Analyse

Die ewige letzte Meile: Ein Szenario für den Transport der Zukunft

Mercedes-Benz Vans, Matternet und Siroop liefern in Zürich per Drohne aus – bis zum Van. Zustellfahrzeuge mit ergänzenden Drohnen für weiter entfernte Empfänger sind eines der wenigen, monentan sinnvollen Szenarien für die Luftzustellung. (Bild: Daimler)

Die Innenstädte ersticken im Verkehr, die Kunden warten genervt auf Pakete – so geht es nicht weiter. Die letzte Meile wird zur Qual, eine Veränderung muss her. Ein Lösungsvorschlag im Rahmen unserer Themenwoche Industrie 4.0.

Die Paketzustellungen werden in Zukunft noch weiter zunehmen, der Onlinehandel könnte noch auf Jahre hinweg zweistellige Wachstumsraten aufweisen. Doch die Zustellung an den Kunden, die sogenannte letzte Meile, wird immer holpriger. Neben der Erwartung, dass umweltfreundlich zugestellt wird, wollen Kunden vorrangig eines: schnelle und und vor allem zuverlässige Zustellung. In der Zukunft wird sich viel verändern: Neue Infrastrukturen und Technologien werden benötigt.

Letzte Meile: Umstrukturierungen in den Städten

Eine große Problematik ist in den Innenstädten, dass oft kein Platz für Zulieferer in Wohnbereichen und Innenstädten vorgesehen ist. Die Zusteller arbeiten unter hohem Zeitdruck, parken in zweiter Reihe und schmeißen gelegentlich beim Hetzen zwischen Strafzettel und Zustellung auch mal einen unnötigen „Wir haben Sie nicht angetroffen“-Zettel in den einen oder anderen Briefkasten.

In einer Studie über die Zustellsituation in Seattle hat die University of Washington festgestellt, dass vorrangig zwei Probleme gelöst werden müssen:

  • die Anzahl der fehlgeschlagenen Zustellungen
  • die Entladezeit vor Gebäuden

Letzte Meile Paketstation: Amazon Locker stehen in den Vororten, aber auch in zentralen Standorten in der Innenstadt, wie Locker Betty im O2-Shop in der Neuhauserstraße in München. (Foto: Amazon)

Die Lösung besteht aus einer Kombination von neu einzurichtenden Ladebuchten in Wohn- und Innenstadtbereichen und Möglichkeiten, Pakete gesammelt an einer Stelle abzuladen: Paketstationen und -Kästen oder Abgabe bei einem anderen Sammelpunkt. Das könnten auch spezialisierte Paketläden wie Qool sein.

Alleine eine Zentralisierung der Lieferung an Stellen, die viele Sendungen erhalten – wie Wohnblöcke, Hochhäuser und ähnliches – soll schon eine Entlastung von durchschnittlich bis zu 73 Prozent erbringen, so die US-Studienautoren.

Mehrfachnutzung von vorhandenen Infrastrukturen

Die Vielfalt der Paketdienste führt zu einer unnötigen Redundanz, so eine Studie der Wirtschaftsberatung Price-Waterhouse-Coopers. Gemeint sind Unmengen von Fahrzeugen und Depots im städtischen Bereich, die alle dieselben Wege bedienen. Der Güterverkehr in Städten macht 20 bis 30 Prozent des Stadtverkehrs aus, verursacht aber etwa 80 Prozent der innerstädtischen Staus in Stoßzeiten.

Amazon-Logistikzentrum in Dupont, Washington, USA. (Foto: Jochen G. Fuchs)

Es müssen Modelle entwickelt werden, in denen Infrastrukturen für die City-Logistik gemeinsam von beliebigen Anbietern genutzt werden können. Unter Umständen als kommunale Infrastruktur von Depots mit entsprechender Gesetzgebung, die eine Nutzung der zur Verfügung gestellten Strukturen regelt – in welcher Form auch immer. Auch in ländlichen Bereichen wird das unumgänglich sein.

Die Sharing Economy mit Diensten wie Uber, MyTaxi oder Lieferando, die ebenfalls Lieferinfrastrukturen aufgebaut hat, bietet sich für Kooperationen an. Mediamarkt hat beispielsweise mit Mytaxi eine solche Kooperation im Bereich Same-Day-Delivery durchgeführt.

Letzte Meile Taxi: Mytaxi Delivery bei Mediamarkt (Screenshot: Filmbrauerei / Youtube)

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