Test

E-Scooter von Tier, Lime, Circ und Voi ausprobiert: Spaßig, aber nicht billig

Circ E-Scooter. (Foto: t3n)

Seit einigen Tagen stehen Elektro-Tretroller von vier Sharing-Unternehmen – Circ, Lime, Tier und Voi – in Berlins Straßen und weiteren Städten herum. Wir haben die E-Scooter in der Hauptstadt ausprobiert.

Während die kleinen Elektro-Tretroller in den zahlreichen Städten der USA zum Stadtbild gehören, ist Deutschland mal (wieder) Nachzügler. Seit dem 15. Juni dürfen sie unter klaren Auflagen auf Straßen und Radwegen genutzt werden. Das haben wir dann auch getan – sowohl den Scooter von Lime als auch die Modelle von Circ (ehemals Flash), Tier und Voi haben wir uns geschnappt und sind ein wenig damit durch die Stadt gesurrt.

Bevor es losgehen kann, muss die entsprechende App aus dem Google-Play- oder App-Store heruntergeladen werden. Die Anmeldung erfolgt über eure Telefonnummer, zudem müsst ihr vor der ersten Fahrt eure Debit- oder Kreditkartendaten hinterlegen. Lime, Circ und Tier unterstützen außerdem Paypal. Ist alles eingegeben, kann es mit der Ausleihe und der ersten Fahrt losgehen. Alle Anbieter verlangen den gleichen, nicht sonderlich günstigen Preis von einem Euro für das Entsperren und je 0,15 Euro pro Minute. Lime verlngt seit Mitte/Ende Juli gar 20 Cent pro Minute.

Circ, Tier, Lime und viele weitere: Diese E-Tretroller-Verleiher starten in Deutschland durch

Ausleihe von allen E-Scootern nahezu identisch

(Screenshots: t3n)

Das Hauptfenster aller Sharing-Apps wird durch eine Karte der Stadt, in der ihr euch befindet, dominiert. Hier seht ihr die zur Verfügung stehenden E-Tretroller – sind keine in unmittelbarer Umgebung, könnt ihr in der Karte hin- und herwischen sowie mit den Fingern rein- und rauszoomen. Ein Tap auf einen gefundenen Roller zeigt Ladestand, Fahrpreis und die Roller-ID. Mithilfe der Apps von Lime und Tier könnt ihr dem Scooter sogar einen Ton entlocken, damit ihr ihn schneller findet. Über das Fenster erfolgt auch die Ausleihe. Alternativ könnt ihr bei allen die Ausleihe über das Scannen eines QR-Codes initiieren. Das ist die bequemste und schnellste Option, da ihr nicht auf der Karte nach eurem E-Scooter suchen müsst.

Circ E-Scooter. (Foto: t3n)

Die QR-Codes zum Ausleihen, hier beim Circ E-Scooter, sind am Lenker zu finden. (Foto: t3n)

Beim Lime-Roller und auch bei Tier und Voi funktionierte die Suche und die Ausleihe, wie sie soll: Die Scooter standen, wo sie stehen sollten. Nach dem Scanvorgang ist der Roller freigeschaltet worden und es konnte sofort losgehen.

E-Scooter von Circ – nach anfänglichen Problemen läuft es

Circ E-Scooter. (Foto: t3n)

1 von 12

Nicht ganz so reibungslos verlief die Leihe eines Circ-Scooters. Die Odyssee begann mit der Suche nach dem ersten Scooter. Er wurde in der App angezeigt, war aber auch nach zehn Minuten nicht aufzutreiben – muss wohl jemand in den Innenhof gestellt haben, vermuteten wir. Also erstmal mit dem Leihbike weiter zum Termin. Auf der Rückfahrt folgte der zweite Anlauf. Wieder war der in der App versprochene Roller nach minutenlanger Suche nicht ausfindig zu machen. Also zurück aufs Rad.

