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Elektromobilität: Bund baut 1.000 Ladestationen auf Supercharger-Niveau

Teslas Supercharger dienen als Vorbild. (Foto: Tesla)

Die „Nationale Leitstelle Infrastruktur“, angesiedelt bei der bundeseigenen Now GmbH, schreibt spätestens im Herbst 2020 den Aufbau von 1.000 Ladestandorten für Elektrofahrzeuge aus. Die Mindestladeleistung wird auf starke 150 Kilowatt festgelegt.

Mit dem nun geplanten und vom Bund koordinierten 1.000-Standorte-Programm soll ein Ladenetzwerk entstehen, das der Leistung der Supercharger-V2-Stationen des amerikanischen Herstellers Tesla entspricht und damit den Namen Schnellladenetzwerk verdient. Schon zuvor hatte der Bund versucht, über Fördermittel den Aufbau der elektrischen Ladeinfrastruktur gezielt anzutreiben. Gelungen ist das aber nur punktuell und deutlich zu langsam.

Paradigmenwechsel: Bund baut selbst

Nun verkündet Johannes Pallasch, Leiter der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur bei Now, nicht weniger als einen Paradigmenwechsel. Das aktuelle Marktversagen müsse überwunden werden, gibt er dem Branchendienst Electrive zu Protokoll und stellt klar: „Die bisherige Förderpraxis ist nicht effizient genug. Ob am Ende wirklich aufgebaut wird, liegt nicht in unserer Hand.“

Damit soll nun Schluss sein. Denn der neue Plan sieht vor, dass der Bund als Auftraggeber für Bau und Betrieb der Standorte fungiert. Damit nimmt er über die Ausschreibungsbedingungen maximalen Einfluss auf die konkrete Ausführung der Ladestationen. Zwar wird der Bund nicht den Betrieb der Stationen übernehmen, aber sich über zu schließende Verträge mit den Betreibern Einfluss auf die Rahmenbedingungen des Betriebs sichern.

Standort-Tool von Now zeigt Zustand der Ladeinfrastruktur in Deutschland. (Screenshot: t3n)

Mindestens 150 Kilowatt Ladeleistung gefordert

Dabei hat der Bund bereits konkrete Vorstellungen. So sollen die Standorte ausbaufähig und mindestens an das Mittelspannungsnetz angeschlossen sein. Damit sollen sie eine Ladeleistung von mindestens 150 Kilowatt garantieren. Das wäre geradezu ein Quantensprung im bislang von Ladesäulen mit Leistungen zwischen 22 und 50 Kilowatt dominierten Deutschland, wobei natürlich zu berücksichtigen ist, dass auch das jeweilige Fahrzeug technisch in der Lage sein muss, die Leistung abzunehmen. Auch das ist derzeit zumeist noch nicht der Fall.

Um eine Flächendeckung in der Versorgung zu erreichen, soll die Ausschreibung nicht für einzelne Stationen gelten, sondern in Losen erfolgen, bei denen Stationen an interessanten und solche an weniger interessanten Standorten im Paket vergeben werden. So wird Rosinenpickerei vermieden.

Flächen für den Bau der Stationen will der Bund zur Verfügung stellen. Länder und Kommunen sollen sich ebenfalls mit eigenen Flächen beteiligen. Bei entsprechender Eignung kommen auch private Grundstücke infrage.

Offenes System soll Benachteiligung einzelner Provider verhindern

Im Betrieb will der Bund gleiche Konditionen für alle durchsetzen. So sollen preisliche Querelen wie zuletzt zwischen den B2B-Versorgern Ionity und ENBW oder der Ausschluss bestimmter Provider vermieden werden.

Zudem soll es keine Pflicht zur Nutzung eines Providers geben. Sollten sich im Betrieb zu diesen Konditionen Wirtschaftlichkeitslücken auftun, garantiert der Bund, diese zu schließen, mithin Verluste auszugleichen.

Vorbild: Teslas Supercharger

Pallasch stellt sich vor, am Ende ein Ladenetzwerk geschaffen zu haben, das so komfortabel und nutzerfreundlich funktioniert wie die Supercharger-Stationen Teslas. So könnten etwa Überdachungen, Toiletten oder Laderobotik zu einem besonders angenehmen Laderlebnis beitragen.

Mindestens aber will der Bund seine 1.000 Standorte mit einer jeweils zweistelligen und in Einzelfällen sogar dreistelligen Anzahl von Ladepunkten so aufstellen, dass die optimale Verteilung der Lade-Parks an Fernstrecken und in urbanen Ballungsräumen gewährleistet ist. Dazu hat Now ein spezielles Standort-Tool entwickeln lassen, das genau diese Verteilung vorschlagen können soll.

Mindestens 10.000 neue Ladepunkte wird das Programm also hervorbringen. Der Haken an der Sache: Now geht von einer Verfahrensdauer von acht Monaten aus. Damit wäre eine Vergabe frühestens im dritten Quartal 2021 zu erwarten. Und dann müssen die Standorte natürlich auch noch gebaut werden.

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Ein Kommentar
Steffi Buchmann
Steffi Buchmann

Das Zeug braucht keiner. Und sind wir nun offiziell in der DDR angekommen das der Bund sich über Angebot und Nachfrage, Marktgesetze hinweg setzt?

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