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Analyse

State of European Tech: In Deutschland sitzen die meisten Entwickler

Im Kampf um Entwickler hat Deutschland ordentlich aufgeholt: Nirgends in Europa gibt es eine so große Community wie hierzulande. In der Startup-Szene kündigt sich indes ein neuer Rekord an.

Von Lisa Hegemann
4 Min.
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(Foto: Shutterstock)

Gute Nachrichten für die deutsche Tech-Szene: In der Bundesrepublik gibt es mehr Entwickler als in jedem anderen europäischen Land. Rund 837.000 Talente arbeiten demnach in Deutschland. Das zeigt der Report „State of European Tech“. Großbritannien, 2016 noch Spitzenreiter in diesem Bereich, landet mit 813.000 Entwicklern nur auf Platz zwei.

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Dass Deutschland plötzlich so interessant für Entwickler ist, dürfte auch an den Preisen liegen, die allein in Berlin gezahlt werden. Mit einem Durchschnittsgehalt von 59.700 US-Dollar im Jahr erhalten Entwickler in der deutschen Hauptstadt mehr Geld als in allen anderen europäischen Metropolen. In London, wo die Lebenshaltungskosten deutlich höher liegen, verdienen Developer im Schnitt „nur“ 54.800 Dollar, in Paris sind es 50.600 Dollar.

Trotzdem haben es Gründer hierzulande schwer, geeignete Talente aus diesem Bereich zu finden. Laut der Umfrage geben fast die Hälfte der Befragten aus Deutschland (47 Prozent) an, dass Softwareentwickler am schwierigsten zu bekommen sind. Für 15 Prozent ist die größte Herausforderung die Suche nach Data Scientists. Ähnliche Probleme berichten auch Startups aus anderen europäischen Staaten: Länderübergreifend kommen alle befragten Unternehmen nur schwer an Softwareentwickler.

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Entwickler-Suche kompliziert – Kapital-Suche deutlich einfacher

Die Suche nach Entwicklern mag kompliziert sein – die Suche nach Kapital wird für europäische Unternehmen dagegen immer einfacher. In den ersten neun Monaten 2017 flossen 19 Milliarden Dollar in europäische Startups, das sind 4,6 Milliarden mehr als noch im Vorjahr. Großbritannien führt die Liste der Investitionen an: 5,4 Milliarden Dollar steckten Investoren bis dato in englische Firmen. Die Bundesrepublik landet mit 2,5 Milliarden Dollar abgeschlagen auf dem zweiten Platz.

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Hat Deutschland also an Verve verloren? Im Vergleich zu Großbritannien durchaus. Die Brexit-Effekte sind bisher geringer als erwartet. Allein 2017 dürften die britischen Startups mit sieben Milliarden Dollar an Funding einen neuen Rekord brechen. Misst man die Finanzierungen allerdings an Vorjahren, dürfte Deutschland ebenfalls ein neues Rekordjahr verbuchen: Bis Ende des Jahres werden Investoren nach Schätzungen der Studienautoren 3,3 Milliarden Dollar in deutsche Startups stecken.

Diese Summe würde sogar das Hype-Jahr 2015 übertreffen, in dem vor allem die Riesenfinanzierungen für Rocket-Internet-Firmen den Ausschlag gaben. Allerdings fehlt die Angabe, ob in die prognostizierte Summe für dieses Jahr auch die Börsengänge von Hellofresh und Delivery Hero fließen.

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Auf Seite zwei liest du, warum Europa als der neue heiße Deep-Tech-Standort gehandelt wird – noch vor den USA und China.

Interessant: Deutschland, lange als E-Commerce-Standort verschrien, kann sich immer mehr Gelder im Bereich Deep Tech sichern. 2017 sollen rund 400 Millionen Dollar an Firmen gehen, die sich mit unter anderem künstlicher Intelligenz, Blockchain oder Virtual Reality beschäftigen. Zu diesen Unternehmen zählt der Report auch Lilium Aviation, das Münchner Startup, das kürzlich mit einer 90-Millionen-Dollar-Runde ein Ausrufezeichen setzen konnte. Der Trend zu Deep Tech setzt sich europaweit fort: Rund 3,5 Milliarden Dollar werden Risikokapitalgeber demnach in Startups aus diesem Bereich investieren.

„Das nächste Unternehmen, das eine Industrie dominiert, kommt aus Europa.“ 

Für die Autoren des Reports ein wichtiges Signal. „Es deutet sich an, dass das nächste Unternehmen, das eine Industrie dominieren wird, aus Europa kommt“, sagt Tom Wehmeier, Partner bei Atomico, im Gespräch mit t3n.de. Allein 32 Institutionen beschäftigen sich laut des Reports mit künstlicher Intelligenz. In den USA sind es 30, in China lediglich 15. Die aktivsten Entwickler rund um die Blockchain-Technologie sitzen in Großbritannien und Deutschland. Europa sei zudem weltweit führend in den Bereichen Robotics und Internet der Dinge, so Wehmeier. Ein weiteres gutes Zeichen: „Die Startups gehen nicht mehr weg, sie bleiben in Europa.“

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Allerdings scheinen die Autoren bei ihrer Bewertung die europäische Brille aufgesetzt zu haben. Zwar hat sich der alte Kontinent wirklich einen Namen gemacht im Bereich Blockchain. Aber China ist deshalb längst nicht abgehängt. Im Bereich künstliche Intelligenz will die Regierung in Peking sogar die weltweite Spitzenposition erlangen. Das lockt selbst Google ins Reich der Mitte  – und nicht nach Europa.

Atomico-Partner Tom Wehmeier hat den Report „State of European Tech“ mitverantwortet. Eine Kernaussage: Entwickler finden sich vor allem in Deutschland. (Foto: Slush)

Warum Startups in einem Bereich rückständig sind

So innovativ Startups im Bereich Technologien sind, so rückständig ist die Geschlechterverteilung. Nur neun Prozent der Führungspositionen werden von Frauen ausgefüllt. Am ehesten ist noch der Chief Marketing Officer weiblich (23 Prozent Frauen), am seltensten dagegen der Chief Technology Officer (zwei Prozent Frauen). Ausgewertet wurden rund 1.400 Positionen in mehr als 500 europäischen Startups, die von Risikokapitalgebern finanziert werden. Überraschend sind die Zahlen nicht, der Deutsche Startup-Monitor verbreitet ähnliche Quoten.

Trotzdem, so heißt es bei den Autoren, geben 60 Prozent der Frauen und 52 Prozent der Männer an, dass die Geschlechter in ihrem Unternehmen gleichermaßen vertreten seien. Allerdings muss man dazu sagen, dass der Report an dieser Stelle nicht eindeutig nach Führungspositionen fragt, sondern nach der Mitarbeiterdiversität allgemein im Unternehmen. Der Schluss, dass sich die Techszene der fehlenden Diversifizierung nicht bewusst ist, lässt sich daher nicht ziehen.

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Der Report „State of European Tech“ wird vom britischen Risikokapitalgeber Atomico und von der finnischen Technologiekonferenz Slush herausgegeben. Der Untersuchung legten die Autoren eine qualitative Umfrage mit mehr als 3.500 Antworten zugrunde. Zudem werteten Atomico und Slush Daten von Linkedin, Meetup, Stack Overflow, Dealroom.co, London Stock Exchange, Signal, Invest Europe, EIF, Craft, der European Startup Initiative, Mind the Bridge, Quid und Hired aus.

Repräsentativ ist der Report damit nicht. Einen kleinen Einblick in die europäische Startup-Welt dürfte er aber trotzdem gewähren.

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