung getreten. In diesem Fall können die Unternehmen die Investitionen in den Messestand als Schadens- oder Aufwendungsersatz gegenüber dem Veranstalter der Messe geltend machen. Ob das aber erfolgreich ist, hängt davon ab, ob der Veranstalter selbst den Ausfall der Messe zu verantworten hat oder nicht. Das ist wiederum die Geschichte mit der „höheren Gewalt“, auf die wir gleich zurückkommen. Klar ist, dass vor allem viele kleinere Messeveranstalter zögern, Messen abzusagen, während große Messegesellschaften zumindest in einem Punkt besser dastehen: Sie schulden gegebenenfalls nicht einer Messe gegenüber die Raummiete.

Homeoffice wegen Corona? Wir haben einen kostenlosen Guide zusammengestellt, der dir dabei hilft auch zu Hause effizient zu arbeiten und trotzdem immer mit deinem Team synchronisiert zu bleiben.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Ein Kommentar
Fritz
Fritz

Die Kernfrage, nämlich ob ein Aussteller ein Anrecht auf Kostenerstattung für zB geleisteten Messebau und andere Planungen im Falle einer Absage durch a) den Veranstalter oder b) den Staat hat, wird soweit ich das sehen kann, leider nicht beantwortet.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung