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Interview

„Gute Teamarbeit ist ein bisschen wie Jazz“: Diese Tipps vom Business-Coach für gute Zusammenarbeit bringen dein Team weiter

Die Teamarbeit hat sich in den letzten Jahren einiges an Bedeutung in der Arbeitswelt gewonnen. Ob digitale Teams oder jene, die gemeinsam im Büro sitzen: Ab und zu gibt es auch Hürden, die gemeistert werden müssen. Wie Teamarbeit gelingt und Konflikte gelöst werden können, erklärt Personal- und Business-Coach Christine Paulus im Interview

t3n.de: Inwieweit hat Teamarbeit in den letzten Jahrzehnten in der Arbeitswelt an Bedeutung gewonnen?

Christine Paulus: Die ersten Gruppen entstanden bei der Arbeit am Fließband. Später entwickelten sich die so genannten teilautonomen Arbeitsgruppen. Als moderne Arbeitsform in Produktion, Verwaltung, Dienstleistung oder auch der Wissenschaft ist Teamarbeit heute nicht mehr wegzudenken. Besonders spannend finde ich digitale Teams, die vornehmlich im virtuellen Raum zusammenarbeiten.

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Mehr über gute Teamarbeit erfahrt ihr auch im brandneuen t3n Magazin Nr. 44. Darin geht es unter anderem um die Formel für das perfekte Team: Kriterien für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

t3n.de: Fehlt dabei nicht der persönliche Kontakt?

Paulus: Der direkte persönliche Austausch ist minimiert. Doch das Gespräch von Angesicht zu Angesicht ist nicht für alle Ziele und Aufgaben das beste Medium. Deshalb sind hohe Medien- und Kommunikationskompetenzen für verteilte Team-Mitglieder unabdingbar. Von Fall zu Fall ist zu klären, wann und wie ich angemessen kommuniziere, ob via Instant Messaging, E-Mail, Telefon, einer kollaborativen Plattform oder beim persönlichen Treffen.

t3n.de: Warum ist Teamarbeit so wichtig?

Paulus: Arbeiten im Team ist eine Antwort auf die heutige Komplexität und Dynamik. Teams haben die flexible Art und Weise, damit agieren zu können. Gleichzeitig befriedigt Teamarbeit den Wunsch nach Selbstorganisation und Selbstverwirklichung heutiger Arbeitnehmer. Insbesondere wenn kreative Lösungen gesucht sind, ist oft auch Teamarbeit gefragt.

t3n.de: Worauf sollte ein Unternehmen bei der Zusammenstellung von Teams achten?

Zu langes Sitzen schadet der Gesundheit erheblich. Doch wie lässt sich im Büro gesünder arbeiten? (Foto: Shutterstock)
Heterogenität ist laut Christine Paulus wichtig für jedes Team. (Foto: Shutterstock)

Paulus: Unbedingt auf Heterogenität statt Homogenität. Gerade wenn sowohl innovatives Denken als auch intellektuelles Auseinandersetzen mit einer Aufgabenstellung gefordert ist. Die Team-Mitglieder sollten bei gewissen Überschneidungen möglichst diverse Kompetenzen haben. Unterschiedliche Arbeitsweisen können zwar für Konflikte und andere Gruppenverluste sorgen – im Gegenzug jedoch Synergien schaffen.

t3n.de: Welche Voraussetzungen braucht Teamarbeit, um erfolgreich zu sein?

Paulus: Wichtig ist, dass Wertschätzung, Kooperation und Augenhöhe keine Worthülsen im Leitbild eines Unternehmens, sondern gelebte Realität sind. Kommunikation, Beziehungen, Strukturen und Prozesse sind im Kontext des Unternehmens zu verstehen. Die Kultur im Team ist immer Teil der Kultur in der Gesamtorganisation. Somit kann die Unternehmensführung die Kultur im Team beeinflussen.

t3n.de: Manche Menschen arbeiten lieber alleine als in einer Gemeinschaft. Wie schafft man es, solche Persönlichkeiten ins Team zu integrieren?

„Jemand, der gerne alleine arbeitet, widerspricht nicht der Teamarbeit an sich.“

Paulus: Jemand, der gerne alleine arbeitet, widerspricht nicht der Teamarbeit an sich. Das direkte Arbeiten und Kommunizieren mit mehreren Menschen ist ihm unbehaglich und zieht ihm oftmals schlicht Energie. Es erscheint ihm laut und unstrukturiert. Hilfreich ist es dann, wenn er den Kontakt selber steuern kann und nicht ständig zum Reden aufgefordert wird.

t3n.de: Und wenn seine Meinung gefragt ist?

