Kolumne

Das musst du als digitaler Nomade bei Unfall und Krankheit im Ausland beachten

(Grafik: t3n)

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Eine weltweite Krankenversicherung ist Pflicht für digitale Nomaden. Punkt. Allerdings ist dies ein komplexes Thema. Also hier mal ein etwas ausführlicherer Beitrag dazu. Dabei geht es um Vorbereitung und was zu tun ist, sollte etwas passieren.

Einige Hausärzte in Deutschland haben eine Zusatzausbildung zum Reisemedizin-Berater (oder wie auch immer das heißt). Sie können euch ganz gut beraten, welche Impfungen eventuell nötig sind. Doch bitte, lasst die Kirche im Dorf und euch nicht alles aufschwatzen. Oder meint ihr, ihr braucht Malaria-Prophylaxe, wenn ihr erst mal nach Skandinavien wollt? Was absolut notwendig ist (auch in Deutschland), ist Tetanus-Schutz. Ihr glaubt nicht, wie schnell und oft man sich hier und da eine kleine Wunde zuzieht. Sei die Wunde auch noch so klein – wenn ihr aber gerade durch Mangroven latscht, na ja …

Die Basics …

Tetanus ist so selbstverständlich, dass ich eigentlich gar nicht darüber schreiben sollte. Mach ich aber, denn ich habe einige Leute unterwegs getroffen, die das nicht gemacht hatten. Unglaublich. Ebenso Hepatitis. Dann macht euch Gedanken, wo ihr zuerst hinwollt und informiert euch bei eurem Hausarzt. Seid ihr erstmal unterwegs, könnt ihr dann je nach Ziel entsprechend reagieren. Also kein Grund zur Panik und übertriebener Vorsorge. Manches ist echt Panikmache.

… und die Specials

In manchen Ländern ist Malaria ein ernstes Problem. Ebenso Dengue-Fieber (und das hat mittlerweile auch schon Europa erreicht). Für meine Reisen durch Afrika wurde mir Malaria-Prophylaxe dringendst empfohlen. Und auch davon abgeraten – vom gleichen Arzt. Klingt seltsam? Ja … Es gibt verschiedene Formen der Prophylaxe. Spritzen und diverse Tabletten. Die Tabletten Fall hauen einen echt um. Die schlagen auf den Magen und habe krasse Nebenwirkungen. Da gibt es Tabletten, die man täglich schlucken soll und solche, die eine Woche vorhalten. Welche auch immer, so ganz knusper ist man dann nicht in der Birne, der Magen rumort und auch sonst. Kein Spaß. Das sind echt heftige Dinger.

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Was also tun?

Mein (persönlicher und nicht verbindlicher!) Rat: Mückenschutz. Wer im südlichen und Zentral-Afrika unterwegs ist, da gibt es beispielsweise Tabard. Eine Lotion, die Mücken auf Distanz hält. Und diese Lotion ist nicht mit dem chemischen Zeugs aus Deutschland vergleichbar, bei dem die Haut danach klebt und die Lungen verätzt sind. Riecht gut, tut gut und wirkt Wunder. Meine damalige Freundin hat die Lotion sogar dann in der Wüste benutzt – weil sie so gut für die Haut war.

In Südost-Asien und Südamerika: Esst viel Chili … Ja, Chili. Seit Abertausenden von Jahren leben da Menschen und nutzen das auch als Mückenschutz. Der Körper dampft dank Chili über die Haut Sachen aus, die Mücken echt abschrecken. Schaut mal genau hin, wenn ihr dort unterwegs seid. Da sitzen Kambodschaner, Vietnamesen oder Thai im selben Restaurant mit euch. Ihr habt etwa 30 Mückenstiche (trotz Chemie-Keule) und die anderen: null. Was essen die anderen? Scharf! Wer es nicht scharf im Essen mag – Chilis mit Essig-Essenz vermischen, mörsern und damit dann die Haut einreiben (wohl dosiert und nicht an allen Körperstellen …). Hilft auch – habe es selber noch nicht ausprobiert, wurde mir aber von Locals empfohlen.

Der beste Tipp überhaupt

Fragt die Locals! Die sagen euch am besten, was man tun kann. Die kennen sich aus. Ob es der Hostel-Betreiber, der Restaurant-Inhaber oder die Apotheke ist. Vergesst Google und Tipps von Leuten in Foren, die Bottrop nie verlassen haben, sich aber für Experten halten (nichts gegen die Leute aus Bottrop, war nur ein Beispiel). In meinem ersten Thailand-Besuch, das war noch Urlaub, wurde ich von Mücken und Sandfliegen so richtig vermöbelt. Also ab in die Pharmacy. Half aber nicht. Dann bin ich abends was Essen gegangen, die Bedienung sah mein offensichtliches Dilemma, runzelte die Stirn, schüttelte den Kopf und kam nach ein paar Minuten wieder. Mit Yellow Oil, das sie um die Ecke für mich gekauft hat. Sie hat mir den Urlaub und die nächsten Jahre gerettet (und ich seitdem vielen Bekannten).

