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Gesundheits-Apps: Welche es gibt, worauf du achten musst

(Foto: Andrei_R/ Shutterstock)

Schon einmal im App-Store nach Gesundheits-Apps gesucht? Das Angebot ist gewaltig und reicht ganz banal vom Schrittzähler bis hin zum Medikations- und Therapiemanagement. Wie durchkämmt man dieses Angebotsvielfalt und auf welche Kriterien sollte der Nutzer achten?

Orientierung im Dschungel der Gesundheits-Apps

Unübersichtlich und schier gewaltig ist die Anzahl von digitalen Gesundheitsdiensten. Sie reichen von Fitness- über Vitaldaten-Messungs-Apps bis zu spezielleren Angeboten, die Patienten und Angehörige bei der Vorsorge, Diagnose, Behandlung oder dem Management von Krankheiten unterstützen. Wie können Nutzer sich orientieren? Mittlerweile gibt es einige Projekte, die das aufzeigen wollen.

Der Markt für digitale Gesundheitsanwendungen wächst stetig. Im App-Store finden sich unter der Rubrik Gesundheit und Fitness etliche Angebote, ähnlich sieht es in Googles Play-Store aus. Dabei die genaue Anzahl der Apps und digitalen Anwendungen zu beziffern, ist unmöglich. Weltweit variiert die Anzahl von 100.000 bis über einer Million.

Gesundheits-App ist nicht gleich Gesundheits-App

Eine Gesundheits-App kann helfen, sich fürs Laufen zu motivieren und die Verbesserung des Trainings zu verfolgen. Eine andere App erinnert einen Patienten an die regelmäßige Einnahme von seinem Medikament. Und wiederum ein anderer Dienst ermöglicht es, seine Befunde von ärztlichen Untersuchungen einzusehen, an einen anderen Arzt weiterzuschicken und andere Infos zur eigenen Behandlung zu verwalten. Viele der Apps zielen auf allgemeine Gesundheits- und Fitnessthemen ab. Geht man eine Ebene weiter, gibt es Angebote, die die Kommunikation mit der Kasse und die Versicherungsdaten sammeln und noch eine Stufe weiter geht es um die Therapie einer bestimmten Krankheit und diese zu managen.

Davon grenzen sich Medical Apps ab, die von offiziellen Behörden als Medizinprodukte zertifiziert werden. Laut des Hartmannbunds, dem Verband der deutschen Ärzte, gibt es inzwischen an die 100 deutschsprachigen digitalen Anwendungen für Patienten, die als Medizinprodukt zertifiziert sind.

Einige Projekte zu Kriterien für Gesundheits-Apps

Die Datenbank Digimeda will einen Überblick gerade im Bereich der digitalen medizinischen Anwendungen liefern und durchleuchtet dafür Apps, Websites oder Skills für Sprachassistenten wie Alexa.

(Screenshot: Digimeda)

Wir haben bei Digimeda nachgefragt. In der Datenbank gibt es für viele Erkrankungen eine Liste mit digitalen Gesundheitsanwendungen (überwiegend Apps). In der Liste stehen durch verschiedene Institutionen geprüfte Anwendungen weiter oben – diese werden für vertrauenswürdiger und empfehlenswerter gehalten. Die Macher betonen, dass sie selbst keine Prüfungen der Anwendungen vornehmen und auch keine besonderen Empfehlungen aussprechen. Aber sicher ist eine Anwendung, die beispielsweise ein Medizinprodukt ist und weitere Prüfungen durchlaufen hat. Insgesamt sind aktuell 133 Krankheitsbereiche abgedeckt, wobei eine App bei mehreren Erkrankungen gelistet sein kann. Berücksichtigt sind 830 digitale Gesundheitsanwendungen, es kommen laufend neue dazu.

Folgende Kriterien werden bei Digimeda beachtet: Datenschutz- und Datensicherheit, Transparenz (Anbieterangaben), fachliche Korrektheit, Nachweis des Nutzens (wie in einer medizinischen Studie oder durch Nutzer-Befragung), Usability. Und sofern es Prüfungen für die Kriterien gibt, werden sie in der Ranking-Logik in der Datenbank berücksichtigt. Die Ranking-Logik wird in Zukunft mit einem Experten-Beirat weiterentwickelt.

