Analyse

4 beeindruckende Konzepte für den Handel der Zukunft

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Dezentral statt zentral: Handel der Zukunft ist näher beim Kunden statt in der Innenstadt

Eine Trendwende ist hier besonders bei Bedarfsartikeln zu sehen, auch in deutschen Städten achten die Supermarkt-Ketten darauf, immer mehr in die Wohngegenden zu kommen. Wer in die Innenstadt geht, will eher „Erlebniseinkaufen“, Shopping eben. Gerade im städtischen Bereich ist der gigantische Supermarkt auf der grünen Wiese längst nicht mehr die dominierende Geschäftsform. Aber wohin geht die Reise? Zwei spannende Antworten auf diese Frage bietet Auchan Minute, ein Konzept aus Frankreich, und ein Konzept, das wir direkt in Seattle ausprobiert haben: der Amazon Treasure Truck.

Auchan Minute: Der Supermarkt im Schiffscontainer

Handel der Zukunft (Foto: Auchan)

Der französische Konzern Auchan Retail eröffnet in China bis zum Ende des Jahres Hunderte Miniatur-Supermärkte in Schiffscontainern. Der erste Store hat diesen Monat in Shanghai eröffnet, nachdem die Testphase im Sommer diesen Jahres abgeschlossen wurde.

(Foto: Auchan)

Ein komplett digitaler Mini-Markt ohne Personal auf 18 Quadratmetern, mit rund 500 Produkten des täglichen Bedarfs in der Auswahl. Auchan-Kunden öffnen die Tür mit einem QR-Code aus ihrer App, scannen an der Kasse selbst ihre Produkte und bezahlen ihren Einkauf direkt auf ihrem Handy mit Alipay oder Wechat Pay.

Das digitale Konzept ist nicht das einzig Innovative an dieser Lösung: Der transportable Supermarkt kann theoretisch überall platziert werden. Auf Parkplätzen, an Straßenecken oder in Vorgärten. Eine simple Lösung für das Problem, nach Bauflächen oder Ladenflächen in Wohngebieten suchen zu müssen.

Der Konzern, an dem seit Kurzem auch Alibaba beteiligt ist, möchte so Kunden auf dem Heimweg in direkter Nähe zu ihren Wohnungen erreichen.

Amazon Treasure Truck

(Foto: Jochen G. Fuchs)

Der Amazon Treasure Truck ist eine rollende Verkaufsshow, ein kleiner Lastwagen, der an festgelegten Stopps exklusive Angebote verkauft, die nur in diesem Truck erhältlich sind. An einer Station angelangt, verbreiten Truck und Mitarbeiter Jahrmarkt-Atmosphäre und ziehen so die Aufmerksamkeit von Passanten auf sich.

Verkauft werden unterschiedliche Produkte, die aber grundsätzlich begehrenswert sein müssen. Bei unserem Besuch wurden High-End-Rippchen vom Schwein aus biologischer Züchtung für 15,50 US-Dollar verkauft. Hochpreisigere Produkte sind auch erhältlich, wie beispielsweise eine Gopro-Kamera.

Kunde und Amazon-Mitarbeiter beim Glücksspiel um ein Treasure-Truck-Goodie. (Foto: Jochen G. Fuchs)

Amazon fährt hier in der Regel vier Stopps an und möchte den Kunden in unterschiedlichen Situationen Berührungspunkte bieten: In Wohngegenden, in Arbeitsgegenden und in Arealen, in denen Kunden ihre Freizeit verbringen.

Auch wenn Amazon hier eine ähnliche Strategie fährt wie Auchan, das seine Waren möglichst nahe zum Kunden bringt, unterscheidet sich das Konzept doch stark. Auchan unterhält wirtschaftlich potenziell tragfähige Mini-Filialen. Der Treasure-Truck betreibt einen viel höheren Aufwand und wird anhand seiner Ladekapazitäten nicht immer kostendeckend arbeiten können. Während wir vor Ort waren, sind an einem Stopp innerhalb von 90 Minuten rund 30 bis 40 Verkäufe ausgehändigt worden.

Amazon ist es hier viel wichtiger, den Touchpoint emotional aufzuladen – und vor Ort mit Menschen in Berührung zu kommen. Das sprichwörtliche Einkaufserlebnis wird hier geboten: Kunden spielen mit Mitarbeitern thematisch zum Produkt passende Spiele, um Goodies oder Ergänzungsprodukte zu gewinnen, Stars und Sternchen präsentieren Produkte und Aktionen. Da steht dann schon einmal eine Familie mit dem kleinen Sohn vor dem Laster, der ganz aufgeregt ist, weil er sich den ganzen Tag auf den Treasure Truck gefreut hat. Unbezahlbare Ergebnisse für ein Handelsunternehmen.

Die Reise unseres Autors zur Dreamforce nach San Francisco erfolgte auf Einladung von Salesforce, die Reise nach Seattle auf Einladung von Amazon. Einfluss auf die Berichterstattung hat das nicht.

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