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Ratgeber

Das müssen Gründer über den deutschen Markt wissen: 5 Besonderheiten

(Foto: Shutterstock)

Deutschland ist die größte Volkswirtschaft Europas und für aus- wie inländische Unternehmen ein interessanter Markt. Die Konjunktur brummt, die Auftragsbücher sind voll und die Kaufkraft der Deutschen steigt weiter an. Der Zeitpunkt, ein Unternehmen zu gründen, ist günstig.

Neben einer interessanten Idee und viel Einsatz gehört zum erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit vor allem eine umfangreiche Vorbereitung. Wer den deutschen Markt erfolgreich erobern möchte, sollte seine Eigen- und Besonderheiten genau kennen. Die folgenden Aspekte verdienen dabei besondere Beachtung.

Cash only

Deutsche zahlen auch 2018 noch am liebsten mit Scheinen und Münzen. Auch wenn die Akzeptanz von Kreditkarten und Mobile Payment bei hiesigen Verbrauchern steigt – bislang sind sie noch nicht vollends überzeugt. So zücken laut einer aktuellen Deloitte-Studie nur etwa vier Prozent der Deutschen an der Kasse ihr Smartphone. Deutschland, so scheint es, will einfach nicht mobil bezahlen. Als eines der größten Hemmnisse bei der Verbreitung des kontaktlosen Bezahlens gilt das mangelnde Angebot von Near-Field-Communication-kompatiblen Kassenterminals, die es Nutzern ermöglichen, schnell und unkompliziert mit dem Smartphone zu bezahlen. Solange also nur wenige Händler Mobile Payment anbieten, bleibt der Service für die Nutzer eher uninteressant.

Beim Blick auf aktuelle Entwicklungen im Bereich Mobile Payment in Deutschland – insbesondere bei den sogenannten Mobile Wallets – wird eines deutlich: Bislang wird Mobile Payment von den Deutschen als nettes Extra-Angebot gesehen. Wer Online-Banking nutzt oder bereits eine EC- oder Kreditkarte besitzt, scheint im Zahlen mit dem Handy momentan keinen großen Vorteil zu sehen. Nur All-in-One-Lösungen, die überall und jederzeit funktionieren, werden dies ändern. Daher sind vor allem die Anbieter in der Pflicht, Lösungen anzubieten, die mehr können als das reine Bezahlen via Smartphone.

Paypal geht hier mit gutem Beispiel voran: Neben der Möglichkeit, Punkte zu sammeln, bietet die Anwendung die Option, ganz einfach via Smartphone Einkäufe zu bezahlen. Im internationalen Vergleich gibt es Marken wie Starbucks, die geschickt auf eigene Lösungen setzen und so funktionierende Mobile-Engagement-Plattformen schaffen. Diese gehen über die Möglichkeit des bloßen Bezahlens hinaus und bieten ergänzende Services, die das Shopping-Erlebnis verbessern und Verbraucher zum Einkaufen anregen.

Datenschutz hat oberste Priorität

Weltweit kaufen immer mehr Menschen online ein. Onlineshopping-Portale bieten niedrige Preise und locken durch unkompliziertes Bestellen. Der Datenschutz spielt hierzulande dabei eine wichtige Rolle. Zahlreiche Umfragen ergeben immer wieder, dass den Deutschen der Datenschutz im Vergleich zu anderen Staaten besonders wichtig ist. In einer Umfrage rund um die Nutzung von Messenger-Programmen im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom gaben 90 Prozent der 1.212 teilnehmenden Internetnutzer ab 14 Jahren an, dass ihnen der Umgang des Anbieters mit persönlichen Daten wichtig sei. Nicht ohne Grund ist das deutsche Recht eines der strengsten in Bezug auf den Datenschutz. Seit dem 25. Mai 2018 gilt zudem die neue EU-Datenschutzgrundverordnung. Mit dieser wurde Datenschutz endgültig zur Chefsache erklärt. Gerade Startups sollten das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Nichteinhaltung der Datenschutzregeln kann andernfalls sehr teuer werden.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, welche Daten wofür erhoben werden. Generell gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Zwei weitere wichtige Faktoren sind der Unternehmenssitz und der Serverstandort. Diese sollten sich in Deutschland oder der EU befinden. Der Serverstandort Deutschland ist für Kunden zusätzlich zum deutschen Unternehmenssitz wichtig, um innerhalb der EU nicht auf rechtliche Ausnahmen achten zu müssen. So herrscht Klarheit, was die Rechtslage in Bezug auf den Datenschutz angeht.