„Der digitale Patient“

Die Bertelsmann Stiftung hat sich des Themas ebenfalls angenommen. Besser gesagt das in der Stiftung angesiedelte Projekt „Der digitale Patient“, das sich um alle digitalen (Aus-)Wirkungen durch die Digitalisierung im Gesundheitssystem kümmert und Denkanstöße geben will. Durch ein sogenanntes „Gütekriterien-Kernset AppQ“ sollen Anforderungen benannt werden, an denen sich Anbieter und Hersteller von Apps orientieren können. Es soll als „ein solides Fundament“ dienen.

Das Projekt „Der digitale Patient“ und die Vorgehensweise bei der App-Q-Definition. (Screenshot: blog.der-digitale-patient.de)

Und weiter heißt es: „Übergeordnetes Ziel ist es, Patientinnen und Patienten dabei zu unterstützen, die für sich passende Gesundheits-App zu finden. Ärzte und andere ‚Empfehler‘ von Digital-Health-Anwendungen für Bürger sollen sich über das Angebot und die Qualität von Apps auf Basis standardisierter Kriterien informieren können. App-Anbieter wiederum sollen die Chance erhalten, ihr Engagement für Qualität nach außen hin sichtbar darzustellen.“

Die acht Kernthemen sind: Datenschutz, Informationssicherheit, Interoperabilität, Verbraucherschutz und Fairness, technische Qualität, Verwendung in Deutschland, Information und Motivation sowie medizinische Qualität und Nutzen.

Für die acht Themen werden bis zu sechs Gütekriterien festgelegt, die in Form einer Frage formuliert sind und das jeweilige Thema konkretisieren und eingrenzen. Zur Operationalisierung des Kernsets werden die einzelnen Gütekriterien mit Indikatoren hinterlegt. Der Arbeitsentwurf wird im nächsten Schritt durch qualitative Fokusgruppen mit Patienten und Ärzten, durch Expertengespräche sowie Praxistests validiert und zu einer finalen Version ausgearbeitet.

Großer, aber auch komplexer Markt

Gesundheits-Apps machen einen sehr großen Markt aus und der ist komplex. Unterschiedliche Anbieter verfolgen unterschiedliche Interessen. Krankenkassen wollen ihre Versicherten zu mehr Eigenverantwortung und Eigenmanagement anhalten. Beispielsweise bietet die Techniker Krankenkasse ihren Versicherten die App TK-Safe an, in der der Impfpass, verordnete Medikamente oder der Entlassungsbericht vom Krankenhaus abgespeichert werden können. Pharmaunternehmen wiederum sind daran interessiert, dass Patienten ihre Medikamente einnehmen, damit die Behandlung auch erfolgreich ist. Nebenbei geht es auch die Generierung von Daten, um so sehen zu können, wie Patienten in ihrem Alltag mit Medikamenten oder der Behandlung umgehen. Der Hartmannbund ist davon überzeugt, dass Nutzer auf Dauer die Anwendungen nutzen werden, „die verlässlich, für sie persönlich hilfreich und technisch gut nutzbar sind“.

Bitkom zufolge verwenden schon 65 Prozent der Smartphone-Besitzer Gesundheits-Apps. Am beliebtesten sind Anwendungen, die über Gesundheits-, Fitness-, Gewichts- oder Ernährungsthemen informieren, die bereits 26 Prozent aktiv nutzen. 24 Prozent setzen Apps ein, die Körper- und Fitnessdaten wie Herzfrequenz, Blutdruck oder gegangene Schritte aufzeichnen. 17 Prozent haben Workout-Apps mit entsprechenden Anleitungen für Übungen zu Hause oder unterwegs und 15 Prozent lassen sich durch Apps auf Grundlage von aufgezeichneten Vitaldaten Ratschläge geben.