Bei der versuchten Ausleihe zeigte die Circ-App Fehlermeldungen an - die Nutzung war nicht möglich. (Screenshots: t3n)

Bei der versuchten Ausleihe zeigte die Circ-App Fehlermeldungen an –
die Nutzung war nicht möglich. (Screenshots: t3n)

Nachdem ich endlich zwei der heißbegehrten Circ-Scooter an prominenter Stelle entlang der Route ausfindig gemacht hatte, folgte gleich die nächste Herausforderung, die allem Anschein nach mit dem ersten Problem zusammenhängt. Nach dem QR-Code-Scan teilte die App nach ein paar Bedenksekunden mit, der Tretroller könne nicht ausgeliehen werden, da das Fahrzeug „zu weit weg“ sei. Da liegt der Hase im Pfeffer: Der Circ-App zufolge soll der Roller einige Kilometer weit weg geparkt sein. Dass der Scooter nicht in der App entriegelt wurde, sondern über den QR-Code, ist dem System egal. Allem Anschein nach hat der Anbieter noch ein Problemchen mit der zeitnahen Synchronisierung der Standortdaten. Das ist ärgerlich und führt dazu, dass Roller an Orten angezeigt werden, an denen sie nicht mehr sind, oder sie nicht entriegelt werden können, da sie noch an einem anderen Standort geortet werden, an dem sie nicht mehr sind.

Mehrere Meter weiter stand dann ein Roller mit korrekten Standortdaten. Hier gelang dann auch die Entleihung problemlos. Allerdings dauerte es eine Weile, bis die entsprechende Info in der App entsprechend geladen wurde. Das kann schneller gehen. Angesichts dessen, dass die Scooter in Berlin noch keine Woche in Betrieb sind, ist zu hoffen, dass Circ seine Problemchen noch in den Griff bekommt. Diese Hoffnung bestätigt sich nach einigen Wochen: Die Scooter werden in der App dort angezeigt, wo sie stehen, die Ausleihe geht problemlos vonstattten.

… und wie fahren die E-Scooter sich?

Circ E-Scooter. (Foto: t3n)

Mit dem E-Scooter durch Berlin. (Foto: t3n)

Die Fahrt mit allen Scootern macht Spaß: Losgefahren wird mit einem ersten Antritt und Druck auf einen kleinen Hebel an der rechten Lenkerseite – erst dann wird der Elektromotor aktiviert. Auf der linken Lenkerseite sind jeweils eine Klingel und ein Bremshebel zu finden. Beim Lime- und Voi-Roller befindet sich die zweite, in Deutschland vorgeschriebene Bremse, am Hinterreifen, die sich per Fuß betätigen lässt, wie früher bei Kinderrollern. Bei Circ und Tier sitzt die zweite Bremse wie bei Fahrrädern an der Lenkstange und bietet unserem Empfinden nach mehr Kontrolle über das Gefährt. Apropos Kontrolle: Wir legen euch nahe, stets beide Hände am Lenker zu haben, denn mit nur einer Hand kann es aufgrund der kurzen Lenker und kleinen Reifen schneller auf die Nase gehen, als einem lieb ist.

Der Umstand, die Hand nicht vom Lenker nehmen zu können, hat einen weiteren Nachteil: Denn so können wir den anderen Verkehrsteilnehmern hinter uns nicht signalisieren, dass wir abbiegen wollen. Wäre der Roller stabil genug, könnte man immerhin ein Linksabbiegen anzeigen. Das Wedeln mit der rechten Hand zum Rechts abbiegen ist dahingegen unmöglich, da man dann den „Gashebel“ loslassen müsste, dadurch an Geschwindigkeit verlieren und den Verkehrsfluss ausbremsen würde oder gar fallen könnte. Wirklich ideal ist das Ganze nicht.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

6 Kommentare
Kiezkickerde
Kiezkickerde

„Der Umstand, die Hand nicht vom Lenker nehmen zu können, hat einen weiteren Nachteil: Denn so können wir den anderen Verkehrsteilnehmern hinter uns nicht signalisieren, dass wir abbiegen wollen. Wäre der Roller stabil genug, könnte man immerhin ein Linksabbiegen anzeigen. Das Wedeln mit der rechten Hand ist aber unmöglich, da man dann den „Gashebel“ loslassen müsste, dadurch an Geschwindigkeit verlieren und den Verkehrsfluss ausbremsen würde. Ideal ist das nicht.“

