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Wie gut ist Dr. Google?

(Foto: Shutterstock)

Bei gesundheitlichen Symptomen fragen viele erstmal das Internet um Rat – gute Idee oder doch eher der Anfang allen Übels?

Hautausschlag am Unterarm – was tun? Es ist Samstagnachmittag, also erst einmal Dr. Google fragen. Laut dem Statistischen Bundesamt suchen über zwei Drittel der deutschen Bevölkerung ab zehn Jahren zunächst im Internet nach Antworten auf ihre Beschwerden, bevor sie einen Arzt konsultieren. Das Problem: Googelt man Symptome wie beispielsweise einen Ausschlag, spuckt die Suchmaschine nicht selten echte Horrordiagnosen aus – von Neurodermitis bis hin zu Hautkrebs. Das kann zu großer Verunsicherung führen: 65 Prozent der Deutschen geben an, dass es bei medizinischen Fragen schwer ist, vertrauenswürdige Quellen im Internet zu erkennen. Das ergab eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung.

Symptomrecherche ist nicht grundsätzlich schlecht

Trotzdem sehen die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung darin keinen Grund, um die Symptomrecherche via Google und Co. zu verteufeln. „Uns liegen keine Zahlen vor, die belegen, dass das Internet für mehr Krankschreibungen verantwortlich ist. Dass es sogenannte Internethypochonder gibt, dazu gibt es inzwischen recht verlässliche Daten. Das hat aber vermutlich weniger mit dem Googeln akuter Symptome zu tun, sondern mit einer allgemein intensiven Befassung mit Gesundheitsinformationen im Internet und der übersteigerten Bewertung ungünstiger (meist seltener) Diagnosen“, erklärt Corinna Schaefer, die als stellvertretende Leiterin des ÄZQ, einem gemeinsamen Institut der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, tätig ist, im Interview mit t3n. Das sei aber nicht die Regel. „Allgemein ist es ein verständlicher Wunsch, die Dringlichkeit von Beschwerden zunächst einordnen zu wollen, um zu entscheiden, ob man damit in die Arztpraxis geht oder nicht.“

Und tatsächlich trägt die eigenständige Internetsuche dazu bei, dass nicht nur die eigenen Symptome sondern auch der Befund der Ärzte häufiger hinterfragt wird: Zwar ergab eine Untersuchung des Zentrums für Allgemeinmedizin und Geriatrie der Uni Mainz, dass bei rund 45 Prozent der Befragten eine zusätzliche Verwirrung durch die Netzrecherche entstand, doch 60 Prozent sagten auch, dadurch kritischer gegenüber der Meinung ihres Arztes eingestellt zu sein. Die Hälfte der Umfrageteilnehmer gab außerdem an, jetzt mehr Fragen zu stellen, als es ohne vorangehende Suche der Fall gewesen wäre. Das bestätigt auch eine im Auftrag von Google durchgeführte Studie von Kantar TNS: Hierbei kam heraus, dass sechs von zehn Befragten im Internet googeln, bevor sie sich für den Kauf eines bestimmten rezeptfreien Arzneimittels entscheiden. Grund für die Online-Recherche war bei 22 Prozent das Interesse an alternativen Behandlungsmethoden. 15 Prozent wollten außerdem selbst mehr über ihre Krankheit verstehen und 10 Prozent suchten nach Erfahrungsberichten von Menschen mit derselben Diagnose.

Der Gott in Weiß ist nicht mehr allmächtig

Der Gott in Weiß ist also nicht mehr so allmächtig, wie er es einmal war. Anstatt blind auf die Meinung eines Einzelnen zu vertrauen, suchen Patienten lieber selbstständig nach Alternativen, die es ebenso zu berücksichtigen gilt. In Zeiten von akutem Fachkräftemangel – vor allem im medizinischen Bereich – sind das vielleicht sogar Entwicklungen, die unterstützt werden sollten. Weniger gesundheitliche Lappalien wie Schnupfen und Co. und mehr Zeit für echte Notfälle. Dass bei Husten, Halsschmerzen und einer laufenden Nase auch klassische Hausmittelchen oder ein rezeptfreies Medikament helfen können, weiß Dr. Google nämlich auch. Trotzdem: „Um einzelne Symptome richtig einzuordnen und bestimmte Ursachen dafür auszuschließen oder einen Verdacht zu erhärten, braucht es in der Regel eine Zusammenschau vieler weiterer Hinweise und Merkmale, die einem Laien nicht unbedingt in den Sinn kommen”, merkt Corinna Schaefer an.

Wer seine Symptome online checken will, dem legt sie ans Herz, dies erst nach der konkreten Diagnose eines Arztes zu tun. Ansonsten kann es schnell zu unnötigen Verwirrungen kommen. Außerdem wichtig: das Nutzen vertrauenswürdiger Websites, die nach hohen Standards arbeiten, so beispielsweise www.patienten-information.de, www.gesundheitsinformation.de oder www.wissenwaswirkt.org. Und: Inzwischen gibt es immer mehr Online-Dienste, bei denen echte Ärzte ihre Beratung auf digitalem Wege anbieten. Das spart nicht nur für den Patienten den Weg in eine reale Praxis, sondern hilft auch den Ärzten dabei, maximal effizient arbeiten zu können. Einer Bitkom-Umfrage zufolge stimmen dem viele Ärzte zu: Unter den befragten Medizinern gaben 69 Prozent an, die Digitalisierung als Chance zu sehen – beim Nachwuchs, den 20- bis 29-Jährigen, sagten dies sogar mehr als neun von zehn der Umfrageteilnehmer. Über ein Viertel gab außerdem an, dass die Online-Sprechstunde dem Arzt mehr Flexibilität erlaube. 29 Prozent betonten außerdem den Wegfall der Wartezeit in der Praxis als großen Vorteil, 44 Prozent nannten darüber hinaus die entfallenden Zeit- und Kostenfaktoren für die Anfahrt, die gerade auf dem Land nicht zu unterschätzen sind. Für den Besuch bei einem kundigen Facharzt muss man hier schon mal einen Weg von vierzig Kilometern oder mehr auf sich nehmen. Bei Online-Anbietern wie Docdirect oder Teleclinic fällt das weg. Hier kann die Sprechstunde per Video-Chat durchgeführt werden – direkt über Laptop, Smartphone oder Tablet.

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