Analyse

Die digitale Arztpraxis: Bereits Alltag oder immer noch Zukunftsmusik?

(Foto: Shutterstock)

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Die Digitalisierung hat das Potenzial, den Besuch einer Arztpraxis zu revolutionieren. Doch was ist möglich und wie ist der Status quo?


Durch eine Erkrankung unerwartet ausgeknockt zu werden, ist immer nervig. Noch viel schlimmer ist es allerdings, wenn man sich in diesem desolaten Zustand zum Arzt schleppen und dort eine Stunde im Wartezimmer ausharren muss, um in einem zweiminütigen Beratungsgespräch lediglich kurz in den Rachen geleuchtet zu bekommen. Im Anschluss geht es mit dem Papierrezept in drei verschiedene Apotheken, bis man endlich eine findet, die das benötigte Medikament vorrätig hat, und auch die Krankschreibung, die man in dreifacher Ausführung erhält, muss natürlich ordentlich abgeheftet und per Post an die Krankenkasse geschickt werden. Eine stressfreie Genesung sieht definitiv anders aus. Trotzdem sind genau diese umständlichen Abläufe häufig noch immer an der Tagesordnung.

Doch das sind längst nicht die einzigen Faktoren, die einen Besuch beim Arzt heutzutage eher wenig zielführend gestalten. Aufgrund des chronischen Mangels an einer flächendeckenden ärztlichen Versorgung müssen die behandelnden Ärzte nämlich oft unter Zeitmangel agieren und übersehen bei ihrer Diagnosefindung deshalb eventuell sogar wichtige Informationen – von der mangelnden emotionalen Unterstützung, die viele Patienten im Rahmen ihrer Behandlung benötigen, ganz zu schweigen. Vor allem in Brandenburg gestaltet sich die Lage kritisch, wie eine Statistik der Bundesärztekammer belegt. Hier kommen ganze 248 Einwohner auf nur einen einzigen berufstätigen Arzt. Zwar sind die Zahlen in den letzten fünf Jahren deutschlandweit leicht gesunken, trotzdem liegen neun der insgesamt sechzehn Bundesländer teilweise noch immer weit über dem bundesweiten Durchschnitt.

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Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Das Problem: Zwischen der Leistung, die Arztpraxen erbringen können, und der, die wir eigentlich bräuchten, liegen inzwischen Welten. Beide Seiten sind über die Jahrzehnte hinweg immer weiter auseinander gedriftet, ohne dass an den nötigen Stellschrauben im richtigen Maße nachjustiert worden wäre. „Unser Gesundheitssystem wurde nicht für die Behandlung von chronischen Erkrankungen, sondern vor allem für die Behandlung von akuten Erkrankungen konzipiert“, erklärt Felix Lang, Gründer und Geschäftsführer von dem Health-Startup Midaia. Diese Lücke, die sich bis heute gebildet hat, ist fatal. Denn tatsächlich leiden in Deutschland immer mehr Menschen unter chronischen Erkrankungen.

Fast die Hälfte der Erwachsenen hat beispielsweise mit chronischen Schmerzen zu kämpfen. 26 Prozent leiden außerdem unter Rheuma oder Arthrose und fast genauso viele unter Asthma. „Digitale Anwendungen können hierbei unterstützen und damit für eine enorme Entlastung des Gesundheitssystems sorgen, insbesondere in ländlichen Regionen“, meint Lang weiter. „Durch ein digitales Monitoring des Patienten müssen Arzttermine nur noch bei Bedarf wahrgenommen werden. Mit digitalen Gesundheitsanwendungen kann die Teilhabe des Patienten am Behandlungsprozess gefördert und eine Verlagerung von ärztlichen Aufgaben an den Patienten erzielt werden. Anhand von digitalen Therapiemethoden können Betroffene zum Beispiel eigenständig Methoden erlernen, die den Umgang mit Schmerzen oder der Erkrankung selbst erleichtern können.“ Anstatt für den regelmäßigen Kontrolltermin jedes Mal in der Praxis warten zu müssen, könnte dadurch zum Beispiel das Ausfüllen des Anamnesebogens per App bereits im Vorfeld durchgeführt werden. Das spart nicht nur dem Patienten, sondern auch dem viel beschäftigten Arzt viel Zeit ein. Doch das Konzept von Midaia geht noch ein Stück weiter: Mithilfe einer künstlichen Intelligenz berechnet die Software, die sich speziell an Rheumapatienten richtet, nämlich nicht nur, welche personalisierte Therapie die beste wäre, sondern behält dabei auch Ernährung, Medikation und die psychische Gesundheit im Blick – und das, ohne jedes Mal einen Arzt hinzuziehen zu müssen.

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Ein Kommentar
Daniela Shams

Ich denke, das persönliche Gespräch zwischen Arzt und Patient sollte immer an erster Stelle stehen. In Gleichzeitig zeigt sie eine Schwäche, die ich schon lange bemerke, die jedoch immer wieder abgewiegelt wurde: Die Ansteckungsgefahr. Ganz typisch in Grippezeiten, in denen sich Erreger tummeln. Solche extremen Krankheitsphasen verlange eine tiefgehende Reinigung der Praxen. Zur Not muss halt auch das Spielzeug mal zeitweise weggeräumt werden. Doch wer liebt schon unspektakuläre Ideen? Genau das muss die Gesellschaft wieder lernen: Unangenehme Maßnahmen sind wichtig und richtig für die Allgemeinheit.

Antworten

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