Und Gesundheits-Apps scheinen zu wirken: Fast 53 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich durch Gesundheits-Apps mehr bewegen und besser über ihren Körper und Gesundheitszustand Bescheid wissen. 34 Prozent sagen, sich dadurch gesünder zu ernähren. Für Bitkom-Präsident Achim Berg sind „Fitness-Armbänder, Smartwatches und Gesundheits-Apps für Smartphones in Deutschland bereits ein Millionenphänomen geworden. Erstmals ist es möglich, die eigenen Vitaldaten regelmäßig zu messen und zu nutzen.“

Übrigens plant Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ein neues „Digitales Versorgungsgesetz“. Er betont: „Wir wollen Digitalisierung gestalten – nicht erleiden.“ Darin vorgesehen ist, dass Versicherte Gesundheits-Apps vom Arzt verschrieben und von ihrer Kasse erstattet bekommen können. Ziel ist es, dass „sinnvolle digitale Anwendungen – zum Beispiel Apps oder Diagnose-Tools – schnell in die Versorgung kommen.“ Gerade für chronische Kranke wie Diabetes-Patienten oder Betroffene mit Bluthochdruck können digitale „Assistenten“ beim Krankheitsmanagement eingesetzt werden.

Interessiert euch das Thema? Was sollen wir aufgreifen beim Thema Gesundheits-Apps?

Einige Beispiele für Apps

Für Betroffene mit Diabetes:

Sidiary-Tagebuch. App zur Erinnerungshilfe und Datenverwaltung: Die von Diabetikern für Diabetiker entwickelte Diabetes-Management-Software Suite Sidiary will eine einfache mobile und lokale Erfassung von Diabetesdaten, schnelle und übersichtliche Trendanalysen sowie systematische Auswertungen zur Selbstkontrolle ermöglichen.

Accu-Chek-Connect-App gedacht als Tagebuch, Datenverwaltung, Erinnerungshilfe: Mit der Accu-Chek-Connect-App bekommen Betroffene Tools für ihr Diabetes-Management zur Hand mit folgenden Funktionen: automatische Übertragung der Messwerte von kompatiblen Messgeräten (Handschriftliche Tagebücher werden nicht mehr benötigt), Bolusvorschlag zur Berechnung der Insulindosis (sofern verfügbar, Aktivierung durch einen Arzt erforderlich), automatischer Datenaustausch und Zugriff auf zusätzliche Tools über das private Accu-Chek-Connect-Webkonto, Versenden von Diabetesdaten über das Webkonto beziehungsweise per E-Mail oder SMS an den Arzt, leicht verständliche Diagramme zum Erkennen von Verläufen und Mustern, erweiterte Tagebuch-Optionen: Mahlzeiten (Größe, Kohlenhydrate oder Kalorien), Mahlzeitenfotos, Insulin, Sport, Medikamente, Blutdruck, Gewicht, Gesundheitszustand und Notizen, Apple Health Integration

Zum Thema Burnout:

Selfapy als Ratgeber, Tagebuch, Coaching, Datenverwaltung, Test, Training, Ernährungshilfe: Das drei- bis sechsmonatige Programm wurde von erfahrenen Psychotherapeuten entwickelt und basiert auf verhaltenstherapeutischen Ansätzen. Die App bietet verschiedene Programme für akute Krisen sowie Prävention. Die Akutkurse unterstützen bei leichter bis mittelschwerer Depression, Angst- und Panikstörung sowie Essstörung. Die präventiven Kurse beschäftigen sich mit Themen wie Stress, Gesundem Abnehmen, Achtsamkeit und Selbstwert und stärken persönlichen Ressourcen.

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Ein Kommentar
Titus von Unhold
Titus von Unhold

„Folgende Kriterien werden bei Digimeda beachtet: Datenschutz- und Datensicherheit“

Wenn ich den Vortrag beim CCC erinnere oder gelegentlich in das Blog von Michael Kuketz schaue, spricht bei Digimeda meiner Meinung nach die pure Inkompetenz oder die Ignoranz des Kapitalismus. Solang in den Apps Tracking- oder Analysesoftware Dritter implementiert ist, muss davor gewarnt werden statt sie mit vermeintlichn Prüfungen und Siegeln dem ahnungslosen Nutzer aufzuschwatzen.

Antworten

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