Mückenstiche kriegt man. Kann man machen, was man will. Hat man einen, dann einen Tropfen Yellow Oil und der Stich ist nach ein paar Minuten Geschichte. Unglaublich, ist aber so.

Kleiner Praxistipp am Rande: Wenn ihr in einer Metropole wie Bangkok, Ho-Chi-Minh-City oder Rio de Janeiro oder so unterwegs seid – dort riecht es teilweise extrem. Dazu dann noch Smog. Einfach ein Stofftaschentuch nehmen, ein paar Tropfen Yellow Oil drauf und ab und an mal vor die Nase halten und dadurch atmen. Ja, simpel, aber hilft ungemein.

Ein echtes Wundermittel gegen Insektenstiche jeder Art. Und laut Beschreibung hilft das auch bei Seekrankheit, Migräne und Lustlosigkeit. (Foto: Robert Enskat)

Unvermeidbar

Mückenstiche kriegt man. Manche nerven nur, manche können aber echt gefährlich werden, sogar tödlich. Dank Yellow Oil juckt es zwar nicht mehr, aber Erreger werden übertragen und sind im Blut. Mich zum Beispiel hat es in den letzten drei Monaten zwei Mal mit Dengue-Fieber erwischt. Vorher nie. Ist aber auch gerade die größte Dengue-Epidemie seit vielen Jahrzehnten, ich befinde mich also in bester Gesellschaft. Auf einer Skala von 1 bis 3 (Grippe-ähnlich bis tödlich) war ich bei 2,8. Dass es Dengue war, hat mir kein Krankenhaus gesagt, sondern: eine Thai. Mutter von vier Kindern, die das schon zig Mal mitgemacht hat. Die hat einen – für mich seltsam anmutenden – Test bei mir gemacht (den Arm für fünf Minuten abgebunden) und dann winzige rote Pünktchen auf der Haut entdeckt. Dann hat sie sich meine Füße angeschaut – kleine blaue Flecken auf den Zehen: „Dengue!“. Dazu dann die üblichen Symptome (Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Durchfall, Fieber, Schüttelfrost und extreme Knochenschmerzen), der Fall war klar für sie.

Was dann?

Nix da Krankenhaus. Gegen Dengue (und das ist die meistverbreitete Krankheit in vielen südlichen Ländern) kann man nichts machen. Gibt keine Tabletten. Ich hätte ins Krankenhaus gehen können, doch dort hätte ich höchstens eine Kochsalzlösung gekriegt, mehr nicht. Unter meinen Freunden hatte sich das schnell rumgesprochen, dass ich Dengue hatte, also haben die mir geholfen. Einfach ab ins Bett, viel Suppe und Brühe und viel Wasser trinken, abwarten. Fertig. Dauert vier Wochen. Und zwischendurch, eh ab und zu empfehlenswert auf Reisen: Elektrolyte. Gibt’s überall. Die natürliche Alternative ist Kokoswasser – aber das gibt es leider nicht überall …

Hilft einfach. Und schmeckt teilweise auch ganz gut. (Foto: Robert Enskat)

Stichwort: Krankenhaus

In eigentlich den meisten Ländern, in die Digital Nomads reisen, ist die medizinische Versorgung auf europäischem Niveau. Abfällig genannte Buschkrankenhäuser gibt es auch, aber wirklich nur am Arsch der Oma, das ist ein übles Klischee. Und sollte man dort landen: Man kann einen Transport in das nächste Krankenhaus meist einfach organisieren. In vielen Ländern muss man aber unterscheiden zwischen staatlichen Krankenhäusern und privaten. Keine Sorge, wenn ihr eine gute Krankenversicherung habt, müsst ihr euch darum keine Sorgen machen. Es ist nur so, dass ihr in privaten Krankenhäusern oftmals als sprechende Kreditkarten betrachtet werdet. Kein Scherz:

Erst zahlen, dann Arzt

Aus einem anderen Grund (ich hatte einen Unfall) musste ich in ein privates Krankenhaus – nachdem ich auch im staatlichen war, das mich aber nicht behandeln konnte, Spezialisten waren gefragt. Ich ging durch den Eingang zur Anmeldung, normal. Dort saßen zwei Damen, die mich aufnahmen. Und direkt neben der Anmeldung: die Kasse, an der fünf Leute saßen … Teilweise ist das so, dass nur für ein Gespräch mit einen Arzt mal eben ein paar Hundert Euro aufgerufen werden – im Vorfeld! Ihr habt eine Schnittwunde am Fuß? Na, dann wird doch besser mal ein CT vom Hirn gemacht! Übler Ausschlag am Arm? Na, dann besser noch den HNO-Arzt konsultieren. Kann ja alles über die europäische Versicherung abgerechnet werden … Staatliche Krankenhäuser sind deutlich billiger – und die Versorgung meist ähnlich. Also außer in echten Notfällen oder wenn es sehr spezielles Problem ist, lieber ins Staatliche gehen. Doch wie gesagt, wenn ihr versichert seid, ist das eh kein Problem.