Äh, bitte?!
Ideal ist es vor allem deswegen nicht, weil niemand damit rechnen wird, dass ihr nach links abbiegen wollt, wenn ihr mit eurem rechten Arm herum wedelt… Normalerweise zeigt man die Fahrtrichtung mit dem Arm an, in dessen Richtung man fahren möchte, so wurde mir das als Kind jedenfalls noch beigebracht. Rechnet also besser nicht damit, dass ich mit eurem Linksabbiegen rechne, wenn ihr irgendwie mit eurem rechten Arm herumwedelt…

Antworten
Andreas Floemer

Genau, wenn man mit der rechten Hand wedelt, will man nach rechts abbiegen. Habe an der Textstelle wohl zu viel Denkleistung vorausgesetzt. Habe das „Rechts abbiegen“ ergänzt, damit es unmissverständlich ist.

Antworten
Kiezkickerde
Kiezkickerde

Ah, achso, ja, jetzt ist es mir klar, wenn man den ursprünglichen Text etwas anders betont liest hätte man das auch so verstehen können, ja. Gut, so wie jetzt ist es dann aber wirklich eindeutig. :)

Michael

Vielen Dank für diesen interessanten Bericht über die neuen E-Roller. Diese sind nun plötzlich auch alle in Köln aufgetaucht und ich wollte mir nun auch einen Roller ausleihen. Alle Apps habe ich schon mal installiert und die ersten Unterschiede gleich bei der Bezahlform festgestellt. Nicht jeder möchte seine Kreditkartenummer eintragen oder hat vielleicht auch gar keine Kreditkarte. Deshalb ist die Zahlform PayPal natürlich auch ganz nett… Ich werde einen Roller mal nächste Woche testen, wenn es nicht mehr so heiss ist! Mal schauen, wie lange das überhaupt noch geht, weil ich schon wieder die rechtlichen Schritte der Stadt Köln auf uns zukommen sehe! Angeblich plant dieses schon an Sperrzonen in der Stadt :(
Beste Grüße, Michael

Antworten
David
David

Hab bisher noch keinen der Roller genutzt, finde es aber ganz gut, die Möglichkeit zu haben. Persönlich fallen mir allerdings nicht viele Usecases ein, für mal eben irgendwohin fahren finde ich es zu teuer, ganz kurze Strecken kann ich dann auch einfach zu Fuß gehen. Interessant wäre es für mich denke ich eher für „den Notfall“, also wenn ich zum Bahnhof muss und mal wieder zu spät dran bin oder so. Dann zahl ich halt 2 Euro für den Roller, statt zu rennen.
Lustig finde ich ja auch, dass bei uns alle immer über die Preise des ÖPNV meckern, wo man für unter 3 Euro durch die gesamte Stadt fahren kann, 10 Minuten E-Scooter sind auch schon 2,50. Zudem gibts hier in Düsseldorf noch die richtigen E-Roller, für 23 Cent/Minute und ohne Ausleihgebühr kann man da zu zweit drauf sitzen (ok, dafür braucht man einen Führerschein). Und Leihfahrräder (leider hier noch keine E-Bikes) für 1 Euro/30 Minuten. Da fällt es schwer, wirklich Argumente FÜR die Roller zu finden. Außer vielleicht, dass das Fahren damit Spaß macht.

Antworten
Yvonne Lorenzen

Ich habe auch bereits die E-Scooter ausprobiert und muss sagen, dass ich die TIER Scooter am besten finde. Von der Qualität, Ausstattung und Leistung einfach die besseren Scooter. Die App von Circ macht auch bei mir leider nur Probleme. Die App von Lime E-Scootern dagegen ist noch nicht einmal korrekt übersetzt worden.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung