Interview

„Weil Frauen mutig nach vorne gehen”: Das steckt hinter der Female Future Force

(Bild: Nora Tabel)

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Die Edition F-Gründerinnen haben in der vergangenen Woche ihr Crowdfunding-Projekt Female Future Force gestartet. Wir haben mit Nora-Vanessa Wohlert und Susann Hoffmann über ihre Pläne gesprochen.

Die Rufe nach Frauen werden immer lauter – egal, ob in Führungspositionen oder als Speakerinnen bei Konferenzen. Doch woran liegt es, dass Frauen in manchen Situationen zögerlich sind und sich unter Wert verkaufen? Edition F geht dieser Frage nicht nur als Online-Magazin auf den Grund, sondern liefert mit der Female Future Force auch Lösungsvorschläge: Neue Perspektiven und Meinungen aufzeigen – und das zu Themen rund um Karriere, Digitales, Politik und Gesellschaft. Susann Hoffmann stand uns im Interview rund um die geplante Academy Rede und Antwort.

t3n.de: Bei der Female Future Force sollen Teilnehmer privat und beruflich wachsen. 

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Um weiterzukommen, das Selbstbewusstsein und gleichzeitig eine gewisse Leichtigkeit zu entwickeln, braucht es oft externe Impulse.


Susann Hoffmann: Female Future Force heißt für uns, einen persönlichen Impact für unsere Nutzer und Nutzerinnen möglich zu machen. Denn um weiterzukommen, das eben genannte Selbstbewusstsein und gleichzeitig eine gewisse Leichtigkeit zu entwickeln, braucht es oft externe Impulse. Die Academy ist dabei erst der Anfang.

Wir wollen 52 Wochen lang unsere Academy-Mitglieder begleiten – mit einem digitalen Coaching. 52 Experten wie die ehemaligen Personalvorstände Heidi Stopper und Thomas Sattelberger, Blogger-Ikone Jessie Weiß oder Verhandlungsexperte Matthias Schranner begleiten unsere Nutzer in zwölf Themenbereichen durchs Jahr. Wie verhandele ich richtig gut, wie präsentiere ich so, dass es niemand vergisst, wie kann ich mich als Speaker für Konferenzen positionieren, wie geht Social Media richtig professionell oder wie bekomme ich die für mich passende Balance zwischen Karriere und Leben hin sind Fragen, denen wir nachgehen.

(Bild: Nora Tabel)

t3n.de: Warum heißt es Female Future Force, wenn es auch Männer anspricht?

Weil Frauen mutig nach vorne gehen, um die Welt weiblicher oder besser gesagt fairer und gleichberechtigter zu machen. Die Realität braucht aber unbedingt auch männliche Unterstützung – nur, wenn wir alle verstehen, dass wir von einer Gesellschaft,  in der jeder die gleichen Rechte und Chance hat, profitieren, werden wir das Ziel auch erreichen können.

t3n.de: Edition F ging vor knapp drei Jahren online. Wie sah die Geburtsstunde aus? 

Nora und ich waren ein Stück weit frustriert, dass die großen Frauenzeitschriften immer noch an den Klischee-Themen rund um Mode, Beauty und Diät kleben. Auf der anderen Seite standen dann die Wirtschaftstitel mit den Männern auf dem Cover und im Heft zur Auswahl. Und digital spiegelte sich zumindest fern der Nischenblogs ein ähnliches Bild wieder. Wir dachten: Frauen sind stark, schlau und leben in einer Welt, die nicht nur Styling und hübsch aussehen bedeutet.

Edition F ist dann entstanden in einer Zeit, als wir beide beim gleichen Arbeitgeber waren und wir uns deshalb regelmäßig ausgetauscht haben. Dass wir sowas wie Edition F dann echt machen wollen, haben wir auf einer Bank auf der Torstraße in Berlin festgelegt. Und obwohl es eine spontane und eher ungeplante Entscheidung war, haben wir sie nie mehr hinterfragt. Es war klar: Das machen wir.

t3n.de: Wurdet ihr beruflich – gerade in Hinsicht auf eure Gründung von Edition F – schon einmal unterschätzt? Gibt es etwas, was ihr daraus gelernt habt?

Wenn man auf der Suche nach Investoren ist und das mit einer Idee, die sehr weiblich fokussiert ist, dann ist es manchmal schwer, männliche Investoren davon zu überzeugen. Das Verständnis für ein Produkt wie Edition F hat am Anfang gefehlt. Noch dazu waren Nora und ich sogenannte First-Time-Founder – also Erstgründer. Da sind alle zögerlicher. Und auch bei Konferenzen werden Frauen oft unterschätzt oder übersehen – es hat sich gebessert, aber es gibt immer noch zu viele all-male-Panels. Was wir daraus gelernt haben ist allerdings, dass wir trotz negativen Feedbacks nicht aufgeben.

t3n.de: Was sind die häufigsten Fehler, die Frauen im Job machen? 

Fehler will ich das eigentlich nicht nennen: Frauen gehen mit Situationen einfach anders um als Männer. Die Frage ist: Müssen sich Frauen anpassen und die männliche Kommunikation übernehmen? Meine Antwort darauf ist nein. Was Frauen verbessern können, ist einfach mit mehr Selbstbewusstsein zu agieren und sich und ihre Ideen zu zeigen, denn Sichtbarkeit ist natürlich wichtig, wenn man weiterkommen möchte.

Also einfach mal für sich formulieren, was man wirklich will und dann mutig genug sein, es auszusprechen. Am Meetingtisch, in Gehaltsverhandlungen, im Krisengespräch oder auf der Bühne.

t3n.de: Eure Crowdfunding-Aktion läuft erst einige Tage, hat noch knapp 40 Tage Laufzeit und verzeichnet jetzt schon 94.000 Euro an Spenden und knapp 900 UnterstützerInnen. Habt ihr so schnell mit so viel Unterstützung gerechnet?

Gerechnet nicht. Aber gehofft. Die Female Future Force Academy ist ein Produkt für die Community – deshalb haben wir uns natürlich gewünscht, dass das Projekt gut ankommt und von der Community mitgetragen wird. Denn die Female Future Force Academy ist kein Selbstzweck: Wenn sie niemand wollen würde, würden wir sie nicht machen.

t3n.de: Wie tragen die angebotenen Coachings zur Förderung von Gleichberechtigung bei?

Gleichberechtigung braucht auf der einen Seite starke Frauen, die sich für ihre Bedürfnisse und ihre Ziele einsetzen. Je mehr Frauen selbstbewusst für ihre Ideen aufstehen, sich trauen, sich auf Bühnen zu stellen und nach mehr Gehalt zu fragen, desto normaler wird das. Auf der anderen Seite gilt es, auch Männer ins Boot zu holen – die sitzen nämlich oft noch an den entscheidenden Hebeln. Je mehr Männer dort das Prinzip „Gleichberechtigung“ leben, desto schneller wird sich unsere Wirtschaftswelt verändern. An unserem Coaching sollten also am besten Frauen und auch Männer teilnehmen.

t3n.de: Nach welchen Kriterien wurden die Coaches ausgewählt?

Es stehen noch nicht alle Coaches fest – aber die ersten Coaches sind oft Menschen, die uns selbst weitergebracht haben, die uns inspiriert haben. Nora und ich und unser Team haben das Glück, immer wieder durch redaktionelle Beiträge oder auf Konferenzen mit Menschen zusammenzukommen, die ein wahnsinniges Wissen und krasse Erfahrungen haben. Und die bereit sind, das zu teilen. Dieses Glück haben aber nicht alle. Grund genug für uns zu sagen: Diese tollen Köpfe holen wir zusammen und machen was richtig Großes daraus. Das ist jetzt die Academy.

t3n.de: Wenn das Programm allgemein gehalten beziehungsweise auf die Masse zugeschnitten ist, wie kann jemand persönlich – mit seinen Stärken und Schwächen – davon profitieren?

Nicht jeder Punkt wird zu gleichen Teilen für alle Teilnehmer relevant sein, weil die Stärken und Schwächen und die Interessen variieren. Das Programm ist aber so gestaltet, dass man in jedem Bereich neue Aspekte kennenlernt und Denkanstöße bekommt.

Die Female Future Force Academy ist ein echt persönlicher Weg, um neues Wissen zu bekommen, aber auch immer wieder sich selbst zu hinterfragen und sich kennenzulernen. Denn oft nehmen wir uns auch nicht genug Zeit, um zu spüren: Wo stehe ich, was kann ich, was will ich noch lernen, was brauche ich, um glücklich zu sein? Und das Schöne ist: Man ist nicht allein, sondern kann sich mit den anderen Academy-Mitstreitern austauschen.

t3n.de: Zehn Prozent des Erlöses machen die Academy auch für benachteiligte Frauen möglich. Wie sieht das konkret aus?

Wir wollen Frauen supporten, die einen schwereren Zugang zu diesen Top-Speakern haben, die sich die Academy nicht leisten können oder die in irgendeiner Weise benachteiligt sind. Wir planen, mit Organisationen zusammenzuarbeiten und dort gezielt größere Academy-Membership-Pakete rauszugeben, um deren jeweilige weibliche Community zu unterstützen. Mit Partnern zusammenzuarbeiten, die Frauen in ihrem Netzwerk dieses Membership ermöglichen können. Das können dann Frauen mit sehr vielfältigen Hintergründen sein.

t3n.de: Steht und fällt eure Umsetzung mit den erreichten 100.000 Euro oder setzt ihr das Projekt auch um, wenn beispielsweise noch – ich sag mal 1.000 Euro – fehlen sollten?

Wir gehen eigentlich nicht davon aus, dass es nicht klappt – das Crowdfunding ist so wahnsinnig toll angelaufen, der Zuspruch echt groß und wir deshalb total „on fire“. Ich gehe also davon aus, dass es die Academy in jedem Fall geben wird. Der Bedarf ist jedenfalls da.

(Bild: Nora Tabel)

t3n.de: Ist die Aktion einmalig oder gibt es die Möglichkeit, das jedes Jahr aufzuziehen?

Das Programm läuft hoffentlich nach dem Crowdfunding super weiter: Ziel ist ja, auch Leuten, die vielleicht erst später auf Edition F und die Female Future Force aufmerksam werden, Zugang zum Coaching zu gewähren. Vielleicht kostet es dann etwas mehr, mal sehen. Das Programm ist der Auftakt. Wir denken über spezielle kürzere Kurse nach, über ein Expertenforum, ein Festival mit Panels, Keynotes, Workshops, DIY, Musik und Kunst. Also die Academy ist der Start – geplant sind viele coole Sachen für und mit der Community.

t3n.de: Ein Traum wird wahr: Ihr knackt die Millionen beim Crowdfunding. Wie geht es dann weiter?

Mega! Der Weg ist aber tatsächlich noch recht weit. Ich hatte ja schon kurz von den weiteren Planungen der Female Future Force gesprochen. Die können dann Realität werden: An Ideen mangelt es nicht und ich bin sicher, dass wir auch genügend weiteren Input durch die Mitglieder bekommen.

t3n.de: Vielen Dank für das Interview!

Update vom 07.04.2017: Mittlerweile wurde die Fundingschwelle von 100.000 Euro und knapp 1000 Unterstützern erreicht – eine Woche, nachdem das Projekt gestartet wurde. 

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Ein Kommentar
Julia Bauer
Julia Bauer

Ich hoffe,
dass mit dem Crowdfunding Edition F endlich die positive Kertwende schafft.
Viele Gelegenheiten wird es vermutlich nichtmehr geben.
Viel Erfolg!

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