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Interview

Digitalstrom-CEO: „Ein Smarthome, bei dem wir alles per App steuern, kommt nie“

Digitalstrom-CEO Martin Vesper. (Foto: Digitalstrom)

Das Schweizer Unternehmen Digitalstrom will das Zuhause digitalisieren und vernetzen. Im Interview spricht CEO Martin Vesper über die Skepsis der Deutschen zum Smarthome – und warum das aus chinesischer Perspektive komplett anders aussieht.

t3n.de: Martin, das Thema vernetztes Haus scheint ein ewiges Zukunftsthema zu sein – noch immer gibt es zum Beispiel keine einheitlichen Standards, oder?

Martin Vesper: In puncto Standards wird das auch so bleiben, weil es fast nicht anders geht. Wenn wir über den Gesamtkomplex des Hauses reden, dann sprechen wir über Consumer Electronics, Haushaltsgeräte und Gebäudetechnik. Selbst wenn wir uns heute auf einen Standard einigen könnten: Eine Heizung bleibt 20 Jahre fest verbaut, ein Consumer-Gerät wird aber in 20 Jahren nicht mehr mit diesem Protokoll klarkommen. Außerdem gibt es unterschiedliche Anforderungen in einem Smarthome. Bei der Gebäudetechnik an sich kommt es auf Zuverlässigkeit und Latenz an, beim Videostreaming hingegen auf die Bandbreite.

„Der Sinn eines Smarthomes ist auch nicht, dass Licht per App zu steuern. Das ist völlig unpraktisch.“

Aber irgendeinen Minimalkonsens, damit Geräte miteinander kommunizieren können, muss es ja geben.

Den gibt es ja.

Das Internet?

Es gibt eine standardisierte Stromleitung und es gibt standardisiertes IP. Von da aus gehen wir dann sozusagen in die anderen Protokolle über. Unsere Digitalstrom-Klemmen sind zum großen Teil Analogtechnik. Eine LED zum Beispiel ist eigentlich digital, wird aber analog angesteuert – über einen 230-Volt-Phasenabschnittsdimmer. Im Hintergrund durchaus komplex – aber der Kunde nimmt das gar nicht wahr und schraubt seine LED einfach in die Leuchte. Dass da ein Analog-Digital-Wandler unterstützt, ist dem Kunden egal.

Den großen Durchbruch hat das Smarthome aber immer noch nicht. Der Internet-Kühlschrank aus den 90ern ist heute ein Running Gag. Und ganz ehrlich: Die richtige Killer-App für das Smarthome habe ich noch nicht gesehen. Selbst ich als technikaffiner Mensch habe nicht das Bedürfnis das Licht per App anzuschalten – da ist der Schalter immer noch praktischer.

Der Sinn eines Smarthomes ist auch nicht, dass Licht per App zu steuern. Das ist völlig unpraktisch. Ein echtes Smarthome ist an vielen Stellen sehr sinnvoll – und dass das viele noch nicht erkennen liegt daran, dass sich Menschen oft an Missstände gewöhnen und diese akzeptieren. Im Bereich der Consumer Electronics ist das Smarthome längst Realität und die Killer-Applikationen gibt es auch: Sonos, Streaming-Dienste wie Spotify und so weiter – damit sind wir Zuhause komplett in der digitalen Welt angekommen. Bei der Digitalisierung von Küchengeräten verhält es sich ähnlich. Die Waschmaschine hat heute keinen Drehknopf mehr, sondern ist digitalisiert.

Aber nicht unbedingt vernetzt.

Genau, aber sie besitzt schon die Sensorik. Sie arbeitet heute schon mit Software, um beispielsweise den Energieverbrauch zu optimieren. Eine Waschmaschine auf rein analoger Basis mit den heutigen Energiewerten wäre gar nicht möglich – die Digitalisierung ist also auch bei der weißen Ware da. Die Frage ist: Wird dieser Trend als Teil von Smarthome gesehen? Oder wird er erst als solcher wahrgenommen, wenn wir alles per App steuern? Dann würde ich prognostizieren: Dieses Smarthome kommt nie. Es wird darum gehen, Geräte richtig intelligent zu machen – und das zu immer geringeren Kosten, was durch Vernetzung möglich wird. Heute ist es immer noch so, dass die Bedienung der Waschmaschine nach althergebrachten Mustern funktioniert: Der Mensch sucht nach Schildchen auf dem Etikett der Kleidung und versucht, das auf der Waschmaschine wiederzufinden …

… oder man macht es so wie ich: Einfach alles reinschmeißen und auf Buntwäsche stellen …

Oder so. Etwas, das wir uns gesellschaftlich aber auf Dauer nicht leisten können – sowohl bezogen auf die Verschmutzung von Wasser als auch im Hinblick auf den Energieverbrauch. Und jetzt stellen wir uns vor, was mit vernetzter Technik möglich ist: Du machst ein Foto mit dem Smartphone von der Wäsche oder die Waschmaschine macht das gleich selbst, wenn wir die Klamotten reinwerfen, und wählt selber das richtige Programm aus. Da sind wir schon in einer ganz anderen Welt unterwegs. Dafür müssen wir die Geräte vernetzen. Und wir müssen dafür teilweise auch die Geräte im Bestand vernetzen, denn sie werden selten ausgetauscht.

In diesem konkreten Fall vernetzt sich ja die Waschmaschine mit dem Internet. Aber in welchen Fällen ist eine Vernetzung der Geräte untereinander wirklich sinnvoll?

Immer dann, wenn es darum geht, Abläufe zu optimieren. Meine Vorstellung von einem Smarthome sieht so aus, dass es mich nicht beschäftigt. Das ist schwierig zu beschreiben, weil das unsere Sprache nicht hergibt. Journalisten, die mich zu Hause besucht haben, haben auch schon mal meine Frau gefragt, ob sie die Vorteile von Digitalstrom nutzt. Und da ist dann die Frage: Wenn ich etwas nicht tue, nutze ich es dann? Also wenn ich beispielsweise die Außenbeleuchtung automatisiert habe, nutze ich sie? Wenn ich zur Tür gehe und sie erkennt mich automatisch durch mein Smartphone – nutze ich das dann? Das ist ja das eigentliche Ziel: Ich muss mich als Kunde um vieles nicht mehr selbst kümmern. Und es wird immer besser – für mich, für meinen Alltag, meine Familie, die Umwelt und den Energieverbrauch.

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