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Digitalisierung: Blockieren Mitarbeiter die großen deutschen Familienunternehmen?

Die Mitarbeiter seien schuld, dass es mit der Digitalisierung im Unternehmen nicht vorangeht, sagt fast die Hälfte aller Chefs. Außerdem sind viele von der digitalen Infrastruktur genervt, zeigt eine Studie von BDI und Deutscher Bank.

Von Ekki Kern
3 Min.
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Automatisierung ist eine Sache. Doch wer den Fortbestand seines Unternehmens langfristig sichern will, muss es mit Verstand transformieren, sagen Experten. (Foto: Shutterstock)

Deutschlands größte Familienunternehmen mit mindestens 50 Millionen Euro Jahresumsatz würden zwar nur einen kleinen Teil aller Unternehmen in Deutschland ausmachen, sie leisteten aber „einen entscheidenden Beitrag zu Wachstum und Wohlstand”. Das, so schreiben es der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Deutsche Bank im Vorwort ihrer „Familienunternehmer-Umfrage 2017”, sei der Grund dafür, dass man sich mit ihnen regelmäßig beschäftige. Für die Studie mit dem Schwerpunkt Digitalisierung befragte das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn Unternehmen mit mindestens 50 Millionen Euro Jahresumsatz.

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Der wohl alarmierendste Befund: Unter ebendiesen größten deutschen Familienunternehmen sieht sich weniger als die Hälfte bei der Digitalisierung des Geschäftsmodells gut oder sehr gut aufgestellt, nämlich nur 41 Prozent. Als größtes Hemmnis für die Digitalisierung sehen 43 Prozent der Unternehmen mangelndes Know-how der Mitarbeiter an. Weitere kritische Punkte sind mangelnde oder unzureichende digitale Schnittstellen, beispielsweise für die Übertragung von Daten an Zulieferer (37 Prozent), Bedenken hinsichtlich der IT-Sicherheit (36 Prozent) sowie der notwendige Wandel in der Unternehmenskultur (35 Prozent).

Transformation des Geschäftsmodells entscheidend

„Deutschlands Familienunternehmen müssen bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse und ihrer Infrastruktur schnell sein”, rät Stefan Bender, Leiter Firmenkunden Deutschland bei der Deutschen Bank. Es gehe, so der Experte, „nicht nur um die Automatisierung”, sondern vor allem um die Transformation zu einem weiterhin erfolgreichen Geschäftsmodell in einer digitalen Welt. Durch die Digitalisierung würden in vielen Branchen die Karten neu gemischt. Der Innovationsdruck steige auch für führende Unternehmen in Deutschland, sagt Bender.

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Die Studie zeigt auch: Mit 32 Prozent sieht fast jedes dritte große Familienunternehmen die Verfügbarkeit digitaler Infrastruktur als Hürde für die eigene Digitalisierung. Schon deshalb fordert Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BDI, die Politik auf, die nötigen Voraussetzungen für erfolgreiches Wirtschaften in der digitalen Welt zu schaffen: „Die Breitbandversorgung im ländlichen Raum hinkt jener in den Städten deutlich hinterher. Rund 70 Prozent aller Industriearbeitsplätze befinden sich aber auf dem Land. Weniger als ein Drittel der Unternehmen verfügt über eine Bandbreite von maximal 50 Megabit pro Sekunde. Für viele künftige Industrieanwendungen reicht dies nicht aus. Das ist besorgniserregend.”

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Mehr als die Hälfte von Big Data überzeugt

Rund 60 Prozent aller Befragten schätzen die Bedeutung der Digitalisierung für das eigene Unternehmen als „hoch” oder „sehr hoch” ein. Die Unternehmen wollen ihre Investitionen in die Digitalisierung deshalb bis 2019 auf durchschnittlich etwa drei Prozent des Umsatzes erhöhen, heißt es. Gegenüber 2016 ist das ein Anstieg von fast 40 Prozent. Dabei setzen sie unter anderem auf Big Data: 58 Prozent der Befragten erwarten für 2019, dass die Nutzung großer Datenmengen für das Geschäft eine hohe Bedeutung haben wird, 2016 spielte dies nur für 28 Prozent eine wichtige Rolle.

Wachstumschancen sehen die Unternehmer zudem in internetfähigen (sogenannten smarten) Produkten. Derzeit allerdings stellen lediglich 30 Prozent mindestens ein solch smartes Produkt her. Dabei böten diese den Unternehmen die Möglichkeit, das eigene Geschäftsmodell um passgenaue Dienstleistungen zu erweitern und so die Kundenbindung zu stärken, sagt Friederike Welter, Präsidentin des Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) und Professorin an der Universität Siegen: „Durch solche After-Sales-Services erwirtschaftet mit 54 Prozent bereits jetzt schon jeder zweite Hersteller von smarten Produkten zusätzlichen Umsatz.”

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Im Auftrag der Deutschen Bank und des BDI hat Welters Institut von März bis Mai 2017 die Entscheider von 312 Familienunternehmen mit mindestens 50 Millionen Euro Jahresumsatz befragt, die sich auf die Branchen Industrie (65,2 Prozent), Handel (19,3 Prozent) und Dienstleistungen (15,5 Prozent) verteilen. Im Durchschnitt erwirtschafteten diese Unternehmen im vergangenen Jahr 307 Millionen Euro Umsatz und beschäftigten 1.488 Mitarbeiter. Die Ergebnisse sind Bestandteil der jährlichen Befragung „Die größten Familienunternehmen in Deutschland”.

Mehr zum Thema Digitalisierung: Was bedeutet digitale Transformation eigentlich konkret?

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Kommentare (1)

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businessunicorns

Das Problem auf die Mitarbeiter abzuwälzen ist nur die halbe Wahrheit. Die meisten Mittelstandsunternehmen werden noch von Patriarchen geführt, das führt oft dazu das niemand so recht aus der Deckung will

– Vorschläge für einen Wandel im Unternehmen
– Übernahme von Verantwortung (Angst vorm scheitern und damit am Pranger zu landen)
etc.

Der zweite Aspekt ist auch die Tatsache wie solche Veränderungen in Abteilungen getragen werden. Es bringt nichts wenn oben entschieden wird – der Prozess unten aber nicht zur Entscheidung passt. Die Menschen in den Abteilungen wissen um die Herausforderungen in Ihrem Bereich Dinge zu ändern. Oft ist schon viel erreicht Abteilungen zu involvieren und einen offenen Dialog zu starten.

Der Fisch fängt nicht immer, aber doch sehr oft, am Kopf an zu stinken ;)

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