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Google-Gewerkschaft: Der Alphabet Workers Union geht es nicht nur ums Geld

Die Alphabet Workers Union ist die erste Gewerkschaft bei einem der großen Tech-Unternehmen. Dieser historischen Dimension sind sich die Initiatoren bewusst. Ums Geld geht es ihnen dabei aber nicht (nur).

3 Min. Lesezeit
Das Google-Hauptquartier in Mountain View. (Foto: achinthamb / Shutterstock.com)

Wozu haben wir Gewerkschaften? Fast jeder, den ihr fragt, wird dabei als erstes das Thema Tariflohn aufführen. Gewerkschaften stellen eine faire Bezahlung sicher. Danach kümmern sie sich um faire Arbeitsbedingungen – wie ausreichende Erholungszeiten und vieles mehr.

AWU geht es nicht nur um Geld, es geht um Google als solches

An diesem Profil gemessen, ist die Gründung der Alphabet Workers Union (AWU) mit der landläufigen Prägung einer Gewerkschaft in Deutschland nicht zu vergleichen. Denn den Organisatoren der AWU, die vom Start weg über 200 Mitglieder akquirieren konnte und keine 24 Stunden später schon mehr als 400 Mitglieder aufwies, geht es nicht primär um monetäre oder andere eher individuelle Belange. Was die AWU antreibt, ist nicht weniger als der Anspruch, Alphabet zu einem Unternehmen zu machen, für das Menschen gerne arbeiten und das sich zum Wohl der Gesellschaft einsetzt. So haben es zwei der Organisatoren, Parul Koul und Chewy Shaw, in einem Beitrag für die New York Times geschrieben.

In Anbetracht der Tatsache, dass zu den rund 120.000 Festangestellten nochmal etwa die gleiche Zahl an freien Mitarbeitern und Vertragsnehmern hinzukommt, wird sich die AWU künftig auch mit Fragen der Bezahlungsgerechtigkeit beschäftigen müssen. In erster Linie geht es aber um Themen wie die geschäftliche Ausrichtung oder den Umgang mit Minderheiten und dem Personal insgesamt.

Auch AWU-Gründungsorganisator Alan Morales bestätigt große Ambitionen: „Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass Tech-Unternehmen ihre Technologien dazu einsetzen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen“, erklärte er gegenüber The Verge.

Skandale wie die Millionenabfindungen für Belästiger, die Entlassung der KI-Expertin Timnit Gebru oder die Projekte Maven und Dragonfly hatten immer mehr Mitarbeitende gegen die Geschäftsführung aufgebracht. Die Gründung einer Betriebsgewerkschaft unter dem Dach der bundesweit agierenden Großgewerkschaft „Communications Workers of America“ (CWA), die über ein Jahr lang im Geheimen vorbereitet worden war, scheint folgerichtig.

Erfolg für die US-Gewerkschaftsbewegung insgesamt

Für die US-amerikanische Gewerkschaftsbewegung ist die Gründung der AWU ein großer Erfolg. Schon seit vielen Jahren versuchen die Großgewerkschaften, mehr als einen Fuß in die Tür der Tech-Unternehmen Amerikas zu bekommen. Entwickelt sich die AWU erwartungsgemäß, könnte sie als Blaupause für weitere Betriebsgewerkschaften etwa bei Facebook, Amazon oder Apple werden.

In der Vergangenheit hatte es immer wieder kleinere Bestrebungen gegeben, Formen gewerkschaftlicher Vereinigungen zu etablieren. Die sind indes stets sehr klein geblieben oder letztlich gescheitert. Die AWU ist schon jetzt größer als andere Versuche vorher je waren.

Konzept der Minority Union hat Vor- und Nachteile

Dabei haben sich die Köpfe hinter den AWU bewusst für das Konzept der sogenannten Minority Union entschieden. Als Minderheits-Gewerkschaft bleibt der AWU ein langwieriger bürokratischer Prozess erspart, der nach Meinung verschiedener Experten kaum erfolgreich zu absolvieren gewesen wäre. Der Nachteil dieses Verzichts besteht darin, dass die AWU nicht das Recht hat, bindende Tarifverträge für alle Mitarbeitenden auszuhandeln – egal, ob Gewerkschaftsmitglied oder nicht.

Die AWU sieht sich vielmehr als Vertretung aller Beschäftigten bei Google – ganz egal, welcher Rechtsnatur das Beschäftigungsverhältnis ist. Entsprechend sollen sich die Cafeteria-Kräfte, die bei einer externen Catering-Firma angestellt sind, ebenso an die Gewerkschaftsvertreter wenden können wie der festangestellte Ingenieur oder der freiberuflich tätige Software-Entwickler.

Das sind die Communications Workers of America

Um schnell auf Strukturen und entsprechenden Einfluss zugreifen zu können, haben sich die Gründer der AWU entscheiden, sich unter das Dach der CWA zu begeben. Entsprechend wird jedes AWU-Mitglied auch Mitglied bei der CWA.

Die CWA ist eine der größten Gewerkschaften der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie zählt rund 700.000 Mitglieder und ist ursprünglich als Gewerkschaft der Beschäftigten in den Unternehmen der Telekommunikationswirtschaft gegründet worden. Zwischenzeitlich konnte sie sich auch in der Spiele-Industrie etablieren. Alphabet ist ein wichtiger Schritt in Richtung Tech-Unternehmen, den die Gewerkschaft schon seit Jahren zu gehen versucht hatte.

Google zeigt sich zunächst unbeeindruckt von der Gründung. Natürlich unterstütze man die geschützten Arbeiterrechte der eigenen Beschäftigten, ließ der Konzern verlauten. Ehemalige Google-Angestellte gehen indes davon aus, dass der Ton rauer werden wird, je mehr Beschäftigte sich unter das AWU-Dach begeben.

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