Paulus: Die anderen Team-Mitglieder sollten ihm genügend Zeit zum Nachdenken geben. Zum Beispiel die Agenda schon eine Weile vor dem Meeting per E-Mail schicken, damit er seine Gedanken ordnen und formulieren kann. Oft sind Menschen, die gerne für sich arbeiten, sehr gute Zuhörer und hervorragend in schriftlicher Kommunikation. Er oder sie wird sich schon melden, wenn es etwas Wichtiges zu sagen gibt.

t3n.de: Gibt es eine bestimmte Formel zur Verbesserung des Zusammenspiels der einzelnen Teammitglieder?

Paulus: Die Kurzformel könnte lauten: Klarheit, Kultur, Konflikte und Raum für Reflexion. Das Team muss sich gemeinsam Klarheit darüber verschaffen, was Teamerfolg konkret bedeutet und welche Ziele damit verbunden sind. Die Rollen der einzelnen Team-Mitglieder müssen klar sein, und es muss ein gemeinsames Verständnis der Zusammenarbeit bestehen.

t3n.de: Was genau bedeutet Raum für Reflexion?

Paulus: Es meint die Möglichkeit über die eigene Tätigkeit und Prozesse, das Selbstverständnis als Team sowie den Sinn und Wert der einzelnen und gemeinsamen Beiträge zu reflektieren. Dafür benötigt das Team den passenden Rahmen und die zeitlichen Ressourcen.

t3n.de: Wie sieht das konkret aus?

Paulus: Im beruflichen Alltag zum Beispiel durch kontinuierliche Treffen zwischen einzelnen Personen oder dem gesamten Team. Einmal wie ein Adler von oben drauf gucken: Was mache ich gerade? Wie geht es mir damit? Was läuft gut? Was können wir verbessern? Welche Aufgaben und Ziele streben wir an?

Ich erlebe häufig, dass das Innehalten und Analysieren wenig geschätzt wird, weil in dieser Arbeitszeit nicht produktiv gearbeitet würde. Das ist aber sehr wichtig. Aus meiner Sicht ist Raum für Reflexion ein entscheidender Schlüssel erfolgreicher Teams.

t3n.de: Aber selbst in erfolgreichen Teams läuft es nicht immer harmonisch ab.

„Es muss nicht immer harmonisch ablaufen – Konflikte auf Sachebene sind notwendig.“

Paulus: Das muss es auch gar nicht. Konflikte auf der Sachebene sind sogar notwendig und erwünscht, um gute Ergebnisse zu erzielen. Schwieriger sind die Konflikte auf der Beziehungsebene. Doch auch hier sind Konflikte gruppendynamische Prozesse, die notwendig sind. Meist ist es sinnvoll, sie bewusst zum Ausdruck zu bringen, denn Harmonie ist oft Vermeidung.

t3n.de: Welche Rolle nimmt die Teamleitung in einer Gruppe ein?

Paulus: Die Rolle der Teamleitung ist vielfältig. Zum einen übernimmt sie die Rolle des Managers: Sie vereinbart Ziele, koordiniert und organisiert Prozesse. Zum anderen ist sie bei fachlichen Fragen oder Fragen auf der Beziehungsebene der Berater des Teams. Des Weiteren ist sie der Moderator von Team- und Konfliktgesprächen. Zu guter Letzt wirkt die Teamleitung als Repräsentant des Teams gegenüber externen Personen, anderen Teams und auch der Organisation gegenüber, in der es eingebettet ist.

t3n.de: Ein vielseitiger und anspruchsvoller Job.

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Paulus: Allerdings. Die Unternehmen sollten gut darauf achten, wer das Potential für eine Führungsposition hat – und wer nicht. Die Leitung benötigt entsprechend der vielfältigen Rolle auch vielfältige Kompetenzen. In Anlehnung an den Kompetenzbegriff von John Erpenbeck sind dies neben der Fach- und Methodenkompetenz insbesondere die persönlichen und sozial-kommunikativen Kompetenzen. Hinzu gesellen sich die Aktivitäts- und Handlungskompetenzen. Das ist wichtig, denn der Mehrwert einer Teamleitung ist gering, wenn sie zwar methodisch sichere Lösungen findet, aber nicht fähig ist, sein Team für die Umsetzung zu begeistern.

t3n.de: Und wenn ein Teamleiter die Anforderungen nicht erfüllt?

„Teamarbeit wird mehr und mehr wie das Musizieren in einer Jazz-Combo.“

Paulus: Im Wandel der Arbeitswelt liegt eine große Chance für die Leitung von Teams. Zwar wird die Rolle des Teamleiters bleiben. Doch meiner Beobachtung nach wird diese Rolle vermehrt von wechselnden Personen im Team übernommen oder sogar auf mehrere Personen aufgeteilt. Teamarbeit wird mehr und mehr wie das Musizieren in einer Jazz-Combo: Die Zuständigkeiten sind klar, doch der Hut der Verantwortung wandert, je nach aktueller Anforderung und Kontext.

t3n.de: Was rätst du einem Mitarbeiter, der sich in einem Team unwohl fühlt und dadurch nicht seine volle Leistung bringen kann?