Auch kein Problem: Apotheken

Gerade heute habe ich eine Studie gesehen, die die Kosten für Medikamente auf der Welt verglichen hat. Wie nicht anders zu erwarten, waren die USA Spitzenreiter. Ziemlich teuer im Vergleich. Andere Länder sind hingegen extrem günstiger. Thailand ist das günstigste Land der Welt. Zeigt sich auch an der Zahl der Apotheken – die gibt es alle Hundert Meter, die Dichte ist höher als die der Billigbäcker in Berlin. Teilweise an jeder Ecke, auch ohne Rezept. Die Malaria-Prophylaxe, die ich nehmen (oder nicht nehmen) sollte, hätte in Deutschland um die 150 Euro Zuzahlung gekostet. In Windhuk, Namibia, habe ich mal aus Neugier in einer Apotheke danach gefragt – fünf Euro für exakt die gleichen Pillen … In Thailand: Ibuprofen für 1,50 Euro verglichen mit zehn Euro in Deutschland. Macht euch keine Sorgen im Ausland. Selbst wirklich seltene Medikamente sind erhältlich. Wenn nicht sofort über die Theke, dann nach ein oder zwei Tagen.

Problem: zu Hause …

Es mag nur ein kleines Detail sein, aber es kann echt große Auswirkungen haben, von denen kaum einer etwas weiß: Wenn ihr im Ausland mal in einem Krankenhaus wart, kann das ein Problem werden, wenn ihr bei Heimatbesuchen mal zum Arzt müsst. Denn ihr müsst damit rechnen, dass ihr in Sekundenschnelle auf eine Quarantäne-Station verfrachtet werdet. Wie ihr vielleicht wisst, sind Keime der größte Killer in Krankenhäusern. Daran sterben jährlich zigtausende Menschen. So, und dann kommt ihr an und sagt, dass ihr in Bali mal eine Woche im Krankenhaus gelegen habt, weil euch Dengue erwischte. Die Konsequenzen können natürlich variieren, reichen aber weit. Euer Hausarzt muss vorübergehend seine Praxis schließen, alles desinfizieren lassen. Und alle Patienten, die bis dahin nach euch gekommen sind, kommen auch in Quarantäne. Am Ende wird sogar das Flugzeug, mit dem ihr gekommen seid, aus dem Verkehr gezogen und desinfiziert. Und die anderen Passagiere kommen in … Ratet mal, wer für diese Kosten aufkommt? Übernimmt irgendeine Versicherung das? Nein …

Kann so kommen, muss es aber nicht. Will hier keine Horrorgeschichten verbreiten. Ich habe es zumindest selber so erlebt. Nachdem ich auf Koh Samui einen Unfall hatte, der besser in Deutschland operiert werden sollte, saß ich im Behandlungszimmer einer Uniklink und schilderte meine Situation. Die Ärztin ging kurz raus und kam mit fünf Schwestern mit Gesichtsmasken, Handschuhen und so zurück, fast so wie im Film „Outbreak“. Dann die Frage, ganz nebenbei, mit Schweißperlen auf der Stirn, ob ich auf Koh Samui in einem Krankenhaus war. Ich sagte: „Nein!“. Und die Erleichterung war nicht in Worte zu fassen … Die fünf Schwestern atmeten auf und gingen wieder raus.

Falls es euch also erwischt, ihr in einem Krankenhaus wart: Bevor ihr in Deutschland in eine Klinik oder zu einem Arzt geht, informiert sie vorher darüber. Ob ihr das überhaupt macht, das ist eure Entscheidung. Da will ich nichts zu sagen.

Ich wünsche euch nur, dass das niemals der Fall sein wird. Und sollte mal was passieren: Verfallt nicht in Panik. Man mag es so von Deutschland gewohnt sein, dass man wegen jeden noch so unbedeutendem Ding gleich zum Arzt rennt – wenn man einen Termin kriegt, was bei Spezialisten eher nicht so der Fall ist. Doch unterwegs … Fragt Locals! Oftmals stellt sich das dann als harmlos heraus und sie empfehlen eine Hausmedizin. Sollte es etwas Ernstes sein – ihr habt hoffentlich eine weltweite Krankenversicherung …

Cheers, Rob

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