Anzeige
Anzeige
News

EU könnte Plattformen zwingen, Gig-Worker anzustellen

Mit neuen Regeln für die sogenannte Gig Economy will die EU Scheinselbstständigkeit stoppen. Das könnte mehrere Millionen Menschen betreffen.

2 Min.
Artikel merken
Anzeige
Anzeige
Gorillas-Lieferant bei der Arbeit. (Foto: Timeckert / Shutterstock.com)

Plattformen wie Uber oder Bolt müssen ihre Fahrer:innen und Kuriere in der EU künftig eventuell einstellen. Die Europäische Kommission hat neue Regeln für Selbstständige, die über digitale Plattformen arbeiten, vorgeschlagen. Sie sollen Arbeitnehmerrechte und Sozialleistungen in Anspruch nehmen können und besser vor algorithmischer Kontrolle geschützt werden.

Anzeige
Anzeige

Das soll das Modell der digitalen Arbeitsplattformen nicht etwa eindämmen, sondern ihr nachhaltiges Wachstum unterstützen, wie die EU-Kommission mitteilt.

Bessere Arbeitsbedingungen

Derzeit arbeiten nach Informationen der Kommission über 28 Millionen Menschen in der EU für über 500 digitale Arbeitsplattformen – zum Beispiel als Fahrer:innen oder Kuriere. Über die Hälfte dieser Menschen verdienen demnach weniger als den Nettomindeststundenlohn des Landes. Im Schnitt arbeiten sie 12,6 Stunden pro Woche bezahlt und verbringen 8,9 unbezahlte Stunden damit, auf Aufträge zu warten oder welche zu suchen. Schätzungsweise 4,1 Millionen Personen könnten durch die neue Richtlinie als Angestellte eingestuft werden.

Anzeige
Anzeige

Der Vorschlag enthält Kriterien, mit denen kontrolliert werden soll, ob eine Plattform als Arbeitgeber zu betrachten ist. Das sind im Einzelnen:

Anzeige
Anzeige
    • Eine Obergrenze bei der Bezahlung
    • Regeln über die äußerliche Erscheinung, das Verhalten gegenüber Kund:innen oder die generelle Performance
    • Kontrolle der Arbeit oder Quantifizierung der Ergebnisse
    • Einschränkungen der Freiheit, die Arbeit zu gestalten und bestimmte Aufgaben anzunehmen oder nicht
    • Effektive Einschränkungen der Möglichkeit, einen Kund:innenstamm aufzubauen oder für Dritte zu arbeiten

Sind mindestens zwei der Kriterien erfüllt, gelten die für das Unternehmen arbeitenden Personen als Arbeitnehmer:innen. Damit hätten sie Anspruch auf Mindestlohn, Tarifverhandlungen, geregelte Arbeitszeiten, Gesundheitsschutz, bezahlten Urlaub und verbesserten Zugang zum Schutz vor Arbeitsunfällen, Leistungen bei Arbeitslosigkeit und Krankheit sowie beitragsabhängige Altersrente.

Mehr Transparenz über Algorithmen

Eine weitere Besonderheit in der Gig Economy ist, dass sich die Arbeit besonders leicht tracken und überwachen lässt. Uber-Fahrer:innen hatten sich 2020 beispielsweise in einer Klage Zugang zu den über sie gespeicherten Daten eingefordert.

Anzeige
Anzeige

Arbeitnehmer:innen und Selbstständige sollen durch die neue Richtlinie Informationen darüber erhalten, wie ihre Arbeit bewertet wird und wie ihnen Aufträge zugewiesen werden. Algorithmische Entscheidungen mit erheblichem Einfluss auf Arbeitsbedingungen müssen zusätzlich von Menschen geprüft werden.

Tarifverhandlungen für Selbstständige?

Darüber hinaus hat die Kommission einen Entwurf für Leitlinien veröffentlicht, die sich auf die Anwendung des EU-Wettbewerbsrechts auf die Tarifverträge von Solo-Selbstständigen beziehen. Diese gelten als „Unternehmen“ und laufen aktuell deshalb Gefahr, gegen Wettbewerbsrecht zu verstoßen, wenn sie kollektiv über Bezahlung verhandeln.

Mit den neuen Leitlinien will die Kommission klarstellen, in welchen Fällen Solo-Selbstständige Tarifverhandlungen führen können. Über den Entwurf wird jetzt in einer öffentlichen Konsultation beraten.

Anzeige
Anzeige

Langfristig hofft die EU auf globale Standards für Plattformarbeit. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen dafür die Grundlage bilden.

Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Anzeige
Anzeige
Schreib den ersten Kommentar!
Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!
Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Deine t3n-Crew

Anleitung zur Deaktivierung
Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder
Auf Mastodon teilen

Gib die URL deiner Mastodon-Instanz ein, um den Artikel zu teilen.

Anzeige
Anzeige