Paulus: Zunächst würde ich ihn einladen, sich Folgendes zu vergegenwärtigen: Der Mensch ist Meister darin, Hypothesen zu bilden – über die Situation im Team und andere Team-Mitglieder. Hypothesen sind niemals Realität selbst, sondern subjektive Interpretationen dessen. Diese fußen auf persönlichen, häufig verzerrten Überzeugungen. Es könnte sein, dass eine felsenfeste Überzeugung für sein Unwohlsein verantwortlich ist. Es lohnt sich, das zu prüfen.

t3n.de: Und wie?

Paulus: Angenommen, er fühlt sich unwohl gegenüber einem bestimmten Team-Mitglied. Dann kann er sich seine Annahmen bewusst machen: Welche Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen habe ich gegenüber der Person? Was will ich stattdessen denken, fühlen und empfinden? Was steht auf dem Spiel, wenn alles so bleibt? Was wäre möglich, wenn ich das löse? Was würde ich am liebsten sagen oder machen? Worum geht es mir dabei? Das sollte er schriftlich festhalten.

t3n.de: Du rätst also dazu, zunächst in sich zu gehen, bevor man es anspricht.

Paulus: Richtig. Es geht sogar noch weiter. Im nächsten Schritt sollte er sich vorstellen, wie es wäre, wenn er das Aufgeschriebene wirklich sagen oder machen würde. Dann folgt die eigentliche Herausforderung, nämlich die Perspektive zu wechseln: Wie sieht die Situation aus Sicht meines Gegenübers aus? Das sind alles mentale Schritte zur persönlichen Klärung. Anschließend kann der Mitarbeiter das Gespräch mit dem Kollegen oder der Kollegin suchen und herausfinden, wie der andere es tatsächlich erlebt.

t3n.de: Was kann ein Unternehmen tun, wenn die Situation in einem Team total festgefahren ist, das Ergebnis gefährdet ist und die einzelnen Personen nicht mehr miteinander arbeiten können oder wollen?

Paulus: In so einer angespannten Situation ist viel Energie innerhalb des Teams. Die Teamleitung hat dann die Aufgabe, diese Energie wieder zielführend zu steuern. Dazu interviewt sie die einzelnen Teammitglieder zu ihren persönlichen Bedürfnissen: Was ist wichtig und warum? Auf dieser Grundlage gilt es für alle Team-Mitglieder möglichst viele Optionen für gegenseitigen Nutzen zu generieren. Das können zum Beispiel strukturelle Veränderungen sein. Anschließend werden die Lösungen nach objektiven Kriterien beurteilt.

t3n.de: Das klingt einfach. Ist es aber nicht – oder?

Paulus: Manchmal klappt es. Häufig ist es jedoch sinnvoll, einen externen Prozessberater hinzuzuziehen. Er hat keine Entscheidungskompetenz und durch die professionelle Rolle eine neutrale Position. Je nach Situation nutzt man ein Workshopformat, Organisationsaufstellung oder Konfliktmoderation. So kann gemeinsam mit den Team-Mitgliedern eine integrative Lösung erarbeitet werden. Solch einen konkreten Teamkonflikt zu lösen wird von den Teilnehmern meist wie ein klärendes Gewitter empfunden, das den Blick frei macht zu mehr Leistung, Produktivität und Freude.

Zur Person:

Christine Paulus Coaching Go_ttingenDie Psychologin Christine Paulus (M. Sc.) ist wissenschaftliche Projektmitarbeiterin der PFH Private Hochschule Göttingen für das Fernstudium Psychologie und Wirtschaftspsychologie. Daneben ist sie als Personal- und Business-Coach tätig. Für die Management & Technologie Akademie bietet sie Trainings zu personalpsychologischen Themen wie Führung und Teamentwicklung an.

Interview:

Lukas große Klönne ist Head of Marketing bei The unbelievable Machine Company (*um) und ehemaliger Redaktionsleiter bei der Jobbörse Absolventa.

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2 Reaktionen
zitrone

In der modernen Welt wird auf die Teamarbeit viel Wert gelegt. Bei meiner Firma werden regelmäßig Teambuilding-Maßnahmen durchgeführt.

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Bootsmann

Schon lange nicht mehr so wenig Inhalt in so viel Text gelesen! Ist ja alles ganz nette Theorie, aber in der Praxis nicht umzusetzen.
Liebe Frau Paulus, Sie haben selbst noch nie in einem Unternehmen gearbeitet, richtig??

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