Traditionelle Medien immer noch vorne

Die Mediennutzung ist weltweit im Umbruch. Nur Deutschland scheint ein Sonderfall zu sein. Hierzulande wird die gedruckte Zeitung immer noch häufiger gelesen als das Webangebot, noch stärker schneidet laut einer Studie aus 2017 nur TV als Informationskanal ab. Der Relevanzgrad ist Indikator dafür, wo sich Menschen informieren, ob sie Themen teilen, empfehlen oder gar aufgrund einer Information handeln. Während sich Social Media global gesehen auf Platz 1 positioniert, landen die sozialen Kanäle in Deutschland laut Studie auf Platz 6. Am wenigsten relevant unter elf abgefragten Infoquellen sind hierzulande Blogger.

Die Studie zeigt aber auch, dass Medienrelevanz eine Altersfrage ist. Vor allem in den älteren Zielgruppen erfreuen sich die traditionellen Medien großer Beliebtheit. Dies ist insofern relevant für jeden Gründer, als die Alterung der Gesellschaft und der demographische Wandel eines der großen Themen hierzulande sind und massive Auswirkungen auf Gesellschaft, Kultur und die Wirtschaft in Deutschland haben wird. Als Folge daraus wird es schwierig, digitale und technische Produkte zu bewerben.

Das Land der Bürokraten

Die Deutschen sind berühmt-berüchtigt für ihre Pünktlichkeit, Disziplin, Sandalen in Socken und Bürokratie. Egal ob es um Mitarbeiter, Prozesse oder gesetzliche Vorschriften geht, Bilanzierung, Buchhaltung, Versicherung oder die Umsatzsteuervoranmeldung: Die Geduld von Gründern wird ein ums andere Mal auf die Probe gestellt. Trotzdem müssen all diese bürokratischen Pflichten erledigt werden, bevor ein Unternehmen gegründet werden kann. Zudem müssen für die Gründung einer GmbH mindestens 12.500 Euro Stammkapital aufgebracht werden, was insbesondere dann eine Belastung darstellt, wenn ein Unternehmen nur wenige Mitarbeiter einstellen möchte. Wichtig zu wissen ist außerdem, dass Deutschland eigene Rechnungslegungsvorschriften verwendet, die es zu beachten gilt. Wer in Deutschland gründen will, sollte also viel Zeit für verwaltende Aufgaben mitbringen.

App-Nutzung nimmt zu

Entgegen des weltweiten Trends, dass die App-Nutzung ihren Zenit überschritten hat und rückläufig ist, nimmt sie in Deutschland weiter zu. Laut einer Studie von 2017 sind die Deutschen sogar die aktivsten App-Nutzer in ganz Europa – Tendenz steigend. Deutschland ist im internationalen Vergleich also ein stark wachsender Markt insbesondere im Bereich App-Entwicklungen sowie digitale und mobile Werbung.

Der Trend geht allerdings weg von Applikationen, die sich auf einzelne Services beziehungsweise Problemlösungen beschränken, hin zu Plattformen, die mehrere Funktionen und Services unter einem Dach bündeln. Der Facebook Messenger, Payback, Wechat und Co. machen vor, wie so etwas in der Praxis aussehen kann.

Erfolg durch Wissen

Deutschland ist unterm Strich kein ganz einfaches Pflaster für Gründer, das wird deutlich. Vieles gibt es zu beachten, seien es kulturelle Besonderheiten oder bürokratische Hürden. Und dennoch wagen jedes Jahr mehrere Hunderttausend Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Manche wollen eine Chance ergreifen und eine spannende Geschäftsidee umsetzen – andere gründen eher aus der Not heraus, weil ihnen der Arbeitsmarkt keine Chance gibt. Dabei gilt so oder so: Wer den Markt und seine Zielgruppen in all seinen Facetten kennt, erhöht seine Aussichten auf Erfolg drastisch.

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2 Reaktionen
Kni

Was genau ist damit gemeint, dass 25.000 Euro bei einer deutschen Bank hinterlegt werden müssen? Das habe ich noch nie gehört/gelesen etc. und kann dazu auch nichts im Internet finden.

Antworten
Kni

Bzw. ich kenne das nur für GmbHs, aber nicht für alle Gründungen allgemein.
Könnten Sie das näher erklären?

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