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Edrixx: Startup aus München will Umgang mit Trinkgeld revolutionieren

Immer häufiger zahlen Verbraucher:innen in Deutschland mit bargeldlosen Bezahlverfahren. Für Servicekräfte bringt das neue Herausforderungen mit sich. Das Münchner Startup Edrixx will eine digitale Alternative bieten – doch die hat ihren Preis.

3 Min. Lesezeit
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Das Gründerteam des Münchner Startups Edrixx (Foto: Edrixx)

„Dricks“ heißt auf Schwedisch Trinkgeld – und genau darum geht es auch beim Startup Edrixx. Schweden deswegen, weil man dort schon heute kaum noch mit Bargeld hantiert und selbst in den entlegensten Gegenden bargeldlos bezahlen kann. Doch das von Geschäftsführer Rolf Zimmer zusammen mit Sabine Stark, Christian Steinpichler und Chris Blättermann gegründete Startup kommt ganz banal aus München und hat sich mit den Trinkgeldzahlungen befasst, die für manche Servicekräfte als wichtiger Lohnbestandteil zum Job dazugehören (und bei der Bemessung des Stundenlohns von Arbeitgebern auch unfairerweise gleich einkalkuliert werden).

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Für viele Verbraucher:innen bedeutet bargeldloses Zahlen eine elegante Möglichkeit, seltener zum Automaten zu müssen, weniger mit Geld zu hantieren und im besten Fall durch Hinhalten der Karte oder des Smartphones kontaktlos bezahlen zu können. Für viele Servicekräfte ist all das aber mit mehr Erklären oder gar weniger Trinkgeld verbunden. Aufwendiger ist es nämlich allemal, wenn etwa in der Gastronomie der Tip mit 0 Prozent versteuert wird, der Rest dagegen mit den üblichen 7 oder 19 Prozent. Eine steuerliche Grauzone muss all das zwar nicht sein, aber mehr Aufwand beim Verteilen am Ende der Schicht ist es allemal – wenn das Trinkgeld denn überhaupt, wie eigentlich erforderlich und vorgesehen, bei den Servicekräften und / oder der Küchencrew ankommt.

Trinkgeld datensparsam per QR-Code oder NFC

Genau hier setzt das Münchner Startup Edrixx an. Das Unternehmen bietet europaweit die gleichnamige digitale Trinkgeldlösung, die alle oben genannten Hürden überwinden soll. Mit Hilfe von QR-Codes oder NFC-Tags, die jeder Trinkgeldempfänger:in bei sich trägt, lassen sich transparente, faire und direkte Zahlungen von Trinkgeld per Mobile Payment auf das Konto der jeweiligen Servicekraft durchführen – und der Gast kann weitgehend sicher sein, dass das Geld wie gewünscht auch dort ankommt.

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Der Ansatz ist vergleichsweise datensparsam ausgerichtet, denn Trinkgeldgeber:innen müssen sich weder registrieren noch eine App herunterladen. Bezahlt wird hier wahlweise über Apple Pay, Google Pay oder per Kreditkarte. Lediglich in letzterem Fall werden Kartendaten eingegeben und übertragen, weil’s nicht anders geht. Probleme gibt’s außerdem noch mit Apple Pay mit der Sparkassen-Girocard. Die Servicekraft identifiziert sich dabei über einen QR-Code, alternativ per NFC-Tag. Auch digitale Team-Kassen sind möglich, etwa wenn Arbeitgeber:innen beschlossen haben, dass auch die Küchenschicht etwas abbekommen soll.

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Hohe Kosten: Edrixx verlangt 29 Cent plus 10 Prozent

Edrixx liefert die technologische Lösung und unterstützt bei der Bereitstellung der Infrastruktur vor Ort, zum einen durch die NFC Tags (etwa Armbänder) und QR-Codes über Aufsteller bis hin zu Infoflyern in der jeweiligen CI des Unternehmens. Für jede Transaktion erhebt das Unternehmen allerdings natürlich Gebühren: Fixkosten fallen zwar keine an, dafür aber immerhin 29 Cent pro Zahlung/Gast sowie und 10 Prozent der Trinkgeldsumme als Provison. Gedeckelt ist das bei 5 Euro Entgelt brutto pro Zahlung durch den Gast.

Unterm Strich nicht wenig Geld, wenn man die in vielen Gastronomiebetrieben üblichen Trinkgelder pro Tisch oder gar Gast (wenn die Rechnung geteilt wird) kennt. Ob das Startup mit diesem Erlösmodell auf Dauer glücklich wird, bleibt daher abzuwarten. Das Problem mit den niedrigen Summen und den ungleich hohen Provisionen (der Aufwand und die Provisionen seitens der PSPs werden hierfür ja nicht geringer!) kennen wir schon aus vielen Bereichen, etwa beim Bezahlen von Kleinstsummen für mediale Inhalte. Eine Lösung über niedrigere Provisionen dürfte es aber nur mit Vehikeln wie dem E-Euro oder anderen CBDC geben – und ob der jemals kommt, beibt abzuwarten.

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Doch es gibt auch noch ein paar andere Schwierigkeiten, mit denen das Unternehmen zu kämpfen haben wird. Denn neben dem Erklären des Procedere haben inzwischen in den meisten Fällen auch die anderen Payment-Anbieter entsprechende Lösungen geschaffen, mit denen sich die in Europa ja nicht erst seit gestern üblichen Trinkgelder auch bei bargeldlosem Bezahlen abwickeln lassen. In vielen anderen Ländern ist das deutlich selbstverständlicher gelöst als in Deutschland. Und eine weitere Frage ist: Werden die Kund:innen den Painpoint Bezahlen zweimal über sich ergehen lassen?

Für das System spricht dagegen der (zumindest bei Apple Pay und Google Pay) wenig datenhungrige Ansatz. Bei anderen Ansätzen, etwa Straßenmusikern, wo es etwa in England ja bereits Modellprojekte mit Anbietern wie iZettle gab, kann all das aber dennoch funktionieren. Das Startup Edrixx erklärt, man habe zunächst die Gastronomie als interessante Zielgruppe ausgemacht, wolle aber auch in Zukunft Cases für andere Dienstleistungsbranchen, in denen Trinkgeld üblich ist, anbieten.

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